Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 54 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 54___ Ueberdeutsche Israeliten. Das Bestreben gewisser jüdischer Menschen, welche sich nicht zum jüdischen Volke bekennen wollen, den Deutschen, Franzosen, Polen etc. zu beweisen, daß sie nicht nur sutc, sondern bessere Deutsche, Franzosen und Polen sind, artet gewöhnlich in Lächerlichkeiten aus. Manchmal aber auch in Gemeinheiten. Die letzte Nummer der jüdischen Berliner „Z e n t r a 1 v e r e i n s - Z c i t u n g", des Organs der antinationalen, übewUjutschen Israeliten, liefert eine Probe hi'efur. Eine Deputation der in Deutschland lebenden 200.000 slawischen Wenden hatte sich an einer Tagung slawischer Minderheiten beteiligt, und eine Vertretung der 20.000 Friesen am Minoritätenkongreß. Das, sagt rcMe jüdische Zeitung, darf Deutschland nicht dulden. Diese Sache „ü bersteigt doch weit das Erträgliche". Kurz, die Herren vom jüdischen Zentralvercin hetzen als überstrammc Dcutschhationale gegen VV c n die n und F r i e s'e n. Sie sind auch ganz entrüstet darüber, daß die deutsch nationalen Antisemiten die wendischen und friesischen Ue'bcrgriffe dulden! Die Zeitung schreibt: „Auf diese merkwiirdigm Angelegenheit muß einmal iin diesen Blättern hingewiesen werden. Wir hätten eigentlich einen Entriistunsssturm in d"e r rechtsstehenden Presse gegen diese Gepflogenheit wendischer Kreise erwartet." Statt dessen schweigen diese Zeitungen und darob sind die Juden vom Zcntralvenein entrüstet und gehen hin und denunzieren das hochverräterische Treiben der Wenden und Friese n. Endlich einmal eine hübsche Abwechslung. Denn sonst müssen immer die Zionismen als „Vaterlandsverräter" herhalten. Alle Tage Zionismen fressen, ist fad. So versucht man es einmal mit Wenden und Friesen. Etwas haben die Herren damit sicher bewiesen, nicht die Güte «h res Deutscht unis, sondern die Zwicifclhaitigike.it ihres Charakters. Antireligiöse Kundgebung jüdischer Kommunisten. Wie in Rußland, so auch in Polen. Aus Lemberg wird gemeldet: Die jüdischen Kommunisten veranstalteten am 24. d. anläßlich des jüdischen Feiertages im jüdischen Viertel antireligiöse Demonstrationen. Sie zogen durch die Straßen'und versuchten, ein antireligiöses Meeting zu veranstalten. Die Polizei verhinderte dies und zerstreute die Demonstranten. . Die jüdische Gemeinschaft. . üisher wurden für die Knesseth Israel (palästinensische Einheitsgemeinde) gegen 80*000 Mitglieder registriert . Forderungen der Stadt Tel-Awiw. Der Stellvertretende Oberkommissär Luke stattete Tel-Awiw einen Besuch ab, wobei ihm von der Stadtverwaltung ein Memorandum überreicht wurde, in dem die Verlegung der Eisenbahnzentralstation nach Tel-Awiw, Herstellung einer direkten Verbindung zu dem Jaffaer Hafen und Subventionrerung des Tel-Awiwer Stadtbudgets in derselben Art wie der Budgets anderer Munizipalitäten gefor dert wird. Eine Protestversammlung gegen die Verweigerung des Visums an Schwarzbart. In Tel-Awiw fand in der großen Synagoge eine öffentliche Protestversammlung gegen die Weigerung der Palästina-Regierung, S ch w a r z ba r t ein Einreisevisum nach' Palästina zu erteilen, statt. Die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi werden aufgefordert, die gesamte Korrespondenz über diese Frage der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Verweigerung des Einreisevisums für Jabotinsky. , . Der Stadtrat von Tel-Awiw nahm eine Resolution an, worin schärfstens gegen die Nichterteilung eines Einreisevisums nach Palästina an Jabotinsky protestiert wird. . Die Haifa—Damaskus-Eisenbahnlinie. Die Trasse der Haifa—Damaskus-Eisenbahn, die über Semachi g ing, ist verlegt worden und führt jetzt über die von der Rutenberg-Company erbaute Jordan-Brücke. Das amerikanische Konsulat. Die Regierung der Vereinigten Staaten beabsichtigt, in Anerkennung der Bedeutung Jerusalems als Zentrum des Mittleren Ostens, ihr Generalkonsulat von Beirut nach Jerusalem zu verlegen. Der Verwaltungsbezirk wird Palästina, den Libanon, Syrien und den Irak umfassen. Ausweisung von Kommunisten. Unter der Beschuldigung kommunistischer Betätigung hatten sich zwei Juden aus Tel-Awiw, Isaak H o f s c h t und Moses Kuperma n,. vor Gericht zu verantworten. Kupermar. wurde zu drei Monaten Gefängnis und darauffolgender Landesverweisung, Hpfschi zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Das Herzl-Wolffsolui-Museum. Das Berliner Museum, das die persönlichen Erinnerungen an die ersten Führer der Zionistischen Organisation, Theodor: H erz 1 und David Wo lf fsohn, enthält, ist nunmehr bestimmungsgemäß nach Jerusalem überführt wor- __DIE NEUE WELT_ Brief aus Polen. (Von unserem Warschauer N. ^-Berichterstatter.) Der „Numerus clausus". Die Ergebnisse der Einschreibungen an der Lemberger Universität sind folgende: An der medizinischen Fakultät hat man auf 120 inskribierte Hochschüler 10 Juden — somit 8 Prozent — aufgenommen. Fast 300 jüdische Gesuche wurden abgewiesen. An der juridischen Fakultät gibt es unter 541 aufgenommenen Hochschülern 126 Juden, d. i. 23 Prozent. An der naturwissenschaftlichen Fakultät wurden von 227 Hochschülern 95 Juden, 42 Prozent, berücksichtigt. An der humanistischen Fakultät wird der „Numerus clausus" nicht angewendet. Im Vergleich zum Vorjahre hat sich also das Verhältnis nicht nur nicht verbessert, im Gegenteil noch verschlechtert. An der medizinischen Fakultät wurden im Vorjahre 15 Juden aufgenommen. An der juridischen Fakultät hat der Prozentsatz der aufgenommenen Juden im Vorjahre 31 betragen. Es zeigt sich daher, daß trotz des geänderten Regimes, trotz der neuen Vorschriften, trotz des bekannten Verhältnisses der jüdischen Abgeordneten aus Galizien zur Regierung, in dieser Frage nur eine Verschlimmerung feststellbar i< * Dr. Allerhand bildet einen neuen Beirat. Der kürzlich in Lemberg gewählte Kultusrat ist zu seiner Konstituierung und zur Wahl der Verwaltung noch nicht einberufen worden. Wie berichtet, hat der jüdische Block (allgemeine Zionisten, Misrachi und Freunde der Zionisten) 10 Mandate, der Wirtschaftsblock (frühere Zionisten und Assimilanten) 8 Mandate, der religiöse Block (frühere Zionisten und Agudisten) 5 Mandate erlangt. Zwischen den Zionisten und dem religiösen Block sowie den Assimilanten und dem religiösen Block werden Verhandlungen wegen der Konstituierung gefuhrt. Beide großen Gruppen können nämlich nur mit Hilfe der Stimmen des religiösen Blocks die Mehrheit erlangen. Der Misrachi und der einzige "Vertreter der Hitachduth sind gegen eine Koalition mit dem religiösen Biock. Die Wahl des Präsidiums; und der Verwaltung müssen von der politischen Behörde bestätigt werden. Dies würde auch im fcalfe einer Konstituierung den, wo es in den Räumen der Hebräischen Nationalbibliothek Aufstellung finden wifä. £s handelt sich neben her,, deutsamem brieflichen und ariderem urkundlichen Material, •vor die Anfänge der zionistischen Bewegung um einer* großen Teil der Wohnungseinrichtung Theodor Herzls und Wolffsohns, namentlich um die Arbeitszimmer und die Bibliothek der beiden zionistischen Führer. Der Testamentsvollstrecker David Wolffsohns, Dr. Eduard Lescynsky (Berlin) hat die Uebersicdlüng in die Wege geleitet; die Aufstellung in den Räumen der Nationalbibliothek, die ja bekanntlich auch aus den Mitteln der Wpiffsohn-Stiftung, der Erbschaft David Wolffsohns/, errichtet wird, hat bereits begonnen. Für den Jüdischen Nationalfonds. Die kanadischen Zionisten haben auf Rechnung ihrer gegenüber Ussischk«n bei seinem vorjährigen Besuch in Kanada übernommenen Quote von einer Million Dollar dem Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem 40.000 Pfund überwiesen. 6 Millionen Pfund im Orangenbau Investiert. Vor kurzem erschien in englischer Sprache ein Sonderheft des „Palestine and Near East", das ganz den Untersuchungen Harry Viteles' über die Erweiterungsmöglichkeiten des Orangenbaues in Palästina gewidmet ist. Die Einleitung stammt von Col. S a w e r, dem Leiter des. Landwirtschafts-, und Forstdepartements der Palästina- Regierung. Col. Sawer weist vor allem auf die große Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges hin. Der Orangenexport im Jahre 1927 mache 43 Prozent des Wertes des Gesamtexportes aus. Die Milderung der Krise erfolgte hauptsächlich durch die während der letzten zwei Jahre erfolgte Vergrößerung der Pflanzungsanbaufläche, die 1923 24.000 Dunam, 1927 45.O0O Dunam, 1928 60.000 Dunam betrug und 1929 70.000 Dunam erreichen dürfte. Da die Ausgaben bis zur Fruchttragung gegen L. 70 bis 100 pro Dunam betragen, dürften in diesem Wirtschaftszweig gegen 6 Millionen Pfundinvestiertsein (200 Millionen Schilling). Nach Annahme von Prof. Paul gebe es in Palästina noch 2 2 5.00 0 Dunam, die sich für Orarr genpflanzungen eignen. Sawer schildert weiter die große Bedeutung des Orangenbaues für die Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten und Verstärkung der Alijah. Die Anpflanzung von 30.000 Dunam gibt während der Zeit des Wachstums 1500 ständigen Arbeitern Beschäftigung und 3000 ständigen Arbeitern von der Zeit der Fruchttragung an. Außerdem sind bei den Pflückarbeiten durch vier Monate gegen 7000 Saisonarbeiter beschäftigt, außer den bei der Sortierung, dem Transport und der Verladung, he* schattigen Arbeitskräften. Es wird angenommen, daß pro Pupam jährlich 12 Pfund für Löhne gezahlt werden, somit betrage die Summe des Arbeitslohnes bei einer .Anbaufläche von 60.000 Dunam L. 720.000 im Jahre. (Ziko.) Seite S &eder Strenggläubige kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. DieKunerokErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur« fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks* * rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL IOO% REINES KOKOSNUSSFETT längere Zeit dauern. Der Regierungskommissär, Prof. Dr. Mauricy Allerhand, der im jetzigen Beirat keine Majorität besitzt (die Mehrheit ist zionistisch) und noch mit einer längeren Arbeitstätigkeit rechnet, hat unverhofft, um sich die Angelegenheit so leicht als möglich zu machen, einen neuen 14gliedrigen Beirat ernannt, darunter drei Zionisten (Beck, Doktor Bohin und Dr. Geyer). Die Zionisten nahmen die Mandate nicht an, die Konstituierung wurde nicht vorgenommen. In Lemberg herrscht wegen dieses eigenmächtigen Vorgehens des Regierungskommissärs Dr. Allerhand große Empörung. * Die Kultusgemeindewahlen in Brody. Die am 9. September d. J. in B r o d y durchs führten Wahlen in die jüdische Gemeinde hatten folgendes Ergebnis: Zionisten 2 Mandate, . Misrachi 4 Mandate, Hitachduth 1 Mandat, Rechte Poale Zion 1 Mandat, Aguda 1 Mandat, Parteilose (darunter ein Freund der Zionisten) 3 Mandate. # Kaserne und Gewissensfreiheit. Osjasz Hersz Fränkel versah in Tarnopol die Funktionen eines Unterrabbiners. Da er jedoch über seine Stellung noch keine Amtsbestätigung besaß wurde er, öbzwar er als Unterrabbiner tätig war, zur Militärdienstleistung einberufen. Beim Einreihen in die Kompagnie sollte man dem Unterrabbiner über Auftrag des Kommandanten Bart und Locken abschneiden. Fränkel war entschlossen, dies unter keinen Umständen zuzulassen. Wegen „tätlichen Widerstandes" wurde er vor einiger Zeit vor das Militärgericht in Lemberg gestellt und zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Oberste Gerichtshof hat das Urteil, bestätigt. Die Kongregation der Rabbiner in New York hat über Rat des polnischen Konsuls an das Oberste Gericht in Warschau eine Bitte um Wiederaufnahme des Verfahrens überreicht. In nächster Zeit soll auch beim Obersten Gericht eine Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes eingebracht werden. Alle Strafgesetze nehmen nämlich den Standpunkt der religiösen Toleranz ein und schließen die Strafbarkeit wegen Widerstandes aus religiösen Gründen aus — insofern das Bekenntnis im Staate rechtlich anerkannt ist. Das Erkenntnis des Obersten Gerichtshofes wird von großer Bedeutung sein. Der in Haft befindliche Unterrabbiner Fränkel hat an den Präsidenten der polnischen Republik ein; Gnadengesuch überreicht.; . * Eine Warschauer Jüdin erbt 500.000 Pfund Sterling. Sie heißt Emma Wolf. Ganz unerwartet erhielt sie eine Erbschaft von einer halben Million Pfund Sterling. Die Erbschaftsgeschichte ist phantastisch. Der Prolog spielte vor 50 Jajiren. Zu jener Zeit wanderte eine damals berühmte Schönheit, Ernestine Majer aus Budapest, nach Aegypten aus. Dort lernte sie einen Bankbeamten namens G r e k kennen. Es kam zur Heirat, trotzdem er kein Jude war. Nachher gelangte Grek zu einem sehr großen Vermögen und wurde Inhaber einer der größten Banken Alexandriens. Er lebte jedoch nicht lange. Nach seinem Tode heiratete Ernestine Majer, die nunmehrige Besitzerin des Riesenvermögens, einen Beamten in Budapest. Dieser starb im Jahre 1924. Ihm folgte Ernestine Majer bald in den Tod unter Zurücklassung dieses ungeheuren Vermögens. Die Eltern der Verstorbenen lebten nicht mehr. Nur ein Bruder der Verstorbenen, Alexander, und die Schwester Emma waren am Leben. Ihnen vermachte Ernestine Majer eine halbe Million Pfund Sterling, das übrige Vermögen widmete sie wohltätigen Zwecken, Während des Krieges fiel der Bruder der Emma Majer, Alexander Majer. Das ganze Vermögen blieb daher <Jer Schwester Emma, welche in der Zwischen* AUS PALÄSTINA;