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Die neue Welt · 1928-09-14 · Heft 52 (14.9.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 52 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 52 PELZWAREN GEBRÜDER BRAININ I., Bauernmarkt 2a, Tel. U-22-3-59 iL, Glockengasse 8, Tel. R-45-4-33 In Palästina hat die Agitation für die Errichtung eines Parlaments, welche durch eine Versamm- Imigsrede und einen, Zeitungsartikel des Biblioteliksdirektors Dr. B e r g m a nn'eingeleitet wurde, naturgemäß helle Entrüstung ausgelöst. Die bürgerlichen und sozialistischen Blätter sind sich darüber einig, daß hier ein Akt der Selbstvernichtung, geübt wird. Das Arbeiterorgan „Kuntress" schreibt: „Seit Jahren predigt diese Gruppe, die man früher die Prager Gruppe nannte und die jetzt den Titel „Brith Haschalom" führt, in der „Jüdischen Rundschau" und im „Hapoel Hazair" den Zionisten Moral. Der letzte Artikel Bergmanns, sei ein klassisches Beispiel dafür. Der Gruppe, zu welcher Dr. Bergmann gehört, fehlt der Glaube an das moralische Recht des jüdischen Volkes auf Rückk e h r nach Palästina tmd M a j o r i t ä t s!b i 1 d u n g im Lan.de. Alle Vorschläge, welche diese Gruppe macht, sind zionistischer Selbstmord, wie zum Beispiel, ihr Vorschlag, auf eine jüdische Majorität in Palästina zu verzichten! „Ebenso heftig wehrt das bürgerliche Blatt „Doar Hajom" die Bestrebungen der Gruppe um Bergmann, Ruppin und die „jüdische Rundschau" ab, ebenso das Tagblatt der Arbeiterschaft „Dawar", welches der Gruppe Bergmann Verfälschung der öffentlichen Meinung durch Verbreitung von Gerüchten über den „Friedenswillen der Araber" zum Vorwurfe macht. Es schreibt unteranderem: „Alle Nachrichten über die Verständigungsbereitschaft der Araber sind' grundlos. Die Araber in Palästina sind noch immer trunken von der Gärung des Krieges. Sie begehren nach wie vor alles für sich." Nur von berufenster Seite ist bis jetzt keine Ablehnung dieses Treibens* erfolgt. Die zionistische Leitung schweigt. Da die Menschen aus der Gruppe Bergmann-Ruppin und die leitenden Personen der „Jüdischen Rundschau", Vertrauens-' leute der zionistischen Exekutive sind, scheint es umso notwendiger, in offizieller Form Stellung zu nehmen. Will man ruhig warten, bis die Araber den offiziellen Zionismus als Kronzeugen in ihrem Streite gegen den Zionismus führen werden? ■* Wie richtig der Vorwurf der Falschmeldung Palästina-Produkte-Vertrieb GUSTAV WILDER Wien, IV., Blechturmgasse 12 Telephon 53-5-92 Telephon 53-5-92 Kamel-Weine Trockene Früchte Jaffa-Orangen Spefse-Oeie Attektvertrieb der Jüdischen Weinbauerngenossenschaft, Risbon-le-Zion (Jaffa). „Partes«" Vereinigte Orangenpflanzer, Jaffa (PaWittlna). „Shemen" Oel-forfuetrie, Haff» über Friedensbereitschaft der Araber ist, welchen das Arbeiterblatt „Dawar" gegen Bergmann und seine Leute erhebt, beweist eine eben eingelangte Meldung der Jüdischen Telegraphenagentur: Mcisa Kasim bekämpft nach wie vor die Balfour- Deklaration. Der Präsident der arabischen Exekutive in Palästina, Musa Kasim Pascha, veröffentlicht in der Presse eine Erklärung, die als ein Kommentar zu dem von ihm dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur gegebenen Interview über die Zukunft der arabisch-jüdischen Beziehungen in Palästina gedacht ist. In jenem Interview, das ihm viele Angriffe seitens arabischer Kreise eingetragen hat, hat Musa Kasim Pascha bekanntlich erklärt, daß die Forderungen der palästinensischen Araber nicht in Widerspruch stehen zu Großbritanniens internationalen Verpflichtungen. Diese Aeußerung des Führers der arabischen Nationalisten wurde so verstanden, daß die Araber nun auch das Palästina-Mandat des Völkerbundes und die darin bestätigte Balfour-Deklaration über die Schaffung eines jüdischen N a t i o n a 1 h e i m s in Palästina anerkennen wollen, da ja Mandat und Deklaration ebenfalls in den Bereich der internationalen Verpflichtungen Englands fallen. i In seinem Kommentar deutet Musa Kasim Pascha sein Interview in dem Sinne aus, daß er unter „Großbritanniens i n t e r n a t io n a I e n V e r p f 1 i c h t u ng e n" nur jene internationalen Verträge Englands gemeint hat, die allgemeine Angelegenheiten, wie religiöse Freiheit, Handelsverträge, sanitäre Vorkehrungen und ähnliches betreffen. Was aber die besonderen Vergünstigungen an die Juden angeht, so wolle er betonen, daß die Araber nach wie vor gegen eine Erweiterung der Privilegien an die Juden sind. Die Juden Palästinas sollen die gleichen Rechte und die gleichen Pflichten wie die Araber besitzen, und zwar im Verhältnis zu ihrer Zahl im Lande. Musa Kasim Pascha schließt seine Erklärungen mit folgenden Warten: „Ich habe auf dem fünften, arabischen Kongreß einen Schwur getan, de n Kampf gegen die Balfour-Deklaration mit allen Kräften zu führen, ich bleibe d i es e m S c h w u r t r e u!" I Das ist der Fluch der bösen Tat, | Daß sie vom Liebsten, was man hat,; Fortzeugend Böses muß gebären, i Nur Huber-Geist*) kann Segen mehren. j j *) im Huber-Likör enthalten. j Die Palästinaköiiferenz der Nichtzionisten, Das Unparteiische Komitee. — Teilnahme Weizmanns? Wie die J. T. A. aus New York erfährt, wird diie, unparteiische Palästina-Konferenz der Vereinigten Staaten, die von Louis Marshall, dem Präsidenten des American Jewish Committee, im Zusammenhang mit der Erweiterung der Jewish Agency und Aufbringung des von der Londoner Konferenz der Joint Palestinc Survey Commission veranschlagten Budgets für den jüdischen Palästina-Aufbau einberufen wird, am 20. Oktober zusammentreten. Es wird erwartet, ,daß der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim W e i z m a 11 n, noch vor Beginn der Konferenz in Amerika eintreffen und der Konferenz beiwohnen wird. Pogrome in Litauen. Schwere Ausschreitungen der antisemitischen Faschisten und des Militärs. — Unter Führung yon Beamten, Aus Warschau, 12. d., wird der „Neuen Welt*4 gemeldet: Aus einer Reihe litauischer Städte liegen Nachrichten über schwere Judenmetzeleien vor, die von der faschistischen Organisation „Weißer Wolf" und dem Militär gemeinsam verübt worden sind. In Wylkowski wurden zahlreiche Personen, darunter viele Frauen und Kinder, grausam mißhandelt. Einem Ueberfallenen wurde ein Auge ausgestochen, einem anderen eine Hand gebrochen. Viele Geschäfte wurden ausgeplündert. Die Exzedierenden wurden von einem Steuerinspektor, einem Gemeindesekretär und einem Kriininalpo'lizisten geführt. In Wilkomierz brach am letzten Samstag ein organisierter Pogrom des „Weißen Wolf" aus. In Sehaulen (Szawei) wurden aebtundzwanzig Jüdische Personen verwundet, darunter siebzehn schwer. Jüdische Wohnhäuser wurden demoliert. Kommunistische Pogromisten, Antijüdische Exzesse in Mobilew. In Mohilew in Weißrußland ist es zu argen antisemitischen Exzessen gekommen. Viele jüdischen Geschäfte wurden ausgeraubt und die Inhaber empfindlich mißhandelt. 'Die Erhebungen ergaben, daß die Mehrheit der Pogromisten Mitglieder der kommunistischen Partei bildeten. TUCHHAUS MÜNZ WIEN, I. Ertlgasse 4 und Kramer gasse 11 Telephon U 25-2-57 Import Original englischer und schottischer Herrenu. Damen- Stoffe sowie irischer Donegals und Thornproofs Detailverkauf zu Engros-Preisen! £!• 1 Sieger Ixombos. —y. Die Vorgänge in Ungarn werden, formier interessanter. Es ist für jedermann von Wert, mitanzusehen, wie da drüben der historisch geübte politische Betrug immer wieder neue reizvolle Nuancen erhält. Es sind Meister in der heute, in der Zeit der Oeffentlichkeit doch schon schwierigeren Kunst des Fälschens, die vom Geld bis zur Verwaltung reicht; Meister sind aber auch die Nachbarn in der Kunst, auf den Schwindel immer wieder hereinzufallen. Es ist ein Unikum, dieses homagiale Ungarn, und einzig ist auch die Behandlung, die es erfährt. Nicht die Beurteilung; es gibt auf der ganzen Welt keinen einzigen reinlichen Menschen, deV nicht zur Seite sieht, wenn von Ungarn die Rede ist, oder sich nicht die Taschenuhr festhält. Aber trotzdem steht dieses selbe Ungarn sehr weit vorne in den politischen Kalkülen. Es verübt seine Streiche mit einer gewissen Bonhommie, lächelnd am hellichten Tage. Ein parlamentarisch angestrichener Sklavenhälterstaat. mitten , in dem .sozial sich entwickelnden Europa -— ist es da. nicht von Reiz, die einzelnen Symptome zu betrachten? Die von magyarischer Ritterlichkeit, von Geld, Einfluß und . von.,- magyarisch-jüclisohen Renegaten versorgte liberale Presse hat jetzt einen Feiertag gehabt. In der freudearmen Zeit greift sie gerne nach „schönen" Ereignissen, die es ermöglichen, mit 'Ungarn die alte traditionelle Freundschaft wieder zu befestigen. Da ist drüben die Periode des weißen Terrors gewesen, in der jüdische Männer, Frauen, Mädchen gemartert und ausgeraubt wurden. Da ist drüben der n u m e rii s: clausus gewesen, sind jüdischen Kleinkaufleuten die Marktstände und Lizenzen weggenommen worden. Da sind Ausweis tingsrazzien vorgenommen worden; jüdische Friedhöfe mußten zu ungeahnter Weite ausgedehnt werden. Die jüdischen Intellektuellen, deren geistige Erzeugnisse sich die Arpadnation als Eigentum beigebogen hat, wurden verjagt; die jüdischen Kriegsinvaliden betrogen, gedemütigt, angespuckt. Die Judenliberalen. Abkömmlinge magyarisch-jüdischer Ghetti, ververzeichneten mit Schmerz, aber voll zärtlicher •Liebe für den grünweißroten Globus diese Akte mongolischer Steppenkhane. Aber diese Periode ist ja vorbei: Graf B et hie n, Graf Kl eb e I sb e rg und noch so ein paar Grafen haben die Konsolidierung erreicht, der ohristlichnationaile Kurs ist milder geworden. Reiche Juden können wieder Geschäfte machen und sich vor dem Bademeister in vollster Ehrfurcht verbeugen. Und nun. .ist die Krönung#da: das Ende der Rassenschütz- 1 e r. Die Partei der Mörder, der Detachements, des Britannia-Hotels. hat sich aufgelöst und tritt in die Einheitspartei ein! Welche Wendung! Mit Jubel verzeichnen es die liberalen Israeliten neologer und orthodoxer Observanz. Das Bljen-Geschrei wird immer stärker. G ö rn b ö s, der Häuptling der Tur aner Sippe, ist Staa tssekretär lim H»on vedmimister i u m geworden. Und das nehmen die Assimilan;ten als Zeichen einer riefen Aenderung. Der Mann hat bisher Macht und Einfluß geübt und er kommt an eine der wichtigsten Stellen. Macht nichts. Die Presse sagt, er ist untergekrochen, hinaufgefallen. Und um dies zur Geltung zu bringen, verschweigt sie, was eigentlich geschehen ist, obzwar sich Combos Joch anstrengt, die Wahrheit z u sagen. iEr hat an seine Getreuen einen Brief geschrieben, in dem er ausspricht was ist: „Unter den gegebenen Verhältnissen ist dw Zusammenfassung der nationalen Kräfte erwünscht, weä'l sich den Kräften, die die Interessen des nafciottaJeo Staates noch immer bedrohen, mx e*di«e &mh&&4n>

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