Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-10-19 · Heft 57 (19.10.1928) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 57 (19.10.1928)
Date
1928-10-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711672--0761-2713927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10 DIE NEUE WELT Mr. 9f Jüdischer Sport in Polen. Hasmoneas Kampf um die Erstklassigkeit. In Ru'he kann in Polen keine Konkurrenz zu Ende geführt werden. Anläßlich der außerordentlichen Generalversammlung des Thorner Sportklubs wurde der Beschluß gefaßt, aus der Liga auszutreten und auf die Austragung der restlichen Meisterschaftspiele zu verzichten. Man zieht also diesen Schritt dem normalen Abstieg vor — jedenfalls kein reines sportliches Handeln. Der Thorner F. C. rangiert in der Tabelle nach Hasmonea. Obwohl der jüdische Verein durch die Vorgangsweise der Thorner zwei Punkte kampflos gewinnt, dürfte für ihn die Erstklassigkeit ikaum noch zu rotten sein, da trotz dem Ausscheiden des Thorner F. C. zwei Vereine zum Abstieg verurteilt sind. Der S. C. Hasmonea, der in den zwei letzten Spielen gegen Wisla .und Cracoyia-1 :4 und 0 : 2 unterlag, nimmt bei 23 ausgetragcuen Spielen mit 13 Punkten die vorletzte Stelle ein. Vor Hasmonearangieren der Lodzer. S. C. mit 18 Punkten (23 Spiele),. Warszawianka 20 und Ruch 22 Punkte. Der jüdische Klub müßte die vier ausständigen Matches gewinnen, um in der Liga zu verbleiben, was aber 'kaum möglich sein wird.' In der Kreisrneistersc'hait siegte in Krakau Makkabi gegen die spielstarke Polizei Sp. Vg. ans Kattöwifcz 3:1.; Attentat auf einen jüdischen Sportsieger. , . Aus P os e n meldet J. T. A.: Auf den bekannten; jüdischen Athleten Selig Poszow, der vor kurzem in Posen bei einer sportlichen Veranstaltung im Zirkus den polnischem .Athleten Stecker besiegt hat, wurde, als er den Zirkus verließ, ein Attentat verübt. Schon beim Ausgang) des für, Poszow siegreich verlaufenen Kampfes nahmen, a n t i semitische Zuschauer durch Zurufe gegen Poszow (Partei,. Als dann Poszow aus dem ZirkusportaJ trat, wurde, er von einer großen Gruppe junger Leute, überfalleil.und geschlagen. Einer der Rowdies zog einen Re.voTver und gab auf Poszow einen Schuß ab, der ihn i n d'i e H a n d traf. Poszow wurde in das Krankenhaus gebracht,' .'der Attentäter in Haft genommen. In der Hockeymeisterschaft spielte H a k o a h gegen den Oc. H. C. 0 : truuetjtschieden. Der Kampf wurde zeitweise derb geführt. Strizko (Oe/H. C.) ajuBte ausgeschlossen werden. Blau-Weifl siegte in der zweitfefl Klasse„gegen Reichsbund 3 : 0. Die H a k o a h-Damen unterlagen gegen W. A. C. 1:2. Hakoah errang-' mit 8 Pnnkten und einem Torverhältnis von 21 :12 dte Wasserballmcisterschaft vor 1. W. A. S. K., W. A. C, Vienna, Anstria 'und' Donau. .Stern, de.r bei Makkabi in Tel-Awiw tätig war, wurde von dem. F. C -Hakdaii verpflichtet und wird schon demnächst als Mittelstürmer bef den Blau-Weißen tätig sein. Die Hockeymannschaft der Brünner Makkabi wird am 28. d. M. In Wien, gegen die Mannschaft von Blau-Weiß ein Spiel austragen. Hasmonea unterlag mit einer kombinierten Mannschaft gegen Crfckef komb. 0 3. , Jüdischer Sportverband. Montag, den 29. d. M., findet im Cafe Altes-KätKausi "I., Wipplirigerstraße, eine wichtige Vorstandssitzung statt. Besprechung »wegen der Generalversammlung. ' " Maasner (Hakoah) hat in der Meisterschaft bisher acht Treffer erzielt..- ' : '" " ® ■ Ein Länderkampf zwischen Oesterreich und Ungarn (2. Liga) findet am 28.'-d. M. auf der Hohen Warte statt. Hakoah dürfte für das Team folgende,'Spieler stellen: F, e 1 d m a n n, S t r o ß, F r i e d, . P o 11 a k, ' Maü;sner, und 'Heß. v ' Das'Handball-Nacbtragssplel Hakoah—B. A. A. I findet am 1. Novemberstatt. * '. Kollmann (Makkabi) wurde wegen Insnlticrung eines Gegners bis .9. Dezember disqualifiziert; " Hakoah. Die Trainingseinteilung der PJng-Pong-Sektion lautet: Jeden- Dienstag und Donnerstag ab 7 Uhr abends im gelben Saal des Cafd 'Arlon,' I., Rotgasse, und jeden Montag, Mittwoch, Samstag und ' Sonntagab 7 Uhr abends im Cafe Lido, III., Dampfschiffstraße 20. Gäste ,wjIJkommen. Hasmonea. Freitag 8 Uhr Spielerversammlung und Aufstellung.1 M e n o r a h. Jeden Donnerstag 8 Uhr Spielerversammlung im Hptel Palace. K a d i m a h. Samstag 8 Uhr Spielcrversammltmg und Aufstellung. . Verein tür jüdische Geschichte und Literatur. Das Vortragsprogramm. Der. Verein für jüdische Geschichte und Literatur wird .^iesrnal am 29. Oktober den Reigen seiner Vorlesungen;-mit dem Vortrage des Rabbiner Dr.. D. Feuchtwa,n,g:.(. S'agengeschichtliches über Adam eröffnen. Aus dem-,.überaus reichhaltigen und vielgestaltigen Vqrtragsprogrärrirn des Vereines für die bevorstehende Saison heben wir: hervor: Dr. Paul D \ a «n a n t: Aus dem Leben der Wiener Juden im Vormärz; E. J o n a s - S c h a c htitz: Qesterreichische Marranen des 19. Jahrhunderts; Dr.; Adolf:K a >p r a 1 i k.v Prinzipien und Ausstrahlungen; Dr. Leopold Ehrlich: Aus eigenen Werken; Rabbiner Dr. M. Bauer: 'Die Freude im Judentum; Dr. Artur Weiß: Palästina und ein Westjude; Dr. Hugo Knöpfmacher: Aus der neuhebräischen Literatur; Dr. Isaa<k Robinson: Ueberraschungen und Enttäuschungen an Ere25 Jfsrael; Dr. James Herbert: Die Juden Prags; Dpzent Dr.\J. Fischer: Die Juden in der Medizin. Ferner werdeh Prof. Julius Wolf söhn über ein musikalisches und Kom.-Rat Theoder Ehrensteiin über ein kunsthistorisches Thema sprechen. Auf-die Tätigkeit des Vereines, dessen Vorträge jedermann 'Unentgeltlich zugänglich sind und vom 29. Oktober d. J. an jeden zweiten Montag, (halb 8 Uhr abends, im Saale des Sportklubs „Haikoah", I., Wippföngerstraße 35, stattfinden* machen wir jetzt schon die jüdischen Organisationen, sowie alle, dit? für jüdisches Wissen Interesse haben,., aufmerksam. Die Vorträge werden rechtzeitig im Wege der. jüdischen und der allgemeinen Presse einzeln angekündigt werden. ' GeläJirllche Entlet(uugskureu. Die jetzige Tendenz der schlanken Linie und der Wunsch schlank zu werden und abzumagern, iüijrt mitunter; wenn Bewegung und Sport allein nichts taugen, zur Vornahme von Entfettungskuren, die dem Körper nicht immer zuträglich sind. Insbesondere muß immer wieder vor solchen als unschädlich angepriesenen Mitteln gewarnt werden, welche Schilddrüsensubstanzen enthalten. Schon mancher bat bei Vornahme sogenannter wilder Entfettungskuren mit Prä« paraten, welche Schilddrösensubstanzen enthalten, sehr schlechte Er* iahru|gerj 'gemacht und schwere körperliche Schädigungen erlitten. Darum sollen solche Entfettungskuren mit Scbiiddrlisenpröparaten stets nur. über Weisung uod anter Kontrolle des Arztea erfolgen. Ein gut be. ur^eiltes Eutfettungsmittel sind die bekannten, aus pflanzlichen Stofien hecKetteliten Fucabohnen, die keinerlei Sparen solcher Schilddrüsen. sibjtJtBJMi cntbtJteo. _. ... Predigten In den israelitischen Gemeindetempeln. Am 19. Oktober werden bei dem um 5 Uhr beginnenden Abendgottesdienst Predigten abgehalten, und zwar: II., Tempelgasse 5 (Rabb. Dr. Max Grnnwaid); XVIII.,' Schopenhauerstraße 39 (Rabb. Dr. David Feuchtwang); 20. Oktober findet im Gemefndetempel XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabb. Doktor M. Rosenmann) beim Morgengottesdienst (Beginn 8 Uhr 30) ein exegetischer Vortrag statt.' Israelischer Jugendgottesdienst am 20. Oktober, 3 Uhr nachmittags in den Gemeindennd Bezirkssynagogen. Vereinsnachrichten. Klndergarfencröffnung. Am 15. d. M. wurde im Hanse der Sozialen Hilisgemeinschaft Anitta Miifler, If., Uut. Augartenstraße 35, ein Kindergarten nach den modernsten pädagogischen und psychologischen Methoden unter Leitung Frau Berta Blanksteins eröffnet. Ein Kurs für rhythmische Gymnastik findet im Rahmen des Kindergartens stdtt. Anmeldungen täglich von 2 bis 3> Uhr nachmittags im Sekretariat. II.. Unt. AugartenstraOe 35 (Tel. R 45-3-79). Kurs für schulpflichtig Kinder täglich von halb 3 bis 6 Uhr nachmittags. Schulhilfe für Volks- und Hauptscliule. Handfertigkeitsunterricht, rhythmische Gymnastik, individuelle Behandlung (Heilpädagogik), Leitung Berta Blankstein. Anmeldungen täglich von 2 bis 3 Uhr nachmittags im Sekretariat II., Unt. Aogartenstraße 35. Verband der jüdischen KanHeutc und Gewerbetreibenden. In der am Jü. d. M. staftgefundenen Plenarvcrsammlung wurde dem unter der Leitung des Präsidenten K.-R. Max Markus und des geschäftsführenden Vizepräsidenten Adolf Taub fungierenden Vorstand das Vertrauen ausgesprochen. Das Sekretariat des hebräischen Pädagogiums empfiehlt Lehrer, respektive Lehrerinnen für die hebräische Sprache und Literatur. Reflektanten mßgen sich an das Sekretariat, Wien, I., Drahtgasse 4, wenden. Maodon Iwrl. Am 20. d. M., halb 8 Uhr abends, Generalversammlung in der Volksbibliotltek „Zionu, IL, Kleine Mohrengasse 3. Zionistische Organisation, Bezirkssektion Brlgittenau. In der konstituierenden Sitzung wurden in den Vorstand gewählt die Herren Dr. 7.. F.. F i n k e l s t c i n, Präsident, Salom. P i c k c r, Vizepräsident und K. K. L.- Ref., Osias N a g 1 e r. Schriftführer, Pinkas Spritzer. Kassier, Samuel W e 1 n t r a u b, Organisation und Jugend, Michael Zip per, K. H. — Dienstag, 23. d. M., 8 Uhr abends im Hehn, XX., Jägerstraße 30, Vortrag .des Herrn N. M. Gelber über „Die Entwicklung der jüdischen Gemeindeautonomie in der Geschichte". Lese- und Rcdehalle iüdischer Hochschüler, Wien. IX., Tilrkenstraße 9, hält ihren Gencralkonvent Samstag, den 20. Oktober, um 8 Uhr abends im Vereinsheim ab. Zlonsflsche Bezlrksscktlon Lcopoldsfadt. Die hebräische Schule ist schon eröffnet worden. Einschreibungen für Kinder, Erwachsene, An-, fänger und Fortschrittler werden noch täglich von 6 bis 9 Uhr'abends entgegengenommen. — Die ordentliche Generalversammlung findet am 27. d. M. um 7 Uhr abends in den Sektionsräutnen statt. Brlth Hanoar Hamlsrachl, II., Praterstrafle 43. Dur Talmudkurs findet nunmehr jeden Freitag um 8 Uhr abends statt. Zionistische Sektion Prater. 19. Oktober, halb 8 Uhr abends. IL, Jungstraße 8, Chumasch-Vortrag. Frei zugänglich, auch für Nichtmitglieder! Klub Jüdischer Frauen, 1., Karl Lucgcr-PIatz 4. Cafe Colonaden, Mittwoch, 24. Oktober, halb 5 Uhr, Vortrag der Frau Elisabeth Luzzatto über „Ursprung des jüdischen Volkes". Damen werden zum Beitritt in den Klub eingeladen. Anmeldungen bei Frau Dozent Kornfeld, XIX., Hochschulstraße 21. Vorband zionistischer Mittelschüler. Samstag, den 20. d. M.. um 7 Uhr, im Jüdischen Zentrum, It., Unt. Augartenstraße 35, Gcneralvcr-* Sammlung. Zionistisch-akademischer Verein „Bar-Kochba". 20. d. M., halb 9 Uhr abends, dringender Konvent im Cafe Atlashof, I., Prang Josefs-Kai. Erscheinen unbedingte Pflicht. Die Tribüne. Ein Sprechsaal für unsere Leser Der sozialdemokratische Bürgermeister von Vöslau besehimpft die jüdischen Kurgäste. Wir erhalten folgende' Zuschrift: Geehrte .Redaktion 'Die ^Neuie Welt" hait isich nieiiner Meinung nach über den Fall des Vösdauer Bürgermeisters Fr im nie! nicht■"'-gründlich genug ausgesprochen. Dieser Mann, der tifn Sommer den Juden das Geld afb- ■ nimmt, um sie im Herbst zu' beschimpfen, versteht es auch sonst, jüdische Hilfe in Anspruch zu nehmen.' D i e Anleihe, welche Vöslaxt für seine Verschönerung und den Ausbau seines Bades erhalten hat, stammt von zwei Judenbanken und der Wiener Gemeündesparkassa. Also von. Juden und Sozialdemokraten, welche auf jüdüsche Stimmen sehr . großes Gewicht legen. H-err Frwnmel, welcher zuerst als Schullehrer versagte und dann dank verschiedener Manöver Bürgermeister wurde, hat Vöslau in kolossale Schulden gestürzt, und nun, da er die Zinsen nicht aufbringen kann, läßt er seine Wut an denjüdischen Kurgästen aus. und beschimpft sie. Hochachtend B. L. . Antwort der Redaktion. Wir behalten uns vor, bei Beginn der Bädersaison darauf «u ^dringen,: diaß die jüdischen Kurgäste von den Auslassungen dieses Bürgermeisters in Hinkunft verschont bleiben. Sollte das nicht m erreichen sein, dann, werden die Vöslauer eiben d'ie Konsequenzen aus dem Verhalten ihres teuren Oberhauptes tragen müssen. * Austritte aus dem Judentum. Rosa Gruber, geb. 23. XII. 1894, Czernowätz, ledig, V., Kettenbrückengasse 21. — Adolf Samuel Steinberg, geb. 3. V. 1882, Liverpool, verh., XVIII., Schulgasse 90. — Max Hevesl, geb. 29. VIII. 1894, Budapest, verh., Kunsthändler, XII, Aichholzgasse 10, und seine Frau Josefine Hevesi, geb. Kanczuker, geb. 2. V. 1896, sowie die Kinder Hans Hevesi, geb. 21. XM. 1922, Wien, und Ulla Hevesi, geb. 21. IX. 1924, Wien. — Otto Keßler, geb. 9. XII. 1889, Wien, ied., XVI., Wattgasse 25,,.— Anton Robltscnek, geb. 9. VII. 1863, Fehow, led., XVIII., Antonigasse 35. — Norbert PieHfer, geb. 18. X, 1879, Wien, verh.-, VH... Neubaugasse 4. — Erwin Schön, geb. 27. IX. 1912, Wien, led., VH. Neustiitgasse 3. ~ Stefanie Schlesinger, geb. Hart8 mann, geb. 2. VIIT. 1886, Janegg, verh., II., Franz Hochedlingergasse 3. — Karl Scnorr, geb. 1. V. 1906, Wien, led., IL, Schmelzgasse 12. — Adolf Klein, geb. 29. VIII. 1873, Belovar, verh., Ober-Ing. a. D., L, Dorotheergasse 2. — Hans Singer, geb. 16. II. 1905, Wien, led., XX., Rauscher- Straße 14. — Emilie Scherfner geb. Hermann, geb. 20, X. 1875, Svetnar, verh., V., Reinprechtsdorferstraße 14. — Käthe Susanne Tscbiaßny geb. Spieler, geb. 16. VII. 1902, Purkersdorf, ger. gesch., I., Biberstraße 21; — Ferdinand Weiß, geb. 23. VII. 1903, Wien, ied*, XIII., Spefsingerstraße 21. — Rudolf Günsberger, geb. 22. I. 1903, Wien, verh., XIII.» Unzerstraße 128. — Robert Löbner, geb. 1. II. 1891, Wien, led., XML, F^ngartenstraße 31. DIE MUTTER Roman von Schalom Asch. Gopyright by Dr. Präger-Pressedienst» Wden. (25. Fortsetzung.) „Was, Vater, dai bist auch ein Önion-Mann 2€- worden?" „Natürlich, auf dich werde ich mich verlassen? Hast mich als Sklaven einem Boß verkauft." Der Aelteste sah den Vater erstaunt an. Ansehe! rief seiner Frau aufmunternd zu: „Sure, warran schweigst du?'4 Daraufhin ging Sure in eine Ecke, holte aus einem Topf die fünfzehn Dollar heraus und legte sie wortlos dem Aeltesten neben seine Schüssel mit den Klößen nieder. „Was: ist das?" .— fragt der Sohn. „Von euch Unternehmern wollen wir kein Geld. Wir brauchen es nicht" — antwortete Anschel an Stelle der Mutter und zog die Zei'fcung vor seinen Kopf. Der Sohn schaute die Maitter an, schaute nach der Zeitung hin, hinter der sich der Vater befand, und wußte nicht, was geschehen war. „Mein, liebes Kind, ich will dir die ganze Wahrheit sagen" — begann Sure Rifke. — „Wir sind wohl arme Leute, doch sich unser zu schämen ist kein Anlaß. Wenn du dich unser schämst, so brauchen wir dein Geld nicht. Gott wird uns ohne dein Geld helfen" — die Mutter verschränkte die Arme. „Verstehst du", — Arisohels Kopf tauchte wieder über der Zeitung empor — „verstehst du, wer ich bin, weiß ich. Ich bin wohl ein armer Mann, ein ,Grüner\ ein Arbeiter; aber wer deine Schustersleute sind, das weiß ich noch nicht" das Gesicht des Vaters tauchte wieder hinter der Zeitung unter. Der Sohn hörte auf zu essen; er schob den Teiler fort und sagte verzweifelt halb zu sich: „Was soll ich jetzt tun? Ich habe doch schon der Braut und der Schwiegermutter gesagt, daß ich .euch am ersten Sederabend mitbringen werde. Sie rechnen auf euch, wie stehe ich jetzt da?" Anschel legte die Zeitung weg. . „Uns mitbringen? Zu ihnen, m deinen Schustersleuten? Was? Meinst du vielleicht, weil wir heruntergekominen sind, weil wir ,Grüne* sind, meinst du, denkst du, daß du Narren aus uns machen kannst? Ich bin ein ehrlicher Arbeiter", — Anschel wurde plötzlich auf seinen Arbeiterstand stolz, was nicht bloß seinen Aeltesten, sondern auch seine Frau wundernahm ~ „ich verdienei-ehrlich mein Brot/wie es in der Bibel steht Und wer sind deine Schustersleute? Sag' mir doch, kann dein Schwiegervater hebräisch? Kann er beten? Kann er vielleicht die Tihöra vorlesen? Auf Amerika gesagt! loh und die Mutter sollen hingehen, zu deinen Schustersleuten? Wenn dein Schuster deine Bitern kennen lernen will, so ist er nicht krajik, zu Reb Anschel, dem Thora- .Vorleser, in den Keller herzukommen!" — Anschel schlug auf seine Brust, wie ein Krieger, der auf seine Auszeichnungen hinweist. Der Sohn erschrak vor dem Vafejr; zum erstenmal seit der Ankunft in Amerika war Anschel wieder der alte Anschel. Salomon schwieg. Er sah sich bloß im Zimmer um und sah noch einmal die ganze Armut, die darin herrschte; und während er daran dachte, wie er seine Braut und seine Schwiegereltern in diese Kellerwohnung führen sollte, tat er sich selbst leid und begann zu lamentieren: „Ich habe mit Blut und Schweiß ein paar hundert Dollar erspart, um heiraten zu können. SoH ich vielleicht jetzt dieses Geld nehmen und den Keller möblieren? Woher werde ich Geld nehmen, um wi heiraten?" „Wer bittet dich darum? Bittet dich wer, daß du etwas tun «rillst?" — sagte der Vater schon etwas ruhiger. Die Mutter woöte Frieden stiften; der Sohn dauerte sie: „Wer braucht neue Möbel? Du wirst ihnen sagen, wir seien noch nicht lange im Lande: Wir sind ja noch ,GrüneV „Ach was, geht es denn um Möbel? Wenn man ein Mensch ist, muß man Möbel haben?" — auch der Vater wurde weicher. Verzweifelt blieb der Aelteste sitzen und dachte nach, was zu tun sei. Indessen kam „Mosesleben" nach Hause und wie stets brachte er der Mutter ein Paket mit; er winkte sie in eine Ecke und überreichte ihr ein Pfund Makronen, die er aus seinem Geschäft mitgebracht hatte. „Hier, Mutter, heb' es dir auf, daß du etwas hast, um dir das Herz zu erquicken." Die Mutter untersuchte den Inhalt des 'Pakets; als sie die Makronen sah, rief sie: „Dummes Kind, wozu brauche ich das? Ich werde es aufheben, um es der Braut vorzusetzen." „Was für einer Braut?" „Schloimeleben bringt doch m\ ersten Sederabend die Braut zu uns her" —- sagte die Mutter laut, damit Schlojme es höre; sie wx>llte ihm damit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.