Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 51 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Wr. m DIB NEUE WELT Seite 9 Hitler-Parade in München. Hüters Parole: Protestanten und Katholiken gegen den „jüdischen Todfeind". Nachdem die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei am 31. August eine Führertagung abgehalten bat, fand am 2. September die Generalmitgliiederversammhwg dieser Partei im Bürgerbräusaal statt. Das Rechnungsjahr 1927 schließt ab in Einnahmen mit M. 254.996.38, in Ausgaben mk M. 252.146.23. Den Mittelpunkt der Veranstaltung bildete eine große Rede Adolf Hitlers, der unter großem Beifall mittetlte. daß Rieh die Partei in den 'letzten zwei Jahren verdoppelt hat. Beim letzten Parteitag zahlte sie rund 60.000 Mitglieder, jetzt nahezu 100.000, sie werde wohl bis mm nächsten Parteitag 130.000 haben, das heißt das Doppelte des vergangenen Jahres. In knapp sechs Moriaten *hat sich die Beitragsleisturag verdoppelt. Bs besteheen 1200 Ortsgruppen mit durchschnittlich 80 bis 90 Köpfen. Hitler hielt zunächst „Generalabrechnung mit der völkischen Konkurrenz", nannte die völkischen Führer Querulanten und warnte vor einer Teilnahme au religiösen Diskussionen und Kämpfen zwischen Katholiken und Protestanten. Angehörige beider Konfessionen, sagte er, sind Diener des deutschen Volkes im Kampfe gegen dessen Todfeinde, gegen die jüdische Blut- und R a s s e n v e r g i f t u n ig. Wir sehen, daß in Deutschland die Verjudung fortschreitet in der Literatur, beim Theater, an der Musik und im Film, daß^ unsere Aerztcschaft verjudet, unser Richterstand, daß an unserer Uni* yersität immer mehr und mehr Juden auftreten. Wenn es so weiter geht, werden unsere Kinder unter der Knute des jüdischen Aufsichtsbcamten schmachten. Aber der Antisemitismus wächst. Was vor zehn Jahren kaum, da war, ist heute da: die Judenfrage ist auf das Tapet gebracht, sie wird nicht mehr verschwinden, und wir werden dafür sorgen, daß sie zur internationalen Weitfrage wird, wir werden sie nie zur Ruhe kommen-lassen, 'bis'ein-, mal die Frage gelöst wird. Den Tag glauben wir noch erleben zu: können. Schüler LudendorSis in der Schweiz. Das in Zürich erscheinende „Sehweizerbanner", das sich als Organ der „Schweizer Heimatwehr" bezeichnet ttnd ganz im Stile L u d e n d o r f f s geführt wird, schreibt in seiner Nummer vom 15. August: „Dieser großen Razzia der weltrevolutionären Sozialisten Rathenau, Briand, Groencr, Lloyd Georg, Wilson und Genossen und ihrer weltrevolutionären Geheimbünde ,der Freimaurer, Finanzmagnaten und Juden müssen alle Völker der Weit nunmehr in11 aller Entschiedenheit und Schärfe . entgegentreten, indem sie sich zur Liga gegen die Weltrevolution der Sozialismen zusammenschließen."? „Juden und Hunden Eintritt verboten!" Seit längerer Zeitprangt am Eingang zu einem Bade in- Tschernoschitzc, in u nniit .teil bar e r Nähe von Prag, eine Aufschrift in tschechischer Sprache: „Juden und; Hunden i&t der Eintritt verboten." Der Jüdische Nationailrat *n Prag hat beim Gemeindeamt des Ortes wiederholt wegen der Entfernung dieser Aufschrift interveniert, aber ohne Erfolg. Es werden, nun Schritte bei der politischen Behörde eingeleitet; Tschechisclie Hakenkreuzler in Uniform. Aus P r e ß b u r g, 4. September, wird, gemeldet: In Neustadt a n der Waag kam es in einem Kaffeehaus zu antisemitischen Kundgebungen von Offizieren, die sich anläßlich der Manöver in der slowakischen Stadt aufhalten. Die Offiziere befanden sich in an geheuerter Stimmung und begannen auf die Juden zu schimpfen. Ein Kellner verwahrte• sich als Jude gegen die Ausfälle der Offeiere, worauf einer derselben erklärte, der Kellner habe das Maul zu halten, weil die Juden die Tschechoslowakei aussaugen. Im Verlauf der Schimpferei attackierte ein Hauptmann den Kellner.' Ein zweiter Kellner, der sich für seinen Kämeraden einsetzte, wurde von einem anderen Hauptmann geohrfeigt. Als ein-jüdischer Artilleriefähnrich im Kaffeehanse erschien, wurde er von einem Obersten mit den Worten „Der stinkende Jude ist auch schon hier" empfangen. Die Militärbehörde in Prag hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. Literarischer Tee ia den «Jüdischen Küustlerspjelen". Sonntag,, den 9. September, halb 4 Uhr web mittags, sind in den' „Jüdischen' Künstlersp'ielen" im Theater Reklame, II-, Pratersrraße 34, die Mitglieder des gegenwärtig im Car-lTTiheater gastierenden .' Moskauer Jüdischen Akademischen Theaters zu Gast. Anschließend an ' die Begrüßung der ausländischen Künstler findet eine .Sondervorstellung mit gemischtem , Prograinm statt. Mitwirken werden die Damen Lea W ei n> t r a ü b - Gr af, die dramatische Darstellerin und Säugerin der „Jüdischen Künstlerspiele"; die anerkannte Interpretin des jüdischen . Volksliedes Hilde D w j i^t z'kra j a;. deren eigenes Konzert;demnächst stattfindet; die jugendliche Tänzerin Steffi Stahl in ihren neuen Tanzschöpfungen. Jona R e i s m a n n, Engros-Preise Engros-Preise SENSATION Nur S 4.- Nur $ 4.- kostet nur bei mir jede KU NSTLER»GR AM HQP HON PLATTE wl« Sirota, Roltman, Her sc hinan u.a. »owie diverse Opern- und Lachplaiten In mehreren Sprech,«n< SCHN6IER, WliN. 18., Fi,OS QASSE 91/30 45^sV 12'60 ™-«1560 Schulrtiefel Stixtfraz-jQusführimg, stfcvanc. _ Äratm &octectqucLltt&t 2'—rrt&ftp. Ju.vnScHu.Ho, für? alle. Tiivri- Clvtert! 19ho! | i^^^^^^ der populärste Darsteller der echten Typen jüdischen Humors, der von. dieser Saison ab an den „Jüdischen Künstlerspielen" wirkt, wird Szenen aus Goldfadens klassischem Singspiel ..Messias Zeiten" in der Rolle des Jontel Schnorrer zur Darstellung bringen. Der ausgezeichnete Liedersäuger A. Melzer Wird einige seiner Glanznummern. S. Schwager, der bekannte jiddische Rezitator, einzelne Meisterstücke aus der jiddischen-humoristischen Literatur vortragen. Diese Vorstellung verspricht ein künstlerisches Ereignis zu werden. Mit Rücksicht auf den rein gesellschaftlich-künstleriscircn Zweck der Veranstaltune wurden' die Preise von 'S 1 bis 2 festgesetzt. Es empfiehlt sich. Karten rechtzeitig an der Kasse des Cafe Reklame. IL, Praterstraße 34, Tel. R 47-1-47, zu besorgen. Bernhard Wittler, der junge Schauspieler und Sänger der jüdischen Bühne, der sich wegen einiger hervorragender Leistungen beim Wiener Publikum großer Beliebtheit erfreut, wurde für die kommende Spielzeit nach Paris engagiert. Aus diesem Anlaß findet Samstag, den 8. September um halb 9 Uhr im' Theater „Reklame", Praterstraße, eine Abschiedsvorstellung statt. Zur Aufführung gelangt „Das verlorene Glück", Lebensbild mit Gesang von Dr. Schumann. Der Kartenverkauf (täglich von 7 bis 9 Uhr aibends) hat bereits begonnen. 09 Ein Sprechsaal für unsere Leser Ist „Hakoah" jüdischnational? Wir erhalten folgende Zuschrift: Obwohl der S. C. Hakoah als politischer Sportverein mit n a t i ö n a I-j üdä s c h e r Tendenz gegründet wurde und.nach § 3 seiner Statuten „Mitglieder nur Juden (•Männer und Frauen), die sich zum Zionismus bekennen, werden können", ferner für alle Mitglieder die Bestimmung gilt (§ 7): „Erfüllung der Verpflichtung gegenüber der zionistischen Organisation", ist in den letzten Jahren weit davon abgegangen worden. Nicht nur daß man die Mitglieder zur Erfüllung ihrer zionistischen Verpflichtung nicht verhielt, nahm man Mitglieder auf, die geradezu Gegner des Zionismus sind, so daß in letzter Zeit vielfach von der „unpolitischen Hakoah" gesprochen, ja sogar öffentlich vom jetzigen Präsidenten Dr. Löhner die Hakoah als unpolitischer Verein hingestellt wurde. Es wird die jüdische Öffentlichkeit gewiß, interessieren, daß der G e n e r a 1 v e r s a m mlung am 10. September nachstehender Antrag vorliegt: „Zur Durchführung der im § 2, 3, 6 und 7 des Statutes angeführten Bestimmungen bezüglich des Zionismus, ist es notwendig, eine eigene Körperschaft zu bilden, die sich nur mit der bisher vollkommen vernachlässigten zionistischen und jikiisch-k u 11 u r c 11 e n Arbeit innerhalb der Ha>koah zu befassen hat. Es wird beantragt, einer Zionistischen Kommissi o n, bestehend aus den zionistischen Referenten der 14 Sektionen unter dem Vorsitz des in der Generalversammlung zn wählenden zionistischen Referenten des S. C. Hakoah, die zionistische und kulturelle Arbeit zu übertragen. Die Beschlüsse der Zionistischen Kommission sind für alle Mitglieder bindend." . 1. r. ' Sport- und iTurtibewegung Vor der Entscheidung. Amateursport oder systematische Erziehung zum Beruf sspielertuia. In der nächsten Woche findet die in der „Neuen Welt" van mir schon längst geforderte Generalversatrnnr lang der Hakoah statt. Das Ergebnis dürfte kein erfreuliches sein. Der derzeitige Präsident, Dr. Löhner- Beda-, anfangs der lauteste Rufer im Kampfe um den Amateurismus, ist Zeitungsnachrichten zufolge zu einem „Kompromiß" — das in Wirklichkeit einen vollkommenen Sieg des Professionalismus darstellt und über dessen Bedingungen noch weiter unten gesprochen werden soll — bereit und scheint seinen eigenen Kampfruf: „Das Propo- ' uentenkomitee muß weggejagt werden" selbst nicht ernst genommen zu haben. Andere Kräfte, denen das Gedeihen des jüdischen. Amateurfußballsports am Herzen liegt, dürfte es in der Hakoah nun mehr vereinzelt geben, die zionistische Organisation Wiens hat, trotzdem ihr Präsident Dr. G o l d h a m m c r der jüdischen Sportbewegung nahesteht, — gar nichts unternommen und so wäre es schon eine große Ueberraschung, wenn die' zuletzt gef faßten Beschlüsse auf Wiedereinführung des Professionalismus und teilweiser Auflassung des AnwtimiM» triebes überhaupt zu einer ernsten Debatte führen würden. Unter solchen. Umständen ist es notwendig, den Teilnehmern der Generakersammhing wenigstens klar und deutlich zu sagen — selbst wenn der Kampf um die letzte Aktivität der jüdischnationalen Bewegung zum heurigen Zeitpunkt nicht mehr sehr aussichtsreich erscheint —, -worum es am 9. September geht. Ganz kurz sei also rekapituliert: Der Professionalismus wurde in der Hakoah unter ganz bestimmten Voraussetzungen eingeführt. Man behauptete von verantwortlicher Seite, daß hiefür nur zwei Gründe — damals nahm man sich noch die Mühe, derartige prinzipielle Entscheidungen zu begründen lind legte Wert darauf, als nation a 1 - j üd i s c h e r Verein zu gellen — maßgebend seien: 1. Nur eine Professionalmannschaft vermag die für Propaganda und. Ruf der. Hakoah notwendigen sportlichen Erfolge zw erzielen. 2. Nur eine Profcssionalmannschaft. kan-n dem Verein die notwendigen großen Einnahmen, die man zum Ausbau der Amateursektiouen brauche, verschaffen. Die damals ziemlich unklaren Verhältnisse im österreichischen Sport und auch die durch die vollständige Vernachlässigung des. Nachwuchses hervorgerufene Unmöglichkeit, eine schlagkräftige Amateurmaunschaft auf die Beine zu bringen, verhailfen dieser Ansicht zum Sieg. Auch die Gegner, des Professionalismus waren schließlich bereit, dem Berufsspielertum eine Probezeit zu gewähren, um so mehr, als man auch den Verfechtern dieser Idee die besten Absichten zubilligte und annahm, daß Ihnen der PröfessionaMsmus wirklich nur Mittel zum Zweck sei. Nun, die Probe hat lange genug gedauert und ein vollständiges - Fiasko des Berufsspielertums in sportlicher und finanzieller Beziehung gebracht. Die anderen Sektionen wurden niemals, trotz aller Verspiechungen, ernstlich gefördert und die Ausgaben für die Professionals waren und werden immer größer als die größtmöglichen Einnahmen, das Defizit aber immer nur durch Mäzene zu decken sein. In sportlicher Beziehung hat es sich, wie ich es ja schon in meinem ersten Artikel ausführlich auseinandergesetzt habe, mit jedem Tage klarer und deutlicher gezeigt, daß auch die sensationellsten Siege einer Professionale!? reicht das beweisen, was zu m Feierlicher Gottesdienst m für die hohen reiertage in dem gut gelüfteten, geräumigen 5aal des Restaurant „WIENEA" WIEN, Ii., OBERE DONRUSTRRSSE 91 Der ganze Reingewinn -fällt dem PaUUtina« aufbau zu Karten zu haoen: Misrachl-Büro (II., Pratersfr. 43) ttnd im Itesieuiranr „Wienea" (tögi. zwisch. 4—6 Uhr nachmittags).