Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 58 (26.10.1928)
- Date
- 1928-10-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Mr. SS PELZWAREN GEBRÜDER BRAININ L.Bauernmarkt Za, Tel. U-22-3-59 II., GlocKengasse a Tel. R 45-4-33 Offener Brief an Herrn Professor Georg Bernhard, Chefredakteur der „Vossischen Zeitung" und Mitglied des deutschen Reichstages. Sehr geehrter Herr Professor*. Ich habe in Berichten deutscher Blätter gelesen,; daß Sie an einer Kundgebung für den Aufbau des jüdischen Palästina, die aus Anlaß der Anwesenheit des, Zionistenfreundes und ehemaligen englischen Ministers Wedgwood in Berlin stattgefunden hat, teilgenommen und dort — nach einer Teepause — das Wort ergriffen haben. In Ihrer Rede erklärten Sie, daß Sie Nichtzionist sind? daß Sie sich d u r c ha ü s als Deutscher und in der deutschen Nation verwurzelt fühlen, daß Sie aber jetzt für den Pafästinaaufbau Sympathien empfinden. Weil der Völkerbund nun einmal den Juden Palästina zugesprochen hat, würde man auf »He Juden, also auch auf Sie, mit den Fingern weisen, wenn das Werk .scheiterte. Dann alber sprechen Sie der englischen Regierung harten Tadel aus. Mit Bedauern stellten Sie fest, daß das Britische Reich die ihm aus dem Mandate erwachsenden Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Palästina nicht erfüllt. Das Auditorium, darunter deutsche und preußische Minister, Diplomaten, hohe Staatsbeamte und Politiker, spendete Ihnen reichen Beifall. loh richte nun an Sie, geehrter Herr Professor, die Frage: „Worauf'gründen Sie Ihr Recht, in der Sache des Zionismus Richter über England zn^ein? In Ihrer Rede haben Sie erklärt, daß Sie nie Zionist waren md auch heute Nichtzionist sind. Das heißt, daß das jahrzehntelange, harte, verzweifelte Ringen der Zionisten um Palästina Sie kalt gelassen, Ihnen während Ihres langen Lebens auch nicht eine unruhige Viertelstunde bereitet hat. Theodor Herzt Kat für das jüdische Völk gekämpft -— für Ihr Volk —- bis sein großes Herz brach. Man hat ihn als Narren, Schädling, Betrüger und Verführer mit Steinen Und Kot beworfen. Und Sie, Herr Professor, waren mit dabei oder — ich will Ihnen kein Unrecht tun — haben geschwiegen. Geschwiegen haben Sie aber bestimmt! Man hat die Zionisten, und besonders die Zionisten in Ihrem Deutschland, nicht nur verspottet und verhöhnt, man hat sie als L a nd e s v erräter denunziert. Und Sie sind nie für die verleumdeten Idealisten in die Schranken getreten, Sie, der in seiner journalistischen Laufbahn für so viele und so vieles,' harte Fehden awsgefochten hat. Die Frage der Neuuniformierung der preußischen Infanterie schien Ihnen vielleicht nicht allzu wichtig, aber tau-- sendmal wichtiger als das'ganze jüdische Problem. Äis'die'Friedenskonferenz^eh begannen und die Frage der Zukunft Palästinas zur; Spräche kam, da pochten hunderttausende jüdischer Herzen in banger Erwartung. Ihr jüdisches Herz, Herr Professor, wahrte seine normale Gangart. Vielleicht begann es zu zücken und zu schlagen, als man über die Art der Verzinsung der deutschen Kriegsentschädigung1 zu konferieren begann. Als die Künde von der Entscheidung für das jüdische Palästina erklang, jubelte es in den Massen des jüdischen Volkes, ein Jauchzen ging an. Ich darf wohl vermuten, daß Sie, Herr Professor, die Nachricht mit hochgezogenen Brauen ails kurios nun zur Kenntnis nahmen und Ihre Aufmerksamkeit scMeunigst wichtigeren Gegenständen zuwandten. Nun aber ist dieses jüdische Palästina da und nach ein paar Jahren begann in Ihnen ein Fünkchen Sympathie zu glimmen. Als Zionist bin ich Ihnen auch daf ü r dankbar. Aber reicht das hin, u m mit En gland hart ins Gericht gehen zu dürfen? Während Sie als Jude so handelten und dachten, wie oben geschrieben, was dachten -und taten die Engländer, wie verhielten sich die nicht jüdischen Briten zur Judenfrage und zum Zionismus? Schon Theodor Herzl, der nichts hinter sich hatte als das jüdische Recht und ein Weines Häuflein armer Idealisten, der überall auf bornierte Feindschaft stieß, über den sich jeder jüdische Spießer und Zeitungsschmierer krumm lachen durfte, fand beim großen England Achtung und freundliches Verständnis. Das Weltreich machte dem Wiener Journalisten ernste Anbote zur Lösung der Judenfrage. Im Kriege und nach dem Kriege stellten sich die größten Männer der großen Nation in den Dienst des Judentutnes, ja, in den Dienstdesjudentumes. Balfour, CeeA, Lloyd George, Macdonald, Wedgwood und viele ändere haben sich der zionistischen Sache so hinge-* geben, daß manchen guten, opferfreudigen Zionisten ein Gefühl der Beschämung überkommt. England hat , für unser Jüdisches Palästina gearbeitet und gestritten, dasnich t jÜdische°Eng 1 and! $fei\n nun Organe, Beamte dieses Englands Dinge tun, welche dem mit dem Zionismus geschlossenen Pakte zuwider sind, steht es Ihnen, Herr Professor, dem jüdischen Nichtzionisten zu, nach einer Teepause aufzustehen und über England Gericht zu halten? Um Mißdeutungen vorzubeugen, sei festgestellt, daß ich zu jenen Zionisten gehöre, welche fordern, daß die Zionistische Organisation jeder Verletzung des Paktes durch englische Organe energisch entgegentrete. Ich gehöre zu jenen Zionisten, welche es dem Präsidenten Weizmann und seiner Gruppe zum schweren Vorwurfe mächen, daß sie es an Nackensteife und würdiger Entschlossenheit im Verkehre mit England haben fehlen lassen und durch die Unterdrückung berechtigter zionistischer Kritik den bösen . Willen und den Üebermut gewisser antizionistischer und antisemitischer englischer Beamtenkreise in Palästina direkt gefördert haben. Ich will jüdische Kritik an England! Aber rein klingen kann diese Kritik nur, wenn sie aus zionistischem Herzen kommt. Dem jüdischen Nichtzioniston, welchem Zion nicht Herzenssache, sondern besten Falles ein Gegenstand oberflächlicher Freundlichkeit ist, fehlt die Berechtigung zur Kritik. Kann da nicht der Verdacht auffliegen, daß es nicht um ehrliche Kritik geht, sondern daß auf zionistischem Feuer irgend eine auri englische Suppe gekocht wird? Die zionistische Kritik an England wird.durch die nichtzionistische jüdische Begleitstimme nicht gehoben, sondern entwertet. Sehr geehrter Herr Professor! Ich bitte, mir Glauben zu schenken, wenn ich versichere, daß ich Ihre Teilnahme an.der Berliner Kundgebung und Ihre Worte als gut und ernst gemeint werte. Ich bin überzeugt, daß Sie dem Zionismus einen Freundesdienst erweisen wollten. Gerade diese Ueberzeugung nötigt mich, Ihre Aufmerksamkeit auf Umstände zu lenken, welche der Nichtzionist begreiflicherweise übersieht. Mit vorzüglicher Hochachtung Robert Stricker, Herausgeber der „Neuen Welt". Herr und Frauen David Rothblüm gebiert bekannt/dä£.iüe Bär-Mizwah-Feier ihres Sohnes vy^\n^i^crv Samstag,, dien,..^.-pktQhe^'läS9iv. vormittag, ,inv, Gemeihdetempel,:XVlU.^ ttblictii&i. Gebetzjbif staWin(teti,w.Ehipfaiig Von 11 bis 1 Uhr XiX.jBlaai^straße IS? Freunde und Gesinnungsgenossen werden gebeten. Der Kampf um die jiidische Gemeinde. Die Gebetmacher. Von Kit'Jiusvorstober Viktor Baumin ger. . Vorkriegsgeist in der Kultiisgemeinde. — Für Palästina und den Weltfrieden darf nicht gebetet werden, Das neue Gebetbuch für den Jugeudgottesdienst in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Auflage 1927, enthält auf Seite 45 a,n Stelle des alten K aise rgebete s i(Aufl. 1914, Seite 18, Gebet für den Landesherrn) ein neues, den geänderten Zeitverhältnissen angepaßtes „Gebet vor dem Einheben der Thora'f. Es ist selbstverständlich, daß dieses Gebet angesichts der geänderten Staatsform entsprechend modifiziert werden mußte, es ist aber ebenso selbstverständlich, daß nicht nur die außerhalb des Judentums eingetretenen Veränderungen, sondern auch die geänderten Verhältnisse innerhalb des Judentums in einem jüdischen Gebet. zum Ausdrucke , kommen müssen. In das „Gebetbuch der Israeliten" von Mannheimer, Auflage 1926, wurde auch ein den Wünschen und Ge* |lllMffitlM!n^^ I TUCHHAUS [ ONZI WIEN, I. Ertlgasse 4 und | Kramergasse 11 | Telephon U 25^2-57 1 Import Original englischer and | schottischer Herren' u, Damen" | Stoffe sowie irischer Donegals | and Thornproofs I Detailverkauf zu Engros-Preisot»! | fühlen des Großteiles des jüdischen Volkes entsprechendes Gebet aufgenommen. In diesem Gebete wird Gottes Segen und Beistand für das Wohl des Vaterlandes und der Gemeinde (Absatz 2 und 3), aber auch für den Weltfrieden und .für „unsere Arbeit im Lande der Väteiv das jetzt wieder bereit ist, die Heimstätte unseres Volkes zu werden" erfleht. (Abs. 1 und 4). Die Idee des Weltfriedens ist die Idee des Judentums1 und wurde von den jüdischen Propheten der Menschheit verkündet. Die Idee der jüdischen Heimstätte im Lande der Väter ist durch die Balfour-Dcklaration, den Friedens^ vertrag mit der Türkei, das Mandat des Völkerbundes und die Gründung nichtjüdischer Pro-Palästinavereinigtingen in allen Kulturstaaten zur Idee der Menschheit geworden. Bei der Abfassung des neuesten Gebetbuches wurden diese zwei Stellen einfach gestrichen. Das beweist, daß die verantwortlichen Faktoren sich nicht von den realen Tatsachen und wirklichen Gefühlen und Stimmun" gen des jüdischen Lebens, sondern von einer Bestimmten politischen Tendenz leiten lassen. Diese Tendenz kommt auch in den Instruktionen für den Leiter des Gottesdienstes zum Ausdruck. Da heißt es ausdrücklich: „Die deutschen Gebete vor und nach dem- Einheben der Thora dürfen a ü 's s c h 1 i e ß 1 i c h nur die im Jügendgöttesdienstbuch, Auflage 19 27, enthalten sein.". Die deutschen Gebete, welche vom Weltfrieden und Palästina sprechen, verbietet 'man. •' Die -hebra1schlehr4ä6t'-'':mäfl^.-ifoch zu, weil die Wiener -^Jugend der hebräischen Sprache nicht mächtig genug ist, um aus den hebräischen Texten selbst entnehmen zu können, daß das jüdische Volk mit dem Gedanken d es We 11f ri ed ens und des . Aufbaues des jüdischen Landes innigst verbunden ist. Der jüdischen Jugend werden diese Gedanken, die in den hebräischen Gebeten so oft zum Ausdruck kommen, einfach entzogen, und sie verliert so die Beziehungen zum lebendigen Judentum. Das haben die Gebetmacher aus der Seitenstadt fertig gebracht, genau so wie im vergangenen Jahrhundert die Reformatoren in Deutschland das Wort „Z i o n" aus allen Gebeten gestrichen haben. Die Unterrichtskommission der Gemeinde wurde nicht befragt, wurde auch während der Dauer von sage und schreibe neun Monaten nicht einberufen. Von Amts wegen würden Palästina und der Weltfrieden ausradiert. Ueber höheren Befehl der Union deutsch-österreichischer Juden wurde der jüdischen Bevölkerung ein' zeitwidriges Gebet" "oktroyiert. Das haben dieselben Herren getan, die in ihr Wahlprogramm auch die Förderung des Palästinaaufbaues aufgenommen haben, die auf das Kriegerdenkmal der jüdischen Kriegsopfer biblische Friedenssprüche gesetzt haben. Die Bibel ist das eherne Dokument der Völkerverbrüderung und das unverbrüchlichste Bekenntnis des jüdischen Volkes zu Palästina. Das jüdische Volk von Wien und insbesondere die von der Kultusgemeinde enthebräisierte - Jugend sollen aber davon nichts erfahren. Eine Religion, die nicht eingehalten und ein Palästina, für welches nicht gebetet werden darf, das sind die Stützen des Wahlprogramms der deutech-Österreichischen israelitischen Union. Ich habe im Traume geweint, Die Nachtruhe war mir vergällt: Mir träumte, es gäb' keinen Tropfen Mehr Huber-Likör in der Welt. Der ägyptisch-palästinensische Handelsvertrag ratifiziert. Der König von Aegypten hat einen ägyptisch-palästinensischen Handelsvertrag ratifiziert, nach dem die aus Palästina nach Aegypten eingeführten landwirtschaftlichen und industriellen Produkte — sowohl diejenigen, die für den Verkauf in Aegypten bestimmt sind, als diejenigen, die im Transithandel durch Aegypten in andere Länder gehen — einem Vorzugstarif unterliegen. Besondere Bestimmungen sind für den palästinensischen Tabak getroffen. In dem Traktat gehießt Palästina nicht diejenigen Privilegien, die die ägyptische Regierung den Waren aus dem Sudan zuerkennt, wie andererseits Aegypten nicht diejenigen Bevorzugungen bewilligt sind, die die paläst»» nensische Regierung den Produkten aus Syrien gewahrt.