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Die neue Welt · 1928-09-21 · Heft 53 (21.9.1928) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 53 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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•m+na Nr* 53 Dil NEUE WELT SftiM i- Der Prozeß um eine Wunderhöhle. Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: „Binnen kurzem wird ein palästinensisches Gericht sich mit einer Angelegen heit zu befassen haben, die sowohl vom besitzrechtlicherf Gesichtspunkt als auch wegen des Prozeßobjektes für die luden besonderes Interesse erweckt. In der Nähe von Safed befindet sieh eine alte Höhle, von der eine uralte jüdische Tradition behauptet, daß sie die Gräber des aus der talmudischen Geschichte bekannten Chugi Hamagcl und seines Enkels Aba Chilkija beherberge. Diese beiden Männer lebten in der Zeit des zweiten Tempels und der Talmud weiß von diesen Männern eine ganze Anzahl von Wundertaten und übernatürlichen Handlungen zu erzählen. So wird von Chugi erzählt, er habe siebzig Jahre lang, ohne Unterbrechung, geschlafen, auch hätten diese beiden Wundermänner die Kraft gehabt, durch ihr Gebet den Regen herabzubeschwören und so wandten sich die Bauern ihrer Zeit, so oft der Regen ausblieb, an diese Wundertäter und der befruchtende Regen kam. Auch heute noch, wenn in Palästina der Regen auszubleiben droht, pilgern fromme Juden zu dieser Höhle, wo sie Gebete um baldigen, ausgiebigen Regen verrichten. Bis vor kurzem war die Höhle und ihre nächste Umgebung ganz verwahrlost, mit Steinen ungangbar gemacht, bis ein amerikanischer Jude namens .Fink eiste in die Höhle auf eigene Kosten restaurieren, eine Eingangstür machen ließ, und überdies einen Betrag hinterlegte, dessen Zinsen für die Erhaltung des „Ewigen Lichts" in der Grabhöhle verwendet werden sollen. Das Feld, auf weichern diese Grabstätte liegt, gehört einem Araber. Dieser ließ nun eines Tages die Türe zum Höhleneingang wieder ausheben, verrammelte den Eingang mit großen Steinen und verwehrt den Juden den Zutritt. Gegen diesen Araber nun wurde der Prozeß angestrengt, um auf diese. Weise durch das Gericht feststellen zu lassen, ob das Besitzrecht auf ein Grundstück auch auf solchem Privatbesita etwa befindliche alte, durch die Tradition geheiligte Stätten sich erstreckt. Allerding wird der Gerichtshof zunächst die Vorfrage zu entscheiden haben, ob die fragliche Höhle, wirklich eine Grabesstätte und ob die Gräber des Chugi Hamagal und des Aba Chilkija als heilige Stätten im Sinne» des Mandates und Völkerbundpaktes zu behandeln seien. Der vergessene Bibelvers an der Synagogentür. Eine Besitzrechtsfrage von besonderem Interesse beschäftigte dieser Tage ein Gericht in Cincinnati in Amerika. In der Unterstadt stand viele Jahre ein schöner jüdischer Tempel im modernen Stil. Die Juden der Unterstadt übersiedelten allmählich in die Oberstadt, die Synagoge wurde immer weniger besucht und so entschloß sich die Synagogengemeinde, wie das in Amerika nicht selten vorkommt, das Tempelgebäude an eine andere Religionsgemeinschaft zu verkaufen. Diesmal wurde der Tempel an die N e g e r k o 1 o n i e, die jetzt den Platz der eingewanderten Juden in der Unterstadt einnehmen, verkauft. Aus der Synagoge wurden alle Kunstgegenstände, Thorarollen, Gebetbücher, Menorah, das Ewige Licht usw. weggeschafft, mid die Negergemeinde konnte von der Synagoge Besitz ergreifen. Eines Tages erinnerten sich die Leiter der jüdischen Gemeinde, daß oben über der Türfront der ehemaligen Synagoge und gegenwärtigen Negerkirche ein hebräischer Bibelvers in goldenen Lettern prangt, den sie zu entfernen vergessen hatten und nicht gerne auf der Negerkirche belassen wollten. Da die neue Kirchengemeinde auf gütlichem Wege die Entfernung der Inschrift nicht zugeben wollte, kam es zum Prozeß, per Richter fragte zw nächst, um welche Inschrift es sich handle, und erfuhr, daß) es sich um die poetischen Prophetenworte handelt: „Und sie werden mir errichten ein Heiligtum und ich werde wohnen zwischen den Kindern Israels und werde nicht verlassen mein Volk Israel." Die Kläger baten nun den Richter, doch einzusehen, daß sie diese Inschrift auf einer Negerkirche nicht gut belassen können. Der Vertreter der Negergemeinde erklärte jedoch, um keinen Preis in die Entfernung der Inschrift einwilligen zu wollen- Sie hätten, sich selbst keinen so herrlichen Satz als Inschrift für ihre Kirche ersinnen können. Und wer bedürfe des Trostes und def Aufmunterung mehr als das Negervolk und gerade die Neger in Amerika. Was nun die Bezeichnung „Bene«l Israel" (Kinder Israels) betrifft, so gebe es bereits eine beträchtliche Zahl von Negerstämmen, die sich als die wahren Nachkommen der „Kinder Israels" bezeichnen. Der Richter war auf Seite derNeger und entschied, daß die Inschrift einen integrierenden Bestandteil des Besitzes bilde. Der neue Besitzer könne nicht gezwungen werden, eine Aenderung an seinem Eigentum durchführen zu lassen- Das religiöse Moment, das der Kläger anführt, sei nicht schwerwiegend genug, um dem Klagebegehren stattgeben zu können. _ Ein angeblicher Felsen Moses'. Laut einer Meldung der Field Museum Desert Expedition entströmt einem Felsen in der syrischen Wüste, aus dem seinerzeit Moses Wasser habe fließen lassen, auch noch heute Wasser. Bei Ihren Forschungen nach prähistorischen Resten menschlichen Lebens In Mesopotamien und ■Translordan ien gelaugte die Expedition zufällig zu dem historischen reisen Horch. Noch Immer fließt von dem Felsen ein steifer Strom kalten Wassers, der den Vudi Musa (Strom Moses) bildet Der Vadi Musa is': auch heute noch eiu Ort der Verehrung für viele Pilser, Das ndanthrenhaus Indanthren befindet sich bereits In den neuen bedeutend vergrößerten Räumen WIEN, VI., MARIAHILFERSTRASSE 71-73 (früher Lessnerhaus) Einziges Spestialhaus Oesterreichs waschu. lichtechter Stoffe für Kleidung und Helm unter voller Garantie Provinzversand! Tel. B-23-2-55 Wann ist die Thora entstanden? Die Referate auf dem 17. QrientaUstenkougreß in Oxford. Am 27. August begann in Oxford die Tagung dos Internat.Joiialeu Orienlalistenkoiiffrcsses, Der Kongreß befaßte sich mit verschiedenen Fragen des Alten Testamentes, der hebräischen, arameischen und rabbinischtm Studien. Zahlreiche Kidische Gelehrte aus Deutschland, Palästina, den Vereinigten Staaten und anderen Lünderu sind zu den Beratungen eiugetroiicn. In der 7. Sektion des Kongresses sprachen Dr. Daiches über die Bedeutung des Wortes „Am haarez", Professor Y a h U'd a über <len Ursprung der hebräischen Sprache, I. Cohen über die semitischen Verba, Pere Mailou über da.s. Jerusalem der prähistorischen Zeit, Dr. Saloinou Zcüiliu über den slawischen Josephus und Jossipouj, Professor Am 2 al a k über die portugiesische "hebräische Grammatik, Reuben Levy aus Cambridge über Joseph sw<l Ziitcika, Professor A lbright über dje Eroberung Kanaans, Professor Eisfeld t über die semitische Auffassung und Benennungen Gottes. Auf dem Kongreß hielten ferner über jüdische Themen Professor J. L e v c y, Dr. H i r s c h f c 3 d, Dr. CENTRAL-KINO GS9 II.Taborstraße 8 Tel.42-3-41 Nur noch bis Samstag, den 22. September Fritz Längs Meisterwerk <W) Ab Dienstag, den 25. September: Uraufführung „Die Le)fr«lgenen*S nach dem Schauspiel „Die Danischews" von P. Newsky. Beginn: 5, 7 und 9 Uhr Morgenstern, Dr. J a c 0 b, Dr. K a m i u k a u. a, m. Referate Im Mittelpunkt der ersten Vollsitzung stand jhJs erster Vortrag, dem die längste Zeitdauer aller Kongreßvortrüge zugebilligt war, das Referat des Orlen tapsten A. S. Yahuda (Heidelberg), der bis vor 'kurzem eine Professur an der Universität Madrid bekieidet hat, Ar der Hand eines großen Tatsachenmaterials legte Yahuda die Beziehungen zwischen der Sprache des Pentencuo!i und dem Aegyptisehen dar. Seit lauger Zeit stritten sieh die Bibelkritiker über das Alter des Pe n t ate u ch, und die allgemeine Ansicht geht dahin, daß der Pentateueh aus einer viel späteren Zeit stammt als aus der Zeit Mösls. .Yahuda geht nun von rein sprachlichen Gosichtspun'kten aus, ohne sich auf bibelkritische Fragen einzulassen, und beweist, daß der Stammdialekt von Kanaan, den die nach Aegypten eingewanderten Israeliten gesprochen haben, sehr zahlreiche ägyptische Elemente an Lehnwörtern imd Aegyptizlsmen aller Art in Ausdrücken, Redensarten, formelhaften Sätzen usw. aufweist. Yahuda gelangt zu dem Ergebnis, daß dieser Dialekt unter dem Einfluß der hochentwickelten ägyptischen Sprache während des Aufenthaltes der Israeliten in Aegypten (etwa 15. bis 13. Jahrhundert vor Christus)' in raschem Anstieg seine Entwicklung zu der literarischen Sprache des Pentateueh genommen habe, und schließt dann daraus, daß der Pentateueh nur um die Zelt des Auszuges der Israeliten aus Aegypten entstanden sein kann. Bei seiner sprachlichen Untersuchung des Pentateueh, stellt Yahuda unter anderem fest, daß zwar der Rahmen der Genesissagen und Patriairehenerzäblungen zu 30 Prozent babyionisch sei, während der Inhalt vieler dieser Erzählungen dem ägy p t i s c h e n Legenden- und Vor« s t e 11 u 11 g s k r ei s entstamme. Insbesondere klärt Yahuda sch&inbar Widersprüche In der SintflutersäWuug auf, D4e Darstellung der Sintflut als R e g e u s t irr z ist dem babylonischem Vorstellungskreis entnommen, während die im zweiten Monat ansteigenden Fluten, die eine große U e b e r s c ii w e m m u n g veranstalteten, zeitreebnungsgemäß genau mit Beginn und Dauer der Ucberschwemmung des Nils während eines Jahres übereinstimmen, also in Aegypten entstanden sein müssen. Dr, Julian Morgenstern, Präsident des Bebrew Union College in Cincinnati (Ohio) sprach über den Ursprung der Neil ah (Torschluß-Gebet vor Ausgang de« Jom Kippur) und der Psalme 24 und 118. Er behandelte das Motiv von den „Toren <ler Gerechtigkeit" und dte Traditionen, die sieh an die östlichen Tempeltore, das „Goldene Tor" knüpfen und erklärte an der Hand der christlichen Pllgrims und der }üdisclven raibbiwschen Literatur, daß sich in das alte Tempelritwal Ele meinte der S 0 n .n e n v e r e ih t u n g einschlichen. Dami t hing das Zeremoniell der Oefinuug des östlichen Tempeltores dm Frühjahr und im Herbst in den Taigen <ler Tagesu<nd Nachtgleiche gegen Ende des Tages zusammen. In den jüdischen Kalendern vor dem babylonischen Exil fielen diese Taigc ■ mit den Passah- und den Rosch^Hasöhainah- Tagen zusammen, später fiel der eine dieser Tage mi Jom Kippur. Dies sei der Ursprung der Nellah und der Psaime 24 und U8. Prof. A, K a m i n k a, Vorsitzender des Malmonides- I-nstituts in Wien, sprach über das föueh Jesaja und sa.gte, Untersuchungen in assyrlologischen Gebieten unterstützen •Je ein es weg s die Theorie, daß das Buch Jesala in <zwei Teile zerfällt, von denen der erste aus der Zeit vor dem •babylonischen Exil, der zweite aus der Zeit nach dem Exil datiert. Kamin'ka .verfocht die These, daß alle .poetischen Teile der Bibel und die Psalmen aus d e r Z e 11 vor dem ersten Exil dt leren. Prof, T. H. Robinson las über Orakel in den prophetischen Büchern des Alten Testamentes." Prof. W. F. Albright hielt ein Referat über ,£)ie Eroberung Kanaans durch die Juden irn Lichte 4der palästinensischen Archäologie". Die Ausgrabungen in KJrjath- Sepher und in BethSchemesch, sagte Albright, setzen uns in die Lage, die Daten der H a u p tpli as e n der jüdischen Okkupation Palästinas zu bestimmen. Sie erbringen den verläßlichen Beweis, daß die Eroberung durch J 0 s u a gegen Ende des letzten Brouzezeitälters, etwa 1200 v, Chr., vor sich gegangen ist. Es sind jedoch Anzeichen einer Teilokkupatiou durch die Hebräer in Zentralpalästina (Hare Ephraim) vorhanden, die etwa drei J a h r h u n d e r t e v 0 r J 0 s u a, um 1SO0 v. Ohr., geschah. Dr. S. A. Cook referierte über Ethik im alten Orient und stellte fest, daß die Wertung Jerusalems als religiöse Metropole und der Begriff „Zedek" (Gerechtigkeit) bis auf das Amarua-Zeitalter (14, Jahrhundert v. Chr.) zurückgehen. In der gleichen Sitzung stellte P. L. 0. Guy, der Leiter der Ausgrabungen in Megiddo, lest, daß Megiddo eines der Streitwagenarseuale des Königs Salomo war und etwa 250 Pforde zu beherbergen pflegte, Ställe, Häuser und Straßen warn nach einem systematischen Plan angelegt, und zwar durch dieselben Arbeiter, die den ersten Tempel un4 <len Palast Kalomos erbauten. Eine Tafel erinnert an den Durchzug des Pharaonen Scheschak, einer der großen Mauersteine trägt das David-Schild. Alle jüdischen und hebräischen Volkslieder und «kantoralen Gesänge In der unvergleichlichen Wiedergabe der geräuschlosen „Columbia"-Schallplatten finden Sic in reichhaltigster Auswahl Im Musikhaus „Excelslor", Inhaber Richard Herzog, Wien, I., Adlergasse 5, und II., Kleine Pfarrgasse 28 (Tel. R-23-4-90). Sprechapparate aHer Systeme in jeder Preislage auf Lager, ebenso alle modernen Gesangs- und Tan«schla«or. Für Sprechapparate auf Wunsch auch bequeme Teilzahlung. Provinzversand per Nachnahme. £ I r |

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