Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 52 (14.9.1928)
- Date
- 1928-09-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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^s? "ffr. 52 DIE NEUE WELT Brief aus Polen* Von unserem Warschauer N.-R.^Berichterstatter. Die schwere Notlage der jüdischen Intelligenz in Polen. Der Verein der judischen Ingenieure in Warschau veröffentlicht das Ergebnis einer Enquete über das Thema „Kecht auf Arbeit". Von S07 jüdischen Gemeinden, die in Polen existieren, haben 612 Informationen und Adressen betreffend jüdische Ingenieure zugestellt. 1204 Ingenieure, das sind 70 Prozent aller jüdischen Ingenieure in Polen, erhielten Fragebogen, 822 (68,4 Prozent alier jüdischen Ingenieure) erteilten Antworten. Diesen Antworten ist zu entnehmen, daß ein bedeutender Teil der jüdischen Ingenieure unter scliw e r c u wirtschaftlichen Verhältnissen leben maß. 34 jüdische Ingenieure wurden wegen ihrer jüdischen Abstammung aus bisherigen Arbeitsstellen entlasse n. Unter 822 Ingenieuren in Staatsstellungen gibt es bloß 17 Juden. Diese Behandlung zwingt jüdische Ingenieure, aridere Beritte zu wählen. 12,6'Prozent-von 822 sind zum H a.n d c 1 übergegangen, die übrigen streben mit allen Kräften danach, bei ihrem Fache zu bleiben. 45 Prozent (285 Personen) sind in privaten, industriellen Unternehmungen beschäftigt, während 13,8 Prozent arbeitslos sind. 21,5 Prozent der Befragten erklärten, daß sie auszuwandern;bercit sind. * Verhaftungen unter den Cbaluzini in Lemberg. Im Zusammenhange mit den in Lemberg stattgefundenen Demonstrationen *dcr kommunistischen Jugend hat die Polizei eine Revision im Lokal des ..Hechaluz" vorgenommen. Obzwar die Revision ke:in Ergebnis zeitigte, wurden zwei Chaluzim verhaftet, darunter ein gewisser Adler, welcher der Demonstration der kommunistischen Jugend auf dem Gehsteig zuschaute. . '. . * Antisemitismus polnischer Aerzte in Ciechocinek. : Kürzlich fand in Ciechocinek bei Warschau :'ine Aerztckonferenz statt, an der sich 300 Delegierte, darunter fast hundert Juden, beteiligten. Schon während der Beratungen wurde bemerkt, daß die Einladungen mit b 1 .aucn oder roten Strichen versehen waren. Es wurde dem jedoch keine besondere Bedeutung beigemessen. Man sah darin eine administrative Formalität. Erst abends, 'beim Bankett zu Ehren der Delegierten, stellte es sich heraus, daß diese Sirichc die christlichen und' die jüdischen Aerzte bezeichneten. Die jüdischen Aerzte wurden in einem 'besonderen Saale placiert. Als die Juden dies bernerkten, verließen sie das Bankett. Der Vorsitzende der Konferenz, ein Warschauer Universitäts-Professor, erklärte, daß ein Mißverständnis vorliege; er bat sie, an dem gemeinsamen; Bankett teilzunehmen. Ein Teil der jüdischen Aerzte leistete dem Ansuchen des Vorsitzenden Folge, die anderen erklärten, daß,sie.die Streichung aus den gemeinsamen Listen wünschen. Während der Beratungen der Konferenz weigerte sich.der Vorsitzende, eine Resolution in dieser Angelegenheit .entgegenzunehmen und erteilte auch einem christr liehen Ärzte, welcher gegen diesen antisemitischen Vovfall Stellung nehmen wollte, nicht das Wort. Die jüdir sehen Aerzte verließen Ciechocinek.. * . '. - . . Keine Juden bei der Warschauer Straßenbahn. . Wie bereits berichtet, schließt die Leitung der Warschauer Straßenbalm derzeit Juden von der Anstellung aus. Zufolge einer Interpellation eines* jüdischen Gemeinderates intervenierte der Waschauer Magistrat. Die Direktion antwortete, daß sie bei Anstellungen keinen Unterschied mache und sich nur nach der Befähigung des A n s u c h e n d c n richte. ■ r Diese Antwort hatte in der letzten Sitzung des Stadtrates eine Debatte zur Folge, in der Gemeinderät Senator K e r n e r auf die tatsächliche Ablehnung der Eingaben jüdischer Arbeiter hinwies. Der nationaldcmokratlsche .Gcmejnderat J 1 s k i erklärte, daß. die jüdische For- < derung -nicht zu berücksichtigen sei. Zu bemerken "- wäre, daß sich die Stellungnahme der Arbeiter, die in der polnischen sozialdemokratischen Partei organisiert sind, in dieser Angelegenheit nicht geändert hat; sie tun so, als ob sie von diesem praktischen Antiserrdtismu-s nichts wissen würden.. * Ein Darlehen des Warschauer Magistrates für den Verein „Brius". Qie , Bydgetkommission des Warschauer Magistrates; bat beschlossen, dem jüdischen Gesundheits-Schutz-; verein nBriu. s" ein Darlehen von - 50.000 Zloty zu ge~ ' währen. ' * Ein PalKstinapavillon in der Lern berger Ostuiesse. ' In der jetzt stattfindenden Lemberger Ostmesse : steile« jüdische Industrielle, Gewerbetreibende und Kaut- - leute aus Palästina in einem besonderen Pavillon aus. : sind metallurgische Arbeiten, Erzeugnisse der Hausind'Ustrie, des ,3 e « a 1 e 1", vor allem aber die tandwirt* schädlichen Produkte des „Pardess" und die Palästinaweihe, fnsbesonders die des „K arm ei" exponiert. Die Aufstellung erfreut sich einer sehr regen Frequenz. mwT wurde unter anderem von dem polnischen Minister für Landwirtschaft und Handel besucht, der eine Erleichterung des Zollsatzes für den Import der Palästinaweine in Aus» sieht stellt. Im Anschluß an die Ausstellung fand in Warschau eine vom kaufmännischen. Verband einberufene Besprechung, 'behufs Hebung der Handelsbeziehungen zwischen Polen und Palästina statt, an der eine Reihe höherer Beamten;mtcr Führung des Ministers Bertoni teilnahm. Die Ueberfuhrung Herzls nach Palästina* Eine Erklärung der Zionistischen Exekutive in Jerusalem. In Erwiderung auf die Resolution der amerikanischen zionistischen Opposition betreffend den nicht ausgeführten Kongreßbeschluß über die Ueberfuhrung der Gebeine Theodor Herzls vom Döblinger Fried* hof zu Wien nach Palästina veröffentlicht die Zionistische Exekutive eine Erklärung, in der gesagt wird, daß die Ueberfuhrung bisher auf unüberwindliche Schwierigkeiten gestoßen war, daß aber die Zionistische Exekutive nunmehr Anstalten zur baldigen Ueberfuhrung der sterblichen Reste des großen Führers nach Erezf Israel trifft. "! . Am Schlüsse der Erklärung heißt es, die Uebcrr führting der Gebeine Herzls nach Palästina sei nicht Sache allein der zionistischen Oppositionsgruppe in Amerika, von deren Mitgliedern mehrere in den letzte« sieben Jahren der zionistischen Bewegung gar nicht angehört haben, sondern sie ist Pflicht der gesamten Zionistischen Organisation. Der Minderheitenkongreß, Die jüdische Minorität in Rumänien. Der in Genf, wie berichtet, abgehaltene vierte Miuderheitenkongreß ist am 2. September zu Ende geführt worden. Während der Beratungen fanden mehrfach Konferenzen der anweseifden Vertreter der nationalen Minderheiten Rumäniens statt, als deren Resultat der folgende Beschluß erscheint: „Die beim vierten Kongreß der nationalen ■ Minderheiten in Genf anwesenden Repräsentanten der nationalen Volksgruppen in Rumänien, ■ und zwar von deutscher Seite A'bg. Brand seh und Direktor Plattner, von magyarischer Seite Doktor von Jakalbffy, Baron . Am b r ozy, Dr. Sulyok und Prof. B a 11 o g Ii, von ukrainischer Seite Doktor W. Zalosieck j:, Dr. Leon Kohut und C. Krakal i a, von den'Juden Dr. M, Krämer und von den Bulgaren Dr. Toscheff und Prof. Mitico.ff, haben -am 30. und 31. August Besprechungen über 'die Frage der Minderheiten in Rumänien abgehalten und als Ergebnis dieser zum erstph Male seit dem 'Bestände'GroDrumäni'ens.',gfcpfiöfcenefn;' IfemeinsämeTi Aussprache . einstimmig folgende Feststellungen gemacht:' { 1. Die nationalen Volksgruppen'Rumäniens sind ia Würdigung der historischen Gegebenheiten und in Befolgung der auch auf dem Kongresse gemeinsam mit ■ den nationalen Minderheiten änderer Staaten kundgetanen Tendenzen wie bisher so auch in der . Zu- ',. kunft gewillt und entschlossen, bei ' v.o LI e r /Wahrung ihrer u a t i o n a 1 k u 1 tu r e .1 '•! e n Eigenart mit dem rumänischen MehrhcitsvoJke"'1n : Frieden und Freundschaft an der gedeihlichen Entwick-; lung des rumänischen Staates mitzuwirken.; .; 2. Da die nationalen Volksgruppen in Rumänien ' g e in einsame nationalkulturelle Interessen;" h'afoe'n, besteht bei ihnen der einmütige Wunsch «ach dem 'Ausbau eines engeren Kontaktes unter ihnen,'., und 'es worden die in Genf anwesenden Repräsentanten, die Initiative ergreifen, um 'bei den Organisationen der von : ihnen vertretenen Minderheiten die Bildung : einer Arbeitsgemeinschaft für ihre, "national < kulturellen Angelegenheiten anzuregen. .. .. 3. Insbesondere ist es wünschenswert, daß; aus ' Anlaß des von dem rumänischen Ministerpräsidenten' •' im Parlament für den Herbst angekündigten ^Gesetzentwurfes über ein Statut f ü r d i e n a t i p n a 1 e'n M i n d c r h e i t e n eine engere Fühlungnahme unter de" Repräsentanten der nationalen Minderheiten statt- ' linde, um eine alle M i n d e r h e i t e n befriedigende Regelung dieser nicht nur für die einzelnen Volksgruppen, sondern auch für das , Gedeihen des Staates so wichtigen Frage durch gemeinsames Vorgehen -zu erzielen. - ,: •; Die Minderheiten erachten es als selbstverständ- . lieh; daß die Regierung vor Einbringung dieses. Ges&tz- ' en'iwurfes mit den Repräsentanten der ei n- : «einen Volksgruppen Fühlung nehmen wird, um den Willen aller Gruppen kennenzulernen." ., Diesen Beschluß brachte Herr Dr. Krämer zur;Kenntnis des Kongresses. Präsident Dr. W.ilf an begrüßte die Resolution als einen konkreten. Erfolg des Kongresses und empfahl den anderen Minderrieiten, in der gleichen Weise im Rahmen des jeweiligen Staates die Solidarität der Minoritäten anzustreben. _ Einstein schwer erkrankt. s Aus Berlin wird gemeldet: Hiesige Freunde des Prof. * Albert Einstein erhielten aus Lübeck, wo sich Einstein derzeit auf seinem Sommersitz befindet,, die Nachricht, daß das H e r z I e i d e n, an dem Einstein seit einigen Zeit laboriert, sich in den letzten Tagen verschlimmert habe. Alis Berlin wurde ein Spezialist nach Lübeck berufen- Nach den Erklärungen des Hausarztes ist Einstein zwar sehr schonungsbedürftig und liegt zu Bett, aber eine atfgfenblickliche Gefahr ist nicht vorhanden. Einsteins Freunde erklären, daß die Aerzte dem Erkrankten geraten habe«, seine wissenschaftlichen Arbeiten einzustellen und einen mehrmonatigen Erholungsurlaub;im Süden-zu verbringen. &eder Sireng gläubige kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. Die KunerokErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur* fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks* rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Endgiltiges Einreiseverbot für Schwarzbart nach Palästina. Ein unerwünschter Einwanderer. Der Warschauer „Hajnt" berichtet, daß die englische Regierung es kategorisch abgelehnt hat, Schalom Schwarzbart ein Einreisevisum nach Palästina zu erteilen. Der Entschluß' wird damit begründet, daß Schwarzbart ein unerwünschter Immigrant in Palästina sei. _ ,' ' Sturm und Verwüstungen in der Krim. Die jüdischen Kolonien schwer betroffen.. Der „H a j n t" und der „M o m e n t" in W a r s c h! a u erhalten aus Moskau telegraphische Berichte, daß in der Krim. schwere Stürme gewütet haben, die von HageJ und Wolkenbrüchen begleitet waren- Es sind viele Tote und Verwundete zu beklagen, in Sebastopol allein sind sieben Tote. Alle Wein- und Obstgärten sind ver^ nichtet. Sehr viel Vieh ist im Sturm umgekommen. Das Unglück hat auch die jüdischen Kolonien in der Krimheim gesucht. Der Eisenbahnverkehr zwischen S i m f e r o p o I und Sebastopol ist unterbrochen-. Die Juden in Amerika. Ueber. vier Millionen Menschen. — Sinken der jüdischen Ziffer. Aus Ne w York wird uns gemeldet: Der Bevölkerungsstatistiker Dr. L in Held, der vor kurzem versucht hat, die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den Staaten festzustellen, veröffenrJicht jetzt eine Mitteilung, die sich auf die allgemeine Bevölkerungsaufnahme stützt und auch diejenigen Juden berücksichtigt, die Kongregationen nicht angehören. Danach leiben im den Vereinigten Staaten 4,228.029 Juden. Diese Zählung ergibt ierncr, daß die allgemein verbreitete Ansicht, die Juden bevorzugten ausschließlich dl i e Großstädte, unbegründet ist; der sechste Teil aller amerikanischen Juden lebt in ländlichen Bezirken und widmet sich zu einem großen Teil der Landwirtschaft. Nur in elf Städten der Vereinigten Staaten überschreitet die jüdische Einwohnerschaft die Zahl von 50.000. Während des 19. Jahrhunderts und in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war ein Steigen des jüdischen Bevölkerungsteiles im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung zu verzeichnen. Jetzt, »in dritten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts ist ein p r o p o r t i o n c 11 c s S i n 'k c n d e r j ü d i s c h c n Bevölkerungsziffer tfestzustellen. Die jüdische Bevölkerung in der Ukraine. Das statistische Blatt der Sowjet-Union stellt festi daß 5,4 Prozent der allgemeinen Bevölkerung der Ukraine Juden sind. Sehrungleich ist die Verteilung auf die* Städte und die Dörfer. In den Städten machen die Juden 22,7 Prozent, in den Dörfern 1,5 Prozent der allgemeinen Bevölkerung aus. Die Zahl der jüdischen Analphabeten ist seit 1920 sehr stark zurückgegangen. Man zählt heute nur noch 6 unter 100 der jüdischen Bevölkerung, die nicht lesen und schreiben können; n(ocft im Jahre 1920 machten die jüdischen Analphabeten in der Ukraine 29 Prozent der jüdischen Bevölkerung aus. Prof. Minkowsky — Direktor des Züricher Anatoniischen Instituts. Zürich, 6. September. (J. T. A.) Professor M: Minkowsky wurde von der Regierung des Kantons Zürich zum Direktor des Züricher Anatomischen Instituts ernannt. Prof. Minkowsky ist im jüdischen öffentlichen Leben der Schweiz führend tätig; er ist Präsident des Verbandes für soziale und kulturelle Arbeit unter den Juden in Zürich. f Denket an den Winter! und deckt euren Kohlenbedarf schon jetzt bei der bestrenommierten Finna JÄis Haber, Wien, U.. Taborstraße 9. (Siehe auch Inscat Seite 13.) K