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Die neue Welt · 1928-10-05 · Heft 55 (5.10.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 55 (5.10.1928)
Date
1928-10-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 55 an irgend ein weibliches-Produkt .der .heutigen Zeit geraten, an ein fünfzehn- oder sechzehnjähriges Mädel, welches dank der Fortschrittlichkeit ihrer Eltern und Lehrer mit „Freiheit", Schminkdose und Haustorschlüssel ausgestattet ist. Dann giiig er hin und brachte sicli urn.; Bei Baumgart lag die Sache anders. Er hinter; ließ einen ziemlich verworrenen Bfiei, ans welchem aber zu entnehmen war, daß ihn widrige Verhältnisse in der Schule aus dem Leben getrieben hatten. Man ging der Säche nach und brachte heraus, daß der am Gymnasium wirkende geistliche katholische Religionslehrer unter den Schülern Stimmung gegen Baumgart gemacht hatte. Der geistliche Herr schob das Liebesverhältnl« des Smolorz sachte in den Hintergrund und berrterkte da und dort, daß die Freundschaft mit dem Juden Baumgart den Christen Smolorz ins Unglück gebracht hat. Batungart habe den Smolorz vom christlichen G1 a u b e n a b g e b x a c Ii t und dann sei Smolorzin.Verzweiflung geraten. Woraus die Lehre m ziehen sei, daß christliche Knaben den Umgang mit jüdischen be&ser meiden. Um Baumgart herum begann es tax zischeln-und zu raunen, Feindseligkeit wehte ihn von. allen Seiten an, die Giftspritzer des Religionsprofessors drangen in sein Herz. . Er tötete sich. Er hatte sich zu Hause nicht beklagt, sicli nicht ausgeweint, sich nicht Rat geholt. Warum auch? Wir haben ja jetzt eine nach den neuesten, preisgekrönten Methoden eingerichtete, alleinseligmachende Schule. Da geht es den Kindern glänzend. Sie. sind frei nwid glücklich nnd leben in einer „reinen" Atmosphäre und brauchen nicht die Familie mit ihren engen Grenzen und ihrer stickigen, modrigen Luft. Es soll nicht darüber gestritten werden,: ob diese heute so oft gepredigte These richtig ist. Auf jüdischer Seite sollte der Fall Baumgart jedenfalls zum Nachdenken anregen. Wenn Ihr's nicht fühlt, Ihr werdet's nicht erjagen! Das Glück, das in die Seele dringt Und Euch erfüllt mit kräftigem Behagen, Genießt, wer Huber-Likör trinkt. Der „Weise von Zion" feiert Jörn Kippur. Die Wandlung des Henry Ford. Die Rationalisierung im Maschinenbau ruft nicht nur erhöhte. Gewinne hervor, sondern bewirkt auch Aenderuttgcn in Herz und Hirn. Der Automobilfabrikant Ford bestritt aus den''durch geniale" Verbesserung :der Arbeitsmethode erzielten Gewinnen die' größte antisemitische Propaganda, welche je geleistet würde. Allein die „Protokolle der Weisen von Zibn" gab er in vielen Millionen Exemplaren aus. Da kam die General Motor C o m p a n.y, erfand noch bessere Methoden und nahm Ford das Monopol. Ford, der bis dahin aus dem Vollen gewirtschaftet hatte, mußte sich wieder itm die verlorene jüdische Kundschaft bemühen. Er veranstaltete mit HHie bezahlter jüdischer Journalisten eine Bekehrungskomödie. Er erklärte, reuevoll vom Antisemitismus abizulassen. Und viele jüdische Zeitungen brachten sehr gut bezahlte Ford Inserate und die Erklärung, daß sie ihm verzeihen. Aber das Geschäft scheint trotzdem nicht gut zu sehen und Ford glaubt, noch jüdischer werden zu müssen. Jetzt feiert er schon den i ü d i s c h e n V e r s ö h n u n g sta gi In den letzten Nummern einiger, jüdischen Zeitunsen erschien folgendes große Inserat:" „Am Versöhnungsfest ist das Ford-Betriebswerk Berlin. Lehrterstraße 12-13, geschlossen." Wenn das Geschäft weiter schlecht : geht, dürfte sich Herr Ford noch beschneiden lassen. Uoid die jüdischen Zeitungen werden die Kunde gegen vierfachen Inseratentarif bringen. Warum nicht? Wenn Ford sich um Geld erniedrigt, erniedrigen sie sich noch gründlicher. Selbstachtung ist gut, Geld ist besser. 1 Verband radikaler Zionismen i Mittwoch, am 10. Oktober 1928 um 7,9 Uhr S abends im KUtblokal, Cafe Atlashol, I., Aspernplatz §| Versammlung Aktuelle zionistische und jüdische Fragen H Freie Austpradbe as llllllililllillilliilllUlllliJlllillil lllülllhllllllllülllllllllllillllllllllllfllllllllllllllllllllllfTB Jüdische Kultuswähler, sichert Euch das Wahlrecht! Das Zionistische Zentral waihlbiiro teilt uns mit: Ab Montag, den 8. Oktober, bis Montag, den 22. Oktober werden von der KuJtusgcrncindc die Wählerlisten täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 9 bis 12 Ohr vormittags und von 2 bis 6 Uhr nachmittags zur Einsichtnahme an nachstehenden Stellen aufgelegt: I. B e z i r k: I., Seiten- Stettengasse 4; II. Bezirk: II., Tempel sasse 3; III. ü li d XI.Beeirk: HI.,Untcre V i a d n k t g a s s e 13; IVM V. und X. Bezirkr V., S i eb en brtl n ne ngasse 1; VI. und VII. Bezirk: VI., Schmal ziiofsasse 3: VIII. und IX. Bezirk: IX.. Mtillnergassp. 21; XII. bis XV. Bezirk: XV.. Turner- « a s s c 22; XVI. und XVlI. B e z i r k: XVH., Hube rg.a s se 8; XVIH. und XIX. Bezirk: XVII1., S, c h o p e n- <ha-uerstraBe 29; XX. Bezirk: XX., Klueky«as$e 1 i; XXI. Bezirk: XXI., H ol z meiste rga s se 12. Zur Information der Wählerschaft geben wir bekannt, daß das aktive Wahlrecht Jene Kultussteuerträger ohne Unterschied des Geschlechtes besi'tzen, welche das 21. Lebensjahr vollendet haben, mindestens seit dem Verwnltniugsjaihr 1926 In Kultus« teiieryorscfireibujiK stehen und die ihnen für das Verwaiitungsjaihr 1927 oder Verwältnngsjnibr 1928 statutengemäß vorgeschriebene- Kultiissteuer bis zum Ablauf der Reklamationsfrist, d«as ist bis einschließlich 22. Oktober 192S, entrichtet haben. Reklamationen wegen Auslassung von wahlberechtfeten oder Aufnahme von nicht wahlberechtigten Personen sind bis spätestens M o n"t a g, den 22. Oktober 1928 in der Amtsdirektion der:Kiultusgemelnde. Wien, I., Seitenslettengasso 4, seihrifMich einzubringen. Wir forde fn-aM e zi6nis;ti seilen Wähler auf, in ihren Wahlkreisen und Spreugeiai Neue Anlagen y. von Zentralheizungen, Badezimmer und alle sanitären Anlagen. prompt durch: WIEN, III., UNGARGASSE 47 Tel.: U-10-2-50, lMO-2-51, U-16-2-5I II ZahlungserlelchSerungen II in di e W ä-.h' 1 e f Iisteh EirisicMt• tu mehmein und e vc n tu el! n ot we n il i.g •erschein e<n de Reicla- •matipnen .sofort vorzunehmen. Zionisten! Sichert En ein. Eu-er Wahlrecht! ' •■ ■' , .. ■ . V . * . Das Zentra!wiaihikpmü'te«r./e'ri'äßt an, die ZäpnSsten dien, folgeudeii Anfnnif: , ' "' . „Wir halben bereits; nu't den Vorarbeiten zur bevbrstehenden Wahlkampagne eingesetzt und in sämtlichen Wahlkreisen Bezirkswähikbrnitees und Sprenigelwah'lleitungen organisiert. Das ZentralwaMkomitee hat' 'aue'h entsprechende Maßnahmen getroffen, tun die Wahlkampagne erfolgreich durchzuführen. Im bevprstebeiiden Kultuswahlkampi gilt es, die Anzahl unserer Mandate zu ..yetrgrö'ßern, um umserem Programme nach Verwirkliobung der jüdischen Volkägerneinde zum Siege zu verhelfen. An' Euch, Zionisten, ergeht nun der Ruf. Euch dem ZentTalwaihlkornitee zur Mitarbeit zur Verfügung m stellen. Der eigentliche Erfolg unserer Wahlkampagne hängt, vor allem davon ab, ob wir in der Lage seih* Werden, eine entsprechend großzügigie Wählpropaganda durchzuführen. Zu diesem" Zwecke ist es notwendig, den- Wahlfönds zuvstärken. Es-epgeht-daibeT an alle Zionisten die Aufforderung,- ihre persönliche. ..Pflicht dem .Wahlfonds gegenüber zu erfüllen und in ihren Bekanntenkreisen für den Wa.hIfojids zu s sammeln. Das Zentralwaihlkomitee fordert Euch afoC eine' energisch«'' Säm-melaktion durchzuführen. Die gesammelten Beträge sind sofort an das Zentralwabiburo, I.. Kärntnerstraße. 28,' abzuführen. Wir.bpffeji, daß. alle organisierten Zionisten uinsetem Rufe Folge leisten und alles tun werden,- nini deni Waihlfonds größere. Beträge zuzuführen.'". „Ehre dem jüdischen VoMke!6* Der Stralsunder Regierungspräsident für den Palästina-Aufbau. Regierungspräsident Dr. Hermann Hausmann (Stralsund), Mitglied des deutschen Pro-Pälästina-Komitees, hielt im Danziger Scbiitzenhaus vor eiuer. zahlreichen Zuhörerschaft ein Referat über die Aufbauarbeit itv Palästina und appellierte, au die Versammelten, sich zugunsten des Keren Hajessod und des Keren Kajemefh zu besteuern. Er schloß.mit den Worten: „Ehre dem jüdischen" Volke." " . .. Präsident Procope über den Zionismus. Der finnländische .Außenminister Hjaltnar Pröcop &, der in der letzten Sitzung des Völkerbundrates' den; Vorsitz führte und zum Berichterstatter über die M a,n,r da ts fragen für das Jahr»lQ28-2Q gewählt worden, ist,; spräcri sich gegenüber dem Genfer Korrespondenten der; Jüdischer, Telegraphen-Agentur über seine Stellung zum Zk>nis.mus und zum Palästina-Mandat aus und erklärte, er habe , volles Verständnis für die zionistischen. Idee«) und Bestrebungen und hege Sympathie für, die zio*. nlstische Bewegung, Im Verlauf der Unterredung betonte Minister Procope", daß in Finnland eine J u d e n frage nicht existiere und daß die Juden in diesem Lande gleiche Rechte und Freiheiten, mit allen übrigen Bur' gern des Landes genießen. OTEL CONTINENTAL WIEN» II., PRATBRSTRASSE 7 . , (neben Schwcdenbrückc 5200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Maßige Preise Erste Pälästinareise 5689. Vom 13. März bis 9. April 1929. Die Vorbereitungen für die vom Verbände radikaler Zionisten und der Vereinigung demokratischer. Zionistinnen gemeinsam mit dem Wiener Palestine Touring Club veranstaltete Pälästinareise sind beendet. Die Reiseleitungi hat für erstklassige Unterkünfte sowohl in Palästina als auch in Aegypten Vorsbrge getroffen und die erforderlichen Abschlüssebereits getätigt: Der Reiseverkehr im Lande wird von der bestrenpmmierten AutoUnternehmung besorgt Und es wurde besonderes Gewicht darauf gelegt, daß gut ausgebildete jüdische Chauffeure verwendet werden. >ie Veranstalter sind bemüht, die Wunsche der Reisetcilnehmer nach Möglichkeit zu berücksichtigen und tnehmert schon jetzt die Zuteilung der Kabinen an diejenigen Reiseteilnehmer vor, welche sich definitiv für die Reise angemeldet und das dem zur Versendung gelangten Prospekte angeheftete offizielle Anmeldungsformular entsprechend ausgefüllt an die Reiseleitung übermittelt und die Anzahlung geleistet haben. Es empfiehlt sich daher, daß alle diejenigen, welche im Besitze des Prospektes sind, das Anmeldungsformular ehestens an das Sekretariat der Reiseleitung der I. Palästinareise (Fr. Berta Taubes, Wien, II., Böcklinstraßc 92) einschicken sollen. Ueber Verlangen werden Posterlagscheine zur Verfügung gestellt und Prospekte kostenlos zugesandt. Auskünfte werden auch auf telephonischem Wege durch Frau Paula Stricker, Telephon Nr.R45-6-89 und Frau Berta Taubes, Telephon Nr. R 43-9-19, erteilt. . Die Kongrua in der Tschechoslowakei Weltlicher Unterricht an der Preßburger Jeschlwah. Der Referent des Kultusministeriums in Preßburg erhielt vor einigen Tagen die Verständigung aus Prag, daß bei der Durchführung des Korigruagesetzes) nur solche Geistliche in Betracht gezogen werden, die ein Maturazeugnis besitzen. Diese Maßnahme bezieht sich auch auf die Rabbiner der Slowake« und ICa rp a t h or u ß 1 a n d s/ die aber in den; seltensten Fällen eine Mittelschule absolviert haben und deshalb der staatlichen Unterstützung verlustig gehen. Die jüdischen Kultusgemeinden in der Slowakei, die ihre Rabbiner,aus eigenen;Mittein nicht erhalten können,haben die Delegierung einer' Deputation zum Ünterrichtsmintster Dn.Hodza beschlossen, die einen Vorschlag unterbreiten soll, wonach jene .Rabbiner,. die bis. 1., September 1928 bereits im Dienste, einer Kultusgemeinde standen, von der Pflicht der ..Vorlage eines Maturitätszeugnisses befreit werden sollen. Neue R a b b i n a t s k a n d i d a t e n sollen Mittelschulbildung erhalten. Der Vorschlag der Kültusgemeinden stößt aber in orthodoxen Kreisen1 auf Schwierigkeiten, da: ort ho* döxe Rabbiner Iceine weltlichen Schulen besuchen dürfen. Um die Kongrua aber doch zu rotten, wird nunmehr an der alten Preßburger Rabbinatsschule auch ein weltlicher Lehrplan eingeführt werden. 10 bis 12 Talmudschüler erhalten Mittelschulbildung im Rahmen des uralten Institutes und müssen sich dann einer öffentlichen Prüfung unterziehen. Zum ersten Male in der Geschichte der Jeschiwah von Preßbürg, die Weltruf hat, werden w e 111 i c h e L e h r e r dortselbst unterrichten. Mit dieser Einrichtung wurde" für die Tschechoslowakei ein jüdisches Lehrerseminar geschaffen. - Im Staatsvoranschlag für 1929 ist die- J5neue"- Rabbinerschule bereits mit 20.000 tsch. Kronen dotierte Die karpathorusslschen Juden an den Präsidenten , Masaryk. Die karpathorussischen Juden haben sich mit einem Memorandum an den Präsidenten der Republik gewandt, in welchem sie die im Zusammenhang mit der Handhabung der Staatsbürgerschaftsgesetze für das karpathorussische Judentum entstandene Lage schildern und um Abhilfe ersuchen. Die Aufba^u-Stiijtung der Joint-Ica« Große Widmungen für das jüdische Kreditwesen In Polen. Der Warschauer Bankier Rafael Szereszcwsky der an der Sitzung der Joint-Ica Recpnstruction Fourr dation.in Brüssel teilgenommen hat, teilt" der Presse mit, daß die Foundation folgende neue Zuwendungen für Polen beschlossen hat; loü.000 Dollar für die polnisch-jüdischen Kreditgenossenschaften, 30.003 Dollar für die Zentrale Jüdische Kooperativbank in Wilua und 20.000' Dollar für die jüdischen Arbeiter-Produktivgenossenschaften. . Denket an den "Winter! und decket euren Kohlenbedarl schon jetzt bei de-r .bestrenomnüorten Firma. Julias Haber, Wien,, II.. Ta.borstraße .9. (Siehe auch Ins^-at Seite 13.) ' E

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