Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 56 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite H>. DIE NEUE WELT Nr. 56 Vereinsnachrichlen. Zlott. Sektion Prater, Wien. II., Jungstraße 8. Freitag, den 12. Oktober, 7 Uhr abends, beginnen wieder die Ghumfsch-Vorträige. Freier Eintritt, auch für Niöbtmitglieder. Verband zionistischer Mittelschüler. Samstag den 13. Oktober um 7 Uhr abends findet in der Scholle eine We r b e v e r s a m rni In n g statt. Redner: Dr. J. Löwenherz. < Jüd. akad. Jurlstenvereln. Sonntag, den 14. d. M., 10 Uhr vormittags, in der Rede- und Lesehalle jüdischer Hoohschüler, IX.. Türkenstraße. 9, otd e n t H c h c G e n er al ver s.a mmlu ng für das Wintersemester 1928-29. Jugendverein „Erez Israel". Der Jugendverein „Erez Israel", Wien, Ii., Ziiikusgasse 33, gibt bekannt, daß die hebräischen Kurse für Anfänger, Fortgeschrittene und Konversation bereits begonnen haben. Einschreibungen au allen drei Kursen werden täglich entgegengenommen. Ferner werden freiwillige Mitarbeiter zu den Kuituswa'folen gebeten, sich täglich, ab 6 Uhr abends, Wien, IT., Zirkusgasse Nr. 33,; zur Verfügung zu stellen! Die " Hebräisch-Kurse der zion. Bezirkssektion Wieden-Margareten finden derzeit in drei Abteilungen statt. 1. Erwachsene Anfänger jeden Montag und Donnerstag von 8 'bis 9 Öhr abends. 2. .Vorgeschrittene jeden Montag und Donitterstag von 9 bis 10 Uhr abends. 3. Ein Kinderkurs. Die Zeit für diesen Kurs wird noch bekanntigeigeben werden. Die Kurse finden im Schdlokal V., Siebenbrwnnenigasse 1 a, statt, werden vom Herrn Lebrer Brawnfeld, Absolventen des hebräischen Pädagogiums, in moderner, vorbildlicher Weise gedeitet. Anmeldungen jeden Montagumd Donerstag, 8 bis 9 Uhr abends, in obigem Lokafl. Eventuell' telephoniseih unter Nr. B 25-3-81. E Alle jüdischen und hebräischen Volkslieder und käntoralen Gesänge der hervorragendsten Kantoren auf nebengeräuschlosen Schallplatten finden Sie .in reichhaltigster Auswahl im Musikhaus „Excelsior". Inhaber Riichard Herzog, Wien, I., Adlergasse 5, und II., Kleine Pfarrgasse 28 (Tel. R-23-4-90). Sprechapparate aller Systeme und modernste Tanzschlager und Opernarien in jeder Preislage auf Lager, ebenso alle modernen Gesangsand Tanzschlager. Für- Sprechapparate auf Wunsch auch bequeme Teilzahlung. Provinzversand per Nachnahme. füdisclie Spor i> und liiiiiiiiiiiiiiiiiM Der fünfte Sieg der Häkoäli-FußbaHer. 3:1 gegen Weiße Elf. '. Auch der fünfte,Gegner in der, Meisterschaft der zweiten Liga, mußte an - die Ueberlegenheit der Hakoah glauben. Die; Weißen Elf erwiesen sich'als harte Mannschaft, die zu (kämpfen;versteht. Der jüdische Verein spielte nichtso gut' wjesonst."Die Stürmerreihe arbeitete sehr zerfahren, was.in ^erster ..Linie auf die Indispositon von Ncufeid; zurückzuführenMst, der für ein fruchtbares Zusammehspiel äbsölut-kein Verständnis hatte.'St r o ß bot wieder eiiie vorzügliche .Leistung. In der Verteidigung gefiel F e 1 dma:nn. In der zehnten Minute erringt Reinl für Weiße Elf die/Führung. Der Ausgleich fällt fünf Minuten später durch Kä-tz, der einen Freistoß Schweinburgers einköpielt. In der'43. Minute gelingt; es demselben Spieler, den Vorsprung zu erhöhen. Nach'Seitenwechsel vergibt Ha'koah zahlreiche Chancen, Erst, zehn Minuten vor Schluß sendet Mausner unhaltbar, ein, '•• Hakoah führt jetzt-mit zehn Punkten-aus tfünf Spielen undjeiner Tordifferenz -von 26 :2. .'.. Folgende Mannschaft bestritt das Match gegen Weiße Elf':' Oppenheim;.. Scheu er,- Feldmann; Gold, St.roß, Pollak; S eh w einbu r g e r. N euf eld, Heß/ M au s n er, Katz. Das Reservespiel endete 5 :1 für Hakoab. Kommenden Sonntag spielt Haikoah gegen Simmering, den alten Rivalen aus der ersten Klasse. Der Gegner hat fast die ganze erste Mannschaft verloren und nimmt mit zwei Punkten den drittletzten Platz än der Tabelle ejn. Trotzdem wird Hakoah gut tun, die Simnie'rihger-nicht zu unterschätzen. Propaganda-Meeting der Hakoah-Leichtathleteu. .' Die .HakoalnLeichafchleten veranstalten kommenden Sonntag auf dem Hafkoah-Platz ein großes Propaganda- Meeting mit interessanten Konkurrenzen bei freiem Eintritt für' Schüler. .'; : Die Sektion hat im heurigen Jahre unter der Leitung. Bürgers 1 große Fortschritte gemacht. Derzeit verfügt sie über 70 aktive Sportler, zu denen noch der talentierte Mädchennachwuchs kommt, der im kommenden Jahre gute sportliche Ergebnisse zu bringen verspricht. Die letzten bedeutenden Erfolge sind die Zeit F ran kl's in Prag, der über 3O00 Meter mit Nu r m i startete und die Strecke.bei schwerer Bahn in 9 :04 Minuten absolvierte, was bloß um »wei Sekunden schlechter ist als der österreichische Rekord Friebes. F r a n k 1 wurde in Prag Vierter und ließ die bekannten Läufer Strniste und Nedo/lity hinter sich. Be>c k, der beste Jugendmann der Hakoah, der auf der Hohen Warte Zweiter hinter Nurmi wurde, erzielte über 2000 Meter die Zeit von 9 :06 Minuten. Die jüdischen Vereine im Cup. Vergangenen Sonntag begann die erste Runde des Wiener Cup. Die Vereine Kadimah und Hagibör trafen'auf starke Gegner und wurden aus dieser Konkurrenz verdrängt. Dagegen konnten sich Hasmonea und Menorah die Teilnahme für die zweite Runde erkämpfen. Der zweitklassige S. C. Ha s m o n e a spielte gegen den gleichklassigen S. C. Ferrovia und konnte trotz mehneren Ersatzleuten müheios 4:1 (0 :0) gewinnen, Die jüdischeMannschaft war technisch ihrem Gegner glatt über-, legen. Der Tormann Fingerhut hatte wenig zu tun. Die Verteidigung war unüberwindlich. In der Deckung war Placzek der beste Mann. Der Angriff führte ein schönes ■ Kombinationsspiel vor. Die Unterlegenen kämpften zeitweise sehr derb. Obwohl Ferrovia kaum über die Mittellinie kommt, gelingt es Hasmonea vor Seitenwechsel nicht, einen Treffer zu erzielen. Nach Seitenwechsel sind Sternbach und Neu mann (Elfmeter) erfolgreich. In der 38. Minute sendet Eisenmayer ein. Vief Minuten vor Schluß erhöht Sternbach nach einem schönen Vorleger Eisentnayers den Stand auf 4:1. Hasmonea stellte folgende Mannschaft: F i n g e r h u t; Weinwurm, Klarffeld; Bäumer, Placzek, Schirok; Sternbach, Rosen bäum, Neu mann, Eisenmayer, Zunz, Ein guter Schiedsrichter war Herr K off ler. Einen bemerkenswerten 3 :2-Sieg errang die aufstrebende Menorah-Mannschaft gegen den zweitklassigen S. C. Hermania. Der beste Mann der Sieger war D e f ri e s, der auch alle drei Treffer erzielte. Gut gefielen Friedhaber 1 und Wichs. Aufstellung: Fried Ii ab er 2; Frledhaberl, Apter; Safran, Weitzen, Wichs; Spindler, Taba'k, Scheifer, Defries, Rosmann. Kadimah unterschätzte den S. C. Alexandria und wurde verdient 4 :2 geschlagen. Bereits in den ersten zwanzig Minuten gelangte' Alexandria in Führung. Bei den Unterlegenen spielte die Deckung schwächer als sonst. Auch Münzer war nicht ganz sicher. Aufstellung: Münzer; A Iii na, Hochwald; Kaplan, Adlerblum, Panzer; Kleiner, Wechter, Schattner, Slutzker, Stolper. Die Tore für Kadimah erzielten Wechter und A11 i n a. Eine empfindliche 0:7-Niederlage erlitt Hagibor gegen W. A. F. Die jüdische Mannscha'ft bestritt das Match nur mit zehn Mann und brach nach Seitenwechsel vollständig zusammen. Hagibor stellte folgende Mannschaft: L e r a n t; M o 1 'k n e r, Gelb; Pollitzer, R o n i s, S t e r n; K e ß 1 e r, ß o n d y, B'1 u m e n z w e i g, Eä ch 1 e r. Jüdischer Sport in Polen. Vergangenen Sonntag gab es in Lemberg eine große Sensation. Der Ligaverein Hasmonea konnte den Meisterschaftsanwärter 1. F. C. Kattowitz 4 :2 abfertigen. Der Angriff des jüdischen Vereines führte ein schönes Kombinationsspiel vor und hatte in Steuermann den gefährlichsten Stürmer. Trotz dieses Erfolges ist Hasmonea noch vom Abstieg bedroht und wird die ausständigen Spiele gewinnen müssen, um nicht, die schwer eritämplfte Erstklassigkeit zu . verlieren.. Drei5 Vereine steigen ab. In Betracht kommen Ruch (19 Punkte), Lcd.zer" S. C. (16 Punkte), Hasmonea (13 Punkte), Touristen S. C. (6 Punkte), Slask (6 Punkte). ■ Iii ßielitz siegte die'Hakoa h (Bielitz) gegen den > F. C. 'B'ia'la 3:2. Die Krakauer M a k k a b i trug ein Propagandamatch in Kielce gegen den dortigen Malkkabi . aus und siegte überlegen T r-O.:'1.,-> 1 Die Handballspiele der Hakoah. Die erste Mannschaft trug gegen den S. C. Post ein Freundschaftsspiel aus und konnte sicher 4:1 (2:0) gewinnen. Die Tore erzielten Breuer (3) und H e i 11 e r. Hakoah stellte folgende Mannschaft: St ermann; Tabak, Scheu; Kurz, Jung, Biau 1; Schläger, Heitier, Breuer 1, Winterstein, Lamb e ng.- ■;,: "" " ■ Die Hakoäh-Reserve unterlag im Cup gegen F. A. C. 3:6.; Eine unverdient empfindliche 0:4-Niederlage erlitten die Damen im Meisterschaftsspiel gegen Donau. Die Hakoah-Hockeymannschaft fährt nicht nach Prag. Wegen Renovierung des Hagihor-Platzes findet das Dr.-Theodbr-Herzl-Turnier, zu dem die Wiener Hakoah eingeladen war, nicht im Herbst statt. Das Turnier wurde von Hagibor auf das Frühjahr /verlegt. Es findet im Rahmen großer Feierlichkeiten anläßlich des 15jährigen . Bestandjubiläums der Hagibor auf deren heuern Sportplatz statt; . Das Entscheidungsmatch zwischen Hakoah und dem Grazer A. C. urn dievGrazer Meisterschaft brachte der Hakoah eine unverdient empfindliche .1 :6-Niederlage. Die Grazer'Ha'koah.lieferte das unglücklichste Spiel der Saison. Den einzigen Treffer für den jüdischen Klub schoß F ü r s t. Dem F. C. Hakoah sind zahlreiche Einladungen aus dem Ausland zugegangen; die Mannschaft wird sich jedoch nur auf die Meisterschaft beschränken. Bloß gegen die Budapester Spitzenvereine Hungaria und F. T. C. sind noch von früher her Revanchespiele ausständig, die noch im heurigen Jahre in Budapest ausgetragen werden dürften. In der Hockeymeisterschaft siegte Hakoah gegen AHround 1:0. Den einzigen* Treffer erzielte Ing. E. Nossig. Das Match der Reserven endete 3:0 für den jüdischen Verein. In der zweiten Klasse spielte Blau-Weiß gegen Währing 2 : 2 unentschieden. Die Hakoah-Damen unterlagen gegen W. A. C. 0 :2. Hakoah (Graz) siegte im letzten Meisterschaftsspiel gegen den Akademischen Sportklub 4:1. Gisa Weinberg, eine tucritige Handballerin, ist der Hakoah beigetreten. Die Hasmonea-Reserve unterlag gegen Ferrowia- Reserve 1:3. Der F. C. Hakoah wird an dem Wintercup der erstklassigen Vereine teilnehmen. | Der Makkabl IX., Liechtensteinstraße 20. hat für Herren über 35 Jahren Schwedisches Turnen eingeführt. Es findet wöchentlich am Montag und Donnerstag abends von 7 bis halb 9 Uhr unter Leitung des Platzieiters Sportlehrer Zimet statt. Das rhythmische Turnen für Damen (Leitung Fini Böhm) wird Montag und Donnerstag in der Zeit von 7 bis halb 9 Uhr im Saale der Schule, XIX., Pantzergasse 25, abgehalten. Das Wasserballmeisterschaftsspiel Hakoah gegen Donau wird dem jüdischen Klub 3 :0 zugesprochen werden, da die Donau zum festgesetzten Termin nicht angetreten ist. Fritz Sonnenschein (Hakoah) wurde in den Vorstand des HooTteyVerbandes kooptiert. Aus den Vereinen. Hasmonea. Freitag, 8 Uhr, wichtige Spielerversammlung und Aufstellung. Menorah. Samstag Mitgliederversammlung im Hotel Palace. Sonntag Meister-; schaft gegen L. Kicker. Kadimah. Samstag, 8 Uhr, : ,Spieler.versammlung: im; Klubheim. H e c h a w e r. - Samstag Mitgliederversammlung, Einzahlung und Aufstellung.' M a k-; k a b i. Samstag, halb 8 Uhr, Spielerversammlung im Klubj heim. * Nachdruck verboten. Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wien, KOMÖDIANTEN Roman von Schalom Alechem. Ins Deutsche übertragen vom P. RoscnhaH Erstes Kapitel. Der Vogel verläßt das Nest. Sonntags, im Morgengrauen — es ging gegen Sommers Ende — erhob sich Lea<, die Chasenfrau, früher als alle anderen im Hause. Sie erinnerte sich, daß es Sonir tag war, Markttag. Warf einen Blick durchs Fenster, sah, daß es halber Tag war, und sagte zu sich selber: O weh, was mir zukommitf" Rasch kleidete sie sich an, goß Wasser über die Hände, würgte das Morgengebet herunter, griff nach dem Einkaujfskorb und weg war sie in eilender Hast, als würde ihr weiß Gott was für ein Geschäft verlorengehen. Draußen war ein wundervoller Frühmorgen aufge> zogen. Die Sonne erwachte in voller Glut und übergoß Holeneschti mit ihren goldenen Strahlen. Lea fühlte sich iwie ein Fisch im Wasser, als sie den Markt betrat. Und der Markt hatte sich in Holeneschti aufgetan, unerhört. Das Moldawer Volk hatte seine Erzeugnisse aus Schafmilch hergebracht, Grünzeug und Gemüse aus den Gärten, in unendlicher Menge, Mais, grüne Gurken, sozusagen geschenkt. Und erst Zwiebeln, Knoblauch und alles, was Gott wachsen läßt. Von all diesen Dinge* Raufte Lea ein, bis der Korb voll war. Und Fisch hat ihr . Gott geschickt, eine wahre Pracht für ein paar Groschen. Es hatte ihr von Fisch nicht einmal geträumt,, er war ihr gerade in den Korb geflogen. Man malt (sich das aus: Fisch! Man spricht nur so: „Fisch!" Kleinwinzigel Fischlein, Sprotten — sind doch nur Gräten, man beißt sie an und spuckt sie aus, aber so billig), daß es waih'Fhaftig eine Schande ist, davon zu erzählen: keiner wird'si glauben. Ja, Lea, die Chasenfrau, hat einen guten Markt erwischt. Von dem einen Rubel, den sie hinaufgetragen hat, konnte sie noch hübsch viel zurückbringen. Wenn dem so ist, ziemte es sich wohl, dem Chasen ein Ge* schenk mitzubringen; so zehn frische Eier. Israel wird es dankbar aufnehmen, er wird damit .zehnmal gurgel-murgel machen können, stehen doch die Hohen Feiertage vor der Tür ... na, hast du gesehen . . .! Der Tochter Zuckerln mitbringen, Resl hat süßes Zeug, gern, Näschereien . . . was das für ein Kind ist, Gott soll sie behüten . . ., wenn ich ihr nur ein paar Schübe fcaufen könnte, die alten sind zerrissen, taugen zu nichts Mit solchen Gedanken bewegte sich die Chasenfrau noch eine Weile zwischen den Verkaufsständen, bis ihr der ganze Rubel zwischen den Fingern zerronnen war. Jetzt erst war sie zufrieden und ging nachhause. Draußen vor dem Haus hörte sie, wie der Chasen seine Gurgel spielen ließ: „MÜi . . . baaa —eesch umiii . . . bamajim!" Die ihr vertraute liebe Stimme, die ihr schön lange erklingt! Israel, der Chasen, bereitet rechtzeitig eine nagelneue Koloratur zum „Wenesane toikef". für Rosch Haschäno vor. Israel, der Chasen, gehört nicht zu den igroßen Chasonim, die auf der ganzen Welt berühmt sind, aber daheim in Holeneschti ist er groß genug. Das, fctädchen wird ihn — ihr könnt dessen sicher isein — nicht gegen den größten- Kantor eintauschen und nicht für eine Million Ablöse hergeben. Nichtsdestoweniger — eines hat mit dem anderen nichts zu tum — würde Israel,, der Chasen, nicht ein bißchen Unterricht geben, könnte er seine Zähne in Pension schicken; ein Glück noch, daß, er sich im Tanach gut auskennt und die heilige Sprache ganz und gar beherrscht, obendrein hat ihn Gott mit einer pchönen Handschrift gesegnet, so hat er an die zehn 'Stück Schüler, die reichsten Kinder der Stadt. (Des Reichen Benje Rafalowitsch Söhnchen gehört zu seinem Stammschülern. Zwei Beschäftigungen, zweierlei Einkommen sind keine Kleinigkeit. Es ist ja wahr: es kommt oft vor, daß mit all dem Lehrer- und Chasensein Israel nicht auf Schabbes hat. Aber Hungers wird nicht gestorben. Man kann sich so durchfretten. Verschwitzt, mit vollem Einkaufskorb nach Hause gekommen, konnte Lea, die Chasenfrau, nicht versteheny warum sie ihre Tochter nicht sieht oder ihre Stimme nicht hört. Sie war gewöhnt, die Tochter angezogen, gewaschen und gekämmt anzutreffen, wenn sie vom Markt kam; daß sie ihr entgegeneile und sich auf den Korb stürze, um darin herumzukramen. „Mami, was hast du mir gebracht?" „So wart' doch, das Wasser brennt nicht. Laß mich zuerst dem Vater sein Gläschen Zichorie geben . . . na, hast du geseh'n?" So war sie's gewöhnt, die Chasenfrau. Jetzt aber ist es still im Zimmer, sonderbar still. Man sieht und hört Resl nicht, obwohl die Tür offen steht. Wie? Sie schläft vielleicht noch? Und der Chasen hört nicht auf, seine Gurgel spielen zu lassen und in weinerlichem Singsang die höchste Oktav zu nehmen: „Och, miii... baaa- >esch... umiii... bamajiiim!'' Und wieder einmal „miii, ... baaa—esch ... umiii... bamajim!" Still, auf den Zehenspitzen, geht Lea in die Stube hinein, stellt den Korb in den Winkel und, um ihren Mann nicht bei der Arbeit zu stören, beginnt sie, sich am Ofen reibend, zu sich selber zu sprechen: „Finster ist mir ... noch schläft sie ... dieses Mädel... bald werden die Schüler zu uns in den C heder kommen