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Die neue Welt · 1928-10-12 · Heft 56 (12.10.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 56 (12.10.1928)
Date
1928-10-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seile DIE NEUE WELT Nr. 56 TEL CONTINENTAL ■ WIEN, Il.y PRATERST RASSE 7 (neben Schwedenbrücke) 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche iMäßige Preise die britische Regierung und an den Völkerbund telegraphische Kundgebungen zu senden, in denen gefordert wird, daß die jüdischen Rechte an der Magemauer nfoht erweitert werden. Durch eine Erweiterung der jüdischen Rechte, heißt es in der Kundgebung, würden die Besitzrechte der M o s I e m i t e n an der Omar- Moschee bedroht erscheinen. Die jüdische Arbeiterföderation (Histadrutb Haowdim) hat an die britische Arbeiterpartei eine telegraphische Kundgebung gerichtet, Jfl der die Enteignung der Grundstücke vor der Klagemauer und die Stellung der Klagemaucr und des Platzes vor derselben unter die ausschließliche Kontrolle der Juden gefordert wird. Ferner wird die Bestrafung aller au dem Zwischenfall am Vcrsöliriungstage Schuldigen gefordert. Jüdische und mosleinitlsche Straßenkundgebungen verboten. Jerusalem, 3. Oktober. (J. T. A.) In Anbetracht der im Zusammenhang mit den Vorfällen an der Klagemauer am Johm Kippur herrschenden Stimmung hat die Regierung jede Art von Kundgebungen auf den Stoßen verboten. Unter Hinweis auf dieses Verbot hat der Distriktskommissär von Jerusalem, Major" Keith Roach, das Ansuchen der der Agudas Jisroel nahestehenden orthodoxen Qcrneindeorganisation, am Hoschanah Rabbah den traditionellen Umzug an der Tempelnrauer unter Führung des Rabbi Sonnenfeld abhalten zu dürfen, abschlägig beschieden. Der Distriktskommissär wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß er eben erst eine geplante moslemitischc Straßenkundgebung verböten1 habe: Luke und Kisch in Nord-Palästina. Der stellvertretende Oberkommissär für Palästina, ff- C. Luke, hat in Begleitung des Leiters der palä> stinensiscll-zkmistischen Exekutive, Colonel F. H. Kisch, eine Reise durch den Norden Palästinas unternommen. In allen jüdischen Orten wurden dem stellvertretenden Oberkommissär Proteste gegen die Vorfälle an der Klagemaue/ überreicht. Herr Luke erwiderte, daß die Regierung die Vorfälle bedauere und hoffe, daß sie sich niemals wiederholen werden. ' Was wir nicht teilen, .macht owis, 'Pein -r , Das Olück seifest schmerzt, trägt man's. »Hein. Weshalb ich jedem s&geu muß: Nut HubernEssig gibt Genuß! Eine Interpellation im britischen Parlament. Oberstleutnant Kenworthy, Mitglied des Unter- Hoses, hat eine Interpellation im Unterhaus über die Vorgänge an der Klagennauer am Jom Klippur angekündigt. Kenworthy teilte der J. T. A. mit, daß er dem Unterhause die skandalöse Behandhing der betenden Juden durch die Jerusalemer Polizei schildern und fordern wird, daß Maßnahmen getroffen werden, die eine Wiederholung solcher Vorkommnisse ausschließen. Eine Resolution der englischen Zionisten. Die Exekutive der englischen zionistischen Föderation hat eine Resolution gefaßt, in der das Verhaltet der verantwortlichen britischen Beamten der Palästina-Administration und die Aktion der Polizei in der Angelegenheit der Klagemauer verurteilt werden sowie dem Schmerze. und der Entrüstung darüber Ausdruck gegeben wird, daß eine solche. Kränkung der jüdischen! nationalen und religiösen Gefühle geschehen konnte. Die Regierung wird ersucht, die traditionellen Rechte der Juden zu sichern, was dem Geiste und dejnBuchstaben des Mandates, demgemäß. Großbritannien, \m 1 Verband radikaler Zionisten i Mittwoch, den 17. Oktober 1928 um 1 a'b 9 Uhr abends findet Im Klublokale Cafe Atlashot, Wien, I., Aspernplatz, eine öffentliche Versammlung statt Tagesordnung; Das jüdische Theater als Kulturerscheinung es . R e f e r e n t : | Dr. Oskar Rosenfeld | j| Freie Ausspricht! jj itt»»« die Errichtung des Jüdischen Nationalheims übernommen, hat, entsprechen würde. i jüdische Kolonisten von Arabern überfallen. Am 26. September wurden zwei jüdische Kolonisten der Kolonie Nachlath Jaacob beim Pflügen von Arabern, die in def Nachbarschaft der Kolonie wohnen, angegriffen und schwer mißhandelt. Der Zustand eines der Kolonisten namens Schapiro ist ernst. 18 Araber wurden im Zusammenhang mit diesem Zwischenfall verhaftet. Eini ges vom 7. Der Pogrom als politisches Geschäft. Der 7. Oktober, welcher nicht mir. vorn der ösfcer- ■reiohi'schen Öffentlichkeit, sondern auch von der ganzen Weltpresse mit unbehaglicher Spannung erwartet wurde, ist ruhig verlaufen. Der Bürgerkrieg hat nicht stattgefunden. Die beiderseitigen Führer und Zeitungen haben den Mund gewaltig aufgetan, sich aber dann eines Besseren besonnen. Nur Handel und Gewerbe ihaben 14 Tage hindurch unter einer empfindlichen Geschäftsstörung zu leiden gehabt, eine Folge des Gefühles der Unsicherheit des mit Gerüchten »planmäßig bombardierten Publikums. Den Führern aber geht es gut. Wie bei jedem größeren Krach .in Mittel- und Osteuropa ist man natürlich auch diesmal auf die Juden zu sprechen gekommen. Kein politischer Regisseur will ebeii auf die zugkräftigen .Jüdischen Einlagen" verzichten. Einiges sei erzählt. * Ein Leser .unseres Blattes berichtet: „Einige Tage vor dem 7. Oktober erschien ein Paar in meiner Wohnung, eine Dame und ein Herr. Da ich abwesend war, wandten sie sich an meine Frau, stellten sich i als Abgesandte der sözäald e m o k r a >t i sehe n P a >i t e i vor und luden meine Frau ein, der sozi a 1 de mo kta tischen O rga n i sa t ion beizutreten. Meine Frau lehnte für .sich und rür. mich ab, mit der Begründung, daß wir bereits einer anderen politischen Organisation, und. zwar der z i o u ä s t i seh e n angehören. Darauf zogen die beiden ab, blieben aber in der Tür stehen und riefen laut, daß man es im Hause hören von Zentralheizungen, Badezimmer und ajle.sanitären Anlagen; prompt durch: mm,. IM., UN GAPGASSE 47 Tel.: U-10r2-50, U-J0-2rßl. U-16-2-51 E! ZahiungserleBchterungen!! konnte: „Dann lasset Euch am 7. Oktober, wenn .der P.ogiq m kommt, von den,Zionisten .schützen. Wir Sozialdemokraten werden für.Euch keinen Finger rühren." Man sieht daraus, daß der, 7. Oktober, von der Soziaddempkiatde zu einem kleimen politischen Geschäftohen ausgenützt wurde. Bei den Juden Pogromfurcht erzeugen, «im sie dann" ein bißchen zu vergewaltigen und zum Stimmvieh zupressen. Die Methode ist nicht neu. Schon die polnischen Sehlaohzizen und die uinigariischen Magnaten 'haben die Juden :»u .niedrigen Diensten gezwungen, indem sie Ahnen drohten, Mob anf sie loszulassen. Für Sozialdemokratenaber ist das eine schlechte politische Schule. Spich verächtliche Mittel, waren vielleicht für Magnaten und Schlachzizen gut. Eine , VoHcspartei sollte mehr auf Reinlichkeit halten. Herr Dr. Steidlc, der Führer der Heinnvelirärniee, weiche auch von jüdfsch-iu'dustricller Seite unterstützt wird, hatte sich bemüht, die ganze Aktion möglichst frei vom antisemitischen Einschlag5 zu halten. Aber auf ein bißchen „Jüdisches" glaubte auch er nicht verzichten m können. In der Rede, welche er gegen die sozialdemokratischen Führer, unter welchen viele Juden sind, 'hielt, sagte er:! „Wir, die Nachkommen ireigeborener deutscher Bauern, — auch der deutsche Industriearbeiter stammt daher — brauchen keine Belehrung und Vorschriften über die Begriffe Freiheit und Demokratie von Leuten* de r e n G r o ß v ä t e r i n den ö s t il i c h e n L ä nd'e r n den Gutsbesitzern den dreckigen Jagdstief el geküßt haben." . Zur Rede gestellt, gab Herr Dr. Steidle zu, Webei an Juden dedacht zu haben, aber nur au solche, „die aus Ländern eingewandert sind, wo sie kaum Gelegenheit hatten, ihre Vorstellungen über Freiheit und Demokratie zu betätigen". .Die „Arbeiter-Zeitung" hat diesen Ausspruch sofort festgenagelt und Herrn Dr. Steidle tüchtig ■heruntergeputzt. Sie tot nur eines vergessen. Mit denselben Argumenten, mit dein gleichen Hinweis auf die Minderwertigkeit der .Ostjuden haben nach dem Kriege die sozialdemokratiseben Führer eine Hetze gegen die, In Wien weilenden, Jüdischen Krie^sfiüchtiinge inszeniert und die jüdisohnationaien Mandatare im Parlament und Gerneinderar. mußten den Herren Austerlitz und Sever In deo Arm fallen. Herr I>r,, Steidle kann sich auf.Beispiele herrufen. KUNDMACHUNG! Ich beehre mich hiem't dem P. T.Publikum höflichst anzuzeigen), daß ich meine seit Jahren bestehende 1W RESTAURATION in eigene Leitung zurückgübernommen und nach vollständiger Reno»icrung dortselbst eine LCHSPEISEHALLE (MLE(ZARNIA) errichtet habe. — Zu Jeder Tageszeit kalte und warme Miicta- und Mehlspeisen nach polnischem und Bukowliiaer Geschmack. Billigste Preise 2 Aufmerksamsie Bedienung tfestaurataur, Wien, II. Schiffamtsg. 17 Ohne Zustimmung des sozialdemokratischen Bürgermeisters kann in Wien kein Plakat erscheinen, weil das Plaikatierungswesen heute ein Monopol der Gemeinde ist. So wurden wiederholt Plakate zurückgewiesen, weil sie Angriffe auf sozialdemokratische Führer enthielten. Wenige Tage vor dem 7. Oktober prangten aber auf allen Plafcattafeln Anschläge, in welchen di e Ha k en-kr euzler den Judenpogrom priesen. Die Plakate waren so aufreizend, daß die Staatsanwaltschaft einschritt und die Polizei die Plakate abreißen ließ. Dabei ist zu bedenken, daß die Wiener Staatsanwaltschaft sehr selten zur Konfiskation schreitet. Wentt's nur auf den Herrn Bürgermeister angekommen wäre, hingen die Plakate noch heute, zum Gaudium der Niohtjuden und zur Schmach der Juden. Die sozialdemokratischen Führer haben ja Siran für den Schutz der Ehre -und der Sicherheit ihrer lieben Juden. Aber mvr m Wahlaufrufen und zu Wahlzeiten. Brief aus Polen. Von unserem Warschauer N. R.-Berichterstafter. Konferenz der , zionistischen Hochschüler-Organisationen Ostgaliziens. Am 1., 2. und 3. Oktober d. J. taste in Stanistlau! die erste Konferenz der zionistischen Hochsch üler-Or.ganisationen Ostgaliziens, befi Beteiligung von 70 Delegierten unter Vorsitz der Heriren Dr. Ritter mann und Dr. Bardach. Es wurden Referate über die Palästina-Arbeit von Mgr. Donner und Stein, über die Aufgaben der Organisation von Mgr. Godfried, über die Selbsthilfe von Mgr. L a n >g n a ß gehalten. Die politischen Referate erstatteten Professor Matfuß und Mgr. Sehe er.' Sodann ergriff der Präsident des Jüdischen Paria-, nientsklubs , Abgeordneter Gr Anbau in, das Wort, der von der Konferenz mit großem Jubel begrüßt wurde. Zwei Probleme—führte, er unter anderem ans —^ .sind aktuielil im > jüdischen1: Leben: das der n ati o n al e n Politik im Ländje, und das' der J e.wis:h; Agennrcy. Die Frage der Unifizieroing der zioniistisehen Organisation in Polen .ist ebenfalls von wesentlicher Bedeutung. Was In Lodz geschaffen wurde, ist kaum ein Surrogat, da die Körperschait keine Exekutive besitzt, welche den -vorhandenen Landiesorganisationen übergeordnet wäre. In den landespolitischen Fragen kommt der Druck von außen und bewirkt ein einheitliches Vorgehen letzten Endes. Es wird sich, niemand mit'der Verantwortung der Sprengung der einheitlichen jüdischen parlamentarischen Repräsentanz belasten wallen.. Persönlich -r~ legte Grünbaum dar —* sei er bereit, als Präsident des jüdischen Parlamentsklubs zurückzU'trieiteu, falls eine Unifeierüng der zionistischen .Organisationen in Polen durchgeführt werden sollte. Er glaube aber nicht daran, weil die persönliche Frage hervortreten, würde. Nicht er — Grünbaum — wird das Hindernis sein,, weil er wegen der Frage der Jewish-Agency nicht die Präsidentschaft des Oberrates anstreben werde, sondern Dr. Reich, Dr. T h o n, L e w i t e — alle haben sie Ansprüche und sind im Rechte. Es muß zu einer Unifizierung der Bestrebungen und Meinungen kommen, — die Unifizierung kann sich nicht auf politische Konjunkturen stützen. .... Der _ Vertreter dier Lembergea* zionistischen Exekutive Dr. Schnorak versuchte Abg. Grünbaum entgegenzutreten, wurde jedoch von Dr. I n s 1 e r entsprechend widerlegt In den' angenommenen Resolutionen kommt der Standpunkt des Abg. Grünbaum wegen des jüdischen Pärlamentsklub und wegen der Unifizierurag der zionistischen Organisationen in Polen zum Ausdruck. So heißt es in den Beschlüssen unter anderem: Die erste zionistische Konferenz der Monistischen Hochschüler-Organisationen stellt fest: 1. daß es Ziel der zionistischen Landespolitiik in der Galutb sei, die: nationale Autonomie in den von den Juden bewohnten Ländern zu erlangen, um auf diese Weise das nationale Kräf te. r eservoir für den Aufbau Palästinas zu erhalten und die Möglichkeiten für ein gesundes nationales Leben der jüdischen Massen, die in der Galuth bleiben müsseh, zu erlangen; . 2. daß die zionistische Politik geführt werden muß durch eine konseqente Aufklärungsarbeit unter den breiten Massen, und durch eine Taktik, die nicht im Widerspruch steht zu den Grundsätzen und Zielen der zionistischen Politik; 3. daß der Kampf der Minderheit (der galizisohen Abgeordneten — Anm. d. Red.) gegen die Mehrheit im jüdischen Parlamentsklub häßliche Formen angenommen hat, die das Prestige der zionistischen Organisationen und ihrer Repräsentanz untergraben. Die Konferenz fordert alle «lonisttsohen Zentral-

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