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Die neue Welt · 1928-09-14 · Heft 52 (14.9.1928) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 52 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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f Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 52 III.M ARX E RG A S S E 30-32 f *» U e p h ort :s 9 ö - .5- Ö >, und 9 5 - 9-38 ^LjMA R (iAH 1^ fc^t S T R A 9 Iv. ^-^^.-t-e^se-JpK. 1^.7ö^tx/;;*.;*!.;.-^-'-f ■;y.eVH';Ä?'ftiu i& n - S i e :> P'*'? &'s p'-evK'',,:tMl^;*. Dr. Harry Torczyner nach Amerika eingeladen Dr. Harry Torczyner von der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hat eine Einladung zu Vorlesungen von dem Jcwish Institute of Relis sion in New York erhalten. Dr. Bäck, Sachverständiger für jüdische Angelegenheiten in Preußen beim Kultusministerium. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst ■und Volksbildung hat an Stelle des verstorbenen Justizrates Lilie 11 thal zum Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten den Rabbiner Dr. Bäcik (Berlin), bestellt. Rabbiner Dr.Gelbhaus gestorben Am 10. September ist in Baden der pensionierte Wiener Rabbiner Dr. S. Gelbhaus. im 76. Lebensjahre gestorben. Ein Licblingsschülcr von Stcrnthal, Lazarus und Adolf Jellinok, galt Gelbhaus als hervorragender Gelehrter auf dem Gebiete der Syrologie und der Kabbalistik. Seine zahlreichen Werke beschäftigen sich auch mit Spinoza und mit jüdischen Minnesängern. Ein im Manuskript hinterlassenes Wenk behandelt den Zusammenhang des Islam mit der mosaischen Lahre und wurde von Oberrabbiner Dr. Chajes sehr gelobt. Gelbhaus winkte als Rabbiner in Karlstadt, Nordhausen und Prag, wo er eine hervorragende gesellschaftliche Stellung einnahm und mit dem Kardinal-Erzbischof und den Statthalter Grafen Thun in lebhaftem Verkehr stand. In Wien wirkte er einundzwanzig Jahre als Rabbiner des neunten Bezirkes. Er war einer-der .letzten Wiener, die mit Franz .GriHparzer in persönlichem Verkehr gestanden waren. Grillparzer hatte sich lebhaft für die syrischen Forschungen des jungen Studenten interessiert. Die Kultusgomeinde hat Gelbhaus das erste Ehrengrab auf dem neuerrichteten Friedhofe gewidmet. Ein Rabbiner tödlich verunglückt. ". Dr. Leon Harrison, Rabbiner des Tempels Israel in S t. L o u i s, würde in New York von einem einlaufenden Untergrundbahnzug erfaßt und getötet. Er stand im 62. Lebensjahre. Die Polizei, die zuerst geneigt war, einen. Selbstmord anzunehmen, hat schließlich doch festgestellt, daß der hochgradig kurzsichtige Mann, der eben von einer Europareise zurückgekehrt war, einem Unfall zum Opfer gefallen ist. I Selbstmord eines entlassenen jüdischen Beamten. Aus Budapest wird gemeldet: Der vor drei Jahren unter dem antisemitischen Regime entlassene 44jährige hauptstädtische Oberrechnungsrat Samuel Kapus beging in seiner -im Magistratsgebäude gelegenen ehemaligen Dienstwohnung Selbstmord durch Vergiftung, als man ihn zwingen wollte, seine Dienstwohnung zu räumen. Gleichzeitig mit Kapus wurden vor drei Jahren fast sämtliche jüdischen Beamten aus dein Magistratsdienste entlassen. 1 Andre Weiß. Die Bestattung des vor einigen Tagen verstorbenen Vizepräsidenten des Weltgerichtshofes im Haag, Andre Weiß, der Jude war, fand in Montmorency in aller Stille statt. Gedenkreden wurden nicht gehalten. Andre Weiß wurde 1858 in Mühlhausen geboren. Sein Vater wai ein jüdischer Rechtsanwalt. Andre Weiß genoß als Rechtsgelehrter einen internationalen Ruf. Er war Professor der Rechte, an der Pariser Universität, juristfc scher Berater des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, Präsident des Instituts für internationales Recht und Präsident der Akademie für vergleichendes Recht in Genf. — Andre Weiß war an der Stätte seiner Wirksamkeit, im Haag, gestorben, sein Leichnam wurde naclj Paris überführt. Kaddisch am Grabe des Ministers Bokanowski. Aus Paris wird gemeldet: Das Begräbnis des verunglückten Ministers Maurice Bokanowski auf der jüdischen Abteilung des Friedhofes von Montmartre entbehrte nicht djer jüdischen religiösen Zeremonie. Der Oberrabbiner von Frankreich, Israel L e v y, sprach am Grabe das Kaddischgebet und das „El Mole". Die Rabbiuerwahi der Frankfurter Agudahgemeinde. Der am Sonntag, den 2. September stattgofuudene Wahlgaus: zur Wahl eines Rabbiners der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft, der führenden orthodoxen gesetzestreuen jüdischen Gemeinde Deutschlands, au Stelle des verstorbenen Rabbiners Dr. Salomou Breuer, hatte ein negatives Ergebnis, indem auf den zur Wahl gestellten (in Aschaffenbtirg) Dr. Raphael Breuer, den Sohn von Dr. Salomon Breuer, eine Minderheit von Stimmen, 290, entfielen, während die Mehrheit der Zettel, etwa 600, „weiß" (ablehnend) abgegeben und 50 für ungültig erklärt worden waren. Somit ist die Wahl Dr. Raphael Breuers als abgelehnt zu betrachten. Die Einweihung der Zeremonienhalle. Die Schhißsteiftlegung. Wie angekündigt, hat am Sonntag den 9. September die feierliche Einweihung der neuen Zeremonienhalle stattgefunden. Vor einem zahlreichen Pbulikum, in dem sich Vertreter der Regierung und der Stadt Wien befanden, übergab Architekt Reiser, der Erbauer der Halle, das Werk an Baurat K e m p 1 e r, worauf über dessen Einladung der Präsident der Kultusgemeinde Prof. Dr. Pick die Schlußsteinleg'ung vornahm. Die Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. Taglicht. Mit der Baudruchführung wurden die Baufirmen KOHLE * KOKS I ANTHRACIT BESTER MARKEN LIEFERT KONKURRENZLOS | Firma Bäsch, IV., Argentinierstraße 22 j Telephon: U-41-2 87, U-46 403 | Rabattsektion des KEREN KAJEMETH I Oesterreichische Ballgesellschaft, Baumeister Edmund Melchcr u. lug. Steiner, sowie die „Universale" Bau-A.-G. betraut. Dieser Bau wurde innerhahlb zwei Jahren zut vollsten Zufriedenheit drucbgefiihrt. Die Oberleitung det Baudurchführung lag in den Händen des Herrn Stadfebanmeister Edmund Melchar. AUS PALÄSTINA. Eine neue Chaluz-Einwanderung. Die Zionistische Exekutive wandte sich an die Palästina-Regierung mit dem Ersuchen, ihr 1000 Binwanderumgszertifikate für Chaliuzim, sowie 200 weitere Zertifikate für Zionisten, die aus Rußland nach Palästina verbannt worden sind, zur Verfügung zu stellen. (Wie erinnerlich, wurde vor kurzem in Palästina amtlich verlautbart, daß von jetzt ab nur jenen Auswanderern aus Ruß land die Einreiseerlaubnis gewhrt werden soll, die über einen regelrecht ausgestellten Reisepaß verfügen und somit die Möglichkeit haben, eventuell auch nach Rußland zurückzukehren.) Das Privatkapital. Die Herren Polikansky, J ai i e und andere jüdische Kapitalisten aus Südafrika erwarben in der Nähe der Kolonie Ness Ziona ein Bodenareal im Umfange von 900 Dunam. Die Gesellschaft hat bereits mit der Anlage von Plantagen begonnen. Herr Jaffe'gründete ferner eine Gesellschaft, die eine große Konservierungsanlage mit Kühlspeichern schaffen wird. Die Gesellschaft investiert indiesem Geschäft 35.000 Pfund. , Eine von den Herren Gordon, Los hak und Stoi'bov geführte Londoner Gruppe beschloß die Investierung von 80.000 Pfund in neuen Plantagen. Die Gruppe erwarb bereits in der Nähe von Rechowoth 900 Dunam Boden. Palästinas Außenhandel im April und Mal 1928. Die Handelsbilanz Palästinas für die Monate April und Mai stellt sich wie folgt: Import Üx>port April . . . Pfd. 498.934 Pfd. 110.543 Mai .... Pfd. 537.194 Pfd. 57.885 Pfd. 1,036.128 Pfd. 168.428 In diesen zwei Monaten des Vorjahres betrug der Import Pfd. 993.693 und der Export Pfd. 259.75. Während der Import demnach um 4 Prozent gestiegen ist, ging der Export um 35 Prozent zurück, hauptsächlich infolge Verringerung der Ora.nigein.ausfübr. So wurden im April und Mai Orangen nur für Pfd. 45.196 exportiert, gegen Pfd. 155.789 im Vorjahre. Gestiegen daigegen ist besonders die Ausfuhr von Industrieprodukten, wie Zement, Seife, Strümpfe usw.. Die diesjährige Handelsbilanz Palästinas weist in den ersten 5 Monaten eine erhebliche Verschlechterung a-uf. So betrug der Export nur Pfd. 808.273, gegenüber Pfd. 981.167 im Vorjahre und der Import Pfd. 2,605.080 gegen Pfd. 2,583.906. Während der Import aflso kaum nennenswert gestiegen ist (0,8 Prozent), ist der Export «m 18 Prozent zurückgegangen. Die Passivität der Handelsbilanz ist damit von 62 Prozent auf 69 Prozent gestiegen. (Xiko) a Wanderungsstatistik für Juni. Im Monat Juni d. J. kamen 216 Einwanderer, unter ihnen 145 Juden, nach Palästina. In dem gleichen Monat wanderten aus Palästina 253 Personen, unter ihnen 206 Juden aus. Defizit der Palästina-Regierung. Wie amtlich mitgeteilt wird, weist der Haushalt der .Regierung Palästinas im ersten Halbjahr 1928 ein Defizit von 146.691 Pfund auf. Eine Nathan-Straus-Kolonie. In der Nähe der Kolonie Herzliah wurden 3000 Dunam Boden zur Gründung einer neuen Kolonie, die dett Namen „Nathania" nach dem großen jüdisch-amerikanischen Philanthropen Nathan Straus führen soll, erworben. Es wird dies die erste jüdische Kolonie unmittelbar an der Meeresküste sein. Es wurden bereits 75.000 Pfund investiert. In kurzem werden die ersten 50 jüdischen Bauern auf diesem Boden angesiedelt werden. Rücktritt des jüdischen Gefängnisinspektors. Der Hüfs-Oberinspektor des Jerusalemer Zentralgefängnisses, Maurice P i n c u s, ein Jude, trat von seinem Posten zurück, weil er trotz glänzender Dienst' Zeugnisse seit 8 Jahren bei Beförderungen übergangen wurde. Pincus kam 1918 als britischer Soldat nach Palästina. Die Bagdad—Haifa-Eisenbahn. Der Minister des Irak Tufic Sowdi erklärte in emem Interview mit Pressevertretern, der Irak sei an dem Plan der Bagdad—Haifa-Eisenbahn, der dem Lande einen Auagang zum Meere verschafft, sehr intorewiert. Die Pläne seien bereits von der britischen Regierung und den Finanzierungsgesellschaften fertiggestellt; mit den Arbeiten zur Durchführung des Baues wird schon im Jahre 1929 begonnen werden. Schiffsverkehr Triest—Jaffa. Die Zionistische Exekutive traf ein Abkommen mit der Gesellschaft Lloyd Triestino, in welchem eine Wiederaufnahme des direkten Schiffsverkehrs zwischen Triest und Jaffa vorgesehen ist. Der Schiffsverkehr wird ab Oktober vierzehntägig vor sich gehen. Eine Ueberfahrt in der dritten Klasse wird 5 Pfund 'kosten. Ben Jehudas Briefwechsel mit jüdischen Gelehrten gefunden. Bei Auf räum ungsarbeiten gelegentlich eines Brandes in der Wohnung des verstorbenen hebräischen Sprachforschers Ben Jehuda, Verfassers des Thesaurus Ben Jehuda, wurden viele Hunderte von Briefen Ben Jehudas an jüdische Gelehrte und Schriftsteller aufgefunden, die man bis jetzt vernichtet geglaubt hatte. CENTRAL-KINO II.Taborstraße 8 :: Tel. 42-3-41 Dritte Woche prolongiert Fritz Längs Meisterwerk SPIONE in den Hauptrollen: Willy Fritsch und Berda Maurus Beginn: 5, 7 und 9 Uhr! ■ ■ Freitag und Samstag wegen Feiertage geschlossen i<g£ Die Klagemauer. Jüdisch-orthodoxe Führer in Jerusalem haben eine Aktion eingeleitet, die darauf hinausgeht, den Platz vor der Klagemauer in Jerusalem, der von den gesetzestreuen Juden als Andachtsstätte benutzt wird und auf dem während der hohen Feiertage oft ein fast lebensgefährliches! Gedränge herrscht, zu erweitern. Die jüdischen Itf stitutionen werden dringend aufgefordert, die die Klagemauer umgebenden Häuser anzukaufe nundniede rzureißen, um auf diese Weise die.Stätte der Andacht zu erweitern. An die Regierung wird appelliert, eine Ver Ordnung betreffend die zwangsweise Enteignung dieser Häuser nnd Grundstücke gegejjjentsprechende Entschädigung zu erlassen. Palästinensische Baufragen. Aus einem Gespräch mit Professor Josef Frank. Ein „palästinensischer Baustil"? —. Der „Heimatstil" ist nicht der beste. — Die Zukunft Jerusalems. Bekanntlich war der hervorragende Wiener Architekt Prof. Funk nach Palästina berufen worden, um an der Jury über die Projekte für das zionistische Amtsgebäude in Jerusalem teilzunehmen. Er hat aus diesem Anlaß das ganze Land bereist, die städtischen und landwirtschaftlichen Siedlungen besichtigt, mit den Architekten und Baumeistern Erez Israels Fühlung genommen und in Jerusalem, Haifa, Tel-Awiw Vorträge gehalten, am welche sich fruchtbare Diskussionen, schlössen. Es ist interessant, wie sich dieser bedeutende Fachmann und Künstler im Gespräch, das wir nach seiner Rückkehr nach Wien mit ihm führten, über SCHIRME

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