Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 58 (26.10.1928)
- Date
- 1928-10-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Berce t> DIE NEÜE WELT Nr. 58 fr.-. )) SITMAR (( Social« Itallana dl S«rvlsl Marlttlml u wöchentlich mit den Luxusdampfern a ccncDin44 und yyiivvvMaii »1 RegelmSAfge Eillinien nach Palästina,Griechenland, Konstantlnopet Rundfahrten Im Mittelmeer Billige Soramerfahrten Auskünfte: „Sitmar", I. Karntherring 16 (Ecke Schwaizenbergplatz) Telephon 55009 Ei ■ja Brief aus Polen« (Von unserem Warschauer N. R.-Berlchterstatter.) Jüdische Existenzen in Gefahr. Bis Ende* des Jahres 1928 sind die Monopoh konzessionen für den Alkoholausschank: verlängert worden. Das Monopoldepartement des Finanzministeriums will eine weitere Verlängerung nicht mehr gewähren und auf diese Weise das seinerzeitige Dekret des Staatspräsidenten Wojciechowski durchführen. Den Konzessionsinhabern soll in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden, daß sie die Zeit bis Ende Dezember dieses Jahres für die Durchführung der Liquidation ihrer Unternehmungen nützen sollen. Dies wäre für das ohnedies wirtschaftlich arg bedrängte Judentum Polens ein neuer Schlag. ......... Das polnische Eisen- und :Stahlsy ndikat hat beschlossen, den das Syndikat bildenden Fabriken eine Erhöhung der Preise von 8 bis 10 Prozent vorzuschlagen. Dieser Beschluß geht weiter dahin, daß man den christlichen Kooperativen die Produktion zu den bisherigen Preisen abgeben soll, den Händlern — 99 Prozent J u d en zu den erhöhten Preisen. Sollten die Fabriken diesem Beschluß beitreten, würde dies mit einer Eliminierung der Juden aus dem Eistenr* und;Stahlhandel gleichbedeutend sein. Eitije wirtschaftliche Sektion beim jüdischen iParlamentsklub. ' Am 17. d. M. hat in W a r s c h a u eine Beratung der jüdischen Abgeordneten , und Senatoren sowie der eingeladenen Fachleute über die wirtschaftliche Läge des polnischen Judentums stattgefunden. Der Abgeordnete Eisenstein legte die tragische Lage des jüdischen Kaüfmannsstandes in Polen dar. Dr. S i 1 b e r f a r b wies auf die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Umschichtung: hin. Abgeordneter Dr. Rosmarin führte aus, daß die wirtschaftliche Politik der Juden. Polens dadurch . geschwächt wird, daß die Regierüngskreise den jüdischen Forderunngen nicht genügend Rechnung tragen. Abgeordneter Rasner schilderte die Lage der Handwerker. Es wurde eine K o m m i s s i o n zur Behandlung der wirtschaftlichen Angelegenheiten, bestehend aus. den Herren Adojf P e r e t z, Dr. F. R o t e n s t r e i c h,1 ,Ing. 'Praszkes und Dr. S i 1 b e r f a r b, gegründet. Dte jüdische Gemeinde in Konskie ehrt einen jkathotischen Geistlichen. .. Vor einiger Zeit ist, in Konskie der Geistliche Prälat Älbin Chojko gestorben.. Er war durch 25 Jahre Seelsorger in diesem Orte. In kritischen Momenten half er allen Menschen ohne Unterschied der Konfession. Während der deutschen Okkupation yerteidigte der Verstorbene mit seiner Autorität sowohl Christen wie Juden. Als im August 1914 die Russen die Ortschaft räumten, versammelten sich einige hundert Bauern aus den Vorstädten und umliegenden Dörfern, versehen mit Säcken. Die Bauern betonten, daß sie kamen, um sich jüdisches-H-ab .und Gut zu holen. Die Lage war bedrohlich,. Als Prälat Chojkp hievoa verständigt wurde, erschien er unverweilt am Marktplatz. Mit dem Kreuz in.der Hand und Tränen in den Augen flehte er «die versammelten Bauern an, sofort'die Stadt zu ver lassen. Die Ansprache des verehrten Seelsorgers hatte Erfolg, Die Bauern zogen ohne Widerstand aus der Stadt ab. Sein Ableben war für die jüdische Gemeinde Konskie. Anlaß, in einem an die katholische Gemeinde gerichteten Schreiben ihr Beijeid und ihre Verehrung zum Ausdruck zu bringen. : ' ' . . , Ein jüdischer Senator verteidigt die jüdische Ehre. - In Szczawnica mähte vor der Villa des Reserven geherals L. ein Bauer Heu. Es war dies unweit von dem Wege, den jüdische Kurgäste, unter ihnen der Senator Dr. David Schreiber, passierten. Dr. Schreiber hörte, wie der General vom Balkon aus zu dem Bauern sagtei „Wozu Gras mähen, man kann ja besser Juden mähen." Darauf reagierte der Senator mit den Worten*. „Das kann nur ein Grobian sagen." Am nächsten Tage wurde der Senator namens des Generals von drei Reserveoffizieren gefordert. Der Senator nahm die For derung an. Es zeigte sich jedoch, daß der General 72 Jahre zählte und daß der Senator, der vier Jahre an der Front als Reserveoffizier stand, ein ausgezeichneter Schütze sei. N ur wirklich repräsent. Jüdische Vertreter für neuen spottbilligen Tageslicht- Reklame-Apparat gesucht Erstklasssige Bedingungen Vorzustellen täglich v. 4-6 Uhr GOLD, XVI. HIPPGASSE 34/36 yr»»»'ryTf yyT»yy»tvi'»tyy,r'>y'»l»rifV'>yy'ryyy Ueber Intervention ließ sich der Senator zu einem Ehrengericht herbei, welches feststellte, daß die Forderung zum Duell nach Ablauf von 24 Stunden erfolgte. Die Angelegenheit wurde demzufolge auf andere Weise ausgetragen. e Wahl der Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Przemysl. In Przemysl wählte der neue Kultusrat in die Ver waltung: Juda And und Joachim Klagsbald (Zionisten), Moses Katz und Moses Perlrot (Misrachi), Dr. T e i c h (Poale Zion); S. B a b a d, A. F r i d, S. L a n g* sam (Aguda) sowie M. Estreicher und J. Strudel (Jad Charuzim). Jüdische Techniker ohne Arbeit Ebenso wie die jüdische Arbeiterschaft kämpft auch die jüdische Intelligenz in Polen um das Recht auf Arbeit. Der jüdischen Intelligenz sind die Arbeitsmöglichkeiten beim Staate, bei den Selbstverwaltungen und bei einer großen Anzahl privater Unternehmungen versperrt. Nur ein verschwindender Prozentsatz jüdischer Techniker erlangt die Möglichkeit, in technischen Betrieben zu arbeiten. IndertechnischenSchuleWawelbe.rgs in Warschau, die früher von Juden zahlreich besucht wurde, gab es im Jahre 1926 kaum vier jüdische Hörer, desgleichen im Jahre 1927; im Jahre 1.928 besuchte kein Jude diese Schule. Charakteristisch ist folgende Tatsache: Im Jahre 1927 absolvierten achtzehn Techniker die tech- ÜIHDUMLSIOR" Mi. Richard Herzog WIEN ttSSSBSSSSb.» Telephon 73-4-90 Sprechapparate jeder Art, sowie sämtliche Jüdischen und hebrSlschen Schallplatten in reichster Auswahl stets auf Lager PROV1NZVER8AND! PROVINZVERSAND I nische Schule Wawelbergs. Alle Absolventen traten den Militärdienst an. Nach Ableistung des Militärdienstes erhielten die vierzehn Polen unter ihnen sofort Anstellungen. Von acht Juden, welche in dem letzten Jahre die Schule beendet hatten, erhielt nur ein Jude dank der Unter* Stützung seines Professors eine Stelle als gewöhnlicher Arbeiter. Alle anderen blieben ohne Arbeit. Die Schließung des hebräischen Lehrerpädagogiums In Lemberg. Das hebräische Lehrerpldagogium in Lemberg wird in diesem Jahre nicht eröffnet, da es an den Mitteln zur Bestreitung der notwendigsten Ausgaben fehlt. Der „Morgen" fordert die jüdische Oeffentlichkeit Ostgaliziens auf, diese Bildungsstätte der hebräischen Lehrer doch zu erhalten. Rabbiner Frankel begnadigt. Der Präsident der polnischen Republik hat bereits die Begnadigung des wegen seiner Religionsüberzeugung zu vier Monaten Kerker wegen Ungehorsam verurteilten Unterrabbiner Fränkel unterschrieben. Wie bekannt, wollte Rabbiner Fränkel sich den Bart nicht abschneiden lassen. Die mit der Durchführung der Begnadigung zusammenhängenden Formalitäten sollen schleunigst durchgeführt und Rabbiner Fränkel in einigen Tagen auf freien Fuß gesetzt werden. Die Wacht am Amur. Das Judentum als Kanonenfutter. Von A. S. Juris. Der bekannte zionistische Sozialist A. 5. Juris veröfentlicht in der „Jüdischen Zeitung" in Buenos Aires über das Birbidschaner Kolorasationsprqblem einen Aufsatz, dessen weltpolitische Ausblicke wir in gekürzter, zusammengefaßter Form wiedergeben. Ein Plagiat und . Falsifikat, einzig . in unserer Geschichte, ist der ganze Lärrii von ,der jüdischen Gleich* berechtigung in Rußland, Eir^st pflegten wir vom sozialistischen Standpunkt aus die nationalen Freiheitsbewegungen als Bewegungen für die' unbeschränkte Herrschaft . der heimischen nationalen Bourgeoisie über das „nationale" Proletariat , zu kritisieren. Wenn jemals, so gilt dies voll und ganz von der sowjetistischen Auffassung der nationalen Befreiung, die die unumschränkte Herrschaft der heimischen nationalen kommunistischen Partei über das ganze „nationale" Volk. Wenn aber bei den anderen Völkern im Sowjetverbande der Regierüngsapparat der herrschenden kommunistischen Partei sich nur auf sozialökonomischem Gebiet betätigt und das national-kulturelle Schaffen sich nach und nach immer mehr vom Druck des roten Stiefels befreit, so stellt die Funktion unserer jüdischen kommunistischen Partei eine nationale Funktion im schärfsten ant!?tidischett Sinne des Wortes dar. Der klassische Beweis ist die idyllische Zusammenarbeit zwischen der Jewsekzia und der Plutokratie. National-kulturell ist also die Jewsekzia eine militante Assimilation. Es ist nicht das erstemal in unserer Geschichte, idaß der Korach-Geist ein häufiger Gast bei uns ist. Auch das Christentum, das aus unserem Schoß geboren ist und die Welt erlösen wollte, hat die Welt nicht erlöst, aber sich angemaßt, das Judentum aufzulösen. Wir könr nen von den verschiedensten Judäochristen in allen ihren Erscheinungen, von Saulus-Paülus bis auf die „jüdischen" Missionäre der Neuzeit singen und sagen. Auch der Sozialismus, in unserer Mitte entstanden, hatte seinerzeit nur Verständnis für die Leiden aller Völker mit Aueh nähme unseres eigenen. Und beim letzten Sozialistenkongreß waren es 40 Christenseelen, dje unser Recht auf Erez Israel proklamierten — die Judäosozlalisten waren dl« Gegner. Die Kommunisten, die die Räder ihrer Revolution mit jüdischem Blut schmierten — der Bürgerkrieg in der Ukraine wurde auf den Köpfen der Juden ausgetragen» in Form von Pogromen — wurden in der Form der Jewsekzia als Judäokommunisten die erbittertsten Feinde unserer weiteren historischen Existenz, afe jadisches Voile Das Papsttum im schwarzen Rom, das Papsttum ntt roten Moskau reichen sich die Hand zum neuesten Kreuzzug gegen das Judentum. ■ Die Legende von der jüdischen Gleichberechtigung muß ein Ende haben. Die provisorische Kerenski-Rei Igierung war es, die uns alle Rechte gab. Der Siegesizug der Sowjetmacht ist verbunden mit einem dreifachen Pogrom: der Bürgerkrieg in der Ukraine war begleitet von physischem Pogrom von seiten der Petljura- Banditen; der militärische Kommunismus bedeutete für die jüdische Wirtschaft.den ökonomischen Pogrom — eine faktische Aushungerung; der dritte Pogrom, der geistige Pogrom, der schrecklichste und gefährlichste, ist der Feldzug gegen unsere und miserer Kinder Seelen, der darin besteht, daß man 3 Millionen erschrockene, und verelendete Juden einem Häuflein nationaler Verräter überlieferte, einer Art „Taufsektion", zehn Jahre nach der Revolution! Zu dieser Gruppe können wir also kein Vertrauen haben, selbst wenn sie uns „Zion" und „Hebräisch" konzedieren würde, was ja nur ein Nationaltrinkgeld zur Besänftigung unseres sozialen Gewissens wäre. Deswegen bekämpfen unsere Freunde, die Zionisten-Sozialisten, das ganze System. Ein Beweis mehr für die Berechtigung unseres Mißtrauens ist die Auflösung des H e c h a l u z und der zionistisch-kommunistischen Siedlungen Telchaj und Mischmar, die bezeichnenderweise gleichzeitig mit dem Geschrei von der Errichtung einer jüdischen Republik im Amur-Distrikt eintrat, und ein weiterer Beweis besteht darin, daß die Sowjetmacht, hier die Jewsekzia, d, h. Komzet und Gezert, nicht davor zurückschrecken wird, eine schon aufgebaute „Birbidschaner Republik" genau so wie die grusinische zu zerstören, wenn diese jüdische Republik einen freien Kulturausdruck, jüdische Lebensformen, religiöse Bewegung, nationalen Ideengang oder gar — Gott soll hüten! — den Traum von Zion sich erlauben sollte. Nach den Enunziationen der Sowjetmachthaber und der Jewsekzia kennt die Regierung nur eine Fürsorge* d, i. die zum jüdischen Krämer und Luftmenschen, die die Kolonisierten werden sollen. Warum erregen der Sowjetmacht Interesse nicht die Millionen russischer, weißrussischer, ukrainischer, deutscher, polnischer Kleinbürger, Krämer und Luftmenschen, die gewiß das fast Achtfache deir. Juden in diesem Staate ausmachen, in bezug auf den Appell ans Ausland? Besitzen doch diese „Brüder" nicht nur Landsmannschaften, sondern sogar ganze Länder und Staaten! Es ist die Spekulation auf die Blutsolidaritat des Weltjudentums, die man im eigenen Land so scharf bekämpft, nach außenhin aber um Hilfe für die russischen Jüdischen Brüder anruft, denen man dann alle Sümpfe der Krim bis mach Bi> bidschan zum Kolonisieren anbietet 1 Das ist das beste Kolonisation-Konzessionssystem: man bleibt beim Boden und schafft Kapital ins Land. Man kann die Rolle deaf Philanthropen und Judenfreundes spielen, besonders wenn, wk da« offizielle Organ des Oget „Der, jüdische Bauei"