Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 57 (19.10.1928)
- Date
- 1928-10-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Groschen V« ba: b» BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zioty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUS GEBER: RÖ&ERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1,50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: Ä25-2-82 — Erscheint Jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 1% Oktober 1928 Nr . 5 7 Minister Wedgwood will den Judenstaat t Seite 3 Aus dem Inhalte : Der Tauijude als antisemitischer Clown. —y: Unterricht bei Wedgwood. B.-Kowfjer, New York: Wie Jente in der Synagoge Skandal macht. N. Warschau: Der jüdische Sejmkhib vor der Herbstsession. Herzl in der Pester Chewra Kädischah. Vernichtung der Juden in Rußland. Das jüdische Taubstumtneninstitttt unter dem ^Hammer. Aus Palästina. Die Ritualmordaffäre in Amerika. Dr. Emanuel L a s k e r über Schach und über Zionismus. s' Der ' Verfall des türklscheh^ijudeiitums. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung: Die Krise in den jüdischeh^portverbänden. Der F. C. Hakoah voraussichtlich Herbstmeister. ~ Die Hakoah-Amateure. — Die Meisterschaft der jüdischen Amateure. --Jüdischer Sport in Polen. Die Tribüne. Austritte aus dem Judentum. Schalom Asch: Die Mutter. Schalom Alechem: Komödianten* Alle im: redaktionellen .Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch, 'ehr beigefügtes E bezeichnet. . -...^tf/*....-• .. ■ Die Klagemauer wird vei&aüt-tt^ " ' ' ' ■■■>.<■■:■:■ y*\ : ' •..; ■ '• ■-■ '< ' ■■ '■•'0 ' ..^x Pin neuer Gewaltet ^^^rabei*. Aus Jerus a 1 e m; 15. Oktober,- meldet die J. T, A.^. Die Araber begannen die Klagemauer.' zit verbauen,' indemsie zunächst über diese eiiie neue Schicht Steine legen.' Die Erregung unter dem Jerusatemer Juden über, diesen öewaltstreich ist ungeheuer.- Der Präsident der Jerusalemer jüdischen Gemeinde, Herr -Meyuchas erschien beim Distriktskommissar von Jerusalem, - Major Keith-Roach und überreichte ihm einen Protest der Gemeinde gegen* die . Verbamtng der heiligsten religiösen Stätte der Juden. ' .pj9r Distriktskommissär erwiderte, däe Araber seien bereclitigt, an der Klagemauer, die ihnen gehört, Bau« arbeiten vorzunehmen. , Der Leiter der Zionistischen Exekutive Palästinas» F\ H. K i s c b, erschien beim stellvertretenden Oberkommissär, H. C. Luke, und überreichte ihm einen Profit der Exekutive gegen die Gewaltmaßnahme der Araber* Auch in nichtjüdischen Kreisen, die an der Erhaltung! denkwürdiger und religiös ehrwürdiger Stätten interessiert sjnd, mächt sich eine Protestbewegung gegieji die Verschandelung der Klagemauer bemerkbar. Ein Schritt Weizmanns beim Kolonialamt. -In ejinetr Pressekonferenz der zionistischen Exekutive iir London teilte Professor Brödetsky mit, Dr. Weizm a nn-halbe befcm' Kolonialamt die notwendigen Schritte getan,* es-bestelle kelnesfafs die Absiebt, den Zwischenfall ohne weiteres auf sich beruhen zu 'lassen. Das Problem der Klagemauer müsse endlich eine definitive Lösung finden; es wird' erwartet, daß'ä u c Hl 4 e r V ö Ik erb« n d eingreifen-wird. " Bezüglich der Ei«Wanderung nach .Palästina teilte Professor Brodetsky mit, es werde eine neue Verordne ng. vorbereitet: die Zionistische Organisation werde in dieser Sache mit der Regierung demnächst in Verbirtdu<ng treten. Es'sei'zu ihoffen, daß die Regierung den bisherigen 'finanziellen Status der: Einwanderer (Pfd. Sterl. 500) «4,0. h<t wird erfliöh e n woMeoi.- . Pie Moslims mit Luke zufrieden. Der rnoslemitisöhe Oberste Rat hat der Jüdischen. Teiegf^phen-Ageht'ur mitgeteilt, daß er .mit dem Ausgang der B^preohowig seiner Mitglieder mit dem stellvertreten- - -~'''';':-'-«<;-'ify,.'-..i:!t'-;-'. ■ :-.--v -'■ ' •.'-'!'^£-';v<fe'V' - ■ - * ' •'. den,„p6er^mhiis>äri fjferrtf J-L-^äiU'ke. -die aiii 7. Oktober 'Ifjtö^^i^n''^äl,' vzyii$;3vic';de.tt ,se-i»; ^ekaiim1t^f;.ftÄd^^ der lnosleiriitiscilfe Oberste.' Rat' Von'-'- -der 'Re^er&iij ein striktes. Festhalten, an.de-iti's t atu s q-u o aii. der:.Kiaigehiäiuer. Der moslomitisehe Rat (hat beschlossen, üb-e-r den Verlauf "der, Ve.rlhandtongen\sfeibst nichts i-n.d.er Q'effeivt-' lichkeit verlauten zu lassen. Die „Weisen von Zion^ in Palästina. Eine Publikation des Obersten moslimischen Rates. ' Aus' J crusalem meldet JTA: „AI Jamca", das. Organ des Obersten Rates der MoslemRen in Palästina, hat mit der Veröffentlichung von Auszügen ans dorn berüdhtigten antisemitischen Pamphlet „Protokctöe der Weisen von Zion" begonnen. ' Arabischer Angriff auf einen jüdischen Bau. In der 'Nähe von M esc ha wurde mit'dem Bau der 'jüdischen Land wir tschaftssohule begonnen, die von :dfer;;Re-; igieranig aus der Htoterlassenschait des jüdischen Philanthropen K a d o o r i e errichtet'wird. Während die Ingenieure lind die Arbeiter mit den Vorarbeiten beschäftigt waren, versuchten! in der NachbaTSCihaft wohnende Araber die Weiterführung des Baues mit Gewalt zu verhindern. Polizei schritt ein und verhaftete 'mehrere der. Störenfriede. Die Bauarbeiten werden unter der Aufsicht der Polizei fortgeführt.. '" Die zionistische Anleihe. Wie. die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, werden die Verhandlungen der Zionistischen Organisation mit einem amerikanischen' Bartkkonsortium über die Auflegung einer Anleihe der "Zionistischen Organisation und des Keren Kajeineth in der Höhe von 3 Millionen Dollar während der Anwesenheit Dr. Wetemanns in New Yonk, fortgeführt ' und zum Abschluß geibracht werden. Man glaubt, daß <ier( Anleihe vertragM New'Yonk etwa um den 25: Oktober herum von Dr. Weiz-mann und einem Vertreter der Morgan-Gruppe unterzeichnet werden wird. Das letzte Bollwerk* Die Vereinigten Staaten gelten bis heute als das gelobte Land der Juden, als das einzige große liand ohne Antisemitismus. Die Nachrichten, welche gewöhnlich von drüben kommen, bestätigen das auch. Jüdische Gouverneure, Vizegouverneure, Gesandte, . Senatoren und Oberrichter. An jüdischen Feiertagen ergehen sich die Präsidenten und anderen Staatenöberhäupter in schmeichelhaften, an ihre lieben jüdischen Mitbürger , gerichteten Kundgebungen;'.'Die Juden kommen auch wirtschaftlich fabelhaft. rasch in die Höhe, ihr Judentum is.f ihnen beim Aufstieg nicht hinderlich. Wenn jüdische Gäste aus den-Vereinigten Staaten nach Europa kommen, tun sie ganz verwundert, wenn sie auf Aeußerungen des Antir semitismus stoßen, wenn sie antisemitische Plakate , erblicken, Zeugen einer hakenkreuzlerischen Straßeh- : Kundgebung werden oder vom Boykott der Juden Kören. Sie erklären mit stolzer Befriedigüng,. . daß solche Dinge drüben einfach unmöglich sind!; So was in Amerika — ganz ausgeschlossen! Demnach spheitjt drüben die jüdische Geschichte ganz umgedreht, aiJif den Kopf gestellt. Lehrt :dooh diese Geschichte in ihrem jahrtaiusendelangen Verlaufe, daß üherall dor), wo, Ju^en. zu einer großen - Zahl... und zu wichrlg;e)i; St^ilungen.'im^ gesellschaftiie^n Letietu gelangen," äi;töni$tisch:-''die,r ''^nti'^omiti^^i^:.1^!!- setzt. Amerika scrieint dieserlüeijre^äuy'tFÖ't^n'.^^ks/., ."'Mt-Ä-eigeii'Üich%&, Lügt die .alte jüdische, soiiichte? Öde^ lügt ViellWÖht Amerika? 's An der Gemütsverfassung der Amerikaner Ist es gewiß nicht gelegen, daß die Juden nicht verfolgt werden. Bestialität ist drüben ein gangbarer Artikel, Zumindest so gangbar wie in Europa. Und in .punkto Rassenhaß steht Amerika turmhoch, wolkenHrätzerhoch über Europa. Ein Mensch ohne Rassenhaß ist nicht gesellschaftsfähig. Wer die Schwarzen und Gelben nicht haßt, wer sie. nicht quält,; bespeit und: verfolgt, wer nicht ruhig mitansehen kann, wie. man Schwarze und Gelbe aus den Betten und Verstecken reißt, um sie zum Gaudium der ehrsamen Bürgerschaft zu spießen, zu schinden und zu verbrennen, wer da nicht mittun kann oder gar dagegen protestiert,' der ist ein Lump, ein Schurke, .ein Feind des Vaterlandes und der. Gesellschaft. Wer. deinen blauen Fleck am Fingernagel trägt, somit , verdächtig ist, im zehnten Grade von einer Negerin abzustammen, wird ausgestoßen und gemieden, wie ein Aussätziger, wie ein stinkendes Ungeziefer. Da geht es so zu, daß unsere von Bier und Rassenstolz beseelten Kouleurstudenten noch viel davon lernen könnten, wie man mit schwarzem, gelbem, und jüdischem Mischblut umzuspringen hat. . Auf meine Frage, wie es unter solchen. Umständen möglich ist, daß die Juden in Ruhe gelassen werden, antwortete mir ein kluger amerikanischer Jude keiner von denen, die sich. dummstolz als. hundertfünfzigprozentige Yankees geben — mit nicht ganz.heiterem Lächeln: „Wir Juden verdanken, den Schwarzen und Gelben sehr viel. Die Amerikaner, sind mit der Verfolgung dieser Menschen, mit der Agitation gegen Schwarz und Gelb so beschäftigt, cfaß ihnen; nicht viel Zeit und viel Interesse für die Judenfrage bleibt. Das Gewitter geht über unsere Köpfe hinweg." Ich fragte ihnj ob es immer so bleiben wird. Da schwand das Lächeln von seinen Zügen, ' Es mehren sich Anzeichen, daß in Amerika die Juderifrage langsam, aber sicher, in die Diskussion kommt. Die antisemitische Agitation des Automobilf^brikanten Ford und die neger- und judenfej^jHcfee' Das »erlangen MProswkUÄ^ Tt\cphon Nr. jtf*»**