Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 56 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 PELZWAREN 1 GEBRUDER BRAININ [„Bauernmarkt Za, MU-22 3-59 IL, Glockengasse 8, Tel. R 45-4-33 _DIE NEUE WELT_ sehen Juden ist edelgeschwungene Melodie, die Spannung seiner Leidenschaft löst sich in Kindertiauferei aus. Das jüdische Volk hat immer die Denunziation und Tauferei als niedrigste Laster empfunden. Ein Teil der zionistischen Presse geht aber in letzter Zeit Wege, die am jüdischen Volk vorbei führen. Eine antisemitische Sudelschritt in Wien. _J^-J^L |ll||||||||||inilllllll!IIIIIi!il!l!ll!!l!ll!iiilW I TUCHHAUS { WIEN, I. 1 Ertlgasse 4 und § I Kramergasse 11 i | Telephon ü 25-2-57 | | Import Original englischer und j | schottischer Herren" a. Damen- | | Stoffe sowie irischer Donegals j | und Thornproofs | j Detailverkauf zu Engros-Preisen! | lllllllllllllllilllllltllllllllllflllllilM gemeinde die fünfzigste Jahreswende Ihres geistlichen Wirkens feiert. Wir geben nebst unseren aufrichtigsten Glückwünschen unserem Wunsche Ausdruck, daß Sie die Aufgaben Ihres erhabenen Berufes zum Wohl Ihrer Glaubigen, Ihrer Kircthengemeinde, unserer Stadt «und unseres Vaterlandes in vollkommener geistiger und körperlicher Kraft aucli fernerhin in Ihrem auserlesenen Geist erfüllen mögen. Huldigend verbeugt sich jeder seiner Stadt in Treue denkende Mensch, wenn er die vielfältigen Schöpfungen, mit welchen der Erbe des großen Namens des Ahnen seine Konfession, seine Stadt und sein Vaterland bereichert hat: Mit der berühmten Synagoge und den auf alle Gebiete sich erstreckenden zahlreichen Pietät«- und WohltäMigkeitsamstalten." Der Bürgermeister weist kn weiteren Verlauf seiner Zuschrift auf den Ruhm, den sich Dr. Low auch im Ausland als Gelehrter erworben hat, sowie darauf ton, daß die ungarische Judenscfoaft sich selbst geehrt habe, indem sie diese wertvolle Persönlichkeit in dieses Oberhaus entsendet habe, und schließt mit folgenden Worten: „Und heute verlangt die gesamte Bevölkerung .von Szegedin mit aufrichtiger Freude und Begeisterung ihren Anteil an diesem Fest, indem säe mit der nur Hervorragenden gebührenden Verehrung auf den greisen Patriarchen blickt, der seinen Geburtsort und den Fortschritt mit so vielen wirklichen Werten bereichert 'bat." Diese Huldigungszuschrift wurde in einer Senatssitzung der Stadt Szegedin beschlossen. Einst las man's anders. Lebenslängliche Zwangsarbeit für Tote. Das Urteil eines rumänischen Kriegsgerichtes. Wie seinerzeit mitgeteilt, wurde ein jüdischer Soldat aus Dadautzi, der in Gefangenschaft geraten wart, von einem rumänischen Militärgericht zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt; bei einer neuerlichen Verhandlung vor dem Czernowitzer Kriegsgerichte, die nach Verbüßung der schweren Strafe stattfand, wurde dieser Soldat freigesprochen. Bei Gelegenheit dieses Prozesses sagten höhere Offiziere als Zeugen aus, daß jede r jüdische Soldat, der vermißt wurde, als Deserteur in die Listen eingetragen wurde. Eine Reihe solcher Prozesse gegen vermißte jüdische Soldaten ist heute noch anhängig, und man geht nicht \ fehl in der Annahme, daß es sich hauptsächlich um Krieger handelt, die auf dem Schlachtfeld gefallen süid. Die „Ostjüdische Zeitung" berichtet über einen dieser Tage vor dem Kriegsgericht in Brasov stattgefundenen Prozeß, der mit der Verurteilung von vier jüdischen Soldaten zu lebenslänglicher Zwangsarbeit wegen Desertion endete. Nach Verkündung des Urteils gab »es eine Sensation. Der Zeuge Sergeant Vasiliu, der i» der Sache des jüdischen Soldaten S o d c h e r einvernommen wurde, dessen Unschuld sich erwies und deJ vom Kriegsgericht von der Anklage wegen Desertion freigesprochen wurde, hörte erst bei Verkündigung des Urteils die Namen der Mitangeklagten; er rief dem Vorsitzenden des Kriegsgerichtes zu: „Herr Präsident! leb habe diese Leute doch an meiner Seite fallen gesehen. Sie sind alte in den Kämpfen bei )kna gefallen." » Der Gerichtshof war sehr konsterniert Der Sergeant Vasiliu erzählte dem Vorsitzenden, Feldwebel G o 1 d% ner (einer der verurteilten toten Juden) sei sein unmittelbare»' Vorgesetzter gewesen und die übrigen verurteilten drei Soldaten haben dem gleichen Zuge «de er angehört; er könne beschwören] daß er die Leute habe fallen gesehen. Die Angaben Vasilius erscheinen-, um so begrüir deter, als die Angeklagten trotz mehrfacher Verhandlungen sich niemals gestellt haben. Dem Kriegsgerichte wurde trotz mehrfacher Anfragen niemals mitgeteilt, ob die Angeklagten im Leben sind. stische Organisation und nach dem Gesetz der Fortpflanzung des Stoßes auf das ganze Judentum überträgt, sodaß es kaum zum Bewußtsein dessen kommt, was an der Klagemauer geschehen ist, daß es an seiner heiligen Stätte so beleidigt und gedemütigt worden ist, wie niemals im Ghetto. Nicht im türkischen Palästina und nicht im zaristischen Pogromrußland. Noch einmal Jakob Wassermann. Der ehrliche Kämpfer gegen Zionismus und für das Missionsjudentum läßt sein Kind taufen. — Aber er bat eine gute zionistische Presse. In «©serer Redaktion, ist ein Brief eingelangt, der sich auf den in der letzten Numtoer erschienenen Artikel über den Romancier Herrn Jakob Wassermann, den „besseren" Juden, bezieht. In dem Brief heißt es unter anderem: „Der Schriftsteller Jakob Wassermann, welcher sich unterfängt, ohne jede Kenntnis Vorträge übers Judentum 0a foaäten, andere Juden zu beschimpfen, um selbst schöner dazustehen, welcher vongibt, den Antisemitismus zu bekämpfen, sdclh aber in der Tat den Antisemiten auf Kosten anderer Juden anbiedert, welcher von der hohen Mission des Judentoms spricht, dieser Jakob Wassermann hat sein Kind evangelisch taufen Hassen. Ein Umstand, welcher das in Ihrem Artikel entworfene Bild des Mannes vervollständigt." * Die Kindstaufe im Hause derer von Wassermann liegt auf der Linie, welche der Hausvater in seinem Vortrag eingehalten hat Nach einer langen Rederei über die „hohe Mission" des Judentums, welche aus dem Munde eines frommen Juden noch erträglich klingen würde, bei ihm aber wie Gerassel ailter Bleche tönt, sagt Wassermann, daß der Zionismus zai dieser Mission im Gegensatz steht. Dann wörtlich: „Man schlage die Juden tot, man treibe sie aus, man lösche ihre Namen von'der Tafel der •GesbhicTfte,<''däs'%äfe* minder verhängnisvoll, als wenn sie dieser hohen Mission entfremdet, das lieißt Zionisten werden würden." Nun. mag dem guten Papa Wassermann beim Anblick seines Säuglings der schreckliche Gedanke gekommen sein, daß das .Würmchen Vereinst von -der zionistischen Pest befallen werden konnte. Um den Sprößling seiner Lenden Vor diesem furchtbaren Schicksal zu bewahren und für die „hohe Massion des Judentums" vorzubereiten, ging er hin und erschlug ihn nicht, trieb ihn nicht aus und wischte ihn nicht ab, sondern ließ ihn chrisMich-evange- , 1 i s* c h taufen. Das ist weniger grausam, aber ebenso j wirksam. Das Kleine und was noch folgt werden nie und nimmer Zion.isten werden. Die Enkel werden in einem. Hakenkreuzverein, sitzen und darüber nachdenken, wie man das Geld des Herrn Großpapa behält und die Verwandtschaft mit dem alten Saujuden lös wird. Daß die dem Zionismus feindlichen Blätter Herrn Wassermann gut behandeln, ist nicht verwunderlich. Aber es gibt auch zionistische Blätter, die seine Ausführungen mit allertiefstem Respekt werten. In-der Berliner „Jüdischen Rundschau" und in der Prager „Selbstwehr" wird von seiner „Ehrlichkeit und Offenheit", von der „edelgeschwungenen Melodie" gesprochen, welche die „Spannung der Leidenschaft" ahnen läßt. Sein Geschimpfe auf die russischen und polni- Der „Judenkatechismus". In Wicu gibt es einen Bund für Volksaufkläruug, der der hakenkreuzlerischen Verhetzung dient Im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen, die sich um den Heimwehraufmarsch vom 7. Oktober gruppierten, hat dieser Bund eine von einem unbekannten Autor, der sich Traugott nennt, verfaßte Broschüre herausgegeben, die sich „Judenkatechismus" nenpt. Aus dieser Schrift sei das folgende als Probe zitiert: „Die Juden betrügen die Leute und verderben die Völker und brandschatzen die Länder mit Wucherei... Den Haß der Juden gegen das Christentum und seinen Stifter zeigen auch die Ritual morde, die zwar die Juden immer abzuleugnen suchen, die sich aber doch tatsächlich ereignet haben... Die Juden sind es, die die christlichen Länder revolutionieren. Nach verläßlichen Mitteilungen stand an der Spitze eines Brandkonimandos, das bei dem Aufstand in Wien am 15. Juli die Räume des christlichen Blattes „Reichspost41 in Brand steckte und verwüstete, e i u elegant gekleideter jüdischer Intellektueller, der Befehle erteilte... Die jüdische Presse ist eine Meisterin im Fälschen, Unterschlagen und Verdrehen. Die jüdische Presse verbreitet Sittcnlosigkeit, sie ist die Sohützerin und Verteidigerin der Korruption... Der Jude benützt die Arbeiter zur Erreichung seines Zieles, der jüdischen Weltherrschaft... Das Judentum hat 1. den Weltkrieg vorbereitet; 2. sich im Kriege vielfach der Wehrpflicht entzogen; 3. sich vielfach außer SchuBweite gehalten; 4. vielfach Hochverrat verübt; 5. während des Krieges schändlichsten Wucher und Preistreiberei im größten Stile betrieben, sich so ungeheuer bereichert, dem Hinterland die Lebensbedingungen entzogen und dadurch die Widerstandsfähigkeit untergraben; 6. die Feindesvölker gegen die Mittelmächte gehetzt; 7. durch falsche Vorspiegelungen die Mittelmächte zur Waffenstreclcung verleitet; .8. tätigen Anteil an der Vertreibung der Fürsten und Ausrufung der Republiken genommen; 9. vielfach an dem »..grausamen Diktatfrieden, mitgewirkt; 10. nach dem 'Kriege die"Macht an sich gerissen..." Gegen die Spielseuche. Die Spielseuche scheint auch im jüdischen Osten überhandzunehmen. Dafür spricht der Umstand, daß die Czernowitzer Tagesblätter eine Predfigt des dortigen Öbörrabbiners Dr. Mark wiedergeben, welche am Versöhnungstage, gehalten wurde. Die.Rede ist der Bekämpfung der Spielwut unter .den Juden, insbesondere unter den jüdischen Frauen und Kindern gewidmet. Dr. Mark sagte unter anderem: „In der letzten Zeit ist es besonders der Götze Kartenspiel, der unsere beste Zeit raubt. Es spielen die Männer und-es stielen auch schon die Frauen bei Vernachlässigung ihrer heilflgsten Aufgaben, bei 4er Vernachlässigung, des Hauses und der Erziehung ihrer Kinder. Fast kann man nicht zwei Stunden beisammen sein, ohne Karten zu spielen, und je sinnloser, je geisttötender das Spiel ist, um so mehr wird es gepflegt. Ja, es spielen sogar schon die Kinder, diese zarten Pflanzen, die so empfindlich sind, so leicht Schaden nehmen können. Es spielen schon die Kiinder, die die Zeit ihrer Jugend dazu benützen sollten, um sich für schweren Kampf des Lebens gehörig vorzubereiten und zu wappnen. Und die Eltern, nicht nur, daß sie es nicht hindern, sondern sie fördern ' es sogar, sie sind sogar auf die Spielstärke ihrer Kinder sehr stolz. So kann man so manchen Vater, so manche Mutter hören, die sich dessen stolz rühmt: „Mein Kind nimmt es im Rummyspiel selbst mit Erwachsenen au f." Oeffnet ' Eure Augen, bietet Einhalt diesem neuen Baal, der Zeit und Geld verschlingt und die Seele der Kinder ver- , pestet," Es könnte nicht schaden, wenn auch die Rabbiner und Lehrer in. der übrigen jüdischen Welt diesem Gegenstande Aufmerksamkeit schenkten. , Einst las ntan's anders. Vor kurzem feierte, wie bereits kurz berichtet wurde, die Szegedliruer jüdische Gemeinde das 50jährige AmtsjuMläum ütores Oberrabblners Dr. Immanuel L ö w, Mitglied des ungarischen Oberhauses, Die Fejer war eine sehr herztäche, die Gemßi'iidemitgliedcf naihmen auch diesen Anlaß gerne wahr, ihrem greisen Oberrabbiner die schwere Unbill, die ihm seinerzeit von cbristlichnatioualer Seite zugefügt wurde, gan* vergessen zu machen. Historisch interessant und auch ■pikant ist jedoch die Zuschrift, welche der Bügerraeiste r der Stadt Szegedin, Dr. Silvester Somogyi, namens des MunteipHuns und der gesamten Bevölkerung der ungarischen Frelstadt Szegedin an den Jubilar gerichtet (hat Als Dokument der Zeit sei diese Zuschrift in deutscher Uebersctzung hier wiedergegeben: „Herr OberraWiiner! Wir begrüßen Sie im Namen des Munizipiiiims und der Stadtgemeiwde der königlichen Fmsiadt Szegedin au dem Taget an weichem Ihre Kirchs»■