Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 56 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 56 DIE NEUE WELT Seite 11 und sie wird nackt vor allen Jungen herumlaufen... sie glaubt, sie ist noch ein Kind... Israeli Israel? Nein. Er hört nicht. Was der aber heute herumbaescht und herumbamajimt... Gott im Himmel... ein anderer könnte glauben, daß man aus dem Chasensitigen Säcke mit Gold herausschleppen kann. Zuguterletzt muß unsere Resl mit zerrissenen Schuhen herumlaufen, mit ausgetretenen ... über mich ihr Leid! Wie lange wird sie noch schlafen! Man muß das Kind wecken... na, hast du gesehen." (Fortsetzung folgt.) Erste Spezialt» A4*4«aI ..~*iTIe#lfc A wefkstMefür UBCl I ISCI16 Salongarniluren und EinxelniöbelitUcke ADLER, VII. Apollos. 18 ««JÜtZ** « DIE MUTTER R 9 MAN VON SCHALOM ASCH. Copyright by Dr. Präger-Pressedienst, Wien. „Immer hast du zu seufzen, immer zu sorgen. Ist's nicht der Mietzins, sind es Feiertage" — sagte Anschel vorwurfsvoll, als würde sich Sure Rifke selbst diese Sorgen aussuchen. „Du hast recht, lieber Mann, du hast recht" — gab Sure Rifke zu. Doch obwohl Anschel recht hatte, seufzte unci sorgte Sure Rifke doch. Mit Mazzes und anderen Lebensmitteln für die Feiertage hatte sie Mosesleben versorgt. Sein Boß führts diese Dinge im Geschäft und so brachte sie Moses nach Hause. Als die Feiertage nahten, wurde auch der Aelteste besser. Eines Abends kam er nach Hause „auf ein Gericht Klöße". Er sagte, keine Klöße schmeckten ihm so gut wie die der Mutter. Während er Muiters Klöße aß, begann er: „Mmtter, die Feiertage kommen doch ins Land. Ich werde zum Seder nicht zu Hause sein, doch ich will wenigstens, daß meine paar Dollar da sind" — er zog eine ZehndoMarnote heraus und reichte sie der Mutter. „Wenn du zum Seder nicht zu Hause sein wirst, so will ich dein Geld nicht. Es ist der erste Pessach im neuen Lande, da will ich alle meine Kinder beisammen sehen." „Du hast recht, Mutter, doch ich habe der Braut versprochen, zum Seder bei ihren Eltern zu sein." „Da muß ich nachstehen?" — schmollte die Mutter. — „Ich habe dich doch geboren und erzogen, so habe ich das Vorrecht. Bringe deine Braut zu uns, so wirst du bei uns zum ersten Sederabend sein und beim Schwiegervater zum zweiten. Oder ist es deshalb, da Gott uns gestraft hat und wir ,Grüne' sind" (Sure Rifke verstand die Bedeutung des Wortes nicht, sie deutete sich aber, daß ,Grüne* die armen Leute genannt werden), „deshalb schämst du dich unser vor deiner Braut?" Verlegen stand der Sohn vor der M'utter; er fühlte, daß sie recht hatte und schwieg. „Ich weiß doch gar nicht, wie deine künftige Frau aussieht. Du schämst dich unser, mein Kind" — sagte Sure Rifke und wischte sich dabei mit der Schürze die Tränen aus den Au-gen. Der Aelteste versank in Nachdenken: Vielleicht hat die Mutter recht, es wäre doch gut, die Braut zum ersten Sederabend herzubringen. Doch als er sich in der Kellerstube umsah und die Armut darin erblickte, die schiefen Stühle und die elenden Betten, da war er entschlossen: Nein, es geht nicht. „Ich werde am ersten Sederabend mit dem Vater zum Schwiegervater fahren" — sagte er, und um die Mutter zu versöhnen, zog er noch eine Fünf-, dollarnote hervor — „Hier, kaufe den Kindern etwas zum Anziehen" — schloß er und eilte davon. Als Anschel am Abend heimkam,' erzählte ihm Sure Rifke, der Aelteste sei dagewesen, habe fünfzehn Dollar für die Feiertage zurückgelassen und hinzugefügt, er wolle die Eltern am ersten Sederabend mit den Schwiegereltern bekanntmachen. Als Anschel das hörte, wurde er . so wild, daß er Sure Rifke eine ganze Menagerie an den Kopf warf: „Kuh, Roß, Schaf! Und' du hast die fünfzehn Dollar von. dem Schustergesellen genommen, dafür wird er uns am Pessach mit seinen Schustersleuten bekanntimachen, mit den Schwiegereltern. Was? Mich, Anschel, den Thora-Vorleser, wird er wie einen Bettler hin zu ihnen schleppen! Und du, Gans, du Schaf, warst damit einverstanden und hast die fünfzehn Dollar von ihm genommen? So lang soll er krank sein, der SchustergesetP! Wenn er will, daß ich die Schustersleute kennen lerne, die Herren Schwiegereltern, so müssen sie bieher zu Anschel in den Keller kommen." Sure Rifke sah ein, daß ihr Mann recht hatte, daher wagte sie keinen Einspruch, sondern nickte nur mit dem Kopf: „Du hast recht, lieber Mann, du hast recht." „Ich beschwöre dich mit allen Schwüren der Thora, daß du mir ja nicht seine fünfzehn Dollar anrührst; sie müssen für dich unrein und trefe sein, hörst du?" — schrie Anschel. „Ich höre" — Sure Rifke nickte ergeben mit dem Kopf. „Neinj nein, gib sie her! Ich habe Angst, daß ■du sie ausgeben wirst" — Anschel wurde noch dringlicher. *Atar ich verspreche dir, daß ich sie nicht an- (24. Fortsetzung.) rühren werde; sie werden für mich unrein und trefe sein; glaubst du mir Jetzt?" — sagte Sure Rifke. „Und ihm wirf sie ins Gesicht, hörst du? Ins Gesicht!" —- Anschel schlug mit der Hand auf den Tisch. Sure Rifke wurde ' klein und demütig vor Anschel. Aber Stolz und Freude über ihn erfüllte sie. „Weiß ich denn, was ich tue?" — mit diesen Worten nahm Sure Rifke die Sohuld auf sich — „An allem sind die Sorgen schuld" —■ verantworte sie sich. Der erste Pessach im freien Lande. Als der Aelteste einige Tage später eines Abends wieder zur Mutter „251t einem Gericht Klöße" kam (diesmal im Hinblick auf die fünfzehn Dollar schon nicht mehr so zaghaft), saß Anschel beim Tisch in der Kappe ohne Rock und verdeckte sein Gesicht mit der Zeitung. Sure Rifke setzte dem Sohn einen Teiler Klöße vor, mit Ueberguß, wie er es liebte. Als er den ersten kostete, fragte er: „Nun. Mutter, hast du schon alles für den Pessach besorgt?" Die Mutter antwortete nicht. Ansehe! steckte den Kopf noch tiefer in die Zeitung. „Ich habe dem Schwiegervater schon gesagt, daß ich euch an den Feiertagen hinbringen werde, um euch vorzustellen" — sagte Salomen weiter, während er an seinen Klößen kaute. Wieder antwortete die Mutter nicht. Auschets Zeitung raschelte laut, als er sie ungeduldig umdrehte. „Und du hast noch immer keine Stelle?H — wandte sich Salomon an Dwojre, welche auf einem Sessel bei der Gaslampe saß und nähte. — „Du hattest Lust nach einem Union-Shop, was? Nun, hat dir die Union schon Arbeit gegeben? Warum gibt sie dir keine?" — spöttelte der Aelteste, indem er weiter an seinen Klößen kaute. Da nahm Anschel unerwartet die Zeitimg vom Gesicht fort, fuhr mit zwei Fingern über den Schnurrbart und mit der übrigen Hand faßte er seinen Bart, wie er es in den guten Zeiten zu Hause, hier aber schon lange nicht getan hatte, und begann:. „Und ich meine, daß sie sehr gut daran tut, wenn sie nicht in einem so elenden Shop arbeiten will." Die Gabel mit einem Klößchen blieb mit dem Aeltesten vor dem Munde stehen; er blickte den Vater erstaun.t an. „Wir Arbeiter ..." — begann Anschel. indem er mit dem Finger auf seine Brust deutete. Der Sohn riß die Augen auf. (Fortsetzung folgt.) Hamerliitg Srillparxer tfosfray RafmtMtf ttsferreidts Anzengruber •anfrören In! Der weitaus größte Teil unseres Freundeskreises, welcher heute schon m Oestoiileflh über 100.000 ftr—nn abonnenten beträgt, hat auf Grund einer von uns veranstalteten Rundtrage den Wunsch ausgesprochen, daß wir jetzt Oesterreichs große Dichter zur Ausgabe bringen sollen. Daraufhin haben wir eine Auswahl der berfihmtesten Werke von Grillparzer, Nestroy, Raimund, Hamerling, Stifter und Anzengruber ak erste Gruppe in der Reihe unserer Österreichischen Klassiker-Ausgaben xusammengestellt und, um diese Ausgabe den weitesten Kreisen zuganglich zu machen, wollen wir eine große Anzahl dieser Werke gratis abgeben. Jeder Leser dieses Blattes, der den unten angefügten Abschnitt innerhalb 10 Tagen an unser Wiener Hauptkontor euwehickt, erhalt unentgeltlich ein vollständiges Exemplar unserer neuen großen Ausgebe, net den Meisterwerken von Hamerlins Grillparzer Stifter Raimund Anzengruber Herausgegeben von dem bekannten Wiener Uterartistoriker Prof. De Edwin Z^Uwolce-r umfassend' 32 Bande mit es. 5600 Serien. Den genauen Inhalt dieser Ausgabe, welche afle Hauptwerke, wie Dressen, Nnwawsu, ö*AtrN*> Spräche, Possen, Romane und Biographisches dieser großen Sohne unseres Vaterlandes enthalten wird» geben wir jedem Kuponeinsender in unseren Prospekten bekannt, da uns an dieser Stelle der Platz dazu fehlt. Die Werke erscheinen in großer, gut leserlichen Schrift and in gewöhnlichem Bachfotnet. Her Är ¥erpuckungs-, bzw. Anzeigenspesen verlangen wir eine Vergütung von 40 Groschen pro Bend. (Irgendwelche Geldbeträge oder Marken sind vorlaufig nicht einzusenden l) Das Angebot gilt nur für Abschnitte, che innerhalb 10 Tagen au uns eingesandt werden. GUTENBERG- VERLAG Christensen & Co. WIEN, I.» STRAUCHGASSE NR« 1 Anglo-Austrian Bank — Ecke Freyung. 79 Unterzeichneter wünscht gratis Oesterreichs ^^^npf^^bw^igung^rod Redkrkbt Wohnort;..»., (Straft*) Poststation; KUMiMiuwwm iwi^iw. ip,..