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Die neue Welt · 1928-09-28 · Heft 54 (28.9.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 54 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 54 ^yffffffffffiiififfirfrfrfffffffrffmfiiifrrifrrffrrffffsfifffiifiiiffffffiffffifffffififiifififiriiffifriffiffi^^ I Verband radikaler Zionisten 1 j| iMittwoch, ara 3. Oktober 1928 um 7,9 Uhr H — abends im Klnblokal, Cafe Atlashof, I., Aspernplatz §§ (Versammlung | §§ R e f>e r e'n t: =§ | Leo Wechsler | §| Gegenstand: I Der Ausgang der jüdijj | sehen Gemeindewahlen in 1 j Polen 1 liiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiliiiiliiiiiimiiiiW^ stunden. Wird sich aber der Religionsichrer nur an :djc Bestimungen des Lehrplanes halten, dann wird er seiner Pflicht nicht Geniige tun. Den Schaden trägt die jüdische Jugend1 und in der Zukunft die jüdische Gemeinschaft. Eine Charakteristik Dr. H. P. Chajes. Das Triester Abendblatt „11 Piccolo delle Ore Diciotto" veröffentlichte dieser Tage unter de»n Titel „M od ernisten in Triest" einen Artikel, in welchem auch der kulturellen Tätigkeit des Dr. H. P. Chajes während des Krieges in Triest mit folgenden Worten gedacht wird: Aber auch eine andere modernistische Arbeit auf einem anderen Gebiet wurde in Triest während des Krieges entfaltet. Unter den Auspizien des Vereines „Pro Cultura Ebraica'- hielt Rabbiner Dr. Chajeseine Anzahl wissenschaftlicher Vorträge, die überaus stark besucht waren. „Ich komme — sagte er einmal — im Namen der Vernunft. Mit der Vernunft kann man eine Diskussion abführen, mit Gott diskutiert man niieht.4'* Er stellte das, Werk der Priester im alten Tempel 211 Jerusalem in seinem wahren Wert dar, indem er den schweren Schaden nachwies, den sie der Religion verursacht hatten. Er vortrat den Standpunkt, daß das Opferbringen eine Modeerscheinung der Zeit gewesen sei. Wje-nn die Juden heute keine Opfer mehr haben, so geschehe dies nicht deshalb, weil der Tempel von den Legionen des Titus zerstört wurde, sondern weil sie solche Symbole nicht mehr für notwendig erachten. Gewiß sind solche Ideen nicht nur bei Dr. Chajes allein anzutreffen, aber er war der erste, der sie in Triest in öffentlichen Vorträgen entwickelte. Dr. Chajes starb vor nicht langer Zeit in Wien. Sein Tod verursachte eine allgemeine Trauer. Ausschließung der Juden au der Kownoer Universität. An der medizinischen F a k u 11 ä t der Kownoer Universität wurden in diesem Jahre keine Juden aufgenommen. Wie :der Rektor der Universität, Professor Jodele, dem Vertreter der JTA. erklärt hat, liege der Grund hiefür einzig am Platzmangel in den Laboratorien. Man 1 konnte an der medizinischen Fakultät nur eine gewisse Zahl von Studenten aufnehmen, und man gab hiebei den Absolventen der Regierungsgymnasien den Vorzug. Da alle jüdischen Gymnasien Privatschulen sind, so hatten unter dieser Maßnahme hauptsächlich die Juden zu leiden. Zum Tode Boksmowskis. Die jüdisch-polnische Abstammung des verunglückten Ministers. Wie die „Tribüne Juive" in Straßburg berichtet, entstammte der tödlich verunglückte französische Handelsrninister Bokanovvski einer jüdischen Familie, aus dem ehemaligen Russisch-Polen, die in Frankreich eingewandert war. Als blutarmer polnischer Jude kam voretwa 50 Jahren der Vater des Ministers als polnischer Auswanderer nach Frankreich; er schlug sich bis Le Havre durch, wo er sich mit sejner Familie niederließ und ihm die dortige jüdische Gemeinde durch geringe Geldunterstützung verhalt', einen kleinen Handel anzufangen. Dem jungen Emigranten glückte sein geschäftliches Unternehmen, er stieg von Stufe zu Stufe, bis er Inhaber von großen Warenhäusern wurde, die in verschiedenen Städten Frankreichs verstreut sind und die er seinen Kindern vererbt hatte. Die Mutter des Ministers, eine 79jährige, einfache polnisch-jüdische Frau, lebt noch und ist auf dem sogenannten „Plätzel", einem der ostjüdischen Quartiers in Paris, sehr gut bekannt. Sie spricht noch heute ihr „Mamrne- Loschon" jiddisch Die Bewohner vom „Plätzel" sprechen fortwährend von dem großen Chillul Haschern des jüdischen Ministers, der letztes Jahr die Ausstellung in Straßburg am Jörn Kippur eröffnet hat. Minister Bokanowski und seine Brüder — reiche französisch-jüdische KaufJeute — wurden aber schon in Frankreich geboren. In der frühesten Jugend Bokanowskis wurde im Hause seiner Eltern zum großen Teil noch jiddisch gesprochen; 'der Uiuister selbst konnte sich zur Not noch jiddisch unterhalten. Er heiratete eine Tochter der jüdischen Familie Wolff; der Ehe entstammen vier Kinder. Die „Tribüne Juive" bringt in der gleichen Nummer einen an sie gerichteten offenen Brief eines Herrn Samuel Ackermann aus Straßburg. In dem Briefe steht u. a.: „In Ihrer Zeitung schreiben Sie, daß der jüdische Minister Bokanowski einem schrecklichen Ereignis zum Opfer fiel. Im vergangenen Jahre gab es auch ein schreckliches Ereignis, als nämlich Minister Bokanowski nach Straßburg kam, um am V e r s ö h n u n g s t a g die neue H a nd c 1 s b ö r s e einzuweihen." „Seitens eines n i c h i j ü d i sehe n Ministers hätte dieses Vorgehen (eine große Zahl von Mitgliedern der Handclsbörse sind Juden, welche Rücksicht verdienen) von Taktlosigkeit gezeigt. Seitens eines jüdischen Ministers ist das eine Lästerung des Judentums, eine Blasphemie. Die Religion ist ebenso heilig wie das Vaterland. Kein Mensch hat das Recht, die Religion aivf dem Altar des Vaterlandes zu opfern und umgekehrt." Antisemitische Flegele!. Die einzige Zeitung in Frankreich, die den Tod des Ministers zu einer antisemitischen Bemerkung ausnützte, ist der „L'anti du Peuple". Er schreibt u. a.: M. Marcel Bokanowski (Bruder des Ministers) hat erklärt, daß sein Bruder und er deshalb Frankreich so lieb bekommen haben, weil sie aus Polen gekommen wären. Aber selbst die französischen Juden hegen keine besondere Sympathie gegen diese Glaubensbrüder, die „Polaks". Pogromist und Betrüger. Warschau, 18. September. (J. T. A.) Bei einer in einer Reihe Warschauer Hotels durchgeführten nächtlichen Razzia verhaftete die Polizei den bekannten Antisemiten' und Führer des Rozvoj, Jaksa Chamiec, unter der Beschuldigung, daß er während seiner Propagandafahrten, auf denen er den extremsten Boykott gegen die Juden gepredigt hat, sich Betrügereien und Geldcrprcssungen schuldig gemacht habe. Professor Nicodem Caro zum Ehrensenator ernannt. Die Universität Rostock ernannte den Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Nicodem Caro zum Ehrensenator. Geheimrat Caro gehört zu den Führern der deutschen Stickstoffindustrie und nimmt im jüdischen öffentlichen Leben Berlins eine sehr beachtenswerte Stellung ein. Die Marannen-Gemeinde in Bragauza. Die kleine Marannen-Gemcinde in Braganza breitet sich langsam, aber ständig aus. Es ist jetzt ständiger Gottesdienst für Freitag abends und Sabbat eingerichtet worden. Am Abend des 9. Ab hielt Dr. Teixeira einen Vortrag über den Fall Jerusalems, über den Tempel, die Diaspora und die Zukunftshoffnungen des jüdischen Volkes. Interessant ist, daß gegen die Marannen-Bewegung in katholischen Kreisen eine leichte Gegenbewegung einzusetzen scheint. So hat eine Deputation katholischer, Frauen sich an den Gouverneur von Braganza mit der Bitte gewandt, ein Verbot der Bildung einer jüdischen Gemeinde auszusprechen, da es sich um eine Freimaurer-Loge handle. Der Gouverneur hat die Antwort gegeben,' daß -die jüdische Religion zu respektieren sei, und daß mit demselben Recht von jüdischer Seif e' die Schließung einer katholischen Kirche verlangt werden könnte. Der Gouverneur selbst nahm Veranlassung, den Vorfall jüdisch-marannischen Kreisen mitzuteilen. Auch in M i r än d-a do Dou vo hat die Propaganda unter der marannischen Bevölkerung bereits Früchte getragen. Die Arbeit liegt in den Händen der Herren Ruano und Cardoso, beide frühere Marannen. Es wird über jüdische Fragen diskutiert und eine Anzahl von Marannen hat bereits ihren Anschluß an das Judentum vollzogen. VII. Kaiserstraße 115 besuchen lausende Pariser Modelle und Schöpfungen der eigenen Ateliers der herrlichsten Herbst- und Wintermodellc in allen modernen Farben. Vom /einfachsten bis zum verwöhntesten Geschmack in allen Größen zu den billigsten Preisen Wir h aben nirgends Filialen! Anerkannt größtes u, führendes Spezialhaus Österreichs •miinrtnrtiimiHiMwnmiinimiiMtmmnm^^ | ^ttmrtnMtiimiiimiimminiHmtmiitmttnmntmmmmmitm^ IfSIEGM. KORNMEHL (I l| GROSSFLEISCHHAUEREI jf j| Zentrale IX., Berggas3e 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 || II 1 ~—,—'——«—————» || I| Lieferant für Heilanstalten || || Abteilungen für «ys-FIelsch jj i| unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lsr. Kul- || jji tusgemeinde Wien 11 |I IX. Berga* 15 / XVIII., Währlngerstr. 97 Ii |s 3s iMmiitiiiimwtmiiiiimiMHiHiMiimiiMiiMiJiMmnttimm %mtHMii"mHiimtrmHmimti»utuimiimimuHUHiiimitrmmiimmHim Das jüdisch-wissenschaftliche Institut in Wilna. Errichtung eines eigenen Gebäudes. Während der Feierlichkeiten anläßlich der dreijährigen Tätigkeit des jüdisch-wissenschaftlichen Institutes in Wilna wurde ein Komitee gegründet, dessen Aufgabe es. ist, ein für das Institut entsprechendes Gebäude zu errichten. In diesem Gebäude sollen alle Abteilungen und Sektionen sowie alle wissenschaftlichen Sammlungen Unterkunft finden. Auch soll dort Platz für die höhere jüdische Lehranstalt geschaffen werden. Dem Baukomitee gehören an: T. Bunimowicz, Dr. M. Weinreich, Dr. Ch. Kowarski, B. Kletzkin, Z. Rajsen, Senator Dr. C. Szabad, Jeremias Schapira. Auch in anderen Orten werden Baukomitees gegründet. P. J. Giterman soll ein solches Komitee irr Warschau, J. Jefroikin in Paris, W. Lacki-Bartoldi in Riga und Dr. N. Meisel in Amerika errichten. Dieser Angelegenheit widmen Professor Dr. D.Simonson in Kopen- und Rabbiner Dr. M. -Ehrenpreis in Stockholm ihr besonderes Interesse. Professor Dubnow in Berlin und Rabbiner Dr. M. Gast er in London sind Ehrenmitglieder des Baukomitees. Barta — der Herr des Todes. Am kommenden Sonntag wird sich in der Frciidcnau Barta, -der stärkste Mann der Welt, produzieren. Seine Kraftleistungen sind phänomenal und grenzen an biblische Vorbilder, Barta schießt Ekrasitpatronen aus dem Munde. 350 Gramm dieses gefährlichen Sprengstoffes in einer Kupferhiiise klemmt er zwischen seine Eisenzähne, dann wird das Geschoß angezündet. Die Hand über die Augen gepreßt, den ganzen mächtigen Körper gegen den zu erwartenden Rückstoß gestemmt, steht Barta da, ein Knall, ein Feuerstrahl, er selbst hört und sieht nichts, der Körper ist gefühllos. Nur ein Fehler in der Kupferhiiise. eine Sekunde des Nichtkonzentriertsekis und man kann sich Bartas Kopf zusammensuchen. Nicht die immense Kraftlekstung, sondern diese Eventualität ist es. die ihm den Zulauf des Publikums sichern wird. Er wird auch zwei Flugzeuge, deren jedes 240 Pferdekräite hat, deren Propeller mit der größten Tourcnr zahl arbeiten, am Aufstieg verhindern, einzig durch die unheimiiehe Kraft seiner Arme. Auch Patronen wird er abschießen und dabei eine Säbelspitzc im Nacken und eine am Hals haben, daß sein Kopf nicht einen halben Zentimeter rücken darr. Vorher wird eine Patrone, mit der gleichen Ladung, in einer Eisenkassette zur Explosion gebracht. Barta hat einen eisernen Schädel. Alles in allem darf man auf seine Produktionen gespannt «ein Sie müssen schon jetzt Ihren Warenbedarf für den Herbst decken, da Sie nur bei Beginn der Saison wirklich billig kaufen und, was , Sie brauchen, Ihrem Geschmack und Wunsch entsprechend, aus dem reichso'rtierten Lager wählen können. Das wegen seiner besonderen Leistungsfähigkeit und Billigkeit bestbekannte Leopoldstädter Warenhaus der Brüder Scliiiiinann, II., Taborstraße 48, bietet in der kommenden Woche seinen Kunden eine wirklich großartige Okkasion. Alle Her'bstueuheiten in' Stoffen, Seidenwaren, Strick- und Wirkwaren, Weißwaren jeder Art, Damen- und Herrenwäsche, Regenmänteln, Vorhängen, Teppichen, Linoleum usw. werden ab Montag den 3. September wegen Umbau und Vergrößerung zu beispiellos billigen Preisen abgestoßen, da das Riesenlager während der Bauarbeiten um jeden Preis reduziert werden muß. Nachstehend eine kleine Auslese aus der Preisliste: Mode-Bordüren-Kasha S 2.90, Kleiderstoffe, 100 breit, S 2.90, Kleider-Popeline, 100 breit, S 3.90, Mantel-Flansche und -Veloure, 140 breit, S 9.80, Double für Mäntel, 140 breit, S 9.80, Zibcline. alle Farben, 140 breit, S 12.90, Faüle de claire, 80 breit, S 2.90, Brokate, alle Farben, 80 breit, S 2.50, Crepe de Chine, alle Farben, 100 breit, S 4.90, Samt-Chiffonet, 90 breit, S 4.90, Plüsche für Mäntel, 120 breit, S 9.80, Velour-Chiffon, alle Farben, 90 breit, S 9.80, Orlginal-Pullinann-Kappe S 3.90, Mode-Wolljacke S 6.90, Bobby-Weste, rein Wolle, S 9.80, Prima Flörstrümpfe S 1.25, Modesocken S —.59, Wäscheflanelle, 80 breit, S —.98, Velourbarchent, 75 breit, S 1.50, Französische Mode-Veloure, 80 breit, S 1.98, Französische Mode-Waschsamte, neueste Dessins, 80 breit, S 3.90, Französische Waschsamte, alle Farben, S 2.90, Spezialangebote in Vorhängen, Teppichen, Linen leum: Prima Spagatläufer, 65 breit, per Meter S 1.50. prachtvolle Spitzen-Stores, komplett. S 3.90, Fußbodenbelag, 100 breit, per Meter S 3.90, Wachstuch für Küchenbclag, 50 breit, per Meter, S 1.50. Original-Fabrikslager in englischem Inlaid-Linoleum! Provinzversand per Nach-,: nähme. — Jeder Käufer erhält ein apartes Geschenk. 4 _____ (Entgeltlich.) ' Oesterreichische Tabakregie. Der Pfeifentabak „Landtabak grob", unsere Konsumtabaksorte, hat die Pfeifentabakraucher nicht befriedigt, weil sie bei dieser Tabaksprte jenen typischen Geschmack vermissen, der ihr; im Frieden eigen war. Um den Wünschen dieser breiten Schichte von Rauchern zu entsprechen, bringt die österreichische Tabakregie ab 1. Oktober 1. J. eine neue Pfeifentabak-, sorte „Ungarischer Pfeifentabak" in den Verschleiß. Dieser Tabak ist in Briefen zu 50 Gramm in allen Trafiken um 40 Groschen erhältlieh. E

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