Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 57 (19.10.1928)
- Date
- 1928-10-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I Nr. 57 DIE NEUE WELT Seite 7 Die Ritualmordaffäre in Massena beigelegt Der Bürgermeister entschuldigt sich öffentlich. — Ein Polizeikorporal gemaßregelt. Aus New York meldet d:e JTA.: Der Bürgermeister des S ädtchens Massena im S aate New York, Hawes, der beim Auftauchen der Ri.ualmordlegende gegen die Judenschaft seiner Stadt am Vorabend des Vcrsöhnungs'ages ein Verhör mit dem Rabbiner angesteirt uhd dadurch dem RKu^lmordgerücht noch Nahrung gab, hat sich nach seiner unter dem Vorsitz des von Major Warner in Alba-iy sta'.tgefundenen Vernehmung entschlossen, sich gegenüber Louis Mars ha 11, dem Präsidenten des American Jewlsh Commi tee, und Doktor Stephen S. W i s e, dem Präsidenten des American Jewish Congreß, wegen des Zwischenfalles vor aller Öffentlichkeit zu enischuld'gen. Dem Verhör des Bürgermeisters Hawes in Albany hat Stephen Wi:e persönlich be'gewohnt. Louis Mars ha 11 und Stephen Wise erklärten, daß sie die Entschuldigung des Bürgermeisters Hawes entgegennehmen, womit der Zwischenfall als abgeschlossen zu betrachten sei. Der Gouverneur des Staates New York, der demo- Erste Palästinareise 5689. (13. Mörz bis 9. April 1929.) Wie bereits mitgeteilt, veranstalten der Verband radikaler Zionisten, die Vereinigung demokratischer Zionistinnen gemeinsam mit dem Palestine Touring Club, Wien, im kommenden Frühjahre eine Gesellschaftsreise nach Erez Israel. Diese Re;se, welche unter der Devise „Purira in Te 1 -Awiw" stattfindet, ist die erste von Zionisten Oesterreichs veranstaltete Gesellschaftsreise nach Erez Israel. Die vor einem halben Jahre erfolgte Ankündigung der Reise hat lebhaftes Interesse nicht mir in Oesterreich, sondern auch in Deutschland, Polen, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien hervorgerufen. Die Abfahrt von W:en erfolgt am 13. März 1929 früh nach Genua, wo sich die Reiseteilnehmer nach vorheriger Besichtigung der Stadt auf den Lurus- Eildampfer der „Sitmar^-Linie „A u s o n i a" einschiffen. Dieses Schiff ist mit dem modernsten Komfort ausgestattet, hat einen Tonnengehalt von 15 000 Tonnen und nimmt außer einer Besatzung von 200 Mann 472 Passagiere auf. lAlle Klassen verfügen nicht nur über geräunrge und elegante Kabinen, sondern auch über zahlreiche Gesellschaftsräume, Spe'sesäle, Ballsäle, Konversationsräume, Damensalons, Rauch- und Schreibzimmer, Kinderzimmer, Lesehalle, Bar usw. Die Kabinen haben größtenteils See- 'aussicht und sind schon in der 3. Klasse vier- und sechsbettig, während in der 2. Klasse auch zweibettige Kabinen zur Verfügung stehen. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß dieser Luxusdampfer über eine 3. Klasse „Spezi al" verfügt, welche sich nur wenig von der 2. Klasse unterscheidet und der geringe Preisunterschied zwischen dieser Klasse und der 3. Klasse „einfach" durch viel größeren Komfort und sonstige Bequemlichkeiten reichlich aufgewogen wird. Der Reiseleitung ist es überdies gelungen, für die Reiseteilnehmer außer den den einzelnen Klassen zugehörigen Decks einen Teil des Decks der'2. Klasse zur Benützung für sämtliche Reiseteilnehmer zu reservieren, so daß die Reisegesellschaft Gelegenheit haben wird, auch während der Schiffsreise miteinander in Kontakt zu bleiben. Mit diesem Luxusdampfer geht die Reise zunächst nach Neapel, wo ein sechsstündiger Aufenthalt zur Besichtigung der Stadt, des Nationalmuseums mit den Ausgrabungen aus Pompeji sowie des berühmten Aquariums benützt werden wird. Es sind auch Ausflüge nach Sorrent, Pompeji, Capri, dem Vesuv usw. geplant. Auf der Rückfahrt wird abermals Neapel angelaufen, so daß ein Teil dieser Besuche und Ausflüge während des zweiten Aufenthaltes in Neapel absolviert werden kann. Auf der Weiterfahrt wird noch ein kurzer Abstecher nach Syrakus gemacht und am 18. März früh landet das Schiff In Alexandrien. Nach Besichtigung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten wird am Nachmittag die Reise nach Erez Israel angetreten. Am 19. März früh erfolgt die Ankunft in J e r u1s a 1 e m Der Aufenthalt in Jerusalem ist für vier Tage berechnet und diese Zeit wird zur Besichtigung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten sowie zu Ausflügen nach Bethlehem, Jericho, dem Toten Meer usw. benützt. Die Ausflüge und die Fahrten von einem Orte zum anderen werden in erstklassigen Gesellschaftsautos absolviert, die von gut ausgebildeten jüdischen Chauffeuren gelenkt werden. Von Jerusalem geht die Weiterfahrt über Moza, Kiriath-Anavim nach T e I - A w i w. Von hier aus werden Ausflüge in die Kolonien gemacht. Der 26. März „P u r i m" wird in Tcl-Awiw verbracht, wo die Gesellschaft Gelegenheit haben wird, das Purimtreiben in dieser Stadt mitzumachen. Von Tel-Awiw geht es über Chederah, Sichron Jakob, Allitt nach Haifa. Für Haifa sowie die von hier aus 1 XU erieicheudea Kolonien im Eraek ist ein Aufenthalt { kratfechc Präsidentschaftskandidat Smith, hat verfügt, daß der Polizeikorporal Mac Cann, der mit der Aufsuchung des verschwundene:i und inzwischen wiedergefundenen Mädchens Barbara Griffith betraut war und in diesem Zusammenhang den Rabbiner von Massena in unangemessener Weise verhörte und ihn gegen seinen Wfbn Ins Bürgermeisteramt eskortierte» vom Dienst suspendiert werde. Die ständige Komm'ssion zur Herbeiführung eines bessere i Verständnisses zwischen Chr'sten und Juden, der führende Persönlichkeiten des Prostestantismus, Katholizismus und des Judentums angehören, veröffentlicht aus Anlaß des Zwischenfalls in Massena e'ne Erklärung, in der gesagt wird, daß die ge^en die Juden erhobene Blutbeschuldigung in höchsten Grade grausam und kränkend für das Judentum sei u id daß d'e v i senschaftl che Forsch'ng fes'ges'e'lt hat, daß niemals in der Gesch'chts da» Juden'um odsr ein Teü de.* Judenturm für religöse Zwecke Men;chenblut gebraucht hat. von vier Tagen vorgesehen. Als Abschluß des Aufenthaltes in Erez Israel ist T i b e r i a s und Umgebung im Programm. In Erez Israel sind einige Tage zur freien Verfügung der Reiseteilnehmer eingeschaltet. An S a m stagenwerdenselbstverständlichwederAusflüge noch Besichtigungen seitens der Reiseleitung unternommen. Für eine tadellose Unterbringung der Reisegesellschaft in den einzelnen Orten ist bereits vorgesorgt. In Erez-Israel werden durchgehends jüdische Ho'.els und Pensionen mit ritueller Verpflegung bezogen. Ebenso wurde dafür Vorsorge getroffen, daß auch in Aegypten rituelle Verpflegung geboten wird. Auf dem Dampfer wird für jene Teilnehmer, die auf rituelle Verpflegung reflektieren, für ein ausreichendes Menü, bestehend aus Fischen, Mehlspeisen, Kompotten usw. vorgesorgt sein. Am 1. April früh erfolgt die Abfahrt von Erez- Israel nach Kairo. H'er verbleibt die Reisegesellschaft bis zum 4. April und benützt diesen Aufenthalt zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten, der Stadt sowie deren Umgebung. Am 4. April nächmrttags schifft sich die Reisegesellschaft auf der ,jÄüsoniä" nieder ein urid trifft nach kurzem Aufenthalt; in ' Syrakus^jjund abermaligem ■ sechs-* stundigen Aufenthält in Neapel £jfi 8. April früh in Gentia' ein. H;er hält sich die Gesellschaft einen Tag auf, besucht Santa Margherita', Rapällo, Nervi sowie den weltberühmten Friedhof von Genua. Spät abends wird die Rückreise' nach Wien angetreten. Die Veranstalter haben sich besonders darum bemüht, daß die Teilnahme an dieser Reise mit nicht allzu großen materiellen Opfern verbunden sein soll, was um so eher möglich war, als die Veranstalter, keinerlei.Gewinn aus dieser Reise ziehen wollen. Der Preis beträgt für die ganze Reise von Wien bis Wien: bei Benützung der III. Sohiffs>kl?s?e einfach engl. Pfd. 35 S 1200 bei Benützung der IM. Sdhiffsklpsse spezial engl. Pfd. 41 S 1400 bei Benützung der H. Sotoi'iffsklasse engl Pfd. 58 S 2000 Eisenbahnfahrten und Unterbringung in Erez-Israel /und Aegypten sind bei allen Preiskategorien die gleichen und Reisegepäck auf der E'senbahn bis 3.0 Kilogramm, auf dem Dampfer bis 70 Kilogramm per Person frei» Die Einzahlung kann in beliebigen Raten bis zum 31. Jänner 1929 erfolgen, doch empfiehlt es sich, die Anmeldung schon jetzt vorzunehmen und die Anzahlung zu leisten, damit die Reiseleitung die Möglichkeit hat, die besten Kabinen für ihre Teilnehmer rechtzeitig zu belegen. Der aufredende Prospekt enthält ein vollständiges Reiseprogramm sowie genaue Angaben über die Bedingungen der Teilnahme, wie Anmeldung, Zahlungsmodalitäten usw. Prospekte werden über Verlangen gratis vom Sekretariate der Re'seleitung der I. Palnstina-Reise (Frau Berta Taubes), Wien, IL, Böcklinstraße 92, zugesendet. Die Einzahlungen erfolgen auf das Postsparkassenkonto der „Nquen Welt" und erhalten die Reflektanten die nötige Anzahl Posterlagscheine. Auskünfte werden auch auf telephonischem Wege durch Frau Paula Stricker, Telephon Nr. R-45-6-89, und Frau Berta Taubes, Telephon Nr. R43-9-19, gerne erteilt. Sensation! Sensation! | Einzig in ihrer Art ist die | Papiersäcke-Reklame I der Firma s E. LORENZ, VII., KARL SCHWEIGHOFERG. 4 1 Das elektrische Radto-Wunder „aigmophon" Ohne Batterien, ohne Akkumulator, mit eingebautem, wirklich klangreinem Laut« Sprecher. Einfachste Bedienung. S 310«—. Auf Wunsch Teilzahlungen. Alleinverkauf und Vorführung nur RADIO-ZENTRALE, Wien, Vit. Mariahflfergtr.86, Tel. B-31-402 Eine jüdische Poliklinik in Berlin. Die Repräsentantenversammlung: der Berliner Jüdischen Gemeinde bewilligte au'f Antra.? der Jüdischen Volksnrtei 3000 Mark für die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „Ose". Fpr"or ^langte ein Antrag der Volkspartei auf Errichtung einer Poliklinikinder inneren Stadt zur Annahme, die zunächst mit einer chirurgischen Station und einer Station für innere Krankheiten ausgestattet werden soll. Zur Begründung firhrte Dr. Klee aus. daß für d'ic große Masse der Berliner Juden, die Im Norden, im Osten und im Zentrum der Stadt ansässig seien, eine derartige Institution dringendes Bedürfnis sei. Die Fremdenkontrolle in Rumänien. Die jüdischen Staatenlosen. Aus Czernowitz w-lrd gemeldet: Die in Rumänien angeordnete sogenannte „Fremdenkontrol'le" wurde bekanntlich als eine schwere Bedrohung der vielen tausenden „Staatenlosen" gedeutet, die vor der Gefahr der Landesverweisung standen. Der jüdische Senator Horia Carp intervenierte beim Minister des Innern, worauf seitens der kompetenten Stellen erklärt wurde, daß diejenigen Juden in den neuen Provinzen, die o h n e S t a a t sbürgerschaft geblieben sind, bis zur endgültigen Lösung der Frage nicht in den Rahmen der Ausländer fallen, welche der Fremdenkontrolle unterstchen. Eine amtliche Bestätigung ist noch nicht erfolgt. Der Verfall des türkischen Judentums. Aus einem Reisebericht durch die Tünkei in den letzten Wochen heben wir die folgenden Mitteilungen als Dokumente zu dem traurigen Kapitel „Verfall des türkischen Judentums" hervor. Wie mir der gegenwärtig nahezu 97jä:hrige Großrabbiner der Türkei Rabbi Chaitrt Bioscherano auf Grund seines authentischen Ziffernmatrials mitteilte, leben jetzt innerhalb der Grenzen des türkischen Reiches nicht mehr als 150.00D Juden, von denen die meisten in dm drei großen Städten des Landes wohnen. Die jüdische Gemeinde von Konstantinopel hat 80.000 Mitglieder, in Adrianopel gibt es 15.000 Juden und die übrigen Sind auf andere größere und kleinere Städte und Gemeinden verteilt. Bei meiner letzten Anwesenheit in Konstantinopel begegnete ich einem jüdischen Buchhändler, einem Juden aus Jerusalem, der für eine Wiener Firma arbeitet, deren Spezialität jüdische Antiquitäten sind. Ein jüdisches Buch, das jünger als 200 Jahre ist}, besitzt für sie keinen Wert. Der jüdische Buchhändler, von dem h'er die Rede ist, sitzt nun seit vielen Monaten in Konstantinopel und kauft alte hebräische Bücher von Judengemeinden und Privatpersonen auf. Er erzählte mir, daß seine Firma in Wien schon seit sehr langer Zeit keine so gute Ernte hatte, wie jetzt in der Türkei. Er reiste schon in seiner Suche nach jüdischen Antiquitäten und ganz besonders alten Büchern durch Marokko, Tunis, Aegyipten, Syrien -und alle Länder mit spanischjüdischen Gemeinden und auch durch andere Gebiete, wo noch Aussicht auf Entdeckung und Erwerbung alter, jüdischer Drucke und Handschriften vorhanden wäre, aber nirgends waren diese Antiquitäten so billig und so gering eingeschätzt, wie jetzt hier in der Türkei. Man kann jetzt alte Bücher, wahre Schätze. u.m einen Pappenstiel erwerben. Die jüdi*- sche Bevölkerung in der Türkei, besonders in den kleinen Städten, ist bestrebt, die alten Bücher, welche von Generationen gesammelt wurden, und heute für die meisten ganz unverständlich geworden sind, loszuwerden. Aber schließlich ist der Verkauf von alten Büchern :auch noch ein Beweis einer gewissen höheren Kulturstufe. Denn der Verkäufer schätzt diese Eücher immerhin als eine Wertsache ein, die nicht verschleudert werden soll. Aber viel schlimmer hausten noch unter ihrem Vorrat an alten Büchern andere Juden in einigen'kleinen Gemeinden der asiatischen Türkei. Sie packten eines Tages den ganzen alten Bücherkram als ein lästiges Hindernis zusammen und verkauften ihn an die türkischen, griechischen und armenischen Lebensmittelhändler. als Makulatujrpapier. Und so war es in den letzten Jahren eine tägliche Erscneinung, daß irgend ein türkischer Greisler einen Häring in eine jüdische Inkunabel einpackte, das heißt in die Blätter eines Buches, welches zumindest vor dem Jahre 1500 gedruckt wurde, in Bücher, von denen ein einziges Blatt einen höheren Wert besitzt als der größte Lebensmitteiladen eines solchen Händlers. Man hat mitunter in -dieser Makulaturmengc manch seltenes Euch gerettet, das, in Spanien gedruckt, auch manchem Biographen noch unibekannt geblieben ist. rwnwogygr—,«ggn»»r»wi w ~ Sieht Notis Telephon B-H8.6-70 E Alle jüdischen und hebräischen Volkslieder und kantoralen Gesänge der hervorragendsten Kantoren auf nebengeräuschlosen Schallplatten finden Sie in reichhaltigster Auswahl im Musikhaus „Excelsior". Inhaber Richard Herzog. Wien, I., Adlergasse 5. und II., Kleine Pfarrgasse 28 (Tel. R-23-4-90). Sprechapparate aller Systeme und modernste Tanzschlager und Opernarien in jeder Preislage auf Lager, ebenso alle modernen Gesangs¬ und Tanzschlager. Für Sprechapparate auf Wunsch auch bequeme Teilzahlung. Proviazversaud per Nachnahme,