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Die neue Welt · 1928-10-12 · Heft 56 (12.10.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 56 (12.10.1928)
Date
1928-10-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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•Hr. 56 DIE NEUE WELT Seite 5 , Organe in Polen auf, entsprechende Schritte zu unternehmen, um diesem Kampfe Einhalt z*t gebieten, da die Konferenz eine einheitliche jüdische Pariamentsrepräsentanz als Kardiinalforderiung der LandespoliWk betraohtet. ^r* 4. Die Konferenz steht auf dem Boden der Uni* fizierung der zionistischen Organisation Polens und begrüßt den ersten Schritt hiezu in Lodz, stellt jedoch fest, daß nur eine Konferenz aller Zionisten Polens in der Lage sei, diese Unifizierung durchzuführen. Die Konferenz drückt ihre Unzufriedenfheit damit aüsT, daß die kompetenten zionistischen Kreise fti Lemberg der sofortigen Einberufung der Konferenz der Zionisten Polens nicht zugestimmt halben. Auch die zionistischen Kreise in Warschau, die immer die Unifizierung vorgeschlagen haben, beginnen jetzt diese zu sabotieren. * Der „Numerus clausus" an der technischen Hochschule in Lemberg. An der technischen Hochschule »in Lemb er g sind Aufnahmsprüfungen eingeführt worden. Trotzdem geht die Aufnahme nach Nationalität und nicht nach'Qualifikation vor sich. Oft werden Juden nicht aufgenommen,' die die Prüfung mit Vorzug bestanden haben. Mehr „'liberal" geschieht die Aufnahme auf der sogenannten „aligemeinen Abteilung", die jedoch für Juden, da ihnen Staatsaustellungen verschlossen sind, keinen Wert darstellt. An der agronomischen Abteilung werden Juden überhaupt nicht aufgenommen. Einigen Juden, die von früher her Agronomie studieren, wollen ihre polnischen Kollegen das Studiuni unmöglich machen. Auf der V e r k e ii r s a b t ic i 1 u n ig wurden von 113 Hörern — 20 Juden, auf der M a s c h i n c n b a u-A 'b t e i I u n g von 220 Petenten — 11 Juden, d. i. kaum 5 Prozent, auf der t e c h Ii i s c h e n Abtei 1 u n g wurden auf 100 Plätze, diesmal 60 Hörer, darunter 7 Juden, aufgenommen. Sir Wyndham Deedes au die Juden Polens. Aus . Anlaß des Rosch Haschaua-Fcstes -hat der ehemalige Generalsekretär der Palästina-Regierung, General Wyndham De cd es, ein aufrichtiger Freund des Zionismus, an das polnische Judentum zu Händen des Dr. Michael Ringel — einen der Herausgeber des Lemberger jiddischen „Morgen" — eine Botschaft gerichtet. In dieser Botschaft bespricht General Deedes eingehend die Frage der Krise in Palästina und behauptet, daß es eigentlich in Palästina keine Krise gab; im Gegenteil, die letzten zwei Jahre erbrachten den Beweis, daß da« jüdische Volk genug Kraft zum Aufbau Palästinas besitze. Mit besonderer Sympathie wendet sich General Deedes an das polnische Judentum,.mit dem ihn herzliche Bande aus der Zeit seines Aufenthaltes in Polen vor zwei .Jahren verknüpfen und hebt hervor, daß er wisse, mit weicher Ungeduld Scharen von Ohaluzim in Polen auf das Oeffnen der Tore Palästinas warten. „Ich 'bin dessen sicher" — schreibt Deedes — ,.daß schon in nicht ferner Zeit ihre H o f f n u n g en E r f ü 1 lu n g find e u, und daß sie die Möglichkeit erlangen werden, der Welt zu zeigen, aus welchem Material sie sind." Der Expertenbericht enthält gewiß Ernzel- .höiten, weiche vom zionistischen Standpunkte angefochten werden können, aber auch diese Menschen, die sich dem ' Palästina-Problem von einem ganz objektiven Standpunkte aus genähert haben, waren geneigt, anzuerkennen, daß diio Angelegenheit durchführbar-ist. Natürlich erfordert das Palästina-Werk viele Mühe und Opfer. Die Juden müssen jetzt praktisch das, was — theoretisch'genominen — möglich äst, realisieren. Die Palästina-Regierung verhält sich ihrerseits günstig, Beweis dessen die Stellungnahme des Lord Plumer während der Arbeitslosigkeit. Jetzt entsendet: die englische Regierung als palästinensischen Obcrkom- ' missär einen ihrer besten Kolonial-Administratoren. Die Entwicklung der Geschehnisse in den letzten elf Jahren führt zur Ueberzeugung, daß die Situation zur Zeit unvergleichlich besser ist als damals, als die Balfour- Deklaration proklamiert wurde. Heute besteht nicht mehr das Problem: „Ist es erreichbar?" Heute gibt es nur die Frage: „W ann wird es erreichbar werde n?" „Kein Teil des Judentums ist mehr berufen, den Zionismus zu realisieren" — sagte Deedes — „als eben das Judentum Polens, das ich vor zwei Jahren kennen gelernt habe und das genug an materiellen, intellektuellen und geistigen Kräften besitzt, um der Welt die Größe des jüdischen Volkes voll beweisen zu können". Vor der Wahl der Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Lemberg. Die politische Aufsichtsbehörde hat der Ernennung des. neuen Beirates durch den Regierungskommissär Doktor Allerhand nicht zugestimmt. Demzufolge war dieser genötigt, die Wahl der Verwaltung in die Wege zu leiten. Im Sinne des Dekretes über die Organisation der jüdischen Gemeinde wählte der Kultusrat eine Verwaltung. Der 'Kultusrat' beschließt das Budget und übt mehr eine grundsätzliche und . kontrollierende Tätigkeit aus. Die eigentlichen Geschäfte, der' Gemeinde werden von der Verwaltung besorgt. . -y Der,, jiftugewählte Kultiusrat bestellte in seiner ersten Sitzung eine W a h l k o m m i s s i o n, bestehend aus Senator Dr. Schreiber, Gemeinderat Bürger (Zionisten), Professor Dr. Allerhand und G 1 a s e r m a u n (wirtschaftlicher Block) und Wahl (Aguda). Dieser Kommission obliegt die Durchführung der Wahl der Verwaltung. Die jüdische Gemeinde in Stanislaus Der vor einiger Zeit gewählte Rat der jüdischen Gemeinde in Stanislaw wählte in die Verwaltung: Dr. Anselm H a 1 p e r n, S. Go11Jieb (Zionisten), M. Hochmann (Misrachist), R o s e n t h a 1 (Poale Zion), A x e 1 r a d (Jad Oha.ruzrm), M. Weidenfeld, Oh. Vogel, S. GrünfeH (Aguda) sowie H. Engel (Bund). Die Konstituierung wird demnächst vorgenommen werden. Die Zionisten aller Schattierungen haben in der Verwahrung die Majorität. Zum Präsidenten dürfte Doktor H a l p e r m gewählt werden. * Ein Ziouist — Vizebürgermeister in Przetnysl. Bei der Konstituierung des neugewählten Gemeinderates in Przetnysl wurde Dr. Henryk Reicflimann (Ziouist) »um Vizebürgermeister und Mafehäus Miscs zum Assesor (Stadtrat) gewählt. * Der Jom-Kippur in Warschau. Wie alljährlich erschienen zum „Kol-NidTej"-Gebet in der Tlumackaor Synagoge viele Persönlichkeiten aus der Diplomaten-. Schriftsteller- und Künstlerwelt. Um 4 Uhr nachmittags fand sich der amerikanische Gesandte S t e t s o n mit zwei Sekretären im Tempel ein und verweilte dort bis über das „Neila'-Gcbct. Während dieses Gebetes ließ sich der Gesandte ein Gebetbuch reichen, in dem er an der Hand der deutschen Uebersetzung dem Gottesdienst folgte. Die Kommunisten trafen wie immer Vorbereitungen, um am Jom-Kippu-r antireligiöse Aktionen unter der jüdischen Bevölkerung zu entfalten. An vielen Punkten des jüdischen Viertels brachten sie Fahnen mit antireligiösen Aufschriften an, an die Wände schrieben sie antireligiöse Losungsworte. Auch waren Demonstrationsumzügo geplant, doch kamen diese wegen des starken Regens nicht zustande. Die jüdische Arboiterküche und die Bureaus dre Arbeiterberufsverbändc waren im Jom-Kippur im Betriebe. Die Geschäfte der Arbeiterkooperativen waren am Vormittag offen, am Nachmittag wurden sie wegen der zahlreichen Zusammenstöße mit Ohassidim geschlossen. Auch in Lemberg versuchten, wie bereits bc- "ichtet, die Kommunisten und die extremen linken Elemente den JornnKippur für ihre Propaganda auszunützen. In öffentlichen Vorträgen wurde die Leninsche Parole .iReligion ist Opium' fürs Volk" behandelt. Während der Vorträge kam es zu Zusammenstößen und Schlägereien. Die Polizei intervenierte. Die Erbitterung der jüdischen Bevölkerung war umso größer, als ein Vortrag -in einem in der Nähe' der Hauptsynagoge gelegenen K i ii o tlieater veranstaltet wurde.'' :-' ■•?,> Der Plan der Kommunalen, in speziell hiefür zu eröffnenden Küchen Mittagmahl zu 20 Groschen auszugeben, um breite Schichten der 'Bevölkerung heranzuziehen, m i ß- Iang. Von den Kommunisten wurden Aufforderungen an die jüdische Bevölkerung, das Beten und Fasten zu unterlassen, plakatiert. Die Polizei entfernte diese Plakate. Zwischen der Polizei und den Kommunisten kam es zu Zusammenstößen und zu mehreren Verhaftungen. * . Ein Ueberiall auf die Synagoge in Bus*:. Während des Kol-Nidre-Gebetes überfiel in Busk eine Pöbelbande die Synagoge, schlug die Scheiben ein und warf Steine in die Lampen. Unter den Andächtigen entstand eine Panik. Gleichzeitig überfiel einer der Banditen die'.Wohnung des Juden Szmil Jach und raubte das ganze Hab und Gut. Vor der Synagoge kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den betenden Juden und den Banditen, während welchem die Herren L. S c h a p i r a, H. Herme I i n, W. Scti.weneman n, die Frau Jetti Raubvogel und noch zwei Personen, deren Name nicht festgestellt wurden, verwundet wurden. Der Polizeikomamndant erschien erst pach einiger Zeit. * Ein Friedensrichter. Oer Friedensrichter Tadeusz Mi c ha 1 o w^s ki in Warschau begründete ein Urteil wegen einer Söhlägerei iu Praga (Vorstadt von Warschau) unter anderem damit, daß es zu einem Judenpogrome kommen könnte. In den Urteilsmotiven gebrauchte er auch den Ausdruck „anonyme Macht", womit er die angebliche „Macht der Juden" bezeichnen wollte. Wegen dieser sonderbaren Urteilsbegründung interpellierte die jüdische parlamentarische Repräsentanz. Nach einiger Zeit erteilte der Präsident des Berufungsgerichtes S u p i n s k 1 dem Richter Michalowski eine Ermahnung. Der Friedensrichter legte beim Justizminister Berufung ein. Der Justiz minister fand, daß die Vermutungen des Friedensrichters Michalowski; denen er in der Urteilsbegründung Ausdruck gab, unzulässig sind und bestätigte die Entschließung des Präsidenten des- Berufungsgerichtes. : Michalowski brachte wegen dieser Entscheidung des Ministers eine Klage beim Obersten Administrations-Tribunal ein, indem er auf die diesbezüglichen einstweiligen Bestimmungen über die Organisation der Gerichte und auf die Verfassung, weiche die richterliche Unabhängigkeit gewährleistet, hinwies. Das Oberste Administrations-Tribunal fällte ein Urteil, in dem festgestellt wurde, daß der Minister durch die Be- Sfeder Strenggläubige kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. DieKuneroWErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur« fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks« rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL IOO% REINES KOKOSNUSSFETT stätigung der Verwarnung seine Befugnis s e ü b c rschritten hat. in Die Tragödie eines von den Mariawiten getauften jüdischen Mädchens. Die 20jährige Tochter Jenta des jüdischen Schneiders Leib Merenhendlen in Warschau wurde noch in der allgemeinen Schule von ihren christlichen Kolleginnen beeinflußt, sich taufen zu lassen. Der Vater versuchte die Tochter von dieser Absicht abzubringen und wollte sie bestimmen, einen verwandten chassidisohen Jüngling zu heiraten. Vor zwei Jahren verschwand Jenta. Die Nachforschungen der Eltern und der Behörde blieben erfolglos. Da man das Kleid der Verschollenen an den Ufern der Weichsel fand, waren die Eltern überzeugt, daß die Tochten Selbstmord begangen hat. Am Vortagte des Jom-Ki,ppur erschien jedoch zur Verwundemng des Schneiders und seiner Familie die tatgeglaubte Tochter. Mit Tränen in den Augen erzählte sie ihr Geschick. Als sie vor zwei Jahren das väterliche Heim verließ, hatte sie tatsächlich die Absicht, Selbstmord zu begehen. Unterwegs begegneten ihr mari'awitische .Geist-, liehe und Nonnen. Sie überredeten sie zum Eintritt in das Mariawitenkloster. Jenta stimmte zu und wurde von dem letzt durch den Sikandalprozeß berühmt gewordenen Er zbi.se ho f Kowalski getauft. Vor einiger Zeit äußerte der Erzbisöhof die Absicht, das Judenmädchen mit einem jungen Geistlichen, der einst ein Jeschiwa-Schüler war, und vor einiger Zeit der Mariawitensekte beigetreten ist, zu verfiel r a t e n. Jenta wagte nioht dem Vorschlag entgegenzutreten. Die Trauung sollte am Vortage des jüdischen Neujahrs stattfinden, mußte jedoch wegen des Prozesses des Erz^ b i s c h o f s v ie r s c h o b e n werden. ' Dies machte sich Jenta Merenhendlen zunutze und flüchtete nach Warschau. Von der Erzählung seiner Tochter gerührt, verzieh der Vater dem unglücklichen Kinde. Während der Nacht wurden der Vater und die Geschwister von einem Stöhnen geweckt. Jenta hatte sich mit einer großen Dosis Laugenessenz v e r giftet und mußte in ein Spital überführt werden. # Konferenz, der jüdischen Kreditgenossenschaften. Dieser Tage wurde in Warschau eine Konferenz von Delegierten der 108 jüdischen Kreditgenossenschaften des Warschauer Rayons abgehalten. In das Präsidium wurden gewählt: Abg. Rassner, Stadtrat Szereszoowski und Ing. Kopatzki. Im Namen der Joint-JCA-Foundation begrüßte Herr Dr. Werner, Senator, im Narnen des jüdischen Unsere Preise sagen alles! Das wegen seiner besonderen Leistungsfähigkeit und Billigkeit bestbekannte Leopoldstädter Warenhaus der Brüder Schiümann, II., Taborstraße 48, bietet in der kommenden Woche seinen Kunden eine wirklich großartige Okkassion. 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Nachstehend eine kleine Auslese aus: der Freisliste: Mode-Bordüren-Kasha S 2.90, Kleiderstoffe, 100 breit, S 2.90, Kleider-Popeline, 100 breit, S 3.90, Mantei- Flausche und -Veloure. 140 breit, S 9.80, Double für Mäntel, breit S 9.8G, Zfbeline, alle Farben,' 1'4D breit, S 12.90, Faille de Clalre, 80 breit, S 2.90, Brokate, alle Färben, 80 breit, S 2.50, Crepe de Chine, alle Farben 100 bveit, S 4.90, Samt-Chlffonet, 90 breit, S 4.90, Plüsche für Mäntel. 120 breit, S 9.80, Original- Pullmann.Kappe S 3790, Mode-Wolljacke S 6.90, Bobby-Weste, rein Wolle, S 9.S0, Prima-Florstrümpie S 1.25, Modesocken S —.59, Wäscheilanelle, 80 breit, S —.98, Velourbarchent, 75 breit, S 1.50, Französische Mode-Veloure, 80 breit, $ 1.98, Französische Mode-Waschsamte, neueste Dessins, 80 breit, S 3.90, Französische Waschsamte, alle Farben, S 2.90, Spezialaugebote iu Vorhängen, Teppichen, Linoleum: Prlma-Spagatläufert 65 breit, per Meter S 1.50, prachtvolle Spitzen-Stores, komplett, S 3.90, Fußbodenbelag, 100 breit, per Meter S 3.90, Wachstuch für Küchenbelag, 50 breit, per Meter S I.5Q. 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