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Die neue Welt · 1928-09-14 · Heft 52 (14.9.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 52 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 52 DIE NEUE WELT Seite 3 liehe N a' t i o n a 1 f r o n t mit berechtigter Aussicht auf Erfolg entgegenstellen läßt. Ich stelle fest, daß wir die schwere Arbeit der politischen Aussaat im Bereiche des Rassenschutzes beendet haben. Unsere Verschmelzung mit der Einheitspartei geschieht nicht im Zeichen des Prinzipienverrats, sondern in dem der Realpolitik. Nach den Wahlen mußte ich einsehen, daß unsererseits, die wir auf nationaler Grundlage und im Dienste der fortschrittlichen konservativ-ungarischen Geistes stehen, jegliche Oppositionspolitik tinfruchtbar war. und zwar schon darum, weil ja mittlerweile die Regierung ein gut Teil m n s e r e s Programmes verwirklicht hat. Indem ich dies festhalte, will ich es nicht unterlassen, zu betonen, daß wir unsere politische Tätigkeit im Geiste -unserer prinzipiellen Konzeption, aber den Erfordernissen des praktischen Lebens entsprechend fortzusetzen wünschen, in der Hoffnung, daß unseren Entschluß auch breite Schichten des ungarischen Volkes billigen werden." Das ist der Ton des Siegers und tatsächlich wird jeder jüdische Student, jeder jüdische Kleingeweribsrnann,. jeder Arzt, Ingenieur, Beamter dem Gömbös bestätigen, daß es sich genau so verhält, wie es in dem Brief steht. Und um dies deutlich zu zeigen, hat der Graf Klebelsberg just jetzt das numerus c La usus-Gesetz verschärft. In der Judenpresse hat es geheißen, daß er die Hallerschen Ordonnanzen ad absurdum führen will, daß er zeigen habe wollen, wie weit es kommt, wenn politische Einflüsse in die Schule eindringen. Und nachdem die Judenpresse den Betrug mitgemacht hat, kommt die Ernüchterung: die Beschränkungen des Gesetzes wurden für die Ntciitjuden aufgehoben, für die Juden noch schärfer angezogen. Die einheitliche Nationalfront, die Gömbös anstrebt," besteht gegen die jüdischen Studenten und in dieser Front sind die jüdischen Demokraten und sonstigen Geschäftemacher fest engagiert. Die Regierung Bethlen hat tatsächlich ein gut Teil des Gömbös-Programmes ausgeführt, sie setzt es fort und d i e J u d e n p r e s s e macht ihr gerne die Mauer. Und diese Tatsache ist das Gefährlichste an der Sache. Die von den jüdischen Söldlingen des Bethlen betriebene Geschichtsfälschung ist die Basis, auf der der „Kurs" ruht. Dieses jüdisch-magyarische Assim i La n t e n t u m ist eine psychisch ungemein komplizierte Sache. Diese Leute behaupten (wenn sie mit Juden zu tun haben), jüdisch zu sein, sag&n Kadisch und gehen sogar an hohen Feiertagen in die Syna- =m gogen. Sie sind das widerlichste Produkt von Frömmelei, Chauvinismus, Profitsinn, feiger Zweckmäßigkeit und Aberglauben.. Alle diese Elemente verwenden sie im Dienste der großen Lüge von der magyarischen Kultur, die ohne Judentum undenkbar ist, verwenden sie zur Uebertünchung der Barbarei, die den ungarischen Arbeiter, Bauer, Juden zum armseiigen Sklaven macht. Außerhalb Ungarns sind diese Assimilanten demokratisch, radikal, revolutionär und interessanterweise auch antizionistisch. Wofür man ihnen danken muß. Es ist sympathischer und für das Judentum besser, wenn sie bei Gömbös und Bethlen bleiben, den Lord Rothermere anhimmeln und Trianon verfluchen. Sie gehören in das Programm des Gömbös hinein. Wie Palästina regiert wird. Während über die politische und wirtschaftliche Lage in Palästina ausreichend diskutiert wird, ist es um die Kenntnis der Organisation der Palästinaregierung nicht gut bestellt. Es ist daher zu begrüßen, daß Dr. Menasche ben Ephraim in der „Jüdischen Rundschau" wertvolle Aufklärungen über die Organisation des Regientngsapparares gibt. Wir bringen nachstehend die wichtigsten Punkte. Die Palästinaregierung ist, wie auch die Regierungen der englischen Protektorate und Kolonien, ganz allgemein gesprochen ein Abbild der englischen Regierung. Die Krone wird durch den Oberkommissar vertreten, dem Premierminister entspricht der „C h i e f Secretary", während die Ressortminister in Palästina durch die Abteilungsleiter für Erziehung, Öffentliche Arbeiten, Gesundheit usw. wiedergegeben sind. Natürlich entspricht die Palästinaregierung nicht in allem dem Londoner Vorbild. So ist die Stellung des Oberkommissärs nicht nur rein repräsentativ wie die des englischen Königs: und anderseits ist der ChiefSecretary ungleich dem Prime Minister kein primus inter pares, sondern den Abteilungsdirektoren durchaus vorgesetzt. Ihm unterstehen sechs Unterstaatssekretäre, ein PreßundUebersetzungsbureau mit zahlreichen Unterbeamten, die zusammengefaßt das Sekretariat bilden. Hier ist das eigentliche Zentrum der Regierung, in dem alle Vorschläge der Departements sowie die Eingaben seitens der Bevölkerung zaT endgültigen Entscheidung gelangen. Ein fundamentaler Unterschied besteht aber zwischen der englischen und der palästinensischen Regierung: das Fehlen eines Parlamentes, dem die oberste Entscheidung über die Verwendung der Steuergelder vorbehalten ist. Die folgende Tabelle zeigt die Zusammensetzung der palästinensischen Beamtenschaft sowohl ihrer Volks- Telephon Nr. R-28-2-31 MOULIN ROUGE I. Bezirk Weihburggasse 9 Ab 1. September Gastsppiel : OD SCHWÄRZE JAZZ-REVUE!!! 1 AMERIKAS BERÜHMTESTES-NEGER-ORCHESTER 1 Auf dem Wege zu | sie ist kräftigend erfnscjmid wohlschmeckend Zugehörigkeit nach, als auch in ihrer Verteilung auf hohe und niedere Stellen. Oberbeatnic in °lo Unter, beatnte ln% Zusammen in% |alire8gehalt Oesamt. summe Pfd In»/. Engländer Aiabor Juden 222 160 38 62,9 38.1 9,0 316 919 488 18,6 M,l 27.3 538 1079 526 25,1 50,4 24,5 421.510 210.510 92.620 58,2 29,0 12,8 Zusammen 420 100,0 1723 100,0 2143 100,0 724.640 100,0 Wir ersehen aus dieser Aufstellung, daß die 2143 Beamten der Palästinaregierung dem Staat jährlich beinahe dreiviertel Millionen Pfund oder 36 Prozent des Normalbudgets von zwei Millionen Pfund kosten, ein Betrag, der von den Kritikern der Verwaltung als zu hoch! angesehen wird. Vor allem richtet sich die Kritik gegen die Gehälter der englischen Beamten, die, obwohl nur ein, Viertel der Gesamtzahl betragend, fast 60 Prozent deq Gehälter in Anspruch nehmen. Es sei hiebei bemerkt, wasi auch in zionistischen Kreisen flicht immer bekannt zu sein scheint, daß die Beamtenbezüge, inklusive das Gehalt des Oberkommissars, rein aus palästinensischen Steuergeldern ohne je^ den englischen Zuschuß gedeckt werden. Ein Blick auf die Durchschnittsgehälter zeigt den kapitalen Unterschied zwischen englischen und palästinensischen Beamten noch deutlicher. Diese betragen: für Engländer Pf. St. 783, für Araber Pf. St. 195, für Juden Pf. St. 176 pro Jahr. Auffällig ist hiebei, daß die jüdische Durchschnittslziffer noch kleiner als die der arabischen Beamten ist, wasi auf die geringe Zahl der jüdischen Oberbeamten, nun 9 Prozent, zurückzuführen ist. Die arabischen Proteste gegen die Besserstellung der jüdischen Beamtenschaft sind also gegenstandslos. Von mohammedanischer Seite wird übrigens über eine Bevorzugung der christlichen Araber, gegenüber den Mohammedanern geklagt. In der Tat ist die Zahl der Christen unter den arabischen Beamten unverhältnismäßig groß, was von der Regierung damit begründet wird, daß sich unter den Mo- Zwei historische Roschhaschanahfeste. Der moderne Geist des jüdischen nationalen Lebens hat in uns das gesunde Gefühl wieder lebendig werden lassen, in unseren uralten Festen nicht nur die in ihnen enthaltenen religiösen Ideen, sondern auch echte nationale und soziale Feste zu erlblicken. Pessach und Schabuoth, Tage 'einstiger volkstümlicher Freude, wenn der Bauer den Weizenschnitt auf eigenem Boden beendet und sieh mit der Brotfrucht für das ganze Jahr versorgt hatte, waren nationale Volksfeste. Dasselbe geschah auch am Sukkothfeste. Wenn der Bauer die Weinlese vollendet hatte und den frisch .gekelterten Wein, an dessen Herstellung seine ganze Familie mitgearbeitet hatte, heimbrachte, dann war es ein wahres nationales Volksfest. Der alte biblische Bauer war durchaus nicht bloß aus Himmelsäthcr und Geist zusammengesetzt. Er war der fleißigste Arbeiter, aber er entsagte nicht dem gesunden Familien- und Volksvergnügen. Nur die Geschichte des R o s c h h a s c h a n a i c s t c s in den 2000 Jahren des Exils läßt jede Spur weltlichen Lebens und der Volksfreude vermissen. Es gilt gewissermaßen als die Zeit der Bilanzführung des seelischen Lebens im abgelaufenen Jahre. Dieser Tag des Gedenkens, der Erinnerung und der Abrechnung ergab sich naturgemäß aus der langen Kette der Leiden und der Bedrückungen, denen das jüdische Volk in diesen 2000 Jahren ausgesetzt war. Da bedurfte das Volle eines solchen aufmunternden Gedenkens. Aber nicht immer trug das Roschhaschanahfest diesen Oharakter. Es gab eine Zeit, da auch Rosohhascbanah ein echtes nationales Fest von möglicherweise größerer Bedeutung als die drei nationalen Feste Pessaoh, Schabuoth und Sukkoth war. Folgen .wir einmal den Spuren der Roschhaschanahfeiern in der Zeit vor 2000 Jahren. Bekanntlich ist genau 50 Jahre nach der Zerstörung des ersten Tempels Babylon selbst igefallen. Der Eroberer, König Cyrus, erließ ein Manifest an alle Juden, die in ganz Vorderasien zerstreut lebten und seine Untertanen 1 geworden waren. Er stellte ihnen frei, ungehindert nach Erez Israel zurückzukehren, dort wieder ein eigenes Gemeinschaftsleben zu führen, in Jerusalem das Heiligtum wieder aufzubauen, auf daß es wieder der Mittelpunkt der ganzen jüdischen Nation werde. Ein besonderer Absatz dieses Manifestes ist den Reichen der jüdischen Nation gewidmet, die angefordert werden, den Olim, den 'Rückwanderern in die Heimat mit Gold, Silber und anderen Hilfsmitteln beizuspringen und den Wiederaufbau des Landes zu ermöglichen. Bald danach organisierte ein Sprosse des Königshauses David, Serubabel, die erste Alijab. Die reichen Juden von Babylon haben der Aufforderung des Königs in recht ausgiebigem Maße Folge geleistet und so war es nach den Aufzeichnungen des E s r a möglich, daß mehr als 42.000 Juden mit ihren Sklaven und Dienern aus Babylon auszogen und nach Erez Israel zurückkamen. Der Tag des Auszuges der Juden aus Babylon wird wohl nicht angegeben. Dafür wird jedoch mit Nachdruck hervorgehoben, daß am ersten Tage des siebenten Monates, das heißt am Roschhaschanah sich alle aus Babylon heim» gekehrten Juden in Jerusalem versammelten und einen Altar errichteten und von diesem Tage angefangen der Opferdienst in Jerusalem wieder aufgenommen worden war. Wer mit der Sprache und dem Geist biblischer Erzählungen-vertraut ist, weiß, daß die Errichtung eines Altars nicht nur eine sakramentale Bedeutung hatte, sondern das Symbol eines historischen Geschehens von höchster Bedeutung und Wichtigkeit war. Mit der Errichtung des Altars sollte aller Welt kundgetan werden, daß dl« jüdische Nation wieder politisch ®u leben begonnen und demzufolge auch das politische Leben der sie umgebenden Völker zu beeinflussen begonnen hat. Daß diese Auffassung damals wirklich geherrscht hat, geht aus der historischen Tatsache hervor, daß die Samardtaner, die damals bereits einige hundert Jahre im Lande gelebt harten, an Serubabel mit dem Vorschlag herantraten, gemeinsam mit den Juden einen Tempel zu errichten. Was diesen Stamm, der ja seit zwei Jahrhunderten bereits im Lande festgewurzelt war und daher. 'Wirtschaftlich und auch politisch bereits sicheren* Boden gefaßt hatte, veranlaßt haben mochte, einen solchen Vorschlag an die aus der Gefangenschaft heimgekehrten Juden zu stellen, ist aus den vorliegenden Quellen heute kaum mehr mit Sicherheit festzustellen. Ebenso unaufgeklärt erscheint die Tatsache, daß das Anbot der Samaritaner von den Juden scharf und kategorisch zurückgewiesen wurde. So wurde dieser erste Roschhaschanahtag des Jahres 537 vor der christlichen Zeitrechnung der glückliche Tag, an welchem die jüdische Nation als politische und nationale Gemeinschaft von neuem geboren wurde. Dies gehört zu den größten Ereignissen der jüdischen Geschichte und nicht mit Unrecht wird diesem ersten Roschhaschanah nach der Zerstörung des ersten Tempels von vielen Historikern eine größere •«Bedeutung beigemessen, als selbst dem Auszug aus'2 Aegypten. War dieses erste Roschhaschanahfest unter Führung Serubabels der Gedenktag an die Grundsteinlegung des neuen jüdischen Eigenlebens geworden, so wurde das im Buche N e h e m i a« beschriebene Fest des Roschhaschanah im Jahre 444 der vorchristlichen Zeit der Beginn des geistigen Aufschwunges des jüdischen Volkes, der der •ganzen späteren Geschichte des Judentums bis auf unsere Zeit seinen Stempel aufgedrückt hat. A« der bezeichneten Stelle-im Buc4ie^Ne4ienitias^f*idet i

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