Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 56 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Groschen rs V. b. b, BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 12. Oktober 1928 Nr. 56 Einiges vom 7. Oktober. (Seite 4) Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. . Beginn Seite 10 Die Werke des grossen jüdischen Dichters Schalom Aiechem sind im Begriffe, sich die Weltliteratur zu erobern. In allen Kulturländern hat sein Name Klang. Er war es, der als erster unter den Dichtern der judischen Moderne Geist und Gemüt des jüdischen Menschen gestattet und in einer^Reihe grosser Werke schöpferisch niedergelegt hat. Schalom Alecnems Humor ist unsterblich. Sein Roman Komödianten der von uns zum ersten Mal in deutscher Sprache, dem Original in allen Feinheiten der Sprache und des Ausdrucks nachgehend, zum Abdruck gebracht wird, gibt ein hinreissend komisches und tragisches Bild vom jüdischen Theaterleben und schon der darin verzuobene Liebesroman muss die packendste Wirkung auf alle Leser ausüben. Aus dem Inhalte: Noch einmal Jakob Wassermann. Eine antisemitische Sudelschrift in Wien. Lebenslängliche Zwangsarbeit für Tote. —y.: Reden und Taten. David Y e 1 I i h: Die Klagemauer. N. R., Wärschau: Brief aus Polen. Die Schächtgegner. Aus Palästina. Die jüdischen Nachbarn Amerikas. Wie die Araber „Nebi Rubin" feiern. Amtliche Mitteilungen der Wieher Israelitischen Kul« tusgemeinde. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung: Der fünfte Sieg des S; C, Hakoah. — Die jüdischen Vereine im Cup. — Jüdischer Sport in Polen. Schalom Aiechem: Komödianten. Schalom Asch: iDie Mutter. Der Skandal an der heiligen Stätte. Die heiligen Stätten in Palästina sind eine sehr heilige Sache. Das Völkerbundmandat. widmet ihnen einen eigenen Artikel und die Sache wird als so schwierig und heikel angesehen, daß die bestimmungsgemäß geplante internationale Kommission zum Schutze dieser heiligen Stätten bis heute noch nicht gebildet ist. Palästina ist allen drei europäischen Konfessionen heilig und sohin anerkennt die politische Praxis heilige Stätten der Christenheit und des Islam. Was die jüdische Konfession anbetrifft, so geht es da, wie es immer geht, wenn jüdische Fragen auftauchen. Sie werden nicht zur Kenntnis genommen. Wenn aber die Juden darauf bestehen, so tritt die Polizei in Aktion. Das ist am letzten V e r s ö h n u n g s t a g in Jerusalem geschehen. * ... '. ,,. , Die Klagemauer ist „ Besitz des jüdischen Herzens. Ansonsten ist sie.aflgeblich — mohammedanisches Eigentum r und soll zum Fundus der Omar-Moscliee gehören. Seit Jahrhunderten beten und klagen dort, in einer wüsten Sackgasse, die abseits jeden Verkehrs liegt, fromme jüdische Männer und Frauen. Ein Beweis dafür, daß dieser Mauerrest tatsächlich mohammedanischer Besitz ist, existiert nicht. Aber Juden gewöhnen sieht rasch daran, daß ihnen etwas gestohlen wird, und so dauerten die Andachten durch Jahrhunderte fort, hin und wieder durch arabische Extempores gestört, durch Steinwürfe, Unflätigkeiten oder verjagte Esel und räudige Hunde. Daran fand niemand etwas und die Touristenherden, die Cooks Agenten hinführten, glotzten verständnislos auf die Szene, in der andächtige Inbrunst zum Schauobjekt degradiert wurde. Brachten sich die alten Leute.Stühle mit so paßte die Polizei auf und n a h m di e Stühle wieder weg. Denn die jüdische Betstätte ist den Mohammedanern heilig und es darf daraus kein jüdisches Gewohnheitsrecht werden. Die Anschauung besteht und solche Dinge sind immer stärker als Krieg, Politik, Revolution. Palästina wurde Mandatsland, aber die heilige Stätte behielt ihren Besitzcharakter. In diesem Jahr brachten sich die Juden einen Wandschirm mit, der, orthodoxem Brauch entsprechend, Männer von Frauen scheidet. Der oberste moslimische Rat lief zur Behörde, die lief zum Gouverneur, der zur Polizei. Und der Kommandant lief zur Klagemauer, sah den Wandschirm und gab seinen arabischen Bütteln den Befehl zum Dreinhüuen. Denn die Klagemauer ist eine heilige Stätte der Mohammedaner. Palästina ist den Juden eine heilige Stätte, als solche von jeder anderen Konfession, von der Geschichte und heute auch von der Politik anerkannt. Für den antisemitisch eingestellten Bürokraten gilt das aber nicht. Die heiligen Stätten haben solcherart einen antijüdischen Charakter bekommen. Es war zuerst die römische Kurie, die Einspruch erhob, daß durch Mandat und Völkerbundbeschluß die der Christenheit heiligen Stätten unter jüdische Herrschaft gelangen könnten. In früheren Zeiten standen sie unter türkischer Hoheit und man weiß ja, wie zu Weihnachten oder Ostern türkische Gendarmen unter die raufenden c h r i s 11 i c h e n S e k t e n fahren mußten. Das hat die Kurie niemals gestört, aber da sich jetzt Juden ins Land setzten, so geriet der Vatikan in Entrüstung. Waren es doch die 'antipapistischen Engländer, die Leser der Bibel, die das Volk der Bibel in die Heimat führten. Aber der Vatikan fand bald, daß er doch einigen Grund zum Vertrauen haben darf. Die englische Verwaltung tat nichts, was ihr von Rom aus Mißtrauen hätte eintragen sollen. Sie war so gar nicht judenfreundlich und sie ließ so gar nichts geschehen, was nach jüdischer Herrschaft aussah. Sie' schmiß die Juden aus dem Verteidiguiigsdienst hinaus, führte in der Polizei den Numerus clausus ein und nahm das durch jüdische Arbeit geschaffene Kapital als Rückzahlung für geleistete Vorschüsse zurück. Sie interpretierte das Mandat dahin, daß in Palästina eine Heimstätte für die Juderi errichtet werde, nahm also dem Vertrag die Seele. Aber selbst in einer so eingeschränkten Heimstätte hätten doch die Juden das so gar nicht materielle Recht der Traditio n, an einer ihnen geweihten Stelle zu beten. In England wird für katholische Prozessionen ausgiebiger Polizeischutz gestellt, in Bengalen schiebt sich englisches Militär zwischen Hindus und Mohammedaner, in Natal ziehen die frommen Zulus zwischen englischem Spalier, in allen Totenkulten sorgt der -englische .Resident ,für. Ordnung u,n d. F r,eih e,it des Gewissens. Im jüdischen Land, in der. j ü d i sehen nationalen Heimstätte kann das nicht sein, wenn es sich um Juden handelt. Die Mohammedaner bestreiten den Juden das Recht, an der Mauer zu beten. Eine Untersuchung fand nicht statt, es mußte augenblicklich eingeschritten werden; der englische Offizier, der ängstlich das Tabu des Südseeinsulaners respektiert, konnte das Ende des Versöhnungstages nicht abwarten. Er verständigte keine jüdische Stelle. Er schickte seine arabischen Polizisten, die voll Wonne sich auf die jüdischen Beter stürzten. Die vorgesetzte Behörde deckt dies alles. Sie verweigert die Disziplinierung des Offiziers und läßt schließlich den Thoraschrein, das höchste Symbol der jüdischen Gläubigkeit, abtransportieren. Denn Palästina ist die jüdische nationale Heimstätte und es muß geschehen, was der Vatikan und der Oberste Rat der Mosiims verlangt. Dieser Oberste Rat hat seine Beschwerde mit dem Hinweis auf die kochende Volksseele bekräftigt. Falls nicht augenblicklich eingeschritten, wird, würde eine Attacke des Volkes erfolgen. Tatsächlich sind auch vor und nach dem Zwischenfall Mißhandlungen jüdischer Passanten durch Araber vorgefallen. Aber da hören wir doch immer, daß die Beziehungen zwischen J u d e n u <a d Arabern ausgezeichnet sind, daß sich die Araber mit der Balfour-Deklaration und mit dem Mandat abfinden. Daß sie nur darauf brennen, mit den Juden einen Friedensbund, einen Brith schalom abzuschließen, und da wird uns doch gesagt, daß die Juden sich dem Verlangen der Araber nach einem Parlament nicht widersetzen dürfen, daß Demokratie und Freiheit und Selbstbestimmung und Gerechtigkeit un;d alle sonstigen Ingredienzien der politischen Philosophie es erfordern, daß eine gesetzgebende Körperschaft errichtet wird. Es würde nach diesen Antezedenzien gut stehen um die jüdische Sache, wenn in dieser Kammer eine Mehrheit der Effendis sitzt und bei jder passenden Gelegenheit gegen die Juden die kochende Volksseele anrufen könnte! Aber diese Verbrüderungstendenzen t r a g e n d o c h d e n S e g e n d e" r o b e r s t e n z i on i s t i s c h e n L e i t u n g, die: in ihrer innerlichen Schwäche dem binationalen Rummel erlegen ist, deren innerliche Schwäche sich auf die ganze zioni- DfcS jeder Küche ist ein IC.uhlsch Fabrikat der General Motors Verlangen Sie Prospeht hDfllf hon CfO das Ausstellungslokal oder NBauUICll «IIS der Generalrepräsentanz Warchalpwski, Finsterle &C9 W£&M SS»