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Die neue Welt · 1928-09-21 · Heft 53 (21.9.1928) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 53 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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.■'»»'-' WWWPWi-iw'i.......■ \^~f.im}^mun'.....wv>: > > N$Wf? WECT Söife^J Ti III.MARXE RG AS SE 30 32 Telephon : 9 0-5-6 7 und 05-9-38 Vi.MARIAH1 lIfE f)STR.49 T e l e p, t\ Ort: 4 12! '■ Verla rt q e n S i e p r o s p e k t e! mit Nr. 89 verbunden zu werden. Er begann das Gespräch mit folgenden Worten: „Boris (er hat wahrscheinlich mit seinem Bruder Boris Gokliberg, dem bekannten zionistischen Führer, gesprochen. Anm. d. Verl.), wir befinden uns in einer dummen Situation, Zweimal war der PoHzeichef hier und hat gedroht, unszu verhaften, wenn wir durch die Statdit fahren. Eine idiotische Ordnung! Es bleibt nichts anderes übrig, als nachzugeben, der Gouverneur ..." V. Dte jüdischen Armen und das gefährliche Wort „ZiotT. Von allen höheren Polizeibeamten, die beauftragt waren, Herzl in Wilna zu beobachten, soheint der Inspektor des IT. Bezirkes K o r o 1 e w der wichtigste gewesen zu sein. Die ihm anvertraute Mission mußte er in Zivil durchführen,, was seine Arbeit sehr erleichterte. Wie er sich dieser „Arbeit" entledigte, beweist folgender Bericht an den Polizeichof vom 17. August, also, am Morgen nach Herzis Abreise von Wilna. Korolew spürte Herzl nach und ließ ihn keinen Augenblick aus den Augen. Er war auch mit Herzl in Jakob ben Jakobs Villa in Wierki. Korolew erzählt, wie er in' Zivilkleidung zum Bahnhof und ins Hotel George kam, wo Herzl das Zimmer Nr. 39 belegte. „In diesem Hotel", heißt es in Korolews Bericht, „wurde Herzl von vielen Menschen besucht, deren eigenhändige Unterschriften sich in der Beilage befinden." Dann schreibt Korolew weiter: „Um 6 Uhr abends ist Herzl in Begleitung der Brüder Goldberg über den Georgiewski-Prospekt gefahren (es folgen die Namen aller passierten Gassen. Anm. d. Verf.), von hier bis zur Peripherie der Stadt, wo Herzl einige Meine Häuschen .betrat, die von jüdischen Handwerkern bewohnt werden. Er fragte sie über ihr Leben und ihre Arbeit aus. Als Herzl über den militärischen Uebungsplatz fuhr, wo im vorigen Jahre der Verbrecher Leckert*) gehängt wurde, begegnete er in einer Droschke Segal, mit; dem er sich eine Weile unterhielt. Segal fuhr dann in die Richtung Wilria, Herzl zum Gut Werki. Dort begab sich Herzl in die Villa des Holzgroßhändlers ben Jakob. In der Villa war ein Mittagmahl für 30 Personen vorbereitet, geliefert vom Restaurateür Platnikow aus Wilma. (Folgt Adresse. Anm. d. Verf.) Bevor serviert wurde, hielt sich die Gesellschaft, 30 Personen, im Garten auf, wo Dr. Herzl eine Rede in deutscher Sprache hielt. Das Publikum hörte ihn mit entblößtem Haaipte an. Es ist mir gelungen, aus Herzis Rede folgende Worte aufzufangen: „Daau müssen wir unbedingt Stellung nehmen und kategorisch fordern, sonst bleiben wir und auch unsere... wie ausgepreßte Zitronen." Unter den Versammelten befanden sich der Holzhändler Maretzki, Bankier Eliassohn, Dr. Kohn, Dr. Wigotskl und die Hausbesitzer'Soltz und Parneß. Die übrigen Personen sind mir unbekannt Nach den Reden begab sich die Gesellschaft zu Tisch auf die Veranda, die die weibliche und männliche Jugend umstellt hatte. Diese Jugend sang Lieder in jüdischer Sprache, in denen oftmals das Wort ^Zion" vorkam.** Wie man aus diesem Bericht, ersieht, ist der Inspektor überall 'hinterhergewesen. Der »tüchtige" Korolew hat auch wirklich seinem Rapport eine Liste eigenhändiger Unterschriften (mit Ausnahme der Brüder Goldberg, deren Name von fremder Hand auf der Liste verzeichnet war) von 41 Wilnaer Persönlichkeiten beigefügt; unter diesen befindet sich auch die Unterschrift des David Blondes, des Helden des bekannten Wilnaer Ritualmordprozesses vom Jahre 1903. Wie es Korolew. gelang, sich die Liste mit den eigenhändigen Unterschriften zu verschaffen, bleibt ein Geheimnis. Vielleicht hat er die im Hotel auf gelegene Besucherlisfce gestohlen. , VC Herzis Besuch — etat Feiertag. •Der halbe Tag, den Herzl in WHna verbrachte, blieb lange im Gedächtnis nicht nur der Wilnaer Juden, In einem Memorandum eines Gendarmerieobersten über die zionistische Bewegung an den Wlilnaer Gouverneur vom Jahre 1904, befindlich im selben Ärchivmaterial, gibt es ein Echo von Herzis Wilnaer Besuch. Dort heißt es: „'Der Einfluß den zionistischen Bewegung auf die jüdischen Massen zeigte sich ganz klar während Herzis Besuch in Wilna. Für das Wilna der 100.000 Juden war dieser Tag ein Feiertag, Jüdische Massen im FeiertagsgeWand ehrten Herzl genau so, wie ein Mitglied der Zarenfamilie geehrt wird. Es waren außerordentliche Polizeiniaßnahmeu notwendig, um eine iüdischnatioftale Manifestation zu verhindern." *) Hirsch Leckert, der bekannte jüdische Revolutionär fei Wdlna, verübte am 6. Mai 1902 ein Attentat auf den Wilnaer Gouverneur v. Wohl und wurde vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und am 19. Mal 1903 hingerichtet. — „Hirsch Leckert" Ist der Titelheld des neuesten Bühnenwerks von H. Leiwik, das seine Uraufführung kiirz#ch auf einer Warschauer fischen Btihne »riebt hat. Erste Palästinareise 5689« 13. März bis 9. April 1929. Die Anmeldungen für die erste vom Verbände jradikaicf Zioniisten. und der Vereinigung d e in o'k r a t i s c h e r Z i o n i s t i n 11 e n gemeinsam mit dem Wiener Palestine Tou r i n g Club veranstaltete Palästinarcise treffen beim Sekretariat der Reiseleitoing fortlaufend ein. Es können jedoch nur jene Interessenten als definitiv angemeldet in Vormerkung genommen werden, welche das dem zur Versendung gelangten Prospekte. angeheftete .offizielle AnmcMunigsformular entsprechend awsgefirlilt der Reiseleit-ung übermitteln und diic Anzahlung leisten. Die Zuteilung der Kabinen erfolgt efoenfaHs erst «ach Einfangen der offiziellen Anmeldungsiormuilare, Es empfiehlt sich daher, daß alie dicjeniigen, welche bereits im Besitze des Prospektes sind, das Anmcldungsformular ehestens an das Sekretariat der Reiselcitung der I. Pa 1 äs tin a,r eis e (Fr. Berta Taubes), Wien, II., BöcklinstPaßc 92, einschicken sollen. Ueber Verfangen werden Postcrlagsclieinc »ur Verfügung gesteilt itnd Prospekte kostenlos zugesandt. Auskünfte werden auch auf telefonischem Wege (Telephon Nr. R 43-9-19) erteilt Die Fruchtbarkeit der jüdischen Nation, ' In dem „Britten Medical Journal", dem Organ der britischen medizinischen Gesellschaft vom 8.. September, wendet sich. Dr. M. Sourasky gegen die Behauptung, daß die Juden eine besonders fruchtbare Rasse darstellen. Er stützt sich hierbei auf Statistiken, die im Verlauf der von der Jewi«li-Health-Organisation von Großbritannien geführten Untersuchung gesammelt worden sind. Es ist wiahr, führt Dr. Sourasky u. a. aus, daß die Juden laut der Bibel, dem göttlichen Befehl gehorchend, eine überaus fruchtbare Rasse gewesen sind. Aber biblische Befehle und Statistiken sind keine Kriterien für die heutigen Ver- Streng Oftt."1** Geflügelhandlung unter Aufsicht des Ehrw. Rabbinates .Adas Israel" llnnarisfe rniti sfelristiies WasfoefIBubI von bester Qualität! xu Jeder Tageszeit frisch gebratene Gansl Eroianuel Schlesinger Tel. R-40-5-90 Wien, Große Schiffgasse 5 Tel. R-40-5-30 hältnisse. Die Fruchtbarkeit der Juden war vielleicht noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts groß, aber in neuerer Zeit haben sich die Verhältnisse enorm geändert. Die polnische Emanzipation der Juden in Westeuropa hatte eine Nichtbeachtung der biblischen Vorschriften zur Folge. Die Gebsrtenquote bei den ^idQi^ ist .schnell gesunken und vielfach sogar unter der;' n ie h i j ü d i s c h e:n ,IJ.m g;'e- ■b u/n g. Dr. "Sourasky veröffentlicht eine Tafel'von.Ge'bur.tsstatistüken Berlins, Wiens, Londons und( anderer Orte, die. eine rapide Abnahme der Geburtenzahl bei den Juden nachweist. Die Zahlen zeigen,'daß die sinkende Geburtenquote für das Judentum ein noch akuteres Prob'l eim dofr-stellt, als für;die anderen Gemeinschaften. Die hohe Fruchtbarkeit der Juden gehört der Vergangenheit an. Selbstmord eines Vetters von Alfred Mond. Aus London, 13. September, meldet die J. T. A.: Alfred Mond, einer der Direktoren der Brunner, Mond und Company, zweiter Sohn von Emil Mond und Vetter von Lord Melchett (Sir Ared Mond), hat .slich heute nachl) attf dem Grundstück seines Vaters erhilngt. Ein litauischer Scherz. Die Kownoer Krankenkasse hatte die Vornahme von Neuwahlen für das jüdische Neujahrsfest ausgeschrieben; Auf Grund des jüdischen Protestes wurden die Wahlen verlegt, und zwar auif den Versöhnungstag. Auf) Grund eines neuerlichen Protestes wurde der Wahlternu'n nochmals verschoben, aber wiederum auf eineu jüdischen Feiertag festgesetzt, und zwar auf S i m c h a t h - T ho r a. Denket an den Winter! und deckt euren Kohlenbedarf schon letzt bei der bestirenommierten Flrona Julius Haber, Wien, II., Taborstraße 9. (Siehe auch Inserat Seite 12.) E F, C. Hakoah wünsch* ollen Freunden und G(ton«re iisio nD^nn "»tw A. Borenstein und Fr«« Wien, Ii., Leopoldsgasse 45 wonidben eile» Verwandten und Freunden na» nsffl loa Direktor Josef Boksenbnum u. fotm Wien» h, Wfppltager«ta»$e 11 erwidern auf diesem Wege alle Neujahrswünwbe nrtt einem herzlichen ants - M»m.............MMMMIM......>IM»»MMMMI»M jfc 83 1 |Weee««««gMgMMMMMMMMMMMIMMmMMMMMM|^ MDSlRHfflUS,.EXCELSIOr : Int. Ridiaii Herzog WIEN '«WSttSSShE*» i Telephon 73-4-90 Sprechapparate jeder Art, sowie sämtliche jüdischen; |; und hebräischen Schallplatten in reichster Auswähl stets auf Lager; \ PROVINZVERSAND! PROVINZVERSAND! \ : m.................................................11» : Jiddisch in Amerika« im Jahre 1910 haben in dem Vereinigton Staaten 1,057.767, im Jahre 1920 1,091.767 Juden Jiddisch als ifoeä. Muttersprache angeben, in zehn Jahren ist also ihre Zahl um 40.053 Personen gewachsen, In diesen zehn Jahren sind nach Amerika 575.053 Juden eingewandert, somit! haben viele dieser Züwanderer ihre jiddische Muttersprache aufgegeben. In den Jahren 1914 bis 1927 wanderten 510.799 Juden nach Amerika. In dieser Zeit hat sich "die: Leserschaft der jüdischen Presse ki New York (12 Tagest zcatungen und Wochenblätter) von 676.349 Abonnenten im Jahre 1914 bis auf 502.936 im Jahre 1922 vermindert und ist dann bis 536.346 im Jahre 1927. gestiegen, bleibt abec noch immer zurück. In den VoJ'ksibiib H othe ken New Yorfcs ist in den letzten zwölf Jahren die Zalil idier jüdischen Bücher, um 18,9 Prozent gewachsen. Die Forderung nach jüdischen Büchern in allen städtischen Bibliotheken in diesen stwörf Jahren betrug im Jahre 1916 102.087 jiddische Bücher undt S541 hebräisohe, stieg im Jahre 1921 auf 104.761 jiddische und 9071 hebräische; fim Vorjahne wurden 73.282 jiddische undi 10.807 hebräische Bücher verlangt. Es ist also eht Rückgang der jiddischen und ein Anwachsen der hetoräfri sehen Leserschaft zu verzeichnen. In der Gesamtheit ist allerdings die Zahl der an jüdiischten Weriken überhaotpt Interessierten sehr stark zurückgegangen. Täuflinge. Die Brüder Weihrauch, die nach dem Bankrott der Banca Generale in J a s s y aus Rumänien geflüchtet; und nach längerer Zeit hn Ausland verhaftet und nach1 Rumänien ausgeliefert worden sind, haben jetzt ans dem Gefängnis an den Metropoliten von Jassyj ein Gesuch gerichtet, an ihnen die Taufe vorzunehmen- Diese eigenartige Gefängnisbekehriung mit ihrem durch-! sichtigen Zweck hat große Sensation unter der j.üdische« Bevölkerung Jassys hervorgerufen. Mildernde Umstände für Hakenkreuzflegel. Aus Düsseldorf wird uns geschrieben: Efier wwrden vor einiger Zeit vier jüdische Damen und Herren von einer Horde von Hakenkrcuzlern schwer imißhta»rtde$L Die besondere Gemeinheit der Hakenkreuzler bestand darin, daß sie in einer Wirtschaft zunächst mit den Daunen tanzten, dann aber über sie herfielen und sie verprügelten. Sic wollten „die Juden einmal das Laufen lehren** und: „einem Juden einmal die Fresse polieren" ~ was sie 'so besorgten, daß das Gericht ihre Taten als „brutal, feige und gemein" bezeichnete. Trotzdem wurden ahnen mildernde Umstände zugebilligt; sie kamen mit 200 Mar»k: Geldstrafe davon. Die mildernden Umstände bestanden' darin, daß das Gericht annahm, daß es sich iura eine Tat aus politischen Motiven handle, die iim Hin'bUcfc' awf die Amnestie „In milderndem Lichte zu sehen** «ei Das Urteil au sich ist keine Ueberrascihung. Es entspringt der JudeiTMistLz. Aber was haben jüdische Dame» und Herren in einer Wirisolnw zu siechen, in der Hafeeor kreuizler verkehren? Bei den Samaritanern in Stetem* Seit einiger Zeit besteht, wie erinnerlich, in Sich-era| eine jüdische Schule, die über Wunsch der Samaritaner feist; Leben gerufen wurde, damit die Minder einen regel-reohten! Unterricht genießen. Daß ein Bedürfnis für eine solchejj Schule vorhanden war, beweist die Tatsache, daß dies«!' Voiksschule im ersten Jahre ihres Bestandes dreißfei Schüler und Schülerinnen zwischen sechs nnd zwölf Jahrenil hatte. Sonderbarerweise hat sich bisher eine jüdische)! Siedlung nicht recht entwickeln können. In Sichern lebet* etwa zehn Juden, davon drei mit ihren Familien. Diese! j kleine Siedlung Ist auch in der letzten Zeit nicht (gewachseitj Während des letzten Jahres waren dort einige Dutzend jüdische Bauarbeiter m Arbeit, und man erwartete, da0! einige von ihnen sich ständig niederlassen würden. Dies5 ist jedoch nicht eingetroffen. Vor einigen Wochen bohedi die letzten jüdischen Arbeiter Sichern verlassen. Die deutsche archäologische Gesellschaft, die in deuii Jahren 1914, 1026 nnd 1927 in Sichern und Umgebung en folgreiche Grabungen vornehmen ließ, hat vor einigenij Wochen die Arbeit wieder aufgenommen. Es wird an «we* Stellen gegraben, und zwar in einem ttnweit von Sichern ge+ legenen Dorf und auf dem Berge Qerisflm. Leiter dett Arbeiten fet Professor Wilter, der von dem faoflänr1 dischen Professor Bihl unterstützt wird. Etwa achtzig! Mann sind ab Arbeiter bei den Grabungen beschäftigt An alle Hebräisch Sprechenden! Zweaks Erneuerung der hebräischen Tätigkeit in Wien fandet ara 22. <L im neuen Lokale der „VolksbiMiothek #ao4\ Wien, E, Kleine Mohreneasse 3, um halb 8 Uhr abends ein« Versammlung statt. Bs wind) ein neues Komitee gewählt werden, weiches die Arbeit fiir dte hebrätsöbe Kottur!*an neoem^a Angriff nehmen soll.

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