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Die neue Welt · 1928-10-05 · Heft 55 (5.10.1928) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 55 (5.10.1928)
Date
1928-10-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 55 DIE NEUE WELT Seite 9 1000 Dollar s|?fää33 M MMilffl 'wmmmmmmmmmmmmmmHmmmmmmmm^m ist die beste Empfehlung! otto kasbrir Aus Palästina. Neue große Plantagen. Eine Gruppe aus Tel-Awiw bat einen Teil des Terrains von Abukischak erworben, wo große Plantagen angelegt werden. Deutsche Ausgrabungen. Wie die „Times" aus Jerucalem melden, hat der deutsche Gelehrte Dr. Welte r, der . Im Auftrage des deutschen archäologischen Instituts in Balata und am Berge Gerizim Ausgrabungen unternimmt, die Stadtmauern, ein Tor und den Tempel des Baal Berith freigelegt, der bereite in der Bibel im Buche der Richter erwähnt wird. Unter den freigelegten Befestigungen der alten Stadt Wurden noch Spuren einer früheren Ansiedlung gefunden, deren ' Alter auf ungefähr 1800 v. Chr. zurückgeht. — Auf dem Berge Gerizim wurde eine altchristliche Basilika freigelegt, die von Kaiser Zeno im Jahre 484 erbaut wurde. Ein amerikanischer Minister-Resident. Der amerikanische Konsul in Beirut, Herr Paul Knabensch ue, wurde zum Generalkonsul in Jerusalem als Nachfolger des Herrn Heizer, der einen Posten in einem anderen Lande erhält, ernannt. Wie die J. T. A. von maßgebender Stelle erfährt, plant die amerikanische Regierung die Einsetzung eines Minister Residenten in Jerusalem in Anerkennung der Beideutung Palästinas, als Zentrum für den Mittleren Osten.. Ueberfail auf eine Synagoge in Galizien. In dem Städtchen Busk in Ostgalizien überfiel der Pöbel während der Kol-Nidre-Andacht die Synagoge, schlug alle Fensterscheiben ein und löschte die Lichter, aüch den „Ner tomid" (ewiges Licht) aus. Die zur Andacht versammelten Juden stellten sich den Eindringlingen entgegen, es kam zu »Zusammenstößen, Herangeholte Polizei nahm einige Verhaftungen vor. Synagogenschändung in Bessarabien. In dem bessarabischen Städtchen Tschi m isc.h 1 i e, Kreis Bender, drangen am zweiten Rosch-Haschana-tage nach Schluß der Andacht betrunkene Bauern, unter Führung des Magistratssekretärs Michail jSoloderko in die Ortssynagoge ein, demolierten die gesamte Einrich- > tungj-7 (Zerrissen* - den Vorhang, schändeten in nicht wiederzugebender Weise die Thora-Rollen und raubten schließlich^ den wertvollen Thora-Schmuck. Jüdische Bürger vertrieben die Huligans aus der Synagoge und erstatteten die Kreispräfekt von . Ismail kam - zur Führung der Unter- Anzeige. Mehrere der Räuber Wurden verhaftet und in das Gefängnis der Kreisstadt I s m a i 1 eingeliefert. Der Kreispräfekt voon Ismail kam zur Führung der Unter suchung persönlich nach Tschimischlie. Die jüdische Bevölkerung hielt wegen der Thora-Schändung einen Trauer¬ und Fasttag ab. ,.> , . Ein Ueberfail in Kowno. Während der Kol-Nidre-Andacht wurde in Kowno von einem Trupp junger Leute eine Synagoge mit Steinen bombardiert, wobei sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Wie es heißt, sollen die Täter Zöglinge einer benachbarten polnischen Schule sein. Ein Wochenblatt der radikalen Zionisten in Polen. Vom Anfang Oktober an erscheint in Warschau das Organ der radikalen Zionisten in PolCn „Z i o n istische Blätter" unter der Redaktion von Abg. J. G r ü n b a u m als Wochenblatt. Die Juden von Hasköi verkaufen ihre Synagoge. Die .Konstantinopler Vorstadt Hasköi war von jeher in der Geschichte als der judenreichste Ort der türkischen Hauptstadt bekannt. Vor etwa 20 . Jahren wohnten in -diesem Viertel Zehntausend« von Juden, die e4n Dutzend Jeschiiwotb-Synagogen, Schulen n*id Abendkurse zu erhalten hatten. Hier herschte das typische' orientalisch-jüdische Leben, das manchen Orientreisenden zu interessanten Betrachtungen' und Schilderungen angeregt hat. Während des Weltkrieges und in den Jahren unmittelbar darnach wurde dieses große Stadtviertel fast verwüstet und die jüdischen Bewohner in alle Windrichtungen zerstreut. Die wenigen Juden, die zurückgeblieben sind, sind so arm und' hilflos, daß sie nicht einmal die Mittel und die Kraft aufbringen, den Ort ihres Elends zu verlassen. In letzter Zeit ist der Verfall so weit gediehen, daß die Vorsteher sich' gezwungen sahen, 'ihre Synagoge um den Spottpreis von 90 türkischen Pfund Papiergeld zu verkaufen. Denkt man daran, daß es in früheren Zeiten als, ein religiöses und auch', .national moralisches- Verbot.angesehen wurde, ein Tempelgebäude, zu veräußern, und daß dieses Verbot besonders «m Orient streng eingehalten wurde, so wird man den Grad der Armut ermessen, der das Häuflein Juden von Hasköi gezwungen hat, ihre langjährige Betstätte an Fremde; zu veräußern. Denket an den Winter utid decket euren KoMen« bedarf schon jetzt bei der bestrenommierten Firma M. Bartleid. Wden, IL, Sebasüa«-Kneipp-Ga*se 3. (Siebe auch Jtatmai fiHfn Ü JR Die fhorarolle fallen gelassen. Aus Preßburg wird uns geschrieben: Der Agent Sonnenschein ließ in der Synagoge in Vrable die Thoraroile zu Boden fallen, weshalb .der Rabbiner von der Kanzel die Abhaltung eines Buftfasttages anordnete. Die Geschäfte der Ortschaft waren am 26. September wie am Feiertag geschlossen. Die Juden der Gemeinde fasteten volle 24 Stunden. Theater und Kunst« Ein Revolutionsstück im Carl- Theater. „Lenin" von Ernst Fischer. Es ist in der Geschichte häßlich eingerichtet, daß bei Revolutionen nicht nur Blut, sondern auch Tinte fließt. Ernst Fischer, recte Fischer Ernst aus Graz, ist sich dessen bewußt, daß die Dramatisierung der russischen Revolution ein gewagtes Unterfangen sei; aber er sei von seinem Stoff überfallen worden. Und trotzdem habe er nicht gedichtet, sondern Reportage getrieben. Dieses Geständnis ist aber nicht mehr als eine Ausrede, eine Entschuldigung, um für sich den Titel eines Dichters zu provozieren. Das gelang ihm nicht. Er malte nicht Völle, sondern viele Leute, er machte eine Revue — für Phantasiearme. Die russische Revolution ist uns noch so nah, daß sie zurückverlegt worden kann — nur von einem Dichter. Schade. Shakespeare oder Shaw hätten keine Flucht in die Legende gebraucht. Also keine Dichtung der Gegenwart, keine Legende — was dann? Anlaß für die kollektivistischen Triebe einer ästhetisch verdorbenen Gruppe, die auf dieselbe Bourgeoisie spuckt, von der sie ihre Ideale bezieht! Mißverstandene Geschichte, leitartikelschnarrende Reden, Beratungen maskierter Tugendbolde und -holde, rot, rot, rot, jämmerliche Fratzen von zum Himmel stinkender.Banalität -rmißverstandene Reportage. « . Der Lenin des Herrn Rothauser — in Moskau 'hätte er keine Revolution. hervorgerufen. Die bleierne Oede des Abends konnte er, .wenn auch um Photographieposen — bitte, recht .dämonisch! —* bemüht inmitten seiner. Kollegen, denen die Strafe der Namensnennung diesmal erlassen sein möge, keinen eineiigen Augenblick ibannen. Die Regie steckte: tälteste Meiniugerei in einen Bühnenrahmen, der —^ -wie sagt man's nur ~ Antlitz und. Atem der. Zeit erwarten ließ.... Und der Sprechchor, wie auff einem Konzertpodium rezitierend, anstatt: das Geschehen musikalisch-drama tisch vorwärts zu treiben,, hatte die Rolle übernommen,, die Langeweile zu fixieren. Ein pikantes Bikl boten, vielleicht dem Moloch der Kunststell e n -Bon ze n-Antise mi t el ei 'hingeworfen, die zwei Juden, die, kaum hat die Revolution gesiegt, auch schon ihre öeschmeide-Getreidegeschäfte machen. Oder gehört das mit in das Bild des Reporters von der russischen Revolution, zur # Vertiefung der Tragödie? Wer hat dem Fischer Ernst aus Graz (Steiermark} diese Reportage geliefert? * Das Debakel des ersten, mit so viel Wort, Schrift und Bild aufgemachten Abends fällt naturgemäß auf das Konto des heuen Direktors Emil Berisch, Ist es möglich, einem erfahrenen Theaterrnenschen, der große Institute seit vielen Jähren erfolgreich geleitet hat, einen solchen Mißgriff zuzumuten? Odor steht Direktor Berisch unter einem Diktat, das ihm jede Initiative raubt und gerade jene Parteipolitik durchsetzt, der er in allen seinen Enunziationen abgeschworen hat? Die jüdische Leopoldstadt und die jüdelnde Kunststelle, irgendwie muß es zu einer Auseinandersetzung kommen. Das Uebergewicht der reinen Gesinnung wird den Ausschlag geben. o.t. Jüdische Künstlerspiele. Eröffnungsvorstellung am Ii. Oktober. ' Vor Beginn der neue.n Spielzeit absolvieren die „Jüdischen Kflnstl erspiele" ein populäres Pro-* gramm. Freitag, den 5. Oktober, beginnt Paula Dreiblatt, die langjährige Partnerin des jüngst verstorbenen Charakterkomikers Max Stratig, ein Gastspiel im Lebensbild „Die eiserne Fr au" von Zalatorowski unter Mitwirkung von Lea W e i n t r a u b-G r aif in der dramatischen Rolle der' „Emma", A. Melze r als Gesaitgsliebhaber, ferner von M. Deutsch, C. M e 1 s e 1 s, Jona Reis mann (in der, Charakterrolle) B. Slgal und des Die größte jüdische kulturelle und politische Tageszeitung in Polen .HAJNT' ■ m - i ...!■•• ist taglich in den Wiener I^^^^BHHHHHI Kiosken u. TrafIken 1355HS535ÄSS3SSU erhältlich . Die soeben erschienene reichillustrierte, 280 Seilen starke Jubllüumi-Awgabe ist noch in beschränkter Zahl vorhanden Mit Abonuemeut- und bwiateab«et*Uuagea wende mau s>cb «n J. LANDAU. WIEN, IL, TandolmarttMue 12 neuengagierten Jugendlichen Liebhabers Paul Klinger, Mitglied des Goldfaden-Theaters in Stanislau. Samstag, Sonntag, Montag, Mittwoch geht „Die eiserne Frau", Dienstag „Der Rabbi hat geträumt" in Szene. Donnerstag, den 11. Oktober, wird die neue Spielzeit mit einer literarischen Festvorstellung eröffnet. Zur Aufführung gelangt die auch vom Moskauer Jüdischen Akademischen Theater gespielte Komödie von SchaTom Alechem „200.000" (Der große GewfnsO in einer Onginalbesetzung mit reicher Volksmusik und Gesang zur Aufführung, In diesem Stück tritt der neuengaierte Charakterspieler und Komiker S. Iris vom New Yorker Ami- Theater, der auch die Regie führt, zum erstenmal auf. Zu diese* Vorstellung werden alle Freundt des jüdischen Theaters besonders eingeladen. Die Rdland-BUhr.e als jüdisches Theater. Die Roland-Bühnc, die längere Zeit geschlossen war, wurde von der Jüdischen Bühne (Dir. Podzamcze) vorläufig für ein Jahr gepachtet. Die Spielzeit wurde am letzten Freitag eröffnet. Zur. Aufführung gelangte das Jacobische Lebensbild „Verloren und wieder gefunden . Die Damen Lora Glücksmann, L e r csco, Braclawska, Waldberg, die Herren Lercsco, Waldberg, S c ho rr, P o d z a m c z c, W c i ß m a n n wurden mit lebhaftem Dank bedacht. — In der kommenden Woche wird aufgeführt: Vom 5. Ms 8. Oktober: „Das verlassene Kind". Lebensbild mit Gesang in vier Akte« von Zolotorewski. 9. Oktober: „J a n k a 1 e". Komödie mit Gesang in drei Akten von Kaiich (L. G 1 ü c k s m a n n W der Häuptrolle). 10. Oktober: „Verloren und wieder gefunden". 11. Oktober:, „D i c Afime von Lemberg". Komödie mit Gesang in vier Akten von Lehrer. Beginn täglich S Uhr. Volkstümliche Preise von 1 bis 3 Schilling. Jüdisches Kiinstlerkabarett. Im Jüdischen JCünstlcrkabarett findet Freitag den 5. d., halb 9 Uhr die Erstaufführung von „R e i s e 1 c aus C h i n a", Gesangskomödie in drei Akten voti S. Segell, -Musik von Josef Rumsehinsky statt. Mitwirkend die Damen CHli Ulrich, Berta Rosen b er g, Genia Weiß mann, Gilli Bell, die Herren Leopold J u n g w i r t h, S. U l r i c h, Adolf Bell, Hermann Tunis, Dolly Nachbar, in Vorbereitung: „Der Stadtgeist" von Ossip Dyraow, Denkmäler jüdischer Kunst. Unter der Leitung von Dr. Karl Schwarz ist gegenwärtig in den Räumen der Kunstsammlung, der Berliner jüdischen Gerheinde eine Privatsammlung von besonders schönen Stücken zusammengebracht, Arbeiten der. Metal-Ikunst, Schnitzereien, Keramik, hauptsächlich,kultischen Zwecken dienend; Thbraschränke, Fingerzeiger, Gewürzbüchsen, Becher. Es sind Bemühungen Im Zuge, diese'Sammlung für Berlin zu erwerben. Ein neues biblisches Musikdrama. Unter dem Titel „Deborah und Joel" hat der italienische Komponist Mdebraudo P i z e 11 i ein Musikdrama geschrieben, in dem das Motiv der heroischen Frau in der Art der Judith opernmäßig gestaltet wird. Das'Werk wurde in Hamburg aufgeführt. Danksagung. Der Verein Zionistische Bibliothek, Wien, IL, Kleine Mohrengasse 3, :- bekundet dem Rabbiner und Prediger, Herrn Josef Rates; in Wien, XX., Universumstraße 40-32, innigsten Dank und Anerkennung für sein am Rosch-Haschano bei uns abgehaltenes Vorbeten und Predigen, das allgemeine Begeisterung, und ihm den Wunsch auf eiii glückliches Neujahr eingetragen hat. Personalnachricht. Dieser Tage feierte Herr Wolf Teitelbaum, der allen älteren Zionisten rühmlich bekannt ist, seinen 70. . Geburtstag. Der Jubilar ist einer der ä»ltesten Herzl-Zionisten und 'hat viele Jahre im Jüdischen Natioualfonds : hervorragende Arbeit geleistet. Von der Zeit Herzls bis zum Kriegsausbruch war der Name* Wolf Teitelbauim mit der österreichischen NationaWondsarbeit so wrbunden, wie kaum ein anderer. Jüdische S p o r i~ und iiiim^ Die Meisterschaft der jüdischen Amateurvereine. Eine unverdiente 3:4«Niederlage erlitt in der zweiten Klasse Ost Hasmonea gegen Cechie. Die jüdische Mannschaft war ihrem Gegner stark überlegen und führte mit 20 Minuten vor Schluß 3:1. Zvyei arge Fehler des Verteidigers Bleichfefd brachten Cechie den Ausgleich. Die letzten acht Minuten wurden bei völliger Dunkelheit absolviert. In dieser Zeit gelang es Cechie, den siegbringenden Treffer zu erzielen. Der Schiedsrichter hätte die Pflicht gehabt, das Match infolge Dunkelheit abzubrechen. Bei Hasmonea war Arm im Angriff der beste Mann. Die Tore erzielten Arm (2) und Neuin an n. Aufstellung; Kohn; Weinwurm, Bleichfeld; Singer, Placzek, Bäumer; Sternbach, Rosenbaum, Neumann, Arm, Zunz, Dem Spiel .wohnten 500 Zuschauer bei. ' . Die Hasmonea-Reserve blieb gegen Cechie-Reserve 1:0 erfolgreich. Torschütze. Fromm. Sehr gut gefiel Schiwek. Mit einer reorganisierten Mannschaft trat Menorah gegen Unitas an und gewann sicher 4:3 (2:1). Bei den Siegern wirkten Schwamm (früher Hasmonea), Weltzen (früher Orient) und Rosmann (früher Makkabi) mit Alle, drei Spieler fubrtea. »ich gut ein. Die Tore «m

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