Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 53 (21.9.1928)
- Date
- 1928-09-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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mxsm *m WMahriMBMMiHi Hr. 33 Das Bfe wefateoe« ««im Stämme. — Die Bronceürfei von Oanganore. Die europäischen Eroberer. *- Shid öHe farbigen Juden echte Juden? Es gibt keine Frage sozialer., politischer, religiöser Natur, die weht irgendwann und irgendwo in den vierzig Jahrhunderten der jüdischen Geschichte an das jüdische VoMc herangetreten wäre. Und doch klingt es überraschend daß es imierha>b des Judentums die Frag cd er Färb ig keit gibt, und zwar 'bei dem numerisch und .kulturell un bedeutenden Teil der jüdischen Gemeinde von Cochin in Madras an der inalabarischen .Küste von Indien. Dabei is-t es sonderbar, daß die Cochincr Judenschaft niemals vom übrigen Teil des Volkes abgeschlossen war, wie etwa Teile der chinesischen Juden, die „Siucw Pluckcrs" von iKai-fung-foo in China oder die ßnc Isrocl in B om b a y oder die Felaschas in Abessynich, und daß es unter den Juden von Cochin ebenso wie unter den farbigen Juden nicht an Gelehrten und Talirjüdkundigen fehlt Ursprung und 'früheste Geschichte der Cochiner Juden sind von Legenden umrankt und selbst in bezug auf ein „authentisches" Dokument, das von . alter Zeit überliefert ist, herrscht Unsicherheit, nämlich in bezug'auf die berühmten Sasanam oder B r o n z c t a f c 1 n, die die Rechte und Freiheiten enthalten, welche den Cochiner Juden vom König von Malabar garantiert wurden. Einige setzen das Datum mit 379, andere mit 490, wieder andere mit 750 v. Chr. an. Nach der Ueberlieierung der farbigen Juden von Cochin gehörten ihre Vorfahren zu jenen, die noch von S a 1 m a n a s s a r, König von Assyrien, beherrscht wurden, nachdem er das Königreich Israel 722 v. Chr. zerstört hatte, wonach sie also zu den verlorenen zehn Stämmen zählen würden. Andere Versionen schreiben ihre Herkunft der Zeit der babylonischen Gefangenschaft, 562 v. Chr., zu, bezw. der Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer, 68 v. Chr. ''' Um. das Jahr 1806 war es der englische Gelehrte, Weltreiscnde und Geistliche Rev. Claudius B uc h a n a n, der die Juden von Cocihin besuchte und diu überaus interessantes. Dokument mitbrachte: eine auf seine Aufforderurig hin von den dortigen weißen Juden in hebräischer Sprache verfaßte Aufzeichnung iiber#,ih're Ankunft und ihre Erlebnisse auf Malabar, die wie folgt -lautet: ' „Nachdem der zweite Tempel zerstört worden war. -—den Gottes Gnade wieder erbauen möge —, flüchteten unsere Väter, dem Schwerte des Bedrückers'entrinnend, aü;s Jerusalem, eine zahlreiche Menge von Männern und Fräßen, Priestern und Leviten, und kamen in dieses Land. Unter ihnen gab es Männer, ausgezeichnet durch Gelehrsamkeit und Weisheit, und Gott scbeUkte ihnen Gnade in den Augen des Königs, der damals hier herrschte und ihnen einen Platz zum. Wohnsitz anwies, genannt Cran gan o.r e •(ungefähr 16 Meilen von der gegenwärtigen Stadt Cochin). jEr;igestattete ihnen die "patri-ärchailische Gerich tsbarfcoit innerhalb des Distriktes mit bestimmten Privilegien, des Adels. Diese Privilegien wurden gemäß der Sitte jener;;tage auf einer Brönzetafel eingegraben. So geschehen im-Jahre nach der Erschaffung der Welt 42.50 (490 n. Chr.). 'Diese Bronzetafel ist immer noch in unserem Besitz. Unsere Vorfahren lebten za! Cranganore ungefähr 1000 Ja-hre und der H ä u p ter,-. du e ms reg ie r t e n. waren 72. Bald nach unserer Ansiedlimg loteten uns andere Juden ans J u d äa, dann. stieften auch zu uns Juden aus Spaui e-n und aus anderen Ländern, von Zeit zu Zeit gewisse Teile von Juden, die von unserem Wohlergehen vernommen hatten. Ab e r z« 1 e t zt k'am Zcr w ü r f n i s u n t e r u »s s'eito e,r. Einer unserer Fürsten rie'i zu seiner HSjfSe einen indisenen König, das ist einen Hindu, der zu uns mit einer großen Armee kam, unsere Häuser zerstörte, u rtsere Paläste und. unsere Festawi<ge.n, der ums aus Cranganore vertrieb, 'einen Teil von uns' tötete.und einen anderen TeH iri die Geiangenscha'ft führte. Durch' diese Massakers Wurden wir zu einem Weinen, Häuflein herabgedrückt. -Einige der Exilianten kamen und wohnten, in Cochtn, wo wir verblieben w*ren» ^e>t' Jetoer. große Verähderuri^gen von Zeit w Zeit durchmachend. Es gab wirer uns viele Kipder Israels, die aus dem Lande der Askenaslrn (Deutschland),; laus Aegypten und aus Ederen Ländern gekommen" war««." (Rev. Claudius Buohanan, „Christliche F(^sctonj?en in „Asien". London 1614.) Hundert Jahre später, knapp vor Ausbruch des Weltkrieges, schrieb ,am weißer Cochiner Jude, Na ita l i m Vv&m$ r#dttkdter ZfomMte* 1 Die Klubvom Mittwoch, cten 26. September entfällt! El iah Rahabi, ein Mitglied der berühmten seit 1645 in Cochin angesiedelten Rabbifamilie, eine genaue Geschichte seiner Gemeinde für Eisensteins Hebräische Enzyklopädie „Ozar Isrocl". Wir erfahren durch den Gelehrten, der den Uebcrlieferungen der weiße n Juden folgt, ohne gegenüber den farbigen unbillig zu sein, von dem wcchselvollcn Schicksal der Cochincr Juden, von den blutigen Kämpfen zwischen den farbigen und weißen Religionsgenossen. Nach seiner Darstellung soll im Jahre 379 der König von Malabar einen Teil der Stadt Cranganore für die Juden zum Aufenthalt bestimmt, ihnen in ihren eigenen Angelegenheiten Autonomie gewährt und Josef -Raban, einen der Ihrigen, zu ihrem Fürsten eingesetzt haben. Unter Josef Raban erlebten die Juden ihre Blütezeit, bis die Herrschaft an die Hände einer aus Jerusalem stammenden Familie Azar überging. Von nun ab kam Verwirrung in die Gemeinschaft, ein Bruderzwist zwischen Josef und Aaron Azar •führte zur Ermordung Aarons, worauf Rache und Feindschaft herrschten. Die farbigen Juden intrigierten gegen die weißen, entzündeten einen blutigen Bürgerkrieg und fordcrtcn,-da in der Ucbcrzahl, gleiche Rechte mit ihren weißen Brüdern und das Recht der Eheschließung mit ihnen. Als die weißen Juden diese Forderungen ablehnten, kam es zu Straßenkämp'ien, die mit einem Sieg der Weißen endeten. Im Jahre 1344 verließen die farbigen Juden Cranganore und nun folgte für die zurückgebliebenen Juden eine Epoche des Friedens und Wohlstandes bis zum Jahre 1504, da die Portug i e s c n als die ersten europäischen Eroberer Malabas die Juden zu verfolgen begannen und die Inquisition auch über die Juden von Cranganore ausdehnten. 1566 wird Cranganore von den Portugiesen erobert, die Juden werden ermordet und beraubt, die Uebcrlebenden verlassen die Stadt und siedeln sich in Cochin an. Neue Anlagen it.Reparaturen von Zentralheizungen, Badezimmer und alle sanitären Anlagen prompt durch: Gebr. Medek WIEN, II!., UNGARGASSE 47 Tel.: U-10-2-50, U-10-2-51, U-16-2-51 H Zahlungserleichterungen!! Der. Ratiah von Cochin bewies ihnen Entgegenkommen, indem er ihnen Land zuwies und Plätze zur Errichtung von Häusern und eines Tempels, der auch tatsächlich in. unerhörter Pracht gebaut wurde und nach seiner teilweisen Wiederaufrichtung heute noch besteht. Wieder erscheinen die Portugiesen, übernehmen die Herrschaft auch' über Cochin, bis endlich im Jahre 1622, die H o l l ä n d e r als Befreier kommen.'Es gab noch blutige Belagerungs'kämpfe und unzählige jüdische Opfer, aber sätaKeßKöh blieben die Holländer Sieger und 1644 bauten die weißen Juden unter Schern Tow Casteel ihre Synagoge wieder auf. Damals zählten die weißen. Juden nicht •mehr als 40 Familien, während die farbigen viel, zahlreicher waren. Der .•holländische Gouverneur war mit seinen Sympathien auf Seite der weißen und ihm soll die teilweise Vernichtung der farbigen Juden zuzuschreiben sein. 1666 wurde Cochin von jüdischen Kau'fleuten aus Amsterdam'bosucht, die auf Ersuchen der Cochincr Sefer Thoras, Sidurim, verschiedene rabbinischc Werke und rituelle Gegenstände schickten und dadurch das religiöse Gefühl der Cochiner stärkten. 1795 wurde Mclabar von den E n gländern übernommen und damit zugleich die Handeisvprher'rschaft an die Mohammedaner und 'Banias abgetreten. ' Gegenwärtig gibt es hier ungefähr 200 weiße und 1300 farbige Juden in der Schattierung zwischen Braun und Schwarz. Die weißen Juden sind Kleingewerbetreibende •und Farmer, die Farbigen zumeist manuelle Arbeiter, einzelne, allerdings schon kleine Staatsbeamte und wohlhabende Käui'leutc. Weiße und farbige Juden, je eine eigene Synagoge besitzend und sich nicht mischend, sind beide orthodox, halten dieselben 'Bräuche, folgen demseiben Ritus, dem sephardischen. Es gibt unter den farbigen (keine Kohanim oder Leviten, so daß sie in dieser Beziehung auf ihre weißen Religionsgenossen angewiesen sind. Am , Werktag tragen sich die Weißen wie die Eingeborenen, die Farbigen halben nackten Oberkörper, rote turfbanaTtlge iKoipfbedectong und, Stirnlocken, in der Synagoge eine Mütze, „'Küpfha", die Weüßen einen Turban und ein Leibchen, mit den Schaufäden, während die Jugend der weißen Juden sich europäisch trägt. Die Umgangssprache ist das Malayische, am Sabbat gibt es gekochten Fisch und iBarches. Da die 8 k 1 a v e r e i in Malabar erlaubt war, konnten 'die weißen Juden Sklaven walten und nahmen sich daher Schwarze, die sie nach jüdischem Gesetz behandelten, so daß die Sehwarzen nach und nach das Judentum annahmen, aber weiter ais Sklaven betrachtet wurden. Selbst nach , m ft im m 11 nwrtroiw mn tintifrnuii «u i um i dii 111 (WiMui in t um m u h u mitn i W Mi r?> wnn w SIEGN. KORNMEHI.ll GROSSFLEISCHHAUEREI |J Zentrale IX., Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 fj Lieferant für Heilanstaltea Abteilungen für ity>Hate<h_ unter Aufsiebt des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kuls tusgemeinde Wien f| ff IX., B«rgg. 15 / XVIII., Wgfering«rstr. 97 |f f?^iiiimwHiwnmnwim:yb<iimnwniimtmmiw •VwiunimiMnrtnmnuiiitnrfflmmmiHin^ mtmnmMniinnnfl*ftnnntii itm MmniffiTftnffnftnniaMsi Vollzug der Beschneidung und der vollständigen Annahme des Ritus gab es keine Mischehen, und mir wenn die Farbigen von ihren Herren einen Freibr.ie!f bekamen, wurden deren Kinder und Kindeskinder als emanzipiert betrachtet und durften Zizith und Tefillin tragen, hingegen nicht zur Thora aufgerufen, da sie als Konvertäte« abgesehen wurden. Die farbigen Juden von Wählbar bestreiten die Rfcfttigkeit dieser Erklärung, ja sie bebaupten sogar, dre 'Ursprünglichen Jude n von Mal a b a r zu sein, »nd gehen so weit, zu erklären, daß die weißen Juden erst nwt den europäischen Eroberern ins Land gekommen seien. Sie motivieren dies damit, daß sie selbst Sklaven 'hielten uwd daß ihr Hauptstamm 'hellbraun sei so wie die Yemeniten. Von allen bisherigen Theorien bat bisher keine Theorie Gewißheit erlangt. Die jüngste geht dabin, daß die braonen Juden echte Juden seien und nicht einer fremden Rasse angehören. Man glaubt Beweise dafür zu haben, daß die farbigen Juden Malabars in ihrer Art mit den anderen Juden übereinstimmen und ihre braune Hautfarbe nur unter dem jahrhundertelangen Einfluß der bräunenden Sonne Indiens erhalten baben. Das stornierte Seelenheilgeschäft. Im weiten Umkreis von S/. atmar amüsiert man sich jetzt über folgende Geschichte. Zu dem Schneidermeister Ludwig Groß m a n n in Szilagysomlyo kam vor mehreren Monaten ein besserer Wanderschnorrer. Der Schneider unterhielt sich mit dem Schnorrer über verschiedene Dinge und Personen, erkundigte sich nach dem Geschäftsgang in den Städten und Dörfern, die der Schnorrer durchwandert hatte, und nach anderen Angelegenheiten, die den Schneider interessierten. Der Schnorrer gab die erwünschten Auskünfte, klagte über schlechten Geschäftsgang infolge der allgemeinen Stagnation, meinte aber schließlich: ,,Noch gut, daß es ein Jenseits gibt, wenigstens erlebt so ein armer Teufel wie ich drüben in jener Welt seine auf dieser Welt vermißten Freuden." Großmanr. war anderer Ansicht. „Ich verkaufe Ihnen — sagte er lustig — mein ganzes Seelenheil und alles, was drum und dran hängt, und meine Freuden im Jenseits für 20 Lei. Ich. reflektiere nicht auf die jenseitigen Freuden." — „Das Geschäft ist gemacht", antwortete der Schnorrer und legte dem Schneider .20 Lei auf den Tisch. „Sind wir schon so weit" — begann der Schnorrer .wieder — „dann kaufen Sie mir meine Sünden ab. Es ist ein gutes Geschäft. Ich zahle noch einen netten Betrag drauf." „Wieviel ist Ihnen das Geschäft wert?" — „Hundert Lei!" — „Abgemacht, her damit!" — Der Schnorrer zählte dem Schneider die 100 Lei in die Hand. Er hatte für 120 Lei somit ein brillantes Seelenheil eingehandetf und war obendrein alle seine Sünden los geworden. Der ungläubige Schneider erzählte in der Stadt lachend von dem glänzenden Geschäft, das er mit dem sonderbaren Schnorrer abgeschlossen hatte, und so karrt die Geschichte dieses frivolen Handels auch. dem Ortsrabbiner zu Ohren. Der Rabbiner zitierte Großmann zü sich, setzte ihm auseinander, daß es leichtfertig sei, mit so heiligen Dingen Ulk zu treiben und sich über sie lustig zu machen. Der Rabbi sprach so eindringlich, malte dem Schneider seine Zukunft in so grausig düsteren Farben, daß dieser schließlich zum Bewußtsein der Verwerflichkeit semer Handlung gelangte. Nun fahndete unser unruhig gewordener Schneidermeister nach dem Schnorrer, der ihn so schwer überlistet hatte. Der Käufer des Seelenheils war jedoch unauffindbar. Er hatte die Stadt bereits verlassen und auch die Suche nach ihm in der Um: gebung blieb erfolglos. Alles umsonst. Qroßmann verbrachte schlaflose Nächte. Gewissensbisse drückten Hui, abgesehen davon, daß er, seitdem seine Geschichte mit dem Verkauf seines Seelenheils und seiner Eindeckung mit fremden Sünden ruchbar geworden war, zur Zielscheibe der allgemeinen Frozzelei wurde. Viele Monate waren vergangen, als roa<n ewes Tkges; Großmann die Nacricht brachte, daß der Schnorrer und Besitzer seines Seelenheiles wieder in der Stadt .attfgetauf*bjr, sei. Großmann packte den Schnorrer, brachte ihn zum Rabbiner, der nun versuchte, dem Schnorrer, der sich auf seinen Schnorrwegen als frommer gelehrter Mann aus-, gab, klar zu macheu, daß es seiner unwürdig sei, einen einfältigen Schneidermeister um sein SeelenheH zu prellen und ihm noch die eigenen Sünden aufzuhalsen. Er bemühte sich zunächst auf gütlichem Wege den Schnorrer zu bewegen, daß er das ganze Geschäft rückgängig mache« Der Schnorrer bestand auf seinem Schein. Auch mit Drohungen vermochte der Rabbiner bei ihm nichts auszu* richten. Großmann aber hinterlegte die 120 Lei beim Rabbiner und wollte, da er des Schnorrers nun einmal hab* haft geworden ist, nicht locker lassen, bis er wWder: