Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 57 (19.10.1928)
- Date
- 1928-10-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 57 PELZWAREN GEBRÜDER BRAININ I., Bauernmarkt 2 a, Tel u 22-3-59 Mlockengtne 8, Tel. R-45-4-33 Propaganda des Kukuxklan waren Vorstöße. Sie sind abgeflaut, aber von anderer Seite her setzt der Angriff wieder ein. Amerika hat seine R it u a 1mordaffaire. In der vorigen Woche verschwand din Ghristenkind und schon loderten die Gerüchte auf. Nicht nur unter' dem Mob. Börgermeister und Polizeichef der Landstadt legten sich ins Zeug. Das Kind wurde glücklicherweise gefunden; Bürgermeister urid Polizeichef haben sich entschuldigt So hat es in Europa auch begonnen. Es wird wieder ein Kind verschwinden und gefunden werden, oder nicht gefunden werden. Die Juden werden einige Waggonladungen Zeugnisse erbringen, daß sie weder Kindernoch Jungfernblut verwenden. Dafür werden die anderen mit irgend einem Wenn und Aber kommen.- Blutrünstige Geschichten finden im Lande der Kino- und Dedektivromankultur immer ihre Liebhaber. Wenn es nicht gerade um Dollars geht, ist der Dutzendamerikaner leichter zu führen und zu verführen als irgend ein russischer Muschik oder ukrainischer Kosak. Der Topf ist im Kochen! •. Weit schlimmer ist es, daß der Judenhaß sich in das Herz und das Gehirn der amerikanischen Nation eingeschlichen hat und nun breit und fest sitzt. Die amerikanischen Hochschulen sind antisemitisch geworden, in solchem Maße, daß der Ruf nach Grün dun« jüdischer Universitäten in Amerika erhoben i!!lllll!l!lllll(lllllM 1 Verband radikaler Zionismen § s •Mittwoch, den 24. Oktoh*r 192$ um s a'b Ö Ubr,§ abends findet im Klublokale Gate Atlashot, Wien.I., ff Aspewplatf. eine . * s wichtige BiiMlM 'wird? N^ht etwa von zionistischer Seite, aus nationalen Motiven heraus. Nein, von sejten jener, welche sich als Vollamerikaner fühlen und von einer Äschen Nation nichts wissen wollen. Die Zeitungen dieser Juden klagen über die ständige Zurücksetzung und* Verfolgung jüdischer Studenten und erkennen, daß systematisch dahin gearbeitet wird, die Juden gewaltsam von den Quellen der Bil-. du hg fernzuhalten und geistig zu verelenden. Wie weit diese Tendenz gediehen ist, "geht aus einer Meldung der letzten Tage hervor. Die in Beirut, in Syrien, von Amerika errichtete und erhaltene Hochschule, welche gut geleitet und von den .palästinensischen und syrischen Juden stark besucht wird, nimmt von nun ab kejne jüdischen Hörer auf! Amerika sperrt ijlsö nicht nur seine heimischen Bildungsstätten für Juden, sotn dern auch iseine Auslandsinstitute. Darin Jjegt schon ein durchdachtes System'. Die amerikanischen Juden werderi Lärm schlagen, man wird sich vielieiph't — weil es gerade Jetzt zur Präsidentenwahl kommt —f entschuldigen, vielleicht auch nicht. Aber das System ist da Und bleibt. Wie bei uns zu Hause. Es gibt , kein privilegiertes Judentum.' ^uch die amerikanischen Juden, welche dpnk des Zusammentreffens günstiger. Umstände jahrzehntelang ein sorgloses Dasein führen konnten, werden leiden und kämpfen müssen. Das Land, das ihnen ungeheure Glückschancen bot, birgt auch ungeheure Gefahren, Dort wächst alles ins Riesengroße, das Glück und das Unglück, die Leidenschaft und der Haß. Die amerikanischen Juden sind heute reich und mächtig. Es mag ihnen schwer fallen, daran zu glauben, daß sie als Juden auf die Dauer vor ihren leidenden und verfolgten. Hnidern in Kuropa eigentlich nichts vor» aus haben, daß ihnen jeder Tag das gleiche Schicksal bringen kann. Ihr Stolz mag sich dagegen auflehnen. Aber die. Einsicht muß den Stolz überwinden, sonst wird die Zukunft noch traniger sein. Der. beste Gebc»iKk weiche» die amerikanischen Juden von 'jferer heute noch günstigen; Situation machen können, ist der, sich zusammenzuschließen und die heute noch reichen Mittel und großen Kräfte in den Dienst einer umfassenden nationalen Organisation zu stellen. "■■; '•• :' -;- r. st . , Der Taufjude als antisemitischer Clown, Von der Parte}, welche die Wiener Judengenteinde erobern will. . Die österreichischen Sozialdemokraten führen im Parlament einen Kampf, um die ungeschmälerte A u f r e c h t erhalt ung des M i e t e r Schutzes. Eine Sache, bei der sie desBejfalles eines sehr großen Teiles der Bevölkerung sicher sein können, denn die erwerbenden Menschen in diesem armen Lande fürchten; weitere wirtschaftliche Belastungen"; nicht mehr ertragen zu können, Die Sozialdemokraten begnügen sich aber nicht mit guten Argumenten, sie glauben, auch bei dieser Gelegenheit, wie bei vielen anderen, antisemitische Töne anstimmen zu müssen, um ihren Gegnern Anhänger abspenstig, zu machen. Der antisemitisch eingestellte Bürger soll eben davon tiberzeugt werden, daß er ö s t e r r e i c'h i s ö h e r Sozialdemokrat w e r de h u n d Ä n t i s c m i t b leiben k a n n. In Verfolgung djeser Tendenz leistete sich der sozialdemokratische Hauptredner in der Mietdebatte folgende Sätze: „In der Tabor9traße bat, nach .Abzug des Hausbesitzes der Börse, der geistlichen und Öffentlichen Körperschaften, seit dem Jahre 1918 rund die Hälfte der Häuser, ihren -Eigentümer; gewechselt. Ich wundere mich darüber, daß Sie so viel Interesse daran haben, ..diesen neuen Hauseigentümern eine Rente aus ihrem Haitsbesitz zu verschaffen. Ist Ihnen wirklich so viel daran gelogen, daß etwa ein'-Herr" Nil s S i m S c h a u 1 e v,,:M ö's e s und Ernestine Singer, Abraham Ung a r, ein Herr Dr. T e m i s t o 1 e s (Heiterkeit hei den. So?'V!11 -nokraten), Reg in e Feuer, J e rt te und 'Bi;,. a Schrämi.tzj lauter Eigentümer aus X der Inflationszeit ynd Na^nren, , von denen man rneineh konnte, da ß sie bei I'h n e n -weni g- $ s t e;n s ä 1c u s t i s c h wir ktö/ti sollten (lebhafte i Heiitefkeit .^bei den ..Sozialdemokraten), rasch zum i Erfolge, ihr^fV; Sft&^ Das Unrecht, | '6as darin liegt, ::&3$f&$„ wolinstätteri Mt'-fyfterijjk i Bevölkerung von D#Te mi s tok 1 e s, der R&-; %ftjel4'% «C|fertf;A b fpiÄi- 'fjcr$v fe; / undanderen .enwoiSenl^pd^rli nfeotitffl&$ Abge-' k ordneten Dpppjer»fäinß ,§öx%& faust\mmu<ng t§i: den Soziald^ökrateh;)-' '•;:"v-::':?x> V i- Ihre besondere Färfe-uiig erhält diese Rede durofi ■;die I^rs^rt^des.'-Sprebßeiks»:;<ies. NätföfnalrÄtes Dr. Arnold E i s 1 e r. Es' zeiigt si0h;?wäs in der österreichischen Sozialdemokratie heute' oben .schwimmen darf. : .:£)er Mann;-der 4n dieser ordinären Art/^dische-Na- men dern:. dejäobte.r..ßzbl$0bt und . die antisemitisch ^verhetzteöasse nöchweiter verhetzt/ ist ein J ü d i- ^scher^Retieg^t der ganz- Übeln Sörte.''ßr;.en.:t-!-stammt der orthodoxen ' mährischen Judengemeinde Bps k o" w i: t z; Als Sfrident war er jüdischer -Idealist und Z\o ni s'f, Angehöpiger einer' j ü d i s c hm a t i onalen StudentenVerbindüiig. iNach Vollendung seirier Studien Wurde :er in das christHch-cletitsche Graz'verschlagen. Dort erkannte er, daß mit Judentüm und zionistischem Idealismus in einer solchen Umgebung keine Geschäfte ziu machen sind und. traf Vörbereitungen zur Sicherung einer einträglicheren Zukunft* materielle und geistige Vorbereitungen. Er heiratete vorerst die Tocliter eines r e i c h e-n i ü d ischen Brünner Eskompieurs und *Hausbesitzers und ließ sich,sodann mitsamt sein e r G e m a h l i n t a u f e n. Die seiioffte „akustische und optische" Wirkung aber blieb aus.: Die-Ohren und *lie Augen der teutschen Grazer wollten, die Aen- TUCHHAUS ONZ WIEN, I. | ^rtlgasse 4 und i Kramersasse 11 |; Telephon U 25-2-57 I Import Original englischer and 1 schottischer Herren' a. Damen- 1 Stoffe sowie irischer Donegals I und Thornproofs I ü n 1 Detailvorkauf zu Engros-Preisen I I as Sa Si ...... ■ -lg ||!||l!lll!ll!lll|l||]|ll!lllllll!!li:illllll!lllllllllllllil!llllllill!IIIIIIIHH^ derun;geh nicht zur Kenntnis nehmen und das gesegnete Paar nicht als' gut christlich und deutsch anerkennen. Für sie blieb es ein Gemisch von Boskowitz •und Eskompte. Da, wandte sich das Herz des Herrn Dr. Eisler von der undankbaren bürgerlichen Gesellschaft weg und begann fürs Proletariat zu schlagen. Er widmete sich fortab dem sozialdemokratischen Ideal-Geschäfte und nun gings rapid vorwärts. Er wurde * vielbeschäftigter Parteianwalt und Führer. Den zwar alleinseligmachenden aber nunmehr höchst, überflüssigen katholischen Glauben legte er ab und wurde konfessionslos, Freidenker. Als antisemitischen Redner irirösterreichischen Parlament sehen.; wir; ihn wieder. * ..;; Jn einem .Artikel im spzialdempkratischen „Kampf'' füihrt der Chefredakte-ur Friedrich Ä u s t e rl i t z darüber Klage, daß in anderen Ländern zwischen Sozialdembicraten und der übrigen" Gesellschaft ein erträgliches Verhältnis; wenigstens teilweises gegenseitiges 'Verständnis besteht, .in Oesterreich' atjer verbitterter frälT Diese Ätisf?'hrun<ren lassen" sich durch ein Beispiel ergänzen. In fast allen europäischen L.äiidern gesteht zwischen der S o z 1 a 1 de m o- ,.Jc"r ^i\^^mi^,j0^"'z;i;6 nTs tisch o r g arii s ie:rt e.jji^Ju'd.e^nlt^in. ein. ^sehr"?, rretin-dficries VerhalMs-. Ini 'Öesterrelci'hich^ liegt'aber nfeJit 'xiärjn, daß der Ö^erreichische Zionismus-antisozial eingestellt .isti >vieknehr darin, daß die österreichische Sozialdemokratie in allen jüdischen Fragen die eigenen Grundsätze vergißt und um billigen Tageserfofecs willen alles Jüdische mißäohtlich behandelt;ui;rd verungliraDfl J'üdische Renegaten a la Eisler dürfen den Ton angeben; und er klingt danach^ Wenn die in jüdischen Fragen von solchen Menschen geführte Partei noch dazu übergeht, für die Wahl in die Wiener Juden.gemeinde k a n d i d a ten aufzustellen, um die einzige Repräsentanz-derv,J'udeh zu erobern, also unter!, das Kommando von Taufjuden zu stellen, dann sollte sich Herr Austerlifz nicht darüber wundern, daß es in Oesterreich anders, aussieht äils in der übrigen. Welt. Eine'Partei, welche jüdischen Ueberiäitfern ihre Vertretung anvertraut, hat kein Recht, bei den anständigen Juden Aohtuhig und Liebe zu fordern. Vernichtung der Juden in Kussland. Lunatscharsky will sie In den Schmelztiegel bringen. Die JTA. meldet ans Moskau: Der Volkskommissär für Volkse-rzichung Lunatscharsky hielt in Leningrad eine Rede g e % e n d e n A n t i s?e m 11 i s m « s. Die Lemlinigrader Zeitwn« „Kraßnaja Gaaetta" bringt über diesen Vortrag . einen . längeren Bericht, d«r Aemßernngen Lunatsoharskys enfbält, die in Widerspruch w seiner M$- -herigen rfaltmig stehen., hmt diesem Bericht *oH Lu-natsoharsky u. a..folgendes ««sagt 'haben: . Di« Lösung des jüdischen Problems in Rußland kann wir in der Welse geschehen, daß die Juden in den großen Schmelztiegel der die Länder der Sowjetunion bewohnenden Völker kommen und sieb mit Ihnen vermlnchen. Diejenigen Angehörigen der Jüdischen Bourgeelsi«, die SowietraiÖIand -ZM verlassen wünschen, atn- «ich nadt dem Judenstaat von Englands Gnaden zu begeben, mögen mir geiien. W^t aber wollen es. nicht gestatten, daß ma.n ftier Scholen för die tote hebräische Sprach* eröffnet.- Au«h .die „Sphneersöhnowschtschina** (gemeint sind das. ■ religiöse Werk und die Richtung Rabbi Schneersohns, de? aus Rußland ausgewanderten „LubawltscheT Rebbe**), dieses Ueberbleibsej des Mittelalters, werden wir naeä wie vor bekämpfen; unser Ziel Ist und bleibt die Verschmelzung aller Völker. Den AngeTiöriigen des Jßdiscihen Proletariats und der Jüdischen f(»teW«en» woWen wir unsere Bruderarme (j^OOO,