Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 55 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 55 üm NEUE WELT Seite 7 1 ■ Sorgfältige Lieferung In plombierten Sacken, von ■ ■ 1 Sack (50 kg) angefangen franko Ihrer Kohlenkiste,! ■ ebenso In Fuhren und Waggons, liefert täglich g IX M. Bartfeld \ Kohlen- und Kokshandlung Wien» II. Sebastlan-Knelpp-Gasse 3 MMI Tclaphon R-49-7-90HMM» während von russischen Schriftstellern in letzter Zeit ■keinerlei Buch von Belang gegen den Antisemitismus erschienen ist. Bucharin, der Jude ist, tritt oft in Versammlungen gegen den Antisemitismus auf. Auen K a 1 i n i n bekämpft ihn „in gemäßigter Form". Main spürt, daß er die Antise.m-i.ten im Zusammenhang mit der jüdischen Kolonisation fürchtet und sich vor Ihnen entschuldigt, indem er erklärt, daß ja die Juden keinen guten Boden bekommen! Die Schändlichkelten der Jewsekzla. „Em es", das Organ der jüdischen kommunistischen Partei, schreibt zwar über die Fragen des Antisemitismus, man merkt aber den Zwa>ng und die Lustlosigkeit. Den Hauptkampf gegen den Antisemitismus führt die Zeitung der kommunistischen Jugend „K 6 msomolskaja Pravda". In der Redaktion sitzen der Jude Robin und ein paar temperamentvolle Russen, So hat diese Zeitung Protest dagegen erhoben, daß die Sowjetpresse den Pogrom von Mohilcw, April 1928, verschwiegen, einen Pogrom, über den sonderbarerweise auch im JEmes" keine Zeile stand, der in Mohilew einen eigenen Korrespondenten hat, wie denn überhaupt die jüdisch-kommunistische Presse auf die Angriffe der „Korns. Prav." nicht reagiert und den Fall selbst bis heute nicht einmal registriert hat. Hinaus aus dem Tempel, hinein in die Sümpfe! In Moskau werden gegenwärtig viele Kirchen, die zum Teil in Kleinbürgervierteln Hegen, von den Sowjets niedergelegt. Darob Aufregung und Empörung bei den Volksmassen, welche die Schuld den Juden zuschieben. Die jüdischem Kommissäre, denen die Moskauer Synagoge schon lange ein Dorn im Auge war, wollen ihren russischen Mitbürgern immer wieder beweisen, daß man auch die Juden nicht schont, und verlangten, daß die jüdische Synagoge in einen Klub verwandelt werde. Die Moskauer Sowjets hielten es für unmöglich, den Juden ihre einzige Synagoge zu nehmen; jetzt aber ~ um der Masse zu zeigen, daß die Juden gleich, ja noch schlimmer behandelt werden, entschlossen sie sich, diese einzige jüdische Synagoge zu requirieren. Die Methode, auf der' einen Seite den abstrakten Juden und jüdischen Arbeiter in Schutz zu nehmen^ auf der anderen Seite aber den konkreten Juden zu beschimpfen und als Blutsauger hinzustellen, hat sich nicht bewährt. Die Revolution konnte theoretisch die Gleichberechtigung bringen, aber der russische Mensch schert sich nicht um eine Theorie, er kennt den Juden als lebendigen Menschen. Die Heilung der Krankheit heißt — so sagen und schreiben es viele Sowjetfaktoren — Wechsel des Klimas, Leben unter anderen Bedingungen. Diese Methode, nämlich Klimawechsel, befolgen die Sowjets, indem sie die Juden in — Sümpfen ansiedeln. Erinnerung an den Homeler Pogrom. Der jüdische Selbstschutz. Dieses Jahr ist das traurige Jubiläumsijabr der Geschichte der Juden in Rußland, wo unter der Herrschaft Plebwes vor 25 Jahren tausende von Juden in den verschiedenen russischen Städten in deT grausamsten Weise hingemordet wurden, weil, die zaristische Bürokratie geglaubt hatte, daß die Veranstaltung von Judenpogromen das beste Mittel zur Unterdrückung der gefurchtsten Revolution sei. Vor 25 Jahren fanden die Pogrome von Czenstochau, Kischinew und andere statt, und vor 25 Jahren trat anläßlich des Pogroms von Hornel zum ersten Male der organisierte Selbstschutz der Juden m Aktion, der einen Wendepunkt in der Pogrampolitik herbeiführte. Dieser organisierte Selbstschutz leistete einen energischen bewaffneten Widerstand nicht nur gegen die schwarzen Banden, sondern auch gegen die Polizei HKtd unter Umständen selbst gegen das Militär, das die Pogromleute offen unter seinen Schutz genommen hatte. Der wenn, auch nicht durchschlagende Erfolg der Aktionen des Homeler jüdischen Selbstschutzes hat auch die Juden in anderen bedrohten Städten zum Widerstand gegen die Massakers, bei denen sich die Juden wehrlos hinschlachten ließen, aufgerüttelt. Nach dem Homeler Pogrom entstanden in mehreren jüdischen Städten gleichfalls organisierte jüdische Selbstschutzabteilungen, die an manchen Orten den Pogrom tatsächlich abgewendet haben. Der Homeler Pogrom wurde von der dortigen Polizei von langer Hand sorgfältig vorbereitet. In den Vororten, die von wirtschaftlich schwachen kleinbürgerlichen Elementen, Eis«nbahnern und Arbeitern bewohnt waren, wurde eine antijüdische Propaganda betrieben, die immer frecher und unverhüllter zutage trat. Die antisemitischen Führer von Hornel jagten der Bevölkerung Schrecket* ein, indem sie erzählten,;' ) die Jnden von Hömel wollen für den kurz vorher veranstalteten Pögrom in Kischinew blutige Rache nehmen, und andererseits konnten die Agitatoren gerade unter Hinweis auf die Vorgänge in Kischinew die Aengstlichen beruhigen, daß die Teilnahme an einem solchen Pogrom keine Gefahren in sich berge, da man ja in Kischcnew gesehen habe, daß Polizei und Militär auf Seite der Pogrom beiden seien. Fast in jedem kleinbürgerlichen und Bauernhaus konnte man unverschämteste Pogromliteratair finden. Unter den Führern der Propaganda befanden sich auch viele sogenannte Intellektuelle, wie Mi ttelschu Hehrer, Hochschüler und Schüler der oberen Klassen des Gymnasiums, denen (die RoHe zugefallen war, nach gründlicher Vorbereitung des Terrains das Massaker zu provozieren. Der erste Versuch würde am Freitag, den 29. August (a. St.) 1893 gemacht, der auf irgend einen russischen Feiertag fiel unti an welchem viele Bauern aus der Umgebung in die Stadt gekommen waren. Gegen 5 Uhr nachmittags kam in den Kaufmannsladen des Juden Malctzky ein Waldheger, des Grafen Paskewicz, und begann wegen eines Fäßchens Höringe zu feilschen. Es war sofort klar, daß der Heger einen Anlaß zürn Streit suchte. Für das Faß Heringe, das 10 Rubel gekostet hat, bot er einen Rubel. Als die Frau des Kaufmannes ihn wegen seines Anbots auslachte, hieb der Heget gleich um CENTRAL-KINO II.Taborstraße 8 :: Tel. «2-3-41 Ab Mon'ag, den 8. Oktober URAUFFÜHRUNG der große Schlager HEIMKEHR Ein Joe May-Fi Im der Erich Pommer« Pioduktion der Uta. — Regle* Joe May, in den Hauptrollen: Lars Hanson. Dlta Parlo Oustav Fröhlich Beginn: 7a6, */tH und 9 Uhr m sich. Es kam zu einer Schlägerei, der Heger wurde an die Luft gesetzt. Er begann zu lärmen und zu fluchen, rief Kien in der Nähe befindlichen Bauern zu, sie mögen doch nicht zugeben, daß ein guter russischer Christ von einem Juden geschlagen werde, das fordere Rache an allen Juden! Urti tatsächlich begannen die Bauern, die offenbar auf dieses Signal gewartet hatten, unter dein Geheul: „Erschlaget die, Juden1!44 durch die Judengassen zu laufen, und zuriächst die jüdischen Geschäfte z u plündern. Die Nachricht von diesem -Zwischenfall hatte sich blitzschnell in der ganzen Stadt verbreitet und von allen Seiten her kamen junge Leute und selbst ältere Juden, Familienväter und Jünglinge mit Stöcken und sonstigen Kampfmitteln, "die sie gerade erwischen konnten, auf den Markt gelaufen. Die Assistenz der Polizei und des Militärs scheint sich offertbar verspätet zu haben, denn nach einem halbstündigen Kampf zwischen den Juden und dem Gesindel verließen die zum Raulben bereiten Bauern fluchtartig den Marktplatz und auch die Stadt und verzogen sich in ihre Dörfer. Die erst nachher erschienene Polizei griff, obgleich kein Anlaß zur Intervention mehr bestand, den jüdischen Selbstschutz an, von dem acht Mitglieder schwer verwundet waren. Aber auch auf Seiten der Pogromhelden gab es mehrere Verwundete, von denen einer tot auf dem Kampfplatz liegen blieb. An iden nächsten zwei Tagen herrschte in der Stadt Ruhe. Doch war es War, daß die Anführer der Pogrome die Zeit dazu benützten, um alle ihre Kräfte zu mobilisieren. Tatsächlich wurde am Samstag und Sonntag eine gefährliche intensive Agitation entfaltet, bei welcher die Vorgänge am Freitag auf dem Marktplatz als ein von den Juden ohne jeden Anlaß vom Zaune gebrochener Pogrom au! die Russen dargestellt und noch 'hinzugefügt wurde, daß bei diesem jüdischen UefoerfaM auf die Russen viele Christen getötet oder schwer verwundet wurden. Es wurde verbreitet, daß die „jüdischen Demokraten" die Absicht haben, die christlichen Arbeiter mit ihren Familien auszumorden, um dann ihre Arbeit zu bekommen. Die Polize-i und das Militär haben aber versprochen, den Schutz der Russen besser zu organisieren, sie würden ihre Positionen schon früher besetzen, bevor der Rachepogrom gegen die Juden in Angriff genommen werden würde. Aber auch die Organisatoren des jüdischen Selbstschutzes waren nicht untätig geblieben. Es wurden alle verfügbaren Kräfte aufgeboten. Die Selbstschutzabteilung konnte sich bis auf 300 bewaffnete Mitglieder ergänzen, unter denen sich auch einige russische Arbeiter befanden. Auch die inzwischen geschaffenen SePbstschutzorganisationen der Nachbarstädte Boljriijisk, R e t s c h i t z a und M o h 11 e w entsandten einige «bewaffnete Mitglieder Ihrer Organisationen. Es wurden Verteidigungs- und Kampfa Stellungen mit bewährten Führern geschaffen. X Der jüdische Selbstschutz war entschlossen, jüdisches Leben und jüdische Habe lu den Judergassen mit dem Einsatz de«, eigenen Lehens zu beschützen. Das elektrische Radio-Wunder fiigmaphön« Ohne Batterien, ohne Akkumulator, mit eingebautem, wirklich klangreinem Lautspreeher. Einfachste Bedienung. S 310.—. Auf Wunsch Teilzahlungen. Alleinverkauf und Vorführung nur RADIO-ZENTRALE, Wien, VII,, Marlahilforstr. 86, Tgl. 3H02 Montag, den 14. September neuen Stils, 12 Uhr mittags, ist der Pogrom auss.ebroc.hen, *"'ne Bande von 200 Burschen stürmte von den Eisenbahnwerkstätten her gegen dre Bahnstraße, durch welche sie in fclas Zentrum der Stadt gelangen wollten. Zum Schein versperrte ihnen das Militär diesen Weg, ließ sie aber gewähren, als die Pogromisten durch die Seitengassen Ihrem Ziel zustrebten und ihre mörderische Arbeit. begannen. Die Lage des jüdischen Selbstschutzes war eine äußerst schwierige geworden. Der plümdernde und mordende Pöbel war in verschiedene Gassen verteilt und arbeitete hinter starken militärischen Kordons. Die jüdischen Selbstschutz-kämpfer wagten den Angrif auf das Militär, wobei allerdings viele junge Juden fielen oder schwer verwundet wurden. Der bewaffnete Zaun •'•-irdc durchbrochen, die Pogromisten Vertrieben. Auf dem Pferdemarkte schoß das Militär in die Reihen des jüdischen Selbstschutzes, der hier sechs Mitglieder verloren hat. Auf einen solchen entschiedenen Widerstand waren die Anführer des Pogroms nicht gefaßt. Das Judenrttassaker, das nach dem Programm erst in der Nacht und am nächsten Tag hatte fortgesetzt und besonders blutig gestaltet werden sollen, wurde um , 6 Uhr abends eingestellt. Die blutige Bilanz dieses Homeler Pogroms war: an die 700 geplünderten Wohnungen unjd Hütten, 9 ermordete Juden, und zwar drei von den Pogromisten ermordet und sechs von Polizei und Militär, mehr als 100 Verwundete. Auf seiten der Pogromisten gab es 7 Tote und etwa 60 Verwundete. Der größte Haupttreffer der Klasse nlotterie abermals mit einem Schelhammer-Los gewonnen! Am 3. Oktober wurde der allererste Haupttreffer der 19. Klassenlotterie im Betrage von S 250.000 (zweieinhalb Milliarden Kronen) mit dem vom Bank-* hause Sohelhammer & Schattera, Wien, I., Stefansplatz Nr. 11, verkauften Los Nr. 35357 gewonnen; Von besonderem Interesse ist der Umstand, daß auch bei der letzten 18: Klassenlotterie der größte Haupttreffer mit S 250.000 ebenfalls rndt einem Schehhaintmer-Los gewonnen wurde. E Der Jona Kippur in Rußland. Ueberf ttllte Synagogen. — Beschwerden der Kommunisten. Wie die J. T. A. meldet, waren in Moskau die Synagogen am Jörn Kippur von Andächtigen überfüllt. In der großen Synagoge war der Andrang so stark, daß* Hunderte von Personen auf den Treppengängen und in den umliegenden Straßen stehen mußten, ohne Einlaß finden zu können. Unter den Andächtigen war die Jugend stark vertreten. Auch in den anderen Städten Rußlands waren die Synagogen von Andächtigen überfüllt. Die jüdische kommunistische Presse führt darüber Klage, daß die jüdischen kommunistischen - Sektionen in vielen Städten den Kampf gegen die Religion und die Jonr Kippur-Andacht lässig geführt haben und daß sogar Korn«" munisten am Jörn Kippur in den Synagogen zu sehen! waren. ' Ein besoffener Judenfresser, Der Chef der Prager Geheimpolizei Die Prager „Bohemia" meldet: Der Chef der Geheimpolizei, Hajsman, wurde dieser Tage unter eigentümlichen Umständen auf der Straße verhaftet. In der Nacht auf Dienstag machte sich auf dem Graben ein gut gekleideter Herr in unliebsamer Weise bemerkbar, indem er zahlreiche deutschsprechende Passanten belästigte und anrempelte, sie beschimpfte "und seinen antisemitischen Anwandlungen durch Rufe Luft machte. Einer der Angerempelten rief einen Wachmann herbei, worauf der Betrunkene noch lauter zu schimpfen begann und den Wachmann zur Seite stieß. Dieser brachte ihn hierauf auf die Wachstube,- wo der Verhaftete ran* dalierte und erklärte: »Ich bin der Chef der Propagandaabteilung des Innenministeriums, H a J s m a n." 1 Als er sah, daß dies keinerlei Eindruck auf den Polizeibeamten machte, begann er zu toben und ergriff einen Stuhl, mit dem er herumschlug, bis der Stuhl zerbrach. Der Polizeibeamte ließ ihm daraufhin Handfesseln anlegen, doch beruhigte sich der Betrunkene nicht Schließlich wurde er in die Separationszelle gebracht, damit er hier seinen Rausch ausschlafe. Da alle Ermahnungen