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Die neue Welt · 1928-09-07 · Heft 51 (7.9.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 51 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DTE NEUE WELT Nr. 51 t| SIEGM. KORNMEHL I I| GROSSFLEISCHHAUEREI || |f Zentrale IX., Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 || Ii Lieferant für Heilanstalten fj Abteilungen für «^«Fleisch || |f unler Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kul- If Ii tusgemeinde Wien |i gl IX., Bcrgg. 15 ✓ XVIII., Währingerstr. 97 Jj 'jTiii:iviininiiiwiiniiti!UriniiHliiiitiiiiimMii]i!iiiirnii.iinnriiiirijiiriiriijiit.....iiii(iiiijiimi!:i inniil>.-iiii1,r.[rrlintirii!ijiiiii.:iiiilJiiri]ruiiniijunii(i>iriiiH:if:iijii haUaiich der Rabbi Reb Simcha Asaf, Dozent der Jerusalemer Universität, bei dem Odessaer Antiquitätenhändler Spiro drei Orighmlbriefc des Baal Schein aus 'diesem Chersoner Fund gekauft, von denen er einen von ihnen der j ü d i s c h e n N a t i o- Ji a 1 b i'b 1 i o th e-k schemkte. Beim gleichen Händler sah er noch, andere Originailb'riefe des Baal Schein, die er abschrie!) und alle acht 'zusammen im „Hathor" veröffentlichte. Es ist klar, daß bei dieser Art alter und wichtiger Schriften die Frage der Echtheit oder Fälschung auftaucht. Während manche die Echtheit als selbstverständlich annahmen", tauchten bei anderen Zw eifel auf. Besonders kritisch verhält .sich Simon D.ubnow in einem Artikel des „Kriat Sefer", wo er auf verdächtige Widersprüche im Inhalt der Briefe hinweist; ferner Awi aham K a h a n e in „Hajisclmw". Aber alle Zweifel über die Echtheit der Briefe waren nur auf Einzelheiten gegründet, die bei aller Wichtigkeit doch im Wesen schwerlich eine sichere Aütwort auf die Frage: falsch oder echt? geben. Die Methode, eine einwandfreie wissenschaftliche Prüfung dieser Materie durchzuführen, ist Dr. Abraham Schwadron in Jerusalem zuzuschreiben. Dr. Abraham Schwadron hat bekanntlich vor eineinhalb Jahren seine einzigartige Sammlung. von Autogrammen und Porträts aller jüdischen Persönlichkeiten der letzten vier Jahrhunderte, die größte derartige Sammlung, für die er 32 Jahre und viel Geld opferte, der Nationalbibliothek in Jerusalem geschenkt. Als Dr. Schwadron den von Asaf der Bibliothek geschenkten Brief zu Gesicht bekam, behauptete er. daß. der äußerliche Charakter des Briefes, Schritt, Tinte usw., auf eine Fälschung schließen lasse. Der -Brief könne nicht aus der Hand des Baal Schein stammen, weil diese Art Papier vor 170 Jahren, ungefähr dein Zeitpunkt, da der, Baal Schern lebte (er starb im Jahre 1760), nicht existierte. Dasselbe behauptet Dr. Schwadron auch von zwei anderen Briefen des Baal Schern.' die sich im Besitz Asafs befinden. , Um dies wissenschaftliclinehiwaudfrei feststellen zu lassen, schickte Dr. Schwadron Papi-erschnitzel beider P a p i e r s o'r t e n zwecks che in i s c h - mikroskopischer U n t e rsu c h u n g H ach' \V i e.n. Jetzt ist ein ausführlicher Bericht des Prof. Dr. Weese, des Vorstehers des 1 u st i tu' f s 7 für technische Mikroskopie it.d•■'organische Rohstofilehre an der Technischen Hochschule 'iii W i e n, eingetroffen, in dem konstatiert wird,': daß die chemisch-mikroskopische Untersuchung die Zusammensetzung des Papiers aus Holzzellulose und Stroh, also ein späteres Verfahren bei der Papieryrz'öugung, bewiesen habe. Die Art der Päpiererzeügnng aus Holz und Stroh ist nämlich erst zwischen'T846' und 1872 gangbar gewesen, während bis dahin ausschließlich Leinenfetzen verwendet wurden. .Das in Präge stehende Papier stammt miude-' stens aus der Zeit von rund hundert Jahren nach dem Tode des Baal Schein. D i e d r e i Brie f e sind z \v e i.f e 11 q s F ä 1 s c h u n g e n. lieber die Frage, ob die anderen Schriften. des Chersohor Fundes echt sind, deren Papier noch nicht untersucht worden ist, ergeben sich folgende Konsequenzen: Die fünf Briefe, die Raw Asaf in Odessa beim Händler Spiro gesehen hat, und zwar Briefe in derselben Schrift und von der gleichen Papiersorte, sind bestimmt gefälscht. Wenn die übrigen Schriftstücke auf dem gleichen Papier geschrieben sind» können auch sie frühestens aus den Sechzigerjahren stammen; aber selbst wenn sie' aiif Lehienpapier. geschrieben sind, beweist dies nichts für ihre Echtheit,'' da ja der Fälscher altes Papier hat verwenden können. Im Falle alten Papiers wird es Aufgabe der Forscher sein, durch graphologische, historische Untersuchung, durch, Vergleiche mit den Originalhandschriften Echtheit oder Fälschung festzustellen. Ist es ja möglich, daß anläßlich des Fundes echter Stücke falsche hinzufabriziert wurden oder auch, daß alle falsch sind und all jene Echtheitsmerkmalc, wie Nummern, Durchlochungen, Siegel, Randbemerkungen in russischer Sprache usw., von der Hand des Fälschers stammen. Dem Fälscher muß bekannt gewesen sein,' daß dem Riziner Schriften konfisziert wurden, und er machte sich das Revolutionschaos zunutze, in welchem Archive geplündert und verschleppt worden waren. Jedenfalls hat jetzt Dr. Schwadron auf ein Mittel aufmerksam gemacht, durch das die Fälschung mancher Schriften mit Sicherheit festgestellt werden kann, ein Weg, den man auch bei andersartigen Falsifikaten'beschreiten wird. („Hajnt.'O AUS PALÄSTINA. Jabotinsky soll Leiter eines Handelsunternehmens in Palästina werden. Wie der „Jcwish Times" aus Jerusalem telegraphiert wird, liat.ein großes amerikanisches Handelsunternehmen in Palästina Jabotinsky den Direktorposten in Jerusalem angeboten. Es sei fast sicher, daß Jabotinsky dieses Angebot annehmen werde. Nach dem „Haint" handelt es sich um die in Palästina tätige amerikanische Versicherungsgesellschaft Judca". Für den letzten Posten soll jedoch nach dem „Haaretz" Marcc Schwarz, der bisher die Verhandlungen wegen der KKL-Anlcihc geführt hat, ausersehen sein, der auch bereits in Palästina eingetroffen ist. Spaltung der Linken Poale Zion in Palästina. Das Zenralkomitce der Linken Poale Zion in Palästina hat den Ausschluß von 47 Parteimitgliedern wegen Verletzung der Parteidisziplin und Hcreinbringung von Uneinigkeit in die Partei ausgesprochen. Unter den Ausgeschlossenen befinden sich bisher führende Mitglieder der Parte!. Einschränkung des Eisenbahnverkehrs Tel Awiw— Petach Tikwah. Nach Errichtung der neuen Chaussee Tel Awiw— Petach Tikwah hat sich der dortige Am tom pbi 1 v e rlcchr so sehr verbilligt und verstärkt, daß die Eisenbahn den Personenverkehr auf der Linie Jaffa—'Petach Tikwah wegen Mangels an Reisenden vollständig -eingestellt hat. Auch der Eisenbahnfrachtverkehr auf dieser Linie hat bedeutend .abgenommen. Es ist dies zum Teil auch eine Folge der ungünstigen Trasscführung. In Jerusalem soll das Betteln verboten werden. Wie die f. T. A. mitteilt, bereitet die Palästina- Rogierung eine Verordnung vor, wonach das Betteln in den Jerusalemer Straßen und an der Klagemauer verboten sein soll. Der Rat der Jüdischen Gemeinde Jerusalems -hat über Maßnahmen beraten, wie den .Bettlern, die bei Durchführung der Verordnung plötzlich vor dem Nichts stehen werden, zu helfen sei. Bäckerstreik in Jerusalem. In Jerusalem streiken seit einiger Zeit die arabischen wie auch die jüdischen Bäcker. Die Forderungen der Streikenden beziehen sich vor allem auf die Arbeitszeit, die '' jetzt nicht beschränkt ist und praktisch gegen 14 Stunden täglich beträgt. Erhöhung der Salzproduktion in Atlith. Die diesjährige Arbeitssaison der. Sjalzkompagnie in Atlith hat bereits begonnen. Gegen 300 Arbeiter werden 3 bis 4 Monate beschäftigt sein. Dic$diesjährige Salzproduktiou soll 9000 Tonnen erreichen gegen 6200 im Vorjahre. Feuerwehrfest in Tel-Awiw. Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Vor einigen Tagen veranstaltete die Inesige freiwillige Feuerwehr ein großes Fest, das wohl einzigartig war. Die Vcrsammlung der Mitglieder in ihren schmucken neuen Uniformen fand vor der mit Fahnen geschmückten Polizeiäirektjon) statt. Es waren die Vertreter fast sämtlicher AnstaJ'ten und Behörden von Tel-Awiw sowie ein überaus zahlreiches: Publikum auf dem Festplatz erschienen. Unter den Klängen der T i k w a h, die von der Kapelle der Polizistenorganisation zum Vortrage gebracht wurde, überreichte der Vizebürgermeister der Stadt, Herr R o k a c h, dem' Kommandanten der Feuerwehr, Gcfcn, die neue, von der Stadt gewidmete b I a n weiße Fahne mit dem Wappen der Feuerwehr von Tel-Awiw und der Aufschrift: „Hakoach bc Irgun(< („In der Organisation Hegt die Kraft"). Nach der Rede des Vizebürgcrmeisters Rokach, der be-' tonte, daß die Stadtverwaltung von. Tel-Awiw gerne die Oberaufsicht über den Verband der freiwilligen Feuerwehr, die selbstverständlich aus lau'er Juden besteht, übernommen hat, brachte Herr Motro die Grüße der Stadt Jaf fa und hob hervor, daß die selbstlose aufopferungsvolle Tätigkeit der freiwilligen Feuerwehr von Tel-Awiw' allen Bevölkcrüngsschichtcu zum Segen gereiche. Nach Verlesung der eingelangten schriftlichen Glückwünsche sprach Obcrrabbincr von Tel-Awiw, Benziön U s i e 1, der die Mannschaft und ihre Offiziere zur Ausdauer in ihrem altruistischen Wirken aufforderte.' Zum Schlüsse antwortete Herr Gqfcn in einer längeren Dankesrede, in welcher er die Geschichte des freiwilligen Feuer wchrkorps darlegte. Unter seinem Kommando stehen gegenwärtig 50 aktive Mitglieder und 250 Amateürfeuerwehrleute. Die Feuerwehr besitzt eine eigene Gerätezentrale, ebenso eine Anzahl von Löschgeräten» deren moderne Ausgestaltung die nächste Aufgabe sejn werde. Hierauf eröffnete der Vizebürgermeister das neue Gerätschaftshaus, in welchem der Zweelv der verschiedenen Löschgeräte erläutert wurde, worauf sich clei; Zug der Teilnehmer unter den Klängen, der Musik durch die Hauptstraßen der Stadt bewegte. Arn Abend fand ein großes Festkonzert zu Ehren und zugunsten der Feuerwehr .statt'. Das Arbeitsgebiet der hebräischen Universität. Das Vorlesungsverzeichnis der 'hebräischen Universität zu Jerusalem für das Wintersemester 1928-1929 ist soeben veröffentlicht worden. Es enthält u. a. die folgenden Themen: Talmudische Philologie, Gaoirica, hebräische Jurisprudenz, hebräische Literatur, Palästina iorscmiu'^ jüdische Philosophie, Bibel, jüdische Soziologie, arabische Literatur, islamische Geschichte, islamische Kunst, rnb3 derue Philosophie, hellenistische Geschichte, Ä-riechisclic Literatur. Die Erlaubnis zur Einreise nach Palästina zwecks Teilnahme an den Vorlesungen und Studien Übungen ist durch die Vermittlung der Universität einzuholen. Der Bewerber muß nachweisen, daß er wirklich zu Studicnzwcckcn ins Land kommt, auch »muß er sich über den Besitz von 180 Pfund ausweisen, die für ein dreijähriges Studium ausreichen,, oder es muß ein .palästinensisches Finanzinstitut für ihn die Garantie für eine Summe in der bezeichneten Höhe übernehmen. Die Gesamtfrequenz von Universität und Judaislischem Institut belauft sich (gegenwärtig auf rund 200 jüdische Hörer, die zur einen Hälfte aus Palästina, izur 'anderen aus Litauen, Polen, O c s t c r r c i c Ii, Deutschland und England stammen. Nichtjuden gibt es zurzeit nicht, aus sprachlichen Gründen; denn die Vorlesungen und die seminaristischen Uebungen werden nur in bebr äische r Sprache abgehalten. Doch werden in der Zukunft zweifellos 'auch Nichtjuden die 'hebräische Sprache erlernen, um an Vorlesungen von Universität und Institut teilnehmen zu können. Das Budget erreicht den Betrag von 55.000 •Pfund. Die „National- und U n i v e r sR ät sbi bll o tb ek" besitzt gegenwärtig 'zirka 150.000. Bände. Es sind Seminararbeiten von verschiedenen Studenten veröffentlicht worden, •natürlich in hebräischer. Sprache; auch die Professoren haben Werke vollendet und publiziert, die Resultate der Vorlesungen und praktischen Uebungen sind. Der Täufling als antisemitischer Hetzer. Eine Interpellation über Gcliitt im preußischen Landtag. Aus Breslau wird uns gemeldet: Die sozialdemokratische Landtagsfraktion bat an die preußische Staatsregierung eine kleine Anfrage gerichtet, in der es u. a. heißt: Der Disziplinarstrafsenat des Oberlandesgerichtes Breslau hat den Landgerichtsrat Gell i n iiii Breslau entgegen dem auf Dienstentlassung lautenden Antrag des Staatsanwaltes zu Strafverset Zittrig und M. 300 Geldbuße verurteilt. Durch dieses unbegreiflich milde Urteil gegen einen Standesigenossen iliaben hohe preußische Richter die in Schlesien besonders schwere Vertrauenskrise der Justiz wiederum verschärft. GeIHn ihat seinerzeit in einem öffentlichen Lokal laut a n t i sc m it-i s Ch e; Seh mä h;u n g e n -aussestoßen, den damaligen Landtagsaibgeordneten Her r man.niBreslau beleidigt und im Zusammenhang damit erklärt, daß er auf den preußischen Justizminister und seine Ansichten keinen Wert löge. Im Verlauf des dem Disziplinar verfahren vorausgegangenen Strafverfahrens wegen öffentlicher Beleidigung thatte sich ergeben, daß Gellin bereits vor mehreren Jahren in einer Weinstube beleidigende Aeuße,- rungen 'gegen die republikanische Regierung getan Jiattc, die gleichfalls Gegenstand des Disziplinarverfahrens waren. Vor dem erweiterten Schöffengericht, das Gcliin zu M. 50P Geldstrafe verurteilte — die Strafe wurde durch die Amnestie aufgehoben — hat Gellin den § 51 St. G. B. für sich geltend igemaoht. Hält das Staats mini sterium es für politisch tragbar, daß Laiidesgcriclifsrat Gellin weiter als preußischer Richter amtiert? Welche Schritte wird der Herr Justizminister in der Sache Gellin nunmehr unternehmen? Inzwischen .hat die Staatsanwaltschaft .gegen das Urteil des Disziplinarsenates bei dem Oberlandesgerieht Berufung eingelegt mit dem Ziele auf Entfern u n g de :s La n d g c r i c Ii t s r a t c s G e H;i n : aus . seinem Amte. Dieser Gellin bat in der bekannten Szene. Im Weinlokal sich •gebrüstet, er sei selbst Jude .gewesen, kenne also die Juden sehr gut. •, Denket an den Winter! und deckt euren Kohlenbedarf schon jetzt bei der bestrenommierten Firmia Julius Haber, Wien, II., Taborstraße 9. , (Siehe auch Inse-st Seite 12.)' R | Verband radikaler Zionisten 1 Ü Mittwoch, am 12. September 1928 um l/t9 Uhr || Sj abends im KUiblokal, Kaffee AtlasJiof, I., Aspernplatz 55 | Versammlung | H Referent: , =£ --— 3s i Dr. Paul Diamant I Jg. Gegenstand: |= 1 Die jüdische Abfallbe-| | wegung in historischer | 1 Beleuchtung j iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiititiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH ^j^tttaWjM^fe*^ itt

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