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Die neue Welt · 1928-09-14 · Heft 52 (14.9.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 52 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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■ Prelf **<wi V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R IV U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die flbrlgen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A2S-2-82 — Erscheint Jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 74. September 1928 Nr. 52 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. ■■DflHHBBBI Aus dem Inhalte: b. s.: Zwei historische Rosch-haschanah.Feste. —y: Sieger Gömbös. Wie in Palästina regiert wird. Gegen die Jewish-Agency-Politik. (Vortrag Dr. Nahum Goldmanns in Wien.) N. R., Warschau: Brief aus Polen. Die jüdische Minderheit in Rumänien. Dr. Jösef Frank: Palästinensische Bäufrageu. (Aus einem Gespräch.) Tolstoi-Briefe zur Judenfrage. Aus Palästina. Die Hitlerei. Das Moskauer jüdisch-akademische Theater in Wien. Aus der "jüdischen Turn- und Sportbewegung: Die Generalversammlung der Hakoah. — Stellungnahme des Präsidenten des F. GMIakoah. — Der jüdische Sport in der Tschechoslowakei. — . Palästina und der Weltsporti Scholem AIejchem: HemchQi^Mßnä&C ^BHn&KPKUSnuunRJUnBBBKBW^ Die Ritualmordilüge. Eine rasch aufgeklärte Affäre im Banat. Belgrad, 11. September. In dem Dorfe Petrovoselo im Banat spielten sich in den letzten Tagen an das dunkelste Mittelalter erinnernde Vorgänge ab. In dem bei Z e n t a liegenden Dorfe erbauen die Juden zurzeit einen Tempel. In der Bevölkerung kreisen nun die wildesten Gerüchte, wonach bei dem Bau eines jüdischen Tempels stets das Blut eines christlichen Kindes verwendet werden müsse. Vor einigen Tagen verschwand nun aus P e t r ov o s e 1 oein . junges Christenmädchen namens Margarete Takaes, welches bei einem jüdischen Kaufmann namens P o 11 a k bedienstet war. Die Bevölkerung geriet in größte Aufregung, da sich das Gerücht verbreitete, das Mädchen sei vonden Juden getötet und ihr Blut beim Tempelbau verwendet worden. Eine große Menschenmenge zog yqr das Haus Pollaks, in der Absicht, alle Bewohner desselben auszuhungern. Die Menge bewarf das Haus mit Steinen, und, da die Gefahr bestand, daß das Hai:« demoliert werden könnte, mußte Polizei und Qe n d armeri« aufgeboten werden, der es erst nach Abgabe von einigen. Schreckschüssen gelang, die Menge zu zerstreuen- Gestern abend wurde nun in einem Dorfe in der Nähe von Petrovoselo das angeblic hg e t ö t^e t e M ä dchen wieder aufgefunden. Sie befand sich in einem vollständig erschöpften Zustande. Die Bevölkerung meint nun; das Mädchen sei geschwächt, weil ihm die Juden das Blut durch die Nase abgezapft hätten. .Gerichtsärzte stellten fest, daß das Mädchen nur aus dem Grunde err schöpft' war, weil es tagelang in der Umgebung herumgeirrt war, um.eine, neue Stelle zu finden- Das Mädchen trug, bei der Anhaltung Männerkleidung, um leichter einen. Posten zu finden- Die Behörden haben in der ganzen Umgebung von Petrovoselo bei Trommelschlag verkünden lassen, daß alle Geschichten über Blutopfer der Juden reine Erfindungen sei en, und daß jede Agitation gegen ein Glaubensbekenntnis mit schwerer Strafe belegt werden würde. Trotz alledem' hat sich die Erregung in der Bevölkerung'noch immer nicht gelegt. Kultusgemeindewahlen in Galizien. Von unserem Warschauer N. ^-Berichterstatter. Am Sonntag, den 9. September 1. J-, fanden in Lemberg und in einigen größeren Provinzorten GaJiziens die Neuwahlen in den Kultusgemeinden statt. Lemberg. Von 19.000 Wahlberechtigten haben 11.368, somit 60 Prozent gestimmt. Es entfielen auf den: Jüdisch-nationalen Block (Zionisten, Misraohi) 4180 Stimmen — 10 Mandate, wirtschaftlichen Block (Assimilanten) 3420 Stimmen — 8 Mandate, Religiösen Block (Agudah) 2370 Stimmen — 5 Mandate, Hitachdnth (vereinigt mit dem Jüdisch-nationalen Block) 327 Stimmen — 1 Mandat, Bund 426 Stimmen — 1 Mandat. Die Wahlbeteiligung war . trotz (des äußerst heftigen Wahlkampfes eine, verhältnismäßig geringe. Die Zionisten erlangten 40.Prozent der abgegebenen Stimmen, sind somit die stärkste Gruppe. Der Hitachdubh frei-ein Mandat infolge der, Kuppelung mit den Zionisten zu; ihre eigene Stimmenzahl relichte nicht für ein Mandat aus! Die Verwaltung der Kultusgemeinide besteht aus 25 Mitgliedern, die absoluteMajorität beträgt daher '13. Die Zionisten und Hitachduth^verfügen zusammen .über 11 Sitze. Deh .Äus&Ch^ die Verwaltung^ dürften die 5 Stimmenr der Agudäh. gebeö. Sollte es zu einem gemeinsamen Vorgehen des Wirtschaftlichen Blocks (8 Stimmen) und der Agudah (5 Stimmen) kommen, so scheint doch ein Regieren gegen 11 zionistische Mandate sehr zweifelhaft. Ein Vergleich mit den früheren Wahlen läßt sich nicht ziehen, da diese auf Grund des alten Wahlrechtes vorgenommen wurden. Doch hatten damals die nationalen Elemente die Majorität. Diese Wahlen wurden annulliert und ein Regierungskommissär mit einem Beirat ernannt. Nunmehr tritt wieder eine gewählte Verwaltung an diie Leitung der Gemeinde. Zloczow. Bei den am Sonntag durchgeführten Kultusgemeindewahlen erhielten die: Zionisten 6 Mandate, Handwerker (der Gewählte ist Zionist) 1 Mandat, Agudah 4 Mandate, Bund 1 Mandat. Die Majorität im Rate und in der Verwaltung ist daher zionistisch. Die Wahlbeteiligung betrug 80 Prozent. Rawa-Ruska. Die am Sonntag stattgefundenen Kultusgemeindewahlen brächten der jüdischnationalen Liste einen Sieg. Die Ergebnisse sind: Jüdisch-nationaler Block 7 Mandate, Ghassidim-Liste 5 Mandate. Dieses Resultat ist umso beachtenswerter, als die Stadt zur nächsten Einflußsphäre des Beizer Rabbi gehört. Sambor. Sonntag, den 3. September d. J. fanden die Wahlen in die Ku-ltusgemehide statt. Bei den auf Grund des alten Wahlrechtes durchgeführten Wahlen erhielten seinerzeit die Zionisten die Majorität. An der Spitze der jüdischen Gemeinde stand Dr. R o 11 e n s t r e i c h. Nach den Parlamentswahlen wurde der Vorstand der Kultusgemeinde aufgelöst und zum Regierungskommissär ein alter Wahlmacher ernannt. Von 1035 abgegebenen Stimmen erhielten die Zionisten 522 Stimmen, somit die Majorität. Auf alle anderen Listen zusammen entfielen 512 Stimmen. Von den Mandaten fallen den Zionisten sechs.««; mit den ihnen nahestehenden Mitgliedern der neu-gewählte,n Verwaltung, werden sie die Meli rh ei t haben und in der Lage . sein, die Angelegenheiten . der Gemeinde wieder in Ordnung px bringen. Ist das noch Zionismus? Die . gleichen Kräfte, welche innerhalb des Zionismus systematisch gegen den Judenstaatsgedanken arbeiten und so die zionistische Bewegung der Lebenskraft zu berauben trachten, sind nun daran, ihr Zerstörungswerk von außen her fortzusetzen. Sie erheben den Ruf nach Einberufung eines palästinensischen Parlaments auf demokratischer Grundlage. Nachdem in Palästina derzeit viermal so viel Araber als Juden wohnen und die Araber dasRechtder Juden auf eine nationale Heimstätte in Palästina beharrlich und offen negieren, ist die Errichtung eines solchen Parlamentes gleichbedeutend mit der Sperre Palästinas für die Juden, gleichbedeutend mit der Vernichtung des, Zionismus.- Mit Demokratie hat die Frage absolut nichts zu tun. Den vierzig Millionen Arabern steht ein Territorium zur Verfügung, dessen bewohnbarer Teil weit größer W als ganz Europa. Im menschenleeren Palästina, / welches einen winzigen Bruchteil dieses Territoriums darstellt, leben nicht ganz. eineinhalb Prozent aller Araber. Der Völkerbund, heute das demokratischeste ■ aller Gebilde, weil alle freien Kulturnationen, also viele hunderte Millionen freier Menschen, ihn ais oberste Instanz anerkennen, der Völkerbund hat entschieden, daß die fünfzehn Millionen heimatloser Juden ein historisches und moralisches Recht auf dieses ihnen seinerzeit geraubte Land, ihr einziges Land, hatten. Nun soll durch Errichtung eines palästinensischen Parlaments sechshunderttausend Arabern die Möglichkeit und das Recht gegeben werden, den Willen der Repräsentanten von einigen hundert Millionen Menschen und das anerkannte Recht von fünfzehn Millionen Juden durch eine einfache Abstimmung zunichte zu machen. Wobei noch bedacht werden muß, daß Palästina nicht den Arabern, sondern den Türken vom Völkerbünde abgenommen-wurde und daß den Arabern in Palästina alle politischen Rechte voll gewahrt bleiben, daß die jüdische Einwanderung sie — und das gestehen sie selbst zu — wirtschaftlich und zivilisatorisch bereichert. Sechshunderttausend Stimmen über Hunderte von Millionen Stimmen zu setzen und dazu das Wort „Demokratie" zu mißbrauchen, ist eine Verlogenheit, aber es ist immerhin begreiflich, wenn die palästinensischen Araber sich zur Erreichung ihrer Zwecke auf Scheingründe stützen. Auch Assimilationsjuden unternehmen es, gegen den Zionismus in der Weise zu kämpfen, daß sie behaupten, daß Palästina den Arabern und nicht den Juden gehört. Hier kann man schon von jüdischem Verrat sprechen. Aber es sind immerhin Feinde. Was soll man aber sagen, wenn Zionisten in hoher Parteistellung, wenn zionistische Gruppen und Organe, wenn die Führer Dr. Arthur R u p p i n und Joseph C o w e n, wenn der Leiter der Jerusalemer Nationalbibliothek Dr. Bergmann und eine ganze Gruppe in Palästina den meuchlerischen, mörderischen Streich führen? Wenn die ganze, g r o ß e z i o n i s t i s c h e Organisation De u t s c h 1 a n d s es duldet, daß ihr Organ „ J ü d i s c h e . R u n d s c h a u", in diesem Kampfe gegen den Zionismus die führende Rolle spielt? Das jeder Küche ist ein «eriM Sie Prospektbesuchen Sie -Kühlschrank tFintterlo&C9 wSS"»' U*!* i i > '. f

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