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Die neue Welt · 1928-09-07 · Heft 51 (7.9.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 51 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. ,51 sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Oast ist die beste Empfehlung! ■ OTTO KÄSERS« Der verlorene Wille —y. Der Rat des Völkerbundes hatte am 1. September Gelegenheit, seine Autorität i» der Behandlung der Mandatsfragcn vor einer Sciimälerung zu bewahren. Er hat diese Gelegenheit versäumt und damit chic Tatsache gesetzt, die von ungewöhnlicher Bedeutung für die 'ganze. Zukunft dieses neu erstandenen Pratektoratssystems werden muß. Denn was in T r a n s j o r d a n i e n geschehen ist — und darum handelte es rieh — kann jederzeit von irgendeiner Mandats?nacht in irgendeinem anderen Gebiete» vorgenommen werden und dann wird der Mandatsbegriff zu einer leeren Hülse. .England'-hat mit dem.Enilr von T r a n s i o r d a n i e n einen Vertrag geschlossen, der diesem in allen inneren Prägen freie Hand läßt und lediglich dte ä u « e r c. P o I i t i k sowie die Büdgetieruug unter die enscHsdic Kontrolle stellt. Die Mandatskommission erfuhr von diesem Vertrag, der Transjordanien als ti n n b h ä n.gj g e s Kön rcich anerkennt, erst durch eine einfache trockene Mitteilung in dem Bericht über dlj abgelaufene Verwaftungsperiode. Hie Mandatskommission war betroffen und sie beschloß durch ihren Vertreter, vor dem Rat des Volkerhundes gegen diesen Vorgang protestieren.zu 1o.s5.jii. per Vertreter, tat dieses. Lord C u s h e n d r u n, dsr Repräsentant. Englands, antwortete sehr iimviis.h, daß dort der Artikel. 25 des Paiästinamandates da sei, der die englisch« Regierung deckt. Aber das ist gar. nicht richtig. Der Artikel 25 gibt der Palästina-Regierung, nur das Recht, Verwaltungsmaßnahmen in Transjordanien zu treffet!, und es wäre eine sehr merkwürdige Auslegung des Wortes Verwaltung, wenn man darunter auch die Anerkennung der Unabhängigkeit verstehen soll. Der Vertreter der Mandatskommission sali die gerunzelte Stirn, verbeugte sich und stimmte zu. Ja, er erklärte die Auskunft des Lord Cushendrun sogar für beruhigend und der hohe Rat nahm, eine Resolution an, die ausspricht, daß zwischen dem Vertrag, und dem Mandat kein Widerspruch besteht. "Es könnte ja eingewendet werden, daß es für die Praxis, für die Entwicklung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina nur. sehr entfernt wichtig, ist, was in Transjordanien geschieht; v.Aber'vdie - Säcbe --.ist doch von einer sehr eindringlichen Bedeutsamkeit. Denn die Mißachtung der Mandatsbesthnmungcli durch die Mandatsverwaltung und durch den dochfals' Garanten iungiereodeu Völkerbund ist ein. Signal an die Araber. Es ist zunächst darai]:zu erinnern, daß die Abtrennung T r a n s j o f d a n i e n s von Palästina ebenfalls ohne davS Vorwissen des Völkerbundes und seiner Kommission erfolgt ist. Dieses war der erste Streich. Die Araber erfahren nun, daß einer ihrer Staaten, und zwar der in unmittelbarster Nähe Palästinas,.eine Art Unabhängigkeit erlangt und auch eine Art Volksvertretung erhält. Stellt man diese Tatsache mit den in letzter Zeit so lebendig gewordenen Pa r 1 am e n ts.w ü n sehe n der p a 1 a* s t i n e n s i s c h e ii A r a b e r zusammen, so ergibt sich sofort, was der Akt des Völkerbundes bedeutet Es ergibt sich aber auch .die Wurzel dieser Vorgänge. Die zionistische Organisation hat g e s c h w i eg'c n, als unter dem Öberkommissär S a nf u e l Transjordanien weggeschnitten wurde, und sie hat gegen den Vertrag mit dem Emir Abdullah nichts einzuwenden, wobei dieser Ernir auch hoch antijüdisch vorgeht und jüdische Einwanderer nacli Transjordanien nicht einläßt. Es ist die unsägliche politische Schwäche der zionistischen Organisation und. ihr letzter Grund ist der Mangel eines festen nationalpolitischen Zieles. Der J u d e n s t a at war die Aufgabe, wie sie u r s p r ü n g 1 i c h der Große Rat der Entente verstanden hat Aus dieser Konzeption ist das Mandat entstanden. Da die zionistische Organisation in ,ihrer innerliehen Unsicherheit ein Stück nach dem anderen hat weginterpretieren lassen, ist sie zm- Belanglosigkeit herabgesunken. Sie wird nicht mehr gefragt und muß alies Hinnehmen. Und so. erleben Wir jetzt die mehr als merkwürdige Erscheinung,, daß sich auch Juden, Zionisten, politische Zionisten dem Parlamentsgerede anschließen und in Palästina eine Volksvertretung zugestehen wollen, die nach der ziffernmäßigen Lage der Dinge eine e w i g e arabische Mehrheit in Palästina besitzen muß. Die Frage Hat nichts mit Demokratie zu tun und es ist ein müßiges Getue, wenn man: die europäischen Verhälthisse mit ihren starr gewordenen ethnischen Elementen zum Vergleich heranzieht ,Für das Judentum kann es sich nur darum...handeln, di e jti'dls c Ii e M ,e h c h.e i t in P a 1 ä s t i n a zu e rr e i.6 h e n. Das ist. die. Garantie für die Zukunft und sie muß . wichtiger sein . als taJl« >jpiß|3j^chlicl^e Anwendung-, der. Demokratie;. und .als..... alle .besorgten Frageil, w.as die anderen, sagen, /werden. Versprechungen arabischer Führer sind von sehr geringem Wert und.was Versprechungen,überhaupt.geiteitj zet-, gen die Vorgänge im Völkerbundrat und das Zusammenklappen der Mandatskommission. Uebrigens, weshalb sollte denn diese Kommission nackensteifer sein als die zionistische Leitung? Der Wille ist verlorengegangen und nicht nur auf dem Gebiete der jüdischen Palästina-Arbeit. Die jüdischen Vertreter aiif dem Minoritätenkongreß haben mit allen anderen Nationen die aufsehenerregende Resolution angenommen, welche erklärt, daß 40 Millionen Menschen von Mißtrauen gegen den Völkerbund erfüllt sind. Der Beschluß hat in der Genfer Tagung, wie übereinstimmend gemeldet wird, beträchtliche Nervosität erzeugt. Tatsächlich hat .der Völkerbund für die Minderheit nichts getan und am wenigsten für die jüdische. Aber — nehmen wir die Frage von der jüdischen Seite — haben die jüdischen Minderheiten den Völkerbund und die politische Öeffcntlichkeit in den' letzten Jahren überhaupt an ihre Existenz erinnert? Sie tun genau das Gegenteil, sie wollen möglichst wenig Aufsehen erregen. Kümmert sich das Wiener nationale Judentum um die Geltendmachung der jüdischen Rechte auf staatliche Beiträge zu den Schul- und Erziehungszwecken? Es ist ein Zustand der Lethargie eingetreten, dem sich der Völkerbund nur allzu gerne anpaßt. f llIJJMf UrilifSI IfllllllllllltHiStlt llillllltnillltlf f UIH11! tlllUlf illt M11I1ETBTI IIIIIIHllIf tii»=. 3S sc e =r für die ehrw. Herren Rabbiner und Kantoren und Chorsänger in den mannigfaltigsten Formen erhalten Sie ferrig und nach Ma8 in bester Qualität zu den billigsten Preisen! in der altbekannten Uniformieiungsu.üSaBsdinelderei Wien, II.TaöürstraßB Hr. RL/f i (Miigng auf Hausnummer 1) VTl. s Tel. R 45-6-29 Qegr. 1866 | S Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben j§ s Veisand nach allen Weltteilen . ' fleidi illuslrlerlc Kataloge gratis! jf ^liiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiüii......miiimmilF obengenannten'Herzogin, nur* der nach Papst Klemens genannten Treppe. Hierauf setzte sie sich awf der linken Seite seiner Heiligkeit in Bewegung, um in den vatikasetzte sie h der Papst a u f den T. h ro n. Die Frau nischen Tempel hinabzusteigen. D o r t a n g e I.a n g t, " hielt ciiie große angezündete' Kerze in" der Hand; dann " ward. eine umfangreiche' sifberne Schale "gebracht, und ' die Jüdin, von der obengenannten Majestät je-, leitet, wurde, vor dem- Papste niederkniend, von ihm auf' ■den Namen Maria 'Casimira,' demjenigen ' ihrer Majestät, getauft. Nach Beendigung dieser feierlichen Handlung begab sich seine Heiligkeit in die von dem berühmten Ra-r, phael gemalten Gemächer,' um dann die drei G c-' tauften an der Tafel zu b e d i c n c n. Hierauf wurden inmitten der Wache der cbgenannte Angelo und seine Tochter, welche beide ebenfalls brennende Kerzen hielten, herbeigeführt, ufri' vor stfrter Heiligkeit niederzuknien. Dann wiide der •genannte ^ngelo. vom Kar-; <Hna! Ottoboni vor seine Heiligkeit geführt und niederkniend' von ihm getauft, während von demselben Kardinal, der ihn; im Namen des Großherzogs Welt, wobei er den Namen von dem der Familie seiner Heiligkeit Albani annahm. Links vom Vater kniete bereits die Tochter, weiche ebenfalls vom Kardinal 0 11 o b o n j, jedoch im eigenen Namen, gehalten wurde und vom Papste mit 'heilbringen» den Taufwasserii gewaschen wurde, wobei ihr der Name Teresa Vittoria zuteil wurde, mit Anspielung auf den Namen der Kirche der seligsten .hingfnui, wo die Bekehrung stattgefunden hatte, , Nach Beendigung der Taufe begab sich seine Heiligkeit.in die Kapelle des Allerheiligsteu;. hierauf in die dem heiligen Gregor geweihte, setzte sich auf den eigens hergerichteten Thron und mit'Chormantel und Mitra angetan, während die drei neuen Christen mit brennenden Kerzen niederknieten, ward ihnen von seiner Heiligkeit das Sakrament der Firmelung gereicht, wobei der eine vom Kardinal Spada und die beiden anderen von den beiden Kardinälen Nerli und Ottoboni gehalten wurden. Hierauf, w u r d eu Mann und F r. a u v o n s e i n e r H e i 1i g k e i t s e 1 b s t ehelich verbunden. Sofort ward von den Musikern das Tedcnin La-udamus angestimmt, während die drei solange knieten, bis seine Heiligkeit die Gebete beendet hatte, Vom Throne herabgestiegen, begab sich der Papst zum Altar, und mit den heiligen Gewändern angetan, x.elciwicnc w eine stHle Messe, welch« die 'Genannten, auf den Knien, an der Balustrade hörten, wo'sie nicht ahne Hingabe tind Träne ttergnß dib allerheiligste Kommunion empfingen; hierbei wurde bemerkt, wi:e das junge Mädchen nach Empfang der beHig'ert Sakramente sich bis auf die Erde' beugte. Nach beendeter Messe •lind nachdem der .Papst die 'hefti-gen Gewänder abgelegt,'schritt er zunr Altar der ajkrheiligsten Apostel, gefolgt Von den Getauften wo nach den gewohnten Gebeten ihnen die 'heiligen Reliquien der Lanze', des Kreuzes und des heiligen Antlitzes' gezeigt wurden. ■ Hierauf machte sich seine' ff'eiHgkeit mit alten Kardinälen auf den Weg' 'z\t: ' Gem«iehe'rn Raphaels, in. einiger Entfernung von den Getauften 'gefolgt, wo in dem; Saale' ein vornehmes und reichliches' Pnmkmafil angerich- ■ tet war, , und sich auch die Königin eingefunden hatte. ' Alle d r e i G c t a u f fe n u a h fit e n ' nun a n' der' T a f e I Platz u it d w u r d e n von sc i rt e r H e i 1 i g- keit selbst bedient. Der Papste reichte mm jeden' von ihnen den ersten Trunk Weines; -'als er , dann bcnierkte, daß seine Gegenwart die drei in Verlegenheit, setzte, sagte er einem der sechs beiwohnenden Kardinäle er wolle sich zurückziehen, wie er denn auch tat. Und bald darauf, nachdem ihre Majestät die Königin ebenfaiis an der Tafel bedient hatte, entfern-te sie sich, uni sich nach ihren königlichen Palast zu hegeben, während die obge-' nannten' sechs Kardinäle zur Bedienung an der Tafel verblieben. Nach Beendigung der Tafel blieben die drei Getauften bis spät irrt Vatikanischen Palast, wo sie sich dann' verabschiedeten und vom Papst den Segen e in p f i agen. Hierauf 'begaben sie sich, utri der königlichen Majestät von Polen Dank abzustatten, wo sie von neuern Geschenke erhielten; von dort in den-Palast seiner Eminenz des Kardinals Ottoboni, der sie ebenfalls, beschenkte. Und zwar /varen dfe Geschenke., die s?e erhielten, fötiffeiide: '" ' Geschenke, die sie, v.o m; P ä ps t e h n d von.den a.iideren, die a ri der ge n a n n.t U\ heiligen H a u d I u n g t e. i l n a jj m e/ii, e r h i e 11 ej n. I^s -.erhielt demente Cosiniö, vom genauuten Papste ajiinoiiallich für dl**, Dau.ej sc j nes Levens 2i) Scudi (gleich 100 Ual, Llr«, aber nacli dem houte«e« Geldstand* äöO—1000) und eine Sarritbörse mit 100 Goldscudi,' «toten lierrliolieii Krau^ mit Ed^st^iaeu mi vfaw «ro6«n U^aUk von Goldiiiigran und 2 Medaillen, die eine von Gold, die andere von Stöber mit' dem Bildnis seiner Heiligkeit. Vom Groß herzog v od To s k a na ein goidenes Großfcreuz mit Diamanten von" hohem Wert reich verziert. Die Gemahlin erhielt von seiner Heiligkeit eine Pension von eiiief Ripa-Rente'von 5 Scudi monatlich •und ebenfalls eine* Sämtbörse mit 100 Goldscudi und Jhwelenkranz mit 'Goldmedaille, außerdem zwei andere, die ehe von Gold, die' andere von SÜbeT, ebenfaife mit dem Bildnis seiner' Heiligkeit. '' Von der Kö-nigiin von Polen eine goldene Uhr mit dicken Diamanten ..von großem Wort besetz-t. Von der Frau Herzogin Matt e i e iäien Ach ä t k r a n z mit: ' goldener Madaille. Die Tochter des Ehepaars erhielt gleichfalls von seiner Hei Ii g keit den Teil der Ripa-Rente und 100 Gbld-Sbudi' in eiher Sämtbörse, einen Juwelenkra-niz mit goldener Medairie sbwie zwei Medaillen, eine .goldene •und eine silberne. Von' seiner Eminenz Ottoboni einen Ring mit Diamautrosc von vollendeter Schönheit, im Werbe von 1000 Scudi, utid von der Herzogin Mattei einen Achatkränz mit 'goldener Medaille. Bei dem 'Besuch, welchen sie dem Kardinal Ottoboni machten, wn ihm Dank abzustatten, wurden ihnen von s^ine-r Eminenz überreicht: eine Schale aus Bexgkristall, ganz igefütlt .mit verschiedenartigen Wertgegenständen, und eine andere voll von verschiedenen Früchten in Form einer Pyramide.' "' Di« Stadt R'öin hatte keine ähnliche HatKlilwig g«- seberi, seitdem Papst'; Gregor XHI. '(1572—1585) feierlich eine zahlreiche Jttdenfamilie, der er den eigenen Namen Buoncompagni gab, getauft hatte. Man erf'uhT,.,daa ibosagte Maiia Casimira, Gatl&i des Clemente Cosimo, rwrtu.giesischon Ursprungs sei, verwandt mit. v^öW'ha'be^n'.Per^dneii, <wd man hofft, ^mancher Verwandte von Ihr könne! bei} Gelegenheit die jüdische Falschheit aufgeben, um .de«, heiligen Glauben anznnebm€Ot Am Sonnta«. darauf, am 16. des laufenden Monats, bjega-ben sioh aiie drei' 'Neu.getä>uften, weißgekleidet, to einer der KaTOßsen d^t Herzogin Mattei mit einem ihrer Reii-!inech.te(i in dieselbe Öasilika, Iii welcher sie vom Heiligsten Vater durch das Ta'ufwas&er von dem Solwnutze des Judentuuis «er«nügt Vörden waren, und ebendort stattet«» Sfle mit besonderer Ergebung Jenen ihjeMigen Aposteln Dank ab und baten $te am ßtw Scüute.

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