Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 58 (26.10.1928)
- Date
- 1928-10-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS PALÄSTINA. WO-EinwsNRlererzertifikate für Palästina. Aus J c r u sa I e m, 22. Oktober, meldet die J. T. A.: Di>e Regierung hat 600 Einwandcr erzertifikate, darunter 100 für Frauen, f ii r j ü d i s c h e Einwanderer ausgegeben. Die Zertifikate selten für die nächsten sechs Mo* nate, wobei bemerkt wird, daß die männlichen Einwanderer das Recht haben, ihre Frauen und Kinder mit nach Palästina zu bringen. Das Ende der Kolonie Ruchama. In der ersten Woche des Oktober hat die Gruppe Hasehachar, die bisher in Ruchama arbeitete, nach Ablauf ihres Vertrages mit der APC die Kolonie verlassen. Die Böden der Kolonie werden von der APC an einen Privatmann verpachtet, und es ist nach dem „Dawar" kein Zweifel, daß er die Bearbeitung des Bodens durch arabische Arbeiter vornehmen lassen wird- Auch die letzte noch in Ruchama verbliebene jüdische Familie des Kaufmannes, der acht Jahre dort ansässig war, wird die Kolonie in Kürze verlassen, so daß mau von einem Untergang dieser Kolonie sprechen kann. Die palästinensische Regierung setzt den Etat iür N Tel-Awiw fest. Der Bezirksgouverneur des nördlichen Distriktes Palästinas übersandte dieser Tage, ohne sich mit der Stadtverwaltung in Verbindung zu setzen, und ohne die Beschlüsse der städtischen Vertreter Versammlung zu berücksichtigen, dem Magistrat von Tel-Awiw 'einen von ihm selbst für. die Stadt aufgestellten Etat. Der Etat der Regierung schließt -mit nur Pfd. 43.000 (statt Pfd. 60.000, die von der städtischen Vertreter Versammlung vorgesehen waren) ab und verkürzt in entsprechender Weise die einzelnen Posten des städtischen Etats. Von den Salzwerken in Atlith. Die Salzwerke „Hamelach" in Atlith, die auf eine fünfjährige Tätigkeit zurückblicken können, sind in der Lage, festzustelen, daß .das letzte Arbeitsjahr mit besonders befriedigenden Ergebnissen abschließt. Uie Produktion des Jahres 1928 ist bereits bisher um 50 Prozent höher als die des vergangenen Jahres. Im Monat Juli waren im Salzwerke „Hamelach" etwa 200 jüdische Arbeiter beschäftigt, im September etwa 180 Arbeiter aus Haifa, Sichron Jakob und Benjaminai Die Zahl der festbeschäftigten Arbeiter des Werkes beträgt 30. Außerdem sind das ganze Jahr liinditrch eine Reihe von Siedlern aas Atlith 'beim Transport des Salzes in die Salzmühlen und Speicher beschäftigt. . Chaja Rebekka widmet eine Thorarolle. Durch die Vorstadt Meah Schearim zieht ein langer Zug fröhlicher Menschen in Festesstimmung. Kinder, die im Zuge mitgehen, halten brennende Lichter in ihren kleinen Händen, stimmen Lieder an und stapfen mit ihren Füßen nach dem Takt der Musik, wobei sie dejii, Tanz der Großen im Festzuge nachzuahmen bemüht sind. Beim Schein des Mondes und der brennenden Kerzen überblickt man diese grofe Schar von Menschen aus den verschiedenen in Jerusalem lebenden Gemeinschaften und auch verschiedenen Alters: Jemeniten, Perser und andere schlössen sich gleichfalls dem Festzug an, tanzten und sangen im Chor mit. In der Mitte dieser großen, wallenden Versammlung wird mit einem Male der Trauhimmel, die Chuppah der Thorah, sichtbar.! Die Spenderin des neuen Sefer Thorah, dem die* ses Chuppahfest galt, war Chaja Rebekka. Zehn Jahre lang sparte sie sich den Bissen vom Munde ab, bis sie. die erforderliche Summe beisammen hatte, um ein Sefer Thorah schreiben zu lassen. Der Allmächtige hatte sie heimgesucht, sie ist eine „kinderlose Mutter" und da tat) sie, was auch andere Mütter nach alter Sitte tun. Unfruchtbare spenden ein Sefer Thoren für die Syngoge und tragen es unter der für die Brautleute bestimmte* Chuppah in das Heiligtum. Wem die Vorsehung nicht das Glück beschert hat, seinen Sohn oder seine Tochte^ zur Chuppah zu führen, führt die Thorah — die Verlobt« Israels — zur Chuppah. Chaja Rebekka war aber nicht unfruchtbar. Sie hatte Kinder geboren, aber keines hat „seine Jahre ausgelebt". Während sie nun jetzt im Kreise arter Frauen, ihrer Jugendgespielinnen, an der Seite der Chuppah schreitet, gedenkt sie des letzten ihrer Kinder, ihres Aroni Jossei, der ihr, zwei Wochen bevor er zur Chuppah gehen sollte, entrissen wurde. Eine Seuche schritt damals durch die Stadt und verschonte auch ihr Haus, ihren emzigeiri Söhn nicht, er wurde dahingerafft Vor der Chuppah der Thoraii schreitet eine soger nannte Kapelle, die aus Musikern von Mea-Scharim u|nd Umgebung zusammengesetzt ist. Die Kapelle ist sehr m Sensation! Sensation! Einzig in ihrer Art ist die Papiersäcke Reklame der Firma E. LORENZ, VII., KARL SCHWEIGHOFERG. 4 Si*he Mi* Telephon B-38-6-70 Biiiniiinniiimiiiniiiinmmm........mwumimiMiiiyMBBM—wmiWMiMiMiiim klein. Sie besteht aus einem Trompeter, einem Flötenr spieler und einem Paukenschläger, der auch gleichzeitig, einen Höllenlärm mit den Blechtasscn macht. Die Freundinnen der Chaja Rebekka gratulieren ihr mit lair,* tem „Masal tow", daß sie der Ewige das Glück habe erleben lassen, das Sefer Thorah zur Chuppah führen zu» können. Sit1 reden ihr Mut zu, bemühen sich, sie aufzuheitern, aber je lauter und fröhlicher die Musik spielty desto weher wird es ihr ums Herz. Es ist ihr, als ob ihr Sohn Aron Jossei leibhaftig vor ihr stünde. Er starb vor 15 Jahren siebzehnjährig. Wäre er noch am Leben, ginge er heute auf dieser Straße als Mann von 33 Jahren. Ach, wie war doch dieser Sohn von scharfem Geist! Sicher hat ihn das böse Auge geschlagen und der Tod nahm ihn weg. In der Jeschibah gehörte er zu dem ausgezeichnetsten Schülern. Und wie grenzenlos war doch ihre Freude an dem Tag, an dem er sich mit der Tochter des Inspektors des Rabbi Mosche Mendel verlobte! In solchen Gedanken versunken, schritt Chaje Rebekka vor sich hin, immerfort an ihren Unstern denkend. Wäre Aron Jossei heute noch unter den Lebenden, so hätte er binnen kurzem schon seinen Sohn zur Chuppah führen können. Anstatt dessen hat der liebe Gott einen seltsamen Rollenwechsel herbeigeführt, den sie in Ergebenheit aufnimmt, aber doch nicht ganz zu begreifen .vermag. Heute führt sie ein Sefer Thorah zur Chuppah. 1 Der Zug ist in dem festlich erleuchteten und geschmückten Tempel gelangt. Das Sefer Thorah wird zur Bundeslade getragen. Als die Lade geöffnet wurde, tfm das neue Sefer Thorah aufzunehmen, da vermochte Chaja Rebekka ihre Tränen nicht mehr zurückzupressen und ihrem gedrückten Herzen entrang sich bloß der Schmerzensruf: „O mein Aron Jossei!" . . . inium«»iimii«mtiiiui»ii«iini»ii»iiiiiniiwinuimmTOiminiiii»imuinnuiiiwwiinroiiiii»«>»iiiii; SIEGN. KORNMEHL 1 Wenn man rasiert sein will richtig, Ist ßarbasol dazu unbedingt wichtig. ÜBERALL ERHÄLTLICH. Palästinareise 5689. 13. März bis 9. April 1929. Die Voriber ei towtgen für die vom Verbände radikaler Zionisten, der Vereinigung demokratischer Zionistinnen gemeinsam mit dem Palästhie Touring Club Wien im kommenden Frühjahre unter der 'Devise „Purim in Tel- Awiw" veranstaltete erste Gesellschaftsreise nach Erez- Israel sind beendet. Die Veranstalter haben sich besonders darum bemüht, daß die T/eiinahime an dieser Reise mit nicht afett großen materiellen Opfern verbunden sein soll. Dies ist umso eher möglich, als keinerlei materieller Gewinn aais dieser' Reise gebogen wird. Der Preis beträgt ifür die gamze Reise von Wien—Wlien: bei Benützung der H. Schilfsklasse engl. Pr. 58 S 2000, der III. Sohiffeiklasse sipezial engl. Pf. 41 S 1400, ider HL Schiffsiklasse einfach engL Pf. 35 S 1200. Eisenbahnifahrten und Unterbringung in Ereiz-Israel und' Aegypten sind bei allen Preisikateg.orien die gleichen und Reisegepäck auf der Eisenbahn bis 30 Kilogramm, auf dem Dampfer 'bis 70 Kilogramm pro Person frei. Die Einzahlung kann in beliebigen Raten bis zum 31. Jänner 1929 erfolgen, doch empfiehlt es sich, die Anmeldung schon jetzt vorzunehmen und die Arnzahlüing zu leisten, damit die Reiseleitung die Möglichkeit hat, die besteh Kabinen auf dem Luxusdarnpfer „Ausonia" für ihre Teilnehmer zu belegen. Prospekte werden über Verlangen gratis vom Sekretariate der Reiseleitung (Frau Berta Taubes'),,. Wien, II., Böcklinstraße 92, zugesendet. Die Einzahlungen erfolgen auf idas Postsparkassenkonto der „Neuen Welte' und erhalten die Reflektanten die ■nötige Anzahl Posterlagscheine. Auskünfte werden auch auif telopihonischem Wege durch Frau Paula Stricker, Tel.-iNr. R-45-6-S9 und Frau Berta Taubes, Tel.-Nr. R-43-9-19 gerne erteilt. Das Herbarium des Agronomen Aaronson. Genf, 16. Oktober. (J. T. A.) Dr. Hefe Oppenheimer, ein Sohn Professor Franz Opperiheimers, der in dem weltberühmten Herbarium des Professors Boissier tätig ist, lia't die Einladung der Familie des verstorbenen palästinensischen Agronomen Aaron Aaronson, dessen Herbarium wissenschaftlich auszuwerten, angenommen. Es handelt sich um eine sehr reiche Sammlung, die in Palästina und den benachbarten Gebieten zusammengestellt würde und dieeinzig in ihrer Art sein soll. Dais.Aaronsonschc Herbarium ist in der Kolonie Siehrun Jäacob in Palästina untergebracht. Amerika schickt Schulkinder nach Palästina. Die Aktion der Zionistischen Organisation in Amerika,, im Wege ihres Palästinabureaus jährlich eine Anzahl jüdischer Schulkinder zur Absolvierung ihrer Volks- und Mittelschulstüdien nach Palästina zu entsenden, hat, wie uns) aus New York berichtet wird, bereits soweit Anklang gefunden, daß man mit einer jährlich steigernden Zahl jüdischer Schüler aus Amerika Iii den palästinensischen Erziehungsanstalten rechnen kann, Zu Beginn des' neuen Schuljahres wurden vierzehn jüdische Kinder jm Alter zwischen acht und fünfzehn Jahre« nach Palästina entsendet. Gegenwärtig lernen einige Dutzend amerikanisch-jüdische Schüler in palästinensischen Schulen. Diese bringen nach ihrer Rückkehr oder auch während ihrer Ferien einen ganz neuen, frischen jüdischen. Geist in die amerikanisch-jüdischen Familien. In der Tat vermag Palästina heute bereits auf dem Gebiete der Jugenderziehung ganz Hervorragendes zu leisten. In Palästina gibt es bereits Volks- und Mittelschulen verschiedene)' Ii grossfleischhauerei |§ II Zentrale IX., Berggasse 19, Telephon 17-3-99 n. 16-9-34 Ii || — ■ ff || Lieferant für Heilanstalten l| II AbteHufigen für ntys-Fleisch || gl unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kul- || |l tusgemeinde Ws*n |I || IX., Bergg. 15 / XVIII., Währlngerstr. 97 i| 3rMifflMMt"«,'*'»»''",,"'",",,',l»«ni^ ^mimt'mmmi'iiim'm'miiiimiir.MinHiinimimiiiimimitiiuimim» Typen, welche anerkanntermaßen auf hoher pädagogischer Stufe stehen. Die Jahres- und Abgangszeugnisse dieser Schulen werden bekanntlich von den Universitäten und Colleges in Europa und Amerika voll anerkannt. In Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa bestehen neben den Schulen Internate und Halbinternate, deren Ausstattung und hygienischen Einrichtungen von den internationalen Pädagogen, welche einzeln oder in Gruppen diese Einrichtungen zu Studienzvvecken besucht hatten, uneingeschränktes Lob erhielten. Die literarischen Funde im Hause Ben Jehudas. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Vor kurzem brach in T a 1 p i j o t h, im Hause des verstorbenen Schöpfers des großen hebräischen Wörterbuches, Ben Je« h u d a, ein Feuer aus, das wohl rasch gelöscht werden konnte, aber immerhin beträchtlichen Schaden angerichtet hat. Interessanterweise hat der Brand zur Entdeckung bisher unbekannt gebliebenen, äußerst wertvollen literarischen Materials aus dem Nachlaß Ben Jehudas geführt, Viele hunderte Briefe, die Ben Jehuda mit den bedeur tendsten Vertretern der Literatur und Kunst in hebräischer, französischer und russischer Sprache gewechselt hat, sowie eine Menge von Familien- und Freundesbriefen waren bisher verschollen geblieben. Zur großen Ueberraschung wurde nun bei Aufräumung des Brandschuttes eine Kiste gefunden, die die gesamte, bereits für verloren gegebene Korrespondenz Ben Jehudas enthielt. Das auf so sondeir bare Weise wiedergefundene Material wird demnächst in Druck gelegt werden und dürfte mehrere Bände be-* tragen. Samuel Pineles gestorben. In Galatz starb am 20. Oktober dm Alter von 86 Jahren Herr Samuel Pineles, einer der ältesten Zionisten. Als Theodor Herzl seinen „Jwdenstaat" veröffentlicht hatte, trat Pineles mit ihm in enge Berührung und wirkte für seine Ideen iin Rumänien. Samuel Pineles nahm als Delegierter der rumänischen Zionisten vor 31 Jahren an dem ersten Baseler Zionistenköng'reß teil. Er wurde wiederholt zum Mitglied des Aktionskomitees und in die Leitungen der großen jüdischen Institutionen gewählt. Noch zu seinen Lebzeiten hat Samuel Pdne'Ies große Teile seines nicht unbeträchtlichen Vermögens dem jüdischen Nationalfonds, der hebräischen Universität und anderen Institutionen gewidmet. Ein Berek-Josselewicz-Denkmal in Lemberg. In L c tn b e r g bildete sich ein Komitee - zur So'haffiMiig eines Denkmals für den in den polnischen Freiheitskriegen gefallenen jüdischen Obersten Berek J o s s e 1 ewiez. An der Spitze des Komitees steht der Lemberger Wojwode Graf Golubowsky. Mehrere jüdische Persönlichkeiten gehören dem Komitee an. Die Sonntagsruhe in England. Die Hackney and Stoke Newington Handelskammer hat sich in ihrer letzten Sitzung mit der Frage der Milderung der Sonntagsimthevorschriften zugunsten der jüdischen Ladenbesitzer befaßt. Es wurde im Prdnzipe beschlossen, eine Milderung der Vorschriften im Hinblick auf das religiöse Gewissen der jüdischen Ladentoesitzer «n iempfehlen. Ein Tempel in ein Bethaus der „Tschechoslowakischen . Kirche" umgewandelt. In den letzten Tagen wurde die Synagoge d«: Pla na a n 9>ei Kölln ('Böhmen) von dem Vorstande der „Tschechoslowakischen Kirche" von der Kultusgemeinde Kolm angekauft und in ein Bethaus umgewandelt. Bei der Einweihung derselben sprach der . tschechpslowakjsohe Bischof Kordule der jüdischen Kultusgem-einde Kolht seinen Dank aus. Dr. Feder dankte dm Namen derselben, und führte aus, daß die Ueberlassuug der Synagoge eilt Wahrzeichen der Annäherung zwischen den Religionen , sei; Antisemitische Exzesse in unkrainischem Gebiet. . Aus Lemberg, 20. Oktober, wird gemeldet: Das Städtchen Holy im Bezirke Kaliisz war der Schau-; Plate von antijüdischen Exzessen. Die ukrainische Jugend hat nach einer Tanzunterhaltung die Fensterscheiben der jüdischen Häuser eingeschlagen und Geschäftshäuser demoliert. Drei Anführer der Exzesse wurden verhaftet. Ach, wie herrlich, ach, wie kühl, Ist im Munde das Gefühl, Wenn man Clinodont benutzt Und die Zähne sich geputzt! So sprechen täglich tausende begeisterte Verbraucher der ärztlich empfohlenen Clinodont-Zahnpaste, -Mundwasser und -Zahnbürste. Wer diese österreichischen Prä? parate einmal versucht, gebraucht nur diese immer wieder und empfiehlt sie allen seinen Bekannten. UeberaH cnbältUob. t