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Die neue Welt · 1928-10-26 · Heft 58 (26.10.1928) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 58 (26.10.1928)
Date
1928-10-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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/" Nr. 58 DIB NEUE WELT Seite 7 berichtet, Ozet und Agrojoint beschlossen haben, 300 tar* tarische Familien auf ihre Rechnung zu kolonisieren, was 150.000 Rubel ausmacht, d. h. 30 Prozent des Betrages, der für die jüdische Gesamtkoloni9ation innerhalb fünf Jahren veranschlagt wurde! Jetzt ist es klar geworden, daß dies reinstes russisches Sta atsinteresse bedeutet und absolut kein jüdisches! Ein sonderbares Bild von der philanthropischen Haltung der Sowjetmachthaber: Solange di« Tore Amerikas nach Schluß des Weltkrieges offen waren, wurde die Emigration als Landesverrat gebrandmarkt. Jetzt, da die Emigration von Rußland aus zum Teil bereits möglich ist, preßt die Regierung den armen Emigranten 200 Rubel, einen für die russisch-jüdisshen Kleinbürger phantastischen Betrag, für einen Paß ab. So ist der Jude dort an das; „sowjetrussische Paradies" gefesselt, und die Regierung sorgt für ihn: der Kulak, der Boden besitzt, Vieh, Haus-, Stall, wird Proletarier genannt. Der arme jüdische Handwerker, der eine Nähmaschine sein Eigentum nennt, heißt „Bourgeois". Die arme Jüdin, die Obst auf dem Markt verkauft, ist „Spekulantin". So ist ein ganzes Volk unter Ausnahmezustand gesetzt, brotlos und rechtlos gemacht werden. Wie kann man einer Regierung glauben, daß sie Juden kolonisieren will, wenn sie die besten kollektivistischen Siedlungen auflöst, nur deshalb, weil sie es wagten, ihre schwer verdienten Arbeitergroschen ihren arbeitslosen Brüdern nach Palästina zu schicken? Während die zionistische Jugend in den Gefängnissen und Eistundren Sibiriens! zugrundegeht, schleppt man deren Väter und Mütter hinaus in die Sümpfe des Amur. Eine geniale Lösung der Judenfrage. Noch einmal in unserer Geschichte müssen wir Sklavenarbeit tun, diesmal für den roten Pharao, dem wir Kanonenfutter für die Fernorientpolitik an der Amurfront abgeben, um beim welthistorischen Konflikt von „Freunden" und Feinden zerrieben zu werden. Wie seinerzeit im Konflikt zwischen Polen und Sowjetrußland der judenreiche Distrikt Von Pinsk der Prellstein, so soll in naher Zukunft der jüdische Krämer für die imperialistische Sowjetpolitik die Wacht am Amur bilden. Es' ist noch niemals so klar geworden wie im Fall Birbidschan, daß es sich nicht um einen Staat für' die Juden, sondern um Juden für einen Staat handeift M er esc hin, der Initiator und Propagator der innerrussisch-jüdischen Kolonisationspolitik, erklärte selbst, daß die Juden dorthin werden gehen müssen, und man kann sich auf seine Zutreiber- und Sklavenhalter verlassen. Diese Anpeitscher verlangen ja schon, daß jeder, der das „Konzentrationslager am Amur" verläßt, als wahre Verbrecher betrachtet und als solcher bestraft werde, also eine neue Auflage der klassischen Aegyptenperiode in unserer Geschichte, eine wahre Verbrecherkolonie, wohin eines einzigen Verbrechens wegen verschickt wird, des Verbrechens — Jude zu sein. Der jüdische Golus — verlängert um neuntausend Meilen! Das ist die faktische Gleichberechtigung, das ist die Würze der jüdischen Autonomie. Dazu noch die erwähnte Mitkolonisierung von 300 tartarischen Familien, so daß die amerikanischen Juden von jedem Ihrer gespendeten Dollar ein Drittel als Zehent für das Tar- , tarentum hergeben! Alle diese Probleme bleiben starr. Wer fragt ans* «ad wer fragt Sowjetrußland, wenn es mit dem erschöpften russischen Märtyrerjudentum experimentiert? Solange das irussische Judentum stumm bleiben muß, hat das Weltjudentum ein gewichtiges Wort in die Wagschale zu werfen, seine Warnung, seinen Protest: Hände weg! An der Amurfront, wo nicht, schön einmal und erst vor kurzer Zeit sich das blutige Ringen zwischen Rußland, Japan und China abgespielt hat, sollen wir ein Jüdisches Heim bauen, damit wir beim leisesten Zusammenstoß verbrarmt und gekreuzigt werden? Eine jüdische Siedlung an der Amuirtfront heißt jüdische Regimenter für die erste Feuerlinie, Kanonenfutter für ein Weltimperiuro! Für die jüdischen Kriegstoten in Frankreich. Ans Paris, 16. Oktober, meldet J. T. A.: In der Großen Synagoge „Victoire" wurde zum Gedächtnis der im Kriege gefoHenen jüdischen Offiziere, Soldaten und Matrosen ein Gottesdienst abgehalten. Die Synagoge war von Eltern und anderen Angehörigen der Gefallenen, die än Trauerkleidung erschienen waren, dicht gefüjlt. Der Präsident der Republik hat einen Vertreter entsandt. Die Zeremonien leitete Rabbiner Mathieu Wolf, der in seiner Predigt darauf hinwies, daß die Juden ihre Dankesschuld an Frankreich, das ihnen als erstes L&nd Gleichberechtigung gewährte, zahlten and stets weiter zu zahlen bereit sem werden. Niederbrennung einer Synagoge in Bessarablen. 4 . . Vor einiger Zeit drangen antisemitische Banditen iu die Synagoge des bessarabischen Städtchens Tschit s c h m e 1 a, Kreis Ismail, während der Andacht ein, mißhandelten die Andächtigen und zerstörten die Innen* einrlohtwig. In der Nacht zum 8. Oktober veranstalteten dieselben Leute einen zweiten UeberfaH auf die Synagoge und steckten die Thora-Lade in Brand» fttnf Thorarollen und viele andere Gegenstände verbrannten. Der Gesamtschaden betrifft mehr als eine Million Lei. Der Lande.srabbiner von Bessarabien J. L. Zirelsohn sandte ein Protesttelegramm an den Minister des Innern nach Bukarest und forderte die Ergreifung schneller Maßnahmen gegen die übermütig gewordenen Verbrecher. Der Landesrabbiner von Altrurnänien, Dr. Ntemirowcr und der Präsident der Union rumänischer Juden, Abg. Dr. Fild ermann, intervenierten bei der Zentralisierung und forderten strenge Bestrafung der Schuldigen. Auf Grund des Berichtes einer Untersuchungskommission «hat das Innenministerium beschlossen, den Chef der Ortsgendarmerie vor ein Militärgericht zur Aburteilung zu stellen und mehrere Beamte, u. a. den Unterpräfektön und den Sekretär des Magistrates, von ihren Aemtem zu entheben. Die Kosten des Wiederaufbaues der Synagoge und der Wiederanschaffung der Thorarollen wird die Regierung tragen. Zwei Synagogen in Temesvar ausgeplündert. Einbrecher suchten in der Nacht zum 16. d. M. den jüdischen Tempel Temcsvars, sowie die Synagoge in der Josefstadt heim Und 'plünderten sie aus. Sämtliche Synagogensohätzc, die in den Thoraschränken und in dem Almemor eingeschlossen waren, die Talare der Rabbiner und die Spendenbflchsen wurden weggenommen. Der Gesamtschaden beträgt mehr afls eine Viertelmillion Lei. Die Verbrecher hinterließen Zettel, auf denen geschrieben stand: „Störet nicht die Arbeit der „Schwarzen Hand", sonst wird es Buch allen sehr schlecht ergehen I" Der Polizei gelang es bis jetzt natürlich nicht, eine Spur von den Tätern zu finden. Mandat und Wahrheit. In der „Frankfurter Zeitung" unterzieht Bernard Shaw die Beratungen der letzten Völkerbimdsession, denen er als Zuhörer gefolgt -ist, einer Betrachtung, der die folgende Stelle entnommen sei: Ein Beispiel soll die Frage beantworten: „Was tun alle diese Leute außer behaupten, daß der Völkerbund den Krieg verhindern kann?" Nehmen wir den Fall der Mandate. Die Mächte haben nicht nur die eigenen Gebiete zu beherrschen, sondern auch Länder, die so lange unter Kohie*Hüttenkoks OBER3CHLESISCH. ANTHRACIT ENGLISCH UND WESTPHKLBSCH Qualitätssorten - Billigst BÄSCH» IV. Argentln erstr. 32 TefeBh U"4«-4°3 Teiepn. y»41-237 Rabattsekdon des KEREN-BCAJEMETH ihre Vormundschaft gestellt werden, bis sie imstande sind, sich selbst zu regieren. Setzen wir den Fall, Ruritanieni hätte ein Mandat bekommen, Liliput zu dessen Wohl provisorisch zu regieren. Ruritanien, ahnungslos und unbekümmert von dem Sinn eines Mandats, sieht nichts als die :Chance, sein Gebiet zu ..erweitern, packt begierig! zu und legt in Liliput los mit der Ausübung aller unverantwortlichen Wirksamkeit und Gewalt des Eroberers, ohne Rücksicht'auf die Wünsche der Eingeborenen. Das geht so lange, bis der Vertreter von Ruritanien aufgefordert wird, einen Bericht über Ruritaniens Regierungskünste. zu geben. Der Vertreter hat einen natürlichen Impuls, hochmütig zu sagen: „Fraget nicht, so werdet ihr nicht belogen! werden!", aber er findet, daß das nicht in der Ordnung ist, denn ein Mandat ist schließlich ein Mandat. Unfähig, Antworten zu geben, die zugleich befriedigend und wahrheitsgemäß wären, tut er, was jeder Gentleman für den Kredit seines Landes tut: er lügt wie gedruckt. Aber da er ein. Gentleman ist, macht es ihm kein Vergnügeni die Fassade zu wahren. Wenn er nach Ruritanien zurückkehrt, fragt er ärgerlich, was den A e m t e r n> in deren Namen er zu antworten habe, bloß einfiele, daß sie ihn so in die Klemme brächten, und er besteht darauf, daß das nicht wieder vorkommen dürfe. Doch anders ist es nicht möglich, wenn . Liliput auf das Niveau eines Mandats gebracht werden soll. Es mag sein, daß das nicht sofort möglich ist; aber jedenfalls wird genug getan, damit der Völkerbund vor einer vernünftigen Oeffentlichkeit unwahre Ausflüchte zurückweisen kann. Ohne den Völkerbund würde überhaupt nichts geleistet werden. Denket an den Winter! und decket euren Kohlenbedarf schon jetet bei der bestrenommierten Finna Julius Haber, Wien, II., Taborstraße 9. (Siehe amch Inserat, Seite 12.) E. Cafe Reklame Catener; Jakob Goldfle$ Wien, II,, Prater»tra$e Nr, 34 anschließend die „jüdischen KUnstlerspieie" / Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preisen / Rummy- Spieltische , Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft Das elektrische Radio-Wunder „sigmaphon" Ohne Batterien, ohne Akkumulator, mit J} eingebautem, wirklich klangreinem Lairt-; spreeher. Einfachste Bedienung. S310.—. Auf Wun«*h Teilzahlungen. Alleinverkauf und Vorführung nur RADIO-ZENTRALE, Wien, VII. Mariahilf erstr.86, Tel. B-3MD2 Der Misrachi und die Kultuswahlen. Sonntag den 21. d., vormittags, fand über Einladung1 der Misrachi-Organisation in Wien eine sehr zahlreich besuchte Vertrauensmännerversammiung statt. Nach Eröffnung durch Herrn I. S. Retter referierte Herr M- Gro ß ausführlich über die Ziele und das Programm der von der Misrachi-Organisation aufzustellenden religiösen Liste. Et schilderte eingehend die Mängel der bisherigen Kultusgemeindeverwaltung, insbesondere auf religiösem Gebiet, auf dem Gebiet der jüdischen Erziehung und der sozialen Fürsorge und hob hervor, was die Mandatare der auf? religiös-nationaler Basis stehenden Misrachi-Liste in allen diesen Belangen nachzutragen und zu erkämpfen haben werden. Hierauf erstattete Herr Kultus Vorsteher Viktor Bauminger seinen Tätigkeitsbericht. Er hob hervor, auf welche Schwierigkeiten er gestoßen ist und welche bedeutenden Mängel noch auszumerzen seien. Sein Tätigkeitsbericht wurde mit großem Beifall entgegengenommen. Nach mehreren zustimmenden Erklärungen seitens der Vertre'er verschiedener größerer Bethausvereine und führender Persönlichkeiten wurde ein Wahlkomitee, bestehend aus 150 Mitgliedern, gewählt. Die Bildung der Bezirkswahlkomitees wurde in Angriff genommen. Nach der auch! bei dieser imposanten Vertrauensmännerversammiung zurrt Ausdruck gekommenen Begeisterung aller Kreise des koif servativen Judentums in Wien, ist der Erfolg dieser ein? zigen, auf religiöser Basis stehenden Liste vorauszusehen. Wahlaufruf, Programm und Kandidatenliste werden in den allernächsten Tagen veröffentlicht werden* 1 Die Hausfrau wundert § |E '•'rUlIltCIIUtlUltlllUttllllllllllltUlUIlniltlllltllUIUIIlllHIIIIlllllltHltlllllElllllllllllllllltlllllllUliniH^' 1 sich und trägt: ss Warum ist die Heidegtütze (Heiden-Kascha) ein- ES ~ mal vorzüglich gut. das andere Mal minderwertig ss, ss und sehr schlecht?! ss | ANTWORT: Ü 55 Die Heide ist gut, wenn sie aus der Siadlaaer ss 'ss Mühle, sie ist schlecht, wenn sie aus dem Ausss ss lande kommt ss EE Verlanget daher nur Stadlauer Heide, =E ss lasset tiueh nicht täuschen und merket Euch: ss H STADLAUER HEIDE ss hat ein Aroma (Wohlgerucb) SS Ss STADLAUER HEIDE f§ Es hat eine spezitisch goldgelbe Fäffte SS ss STADLAUER HEIDE ff ss ist frei von schwarzem Einwarf SS H STADLAUER HEIDE ff ss ]st besonders schmackhaft und ausgiebig ss; ss Aufträge aus der Provinz werden prompt ausgeführt, SS; ss auch in Postpaketen ss Singer ES _ &Co.ss 5 Wien, II. Vereinsgasse 24 ss iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii E Alle jüdischen und hebräischen Volkslieder und kantoralen Gesänge der hervorragendsten Kantoren auf nebengeräuschlosen Schallplatten finden Sie in reich-* halti'gster Auswahl im Musikhaus „Excelsior". Inhaber Richard Herzog, Wien, I., Adlergasse 5, und IL, Kleine Pfarrgasse 28 (Tel. R-23-4-90). Sprechapparate aller Systeme und modernste Tanzschlager und Opernarien in jeder Preislage auf Lager, ebenso alle modernen Gesangs¬ und Tanzschlager. Für Sprechapparate auf Wunsch auch bequeme Teilzahlung. Provinzversand per Nachnahme. |ll(llll!HIIII!|llllllllllllllllllllllilllllill!üil!llii!llllllllllllllllll(lin ■ Verband radikaler Zionfsten 1 S Mittwoch, den 31. Oktober 1928 um halb 9 Uhr jjg abends findet im Klublokale Caf€ Atlashof, Wien, L, 55 H Aspernplatz, eine j~~ IS H statt ü H Gegenstand: Ü 35B SS |Die politische Lage der Juden! | in Oesterreich 1 H Referent: || jj Dr. Leopold Plaschkes 1 H Freie Aussprache |f illlliJlillllllllllllllllllllllllü^

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