Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 52 (14.9.1928)
- Date
- 1928-09-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 ms-mm Welt Nr. 32 hammedanern nur eine sehr geringe Zahl geeigneter Kandi-i daten für Beamtenposten befinde. Die Zöglinge der englischen Missionsschulen sind den Mohammedanern gegenüber natürlich im Vorteil. Die folgende Tabelle zeigt die Zusammensetzung der palästinensichen Polizei,, der auch die Gefängnisverwaltung untersteht: Oifi ziere Mannschaften Zusammen Anzah i" 9lo Anzahl L'« *l. Anzahl [ in '1* Engländer 50 37,8 238 11,6 283 13,0 Juden 18 13,6 H26 16,3 m 158 Mohammedaner 42 31,8 1213 60,6 1255 57,7 Christen Andere*) 1} 16,8 269V B> 11,5 290V fif 18,6 Zusammen 132 100,0 2u46 .400,0 2178 100,0 Hiebei ist vor allem auffällig, daß die Zahl der christlich-arabischen Offiziere in gar keinem Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil steht und sogar größer als die der Juden ist. Die Zahl der jüdischen Polizisten und Offiziere wird mit 15.8 Prozent im Hinblick auf die besonders Schwierigen Bedingtingen der öffentlichen Sicherheit in Palästina wohl mit Recht als zu klein angesehen. VorsteHungen des Waad Leumi in dieser Richtung scheinen übrigens zu einer Aenderung zu führen.—Das Transjordanische,Grenzkorps, dessen Notwendigkeit umstritten ist, ist, wie folgt, zusammengesetzt: .... Offiziere Mannschaften Zusammen Engländer 17 15 - 31 Juden _ 26 26 Mohammedaner 14 355 69 Christen 4 103 107 Andere*) 4 192 196 Zusammen 89 691 730 Die Zahl von ganzen ,26 Juden bedarf weiter keiner Erläuterung. Das Budget für .Polizei, Gefängnisse und Grenzko/ps betrug: 1925/26 1926/27 1927(April-Dez.y Polizei u.Gefängnisse Pfd. 478.781 325.115 251.871 Transjord. Grenzkorps Pfd. 977 166.113 127.537 Zusammen Ptd. 479 758 491 ^28 379 408 ' Davon engl. Beteilig. Pfd 199.756 . 84.314 37 9j1 Wie wir sehen, verschlingt die Polizei und das Grenzkorps also rund 24 Prozent des Jahresbudgets, wobei die englische Beteiligung immer kleiner wird, und, wie gerüchtweise behauptet wird,• von nun an ganz eingestellt' werden soll. Es steht außer Zweifel, daß der palästinensische Steuerzahler zu schwer an dieser. Last zu tragen, hat. Ganz von England unterhalten wird übrigens die Fliegerkompanie in Sarafend, die, rund.150 Mann zählend, für den Dienst in Palästina und Transjordanien bestimmt ist. Der Polizeidienst in'Transjordanien .selbst wird von der sogenannten „Arabischen Legion", durchgeführt, die' 855 Mann stark ist und unter dem nominellen Kommando des Emirs, in Wirklichkeit natürlich unter englischem Öefehl steht. Eine Zusammenstellung der „bewaffneten Macht" der beiden Länder ergibt folgendes Bild: Palästina-Polizei 2178, Transjordanisches Grenzkorps 730, Englisches Flieger- *) Drüsen, Sudanesen usw. sich die genaue Beschreibung des Rosc.hhaschanaJiiestes. mit der Gründlichkeit eines wahren historischen Dokumentes. Die Juden versammelten, sich in Jerusalem,. Esra las . ihnen die Thora vor; es werden all die großen Männer des Volkes aufgezählt, die bei dieser Feier zugegen waren, auch die Festordnung wird angeführt. Die Thora wurde als die Morallehre des Volkes .und sein Kulturschatz zunächst in hebräischer Sprache, dann in der. dem. Volke damals geläufigen Sprache — in Babylon war die hebräische Sprache von vielen vergessen worden — * verlesen. . Es entspann sich eine Diskussion über verschiedene. Stellen der Schrift, wobei recht scharfe kritisc'he Bemerkungen fielen. Die Verlesung der Thora fand aai zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt. In dieser.Stelle der Erzählung muß die Quelle dafür erblickt werden, warum Roschhaschariah nicht nur in der Diaspora, sondern auch in Palästina selbst an zwei Tagen gefeiert wird, während in der Schrift nur von einem Ta<ge die Rede ist. Interessant ist, daß, wie es in der Erzählung weiter heißt,' alle versammelten Männer •und Frauen bei dieser Zeremonie stark geweint hätten! Esra und Nehemia sowie alle anwesenden führenden Männer beruhigten und trösteten das'Volk und trugen ihm auf, lustig und fröhlich zu sein und es sich wohlgehen zu lassen. An diesem Roschhaschanahfest ist die Wiedergeburt jüdischen nationalen Geistes 'erfolgt und von da an begann ein großes Zeitalter politischen un<j kulturellen Erstarkens. Hundertzehn Jahre später unter dem Mazedonier Alexander war Juda bereits eine politische Macht, mit welcher der damalige Weltbeherrscher rechnen mußte. Damals entstand die Samrrehin« der poetischen und prophetischen Werlte des Judentums. In diese Zeit fällt die Abfassung der ersten jüdischen Chronik und anderer unsterblicher Werke jener Zeit. So hatte auch das Roschhaschanahfest durch die so wechselvolle Geschichte der jüdischen. Nation nicht nur religiöse, sondern auch nationale Bedeuten« allerersten Ranges erlangt. b. s. ' körps 150, Arabische Legion 855, zuyammen 3913' Mann-: schatten und Offiziere. Trotz aller Kritik muß man doch bewundernd zugeben, daß die Befriedigung zweier Länder mit zusammen mehr als einer Million nicht immer friedlicher Einwohner durch 4000 Polizisten, darunter nur 500 Engländern, für die politische Geschicklichkeit und Zurückhaltung Englands und — die moralische Kraft des Zionismus spricht. OTEt CONTINENTAL WIEN, II., PS!ATERST RASSE 7 (neben Schwedenbrücke' 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise Gegen die Jewish Agency- Politik. Eine Rede Dr. Nahum Goldmanns in Wien. In einer vom Wiener Verband der radikalen Z i o n i s t. e n. in den Olympiasälen verans tasteten überaus zahlreich besuchten Versammlung, sprach Dr. Nahum Gold mann über die En t s c h ei du n g \ m Zionismus. Nachstehend geben wir den Leitgedanken seiner ausgezeichneten Ausführungen wieder., in welchen scharf, aber vertrauensvoll an der gegenwärtigen zionistischen Leitung, ihrer Politik und der durch sie geschaffenen Lage im Zionismus Kritik geübt wurde. Seit fünf Jahre,»,.führte Dr. Goldmann aus, wird nur immerwährend der, Z u f r 1 e d c n h e i t über die. politische Lage Ausdruck gegeben und diese •Kundgebungen finden fast durchaus das Echo wohlwollender Zustimmung seitens der Schekelzahler. Obzwar die Balfour-Deklarafcion längst auf das Weißbuch reduziert ist, obzwar der Jischuw aufschreit, . ' well vielfach dank des Verhaltens der englischen Verwaltungsbehörden in Palästina. Zustände herrschen, die an das zaristische Rußland erinnern und obzwar sogar jetzt auch schon die Mandatskommission de« Völkerbundes sich veranlaßt sieht, England an die Er- 1 füllung der Mändatspflichten' zu •mahnen. Die zionistische Führerschaft, einschließlich W e i z mann, hat sich gegen Brand eis gewendet, als er : anno 1920 anläßlich der Londoner zionistischen. Tagung ' erklärte, das zionistische Programm sei erfüllt, idie Zionistische Organisation habe keine Aufgabe mehr, das gesamte jüdische Volk hätte Palästina aufzubauen; Brandeis Hat damals unsere Reihen Verlässen,'äiber die zionistische Streng OrtH.n-= öeflügelhandlung . unier Aulsicht des Ehrw. Rabbinptes .Adas Israel* ' Unnari Ehes unü stiiseto [faioeliei von ftester Qnalitat 1 ■ zuJ?..der Tagest Emanu^l Schlesiiß9@r „Tel. MO^SO " ^Vten>ll^/d^aeSchffjrgas^5 f \ Tel;IÄ5-90 Führung'hat, wenn man rückblickend den Weg.der zionistischen'"'Politik lind Arbeit seit ■ damals.;• beurteilt, das P r o g r a m m von Bf an d e i s übe r n.ö m m e. n u n d * in seinem ,S i n n c g e h ä'nd e 11. Das Grundprinzip des politischen Zionismus, daß die abnormale Lage des jüdischen Volkes durch .Schaffung eines Jüd i sc hen S t a a t es in P alästina; durch Nationalisierung des Juden t u in s; durch eine b e wuß t' j ü d i s'C h e Politik in den Ländern mit größeren jüdischen Minoritäten zu ändern' sei, ist in den Hintergrund getreten, gegenüber dem Bestreben, den kämpferischen Geist des Zionismus abzubauen und es den Großjuden sowie den anderen, also in ihrer großen Majorität antizionistischen oder doch azionistischen jüdischen Gruppen recht zu machen». -. Nach Beendigung des Weltkrieges war der Zionismus der- Ma c h tf ak t-o r i m J ud e n t u m, mit. welchem man in allen politischen Fragen' verhandelte. B'a man. den kämpferischen Ziohlsmus in den.' Win.kel stellte :ftnd! eine Novellierangspolitik beobachtete, die in- Weizmanns unseliger Forderung nach der Erweiterung d e r J e w i s h Agency ihren Ausdruck fand, hat der Zionismus diese Chance vertan' und die' führende.. Stellung im Judentum fast schon an Luden W o.l f und' M a r s h a 11 abgegeben. Den krassesten Ausdruok findet diese defaitistische Politik in. der letzt auch von zionistischer Seite erhobenen .•;•;.'.'■ . ••.:. .i . : . Forderungnach der E i nb e r u f u n g d e s P ä r 1 a - merits in Palästina. Die Baifour-Deklaration wurde ohne Zu Stimmung ...der Hiästinensischen Arbeiter erteilt, ebenso das Mandat seitens des Völkerbundes. Diejenigen Zionisten, welche 'dem"von einer überwiegenden arabischen Majorität gegenwärtig besiedelten Palästina die Selbstregierung einräumen wollen, hätten auch gegen die Tialfour-Deklaration protestieren müssen. Eine, palästinensische 'Konstituante, die ' unter den gegenwärtigen Verhältnissen geschaffen wird, kann1 iii'ema 1 s" ei n'e 'j üdi s ch e ' Ma s se n ein w a nd e ru ng z u lassen, welche "die Erlangung 4er jüdischen Majorität und Souveränität bezweckt. Deshalb haben sich auch gewiß freiheitlich, gesinnte Männer, wie der Sozialist W e*d g w qp'd, g e g .e n die Schaffung des Parlaments in Palästina vor Erlangung der '"jüdischen Majorität ausgesprochen — w ä!i r c ii d führende Z i o n i s t e..n f ü r die Einberufung, des Pajrlamcntes eintrete»} und, wirken. Atos dem Komplex der Irrungen ist auch hoch besonders hervorzuheben, daß Präsident Weizmann gegen jede innerpoKtische Betätigung in den Ländern der Zerstreuung auftritt. Die Befolgung dieser „Richtlinie" kann nichts anderes bewirken, als daß wir . u ndr eie, älso untaugliche AufbaueIe m eu t e nach Palästina^ bringen. An den Zustand der Zionistischen Organisation in den drei Wichtigsten Ländern kann man den Erfolg der Politik unserer Leitung ablesen. In D e u t s c hI and, welches einst das Gebiet der zionistischen Ideologie war, erscheint kein zionistische« Buch mehr, in Polen, wo die .zionistische Partei im Judentum dominierte, ist sie ein untergeordneter Faktor geworden, und in Amerika, welches den Haupttell der .materiellen, Mittel für den Aufbau aufbrachte, gehen die Keren-'Ha.jess.od-Ei.ngänge erschreckend zurück. Jetzt muß der verantwortungsvolle Zipnist,vor die jüdischen Massen, treten und sie warneni: Das gedankenlose wohiwollende Zustimmen zu allem, was. geschieht, die beliebte Ausflucht (des Schekelzablers, er müsse die Dinge der höheren Politik der Kraft und Einsicht unserer berufenen Führer überlassen, .muß endlich aufhören. Jetzt heißt es, sich zu einem eindeutigen Ja oder Nein entsebeiden. Die letzte Aktionskorniteesitzunig brachte das erfreuliche Symptom,' daß die' Majorität der zionistischen Mandatare im „Kleinen Kongreß" sich auch durch wiederholte Demis-sionsdrohungen Weidmanns, nicht dazu bringen läßt, die Grundprinzipien des Zionismus zuliebe der fragwfirdiigen Jewish Agency preiszugeben. Die Fortsetzung der Jewish Agency-Politik in der bisherigen Form ist unmöglich. Sö notwendig es ist, die Judenschaft mit allen ihren zukommenden .Rechten für den materiellen Paiä- .s .-t i'«,a -Auf b a u. zu gewinnen, so antizionistisch und selbstmörderisch ist es,.sehr, wertvolle Männer und jüdische '.Gruppen, die aber..weder, die S tatiti e r u nig d er j ü d is c he. n Nation; noch, die E r l a n g u 11 g ,d e r i ü d i s c h e n S.pu y er ä n i.'t ä,t i.n,-e i.g e n,e m ,S,ta a t e w,p II en, a,n „der politischen Leitung des' zionistischen _Aufbauw'er!kes;'.zit beteiligen. Der Kampf, der zionistischen Opposition für die Neuorientierun.g, unserer .zionistischen Politik im — man ikan.ii es leider nur, .s.o. ausdrücken — zionistischen Sinne, .muß innerhalb der. Organisation geführt werden und der Gesundüngs'prpzeß, welcher sich auf der Berliner Tagung zeigte, gibt uns. alle Hoffnung, daß wir innerhalb der Organisation, unsere Prinzipien zum Siege bringen' werden. Die Kultiisgemeindewahlen to Galizien. (Siehe Seite 1.) Bei den Wahlen in Tarnopol erhielten die Zionisten 5 Mandate, die Hitaclidut 1, -die AguÖah 6, dic Chassidim 3 . Mandate. B r zeza ny : ■ Die Wahlen in die Kultusgemeinde ergaben folgendes Resultat:. Zionisten 4, Kaufleute (nationale Juden) 3, Agudah 1 Mandat ■ C z o r t k o w: : 2 Zionisten, 1 Jad Charu^im (Zionist), 2 Bürgerpartei (davon l .Zionist), 1 Agudah. Die nationalen Minderheiten in Polen. Aus Warschau schreibt man uns: Im Ministerium für Kultus und. Unterricht wird ein Departement für das Schulwesen der nationalen Minderheiten errichtet.