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Die neue Welt · 1928-09-07 · Heft 51 (7.9.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 51 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Hb 31 DIE NEUE WELT Seite 3 Schuhgarderobe Wählen Sie LYCL ßT A HT££ IbblANS GHUHE Defailverkauf zu engros-Preisen nur direkt Sn der Fabrik Kaiserstraße46 abgelehnt, das ursprüngliche Budget B zu akzeptieren, wobei nach Ansicht der Exekutive das zweite Budget nur in Kraft getreten wäre, wenn die Einnahmen dies gestartet hätten. Vielmehr wurde ausdrücklich festgestellt, daß das vom Aktionskomitee beschlossene Budget als ein einheitliches Budget anzusehen sei und daß die Exekutive, im Fall unzureichender Einnahmen, nur berechtigt sei, alle Posten des Budgets proportioneli zu kürzen. Die Exekutive hat aber bereits auf der Aktionskomiteesitzung erklärt, daß sie sich an diesen Beschluß, in dem sie wohl den Rückfall in alte Budgetgepflogenheiten erblickte, nicht ausführen werde, sondern daß sie das ursprüngliche Budget als Grundlage nehmen werde und die beschlossenen Erhöhungen nur dann wirklich ausführen werde, wenn die Einnahmen dem entsprächen. In Palästina geht man aber natürlich von der Voraussetzung aus. daß das vom Aktionskomitee beschlossene Budget zu Recht bestände und verlangt seine Ausführung durch die Exekutive. Der Konflikt hat sich bisher vor allem .tuf zwei Gebieten gezeigt: dem Industrie- und dem Arbeitsdepartement. Die Exekutive wollte für Handel und Industrie nur Pf. 700 bewilligen, das heißt nur, dein Beamtenapparat behalten. Das Aktionskomitee hat diesen Betrag auf Pf. 3700 erhöht, was immerhin gewisse Möglichkeiten der Arbeit gewährt hätte. Ferner hat das Aktionskomitee das auf Pf. G200 festgestellte Arbeitsbudget um Pf. 9000 erhöht, von denen Pf. 5500 für die Kulturkommission der Arbeiterschaft bestimmt waren. Bei diesen beiden Punkten ist bisher der Streit entbrannt, der sich aber unzweifelhaft auch auf anderen Gebieten, so der landwirtschaftlichen Kolonisation, geltend machen wird. Es kann jedoch heute schon vorausgesagt werden, daß die Exekutive auf ihrem Standpunkt beharren wird, so daß es von den Eingängen abhängen wird, ob die Intentioner des Aktionskomitees ausgeführt werden können. tf. ■ Wenn wir über das Budget sprechen, läge es nahe, wieder einmal das Problem des Hadassahbudgets anzuschneiden, das seit dem letzten Kongreß so oft behandelt wurde. Nach wie vor behauptet es sich in seiner alten Höhe und unterliegt als einziger Posten des Budgets nicht den Kürzungstendenzen. Aber es scheint, daß man sich mit diesem Zustande bereits abgefunden hat; denn auf der Aktionskomiteesitzung schien man es bereits ganz normal zu finden, daß eine bestimmte Organisation innerhalb der Zionistischen Organisation aus eigenen Kräften das Budget für einen Arbeitszweig aufbringt und dafür das Recht für sich in Anspruch nimmt, sich nicht hineinreden zu lassen. Aber es ist bedauerlich, dal» diese Tendenzen auch in Palästina immer mehr überhand nehmen. Wenn man gehofft hatte, daß die Wahl von Mi3 S /. o 1 d, der Gründerin und Ehrcnpräsidcutin der Hadassah, in die Palästinaexekutive dazu beitragen würde, die Kluft zwischen Hadassah und Zionistischer Organisar tion zu überbrücken, so ist das keineswegs bisher der Fall Immer mehr erscheint das Werk der Hadassah -in Palästina als ein mit der Zionistischen Organisation gar nicht in Kontakt stehendes philantropisches Unternehmen, das überdies schlecht organisiert und schlecht verwaltet wird und nichts von jener efficiency (Wirtschaftlichkeit) zeigt, für die die Amerikaner ins Feld rückten. Die Regierung hat ihre Ablehnung einer weitgehenden Unterstützung des jüdischen Gcsundheitswerkcs in Palästina g cradezu damit begründet, daß in der Hadassah eine unverantwortliche Verschwendung von Geldern getrieben werde. Jetzt ist der bisherige Leiter des Hadassahwerks in Palästina Dr. Bluestone zurückgetreten, und bei der Frage der Ernennung eines Nachfolgers werden alle diese mit der Hadassah zusammenhängenden Fragen von neuem aktuell. Die Ernennung des Direktors erfolgt von Amerika aus, und es sind Amerikaner, die entsandt zu werden pflegen, die also dem Leben des Landes und seinen Bedürfnissen fern sind. Es scheint, daß die Hadassah auch diesmal es für richtig hält, ohne vorherige Verständigung mit der Zionistischen Organisation diese so wichtige Ernennung durchzuführen und damit die Kluft noch mehr zu vertiefen, die sie heute vom Jischuw und der Zionistischen Organisation trennt. Zu einem höchst unerfreulichen Zwischenfall führte der Weggang Plumcrs. Der s e p h a'r d i s c h e Oberrabbiner Jacob M e i r hielt es für angebracht, als die jüdischen Vertretei sich von Plumer verabschiedeten, zu erklären, er erkenne die neu geschaffene Gesamtorganisation, des Jischuw „Knesseth Jisrael" nicht an und bestätigte dies obendrein am nächsten Tage durch einen Brief, der voii ihm und den: Rabbiner Sonnenfckl, dem Führer der Agudas Jisroel, unterschrieben wurde. Jacob Meir hat dies getan, obwohl bekanntlich die jahrelange Verzögerung des Gesetzes über Knesseth Jisrael (Gemeindegesetz) in erster Linie auf die sephardischeu Forderungen zurückzuführen war, die so gut wie sämtlich.schließlich bewilligt worden sind. Trotzdem macht auch jetzt, nach Publikation des Gesetzes, ein Teil der Scphardim zusammen mit der Agudas Jisroel (Trennungsorthodoxie) Propaganda gegen dieses Gesetz, und zwar ausschließlich wegen des Frauenwahlrcchts, das sich mit. ihren Anschauungen nicht verträgt. Der erschreckend^ Mar gel an Verantwortungsgefühl, den der palästinensische Oberrabbiner gezeigt hat, beweist, wie langsam der Prozeß der wiiklichcn Volksvverdung in Palästina vor sich geht. Der Waad Leumi hat mit Entschiedenheit reagiert, indem er Meir die Berechtigung entzog, in Zukunft namens des organisierten Jischuw zu sprechen, dessen Organisation er bekämpft Es ist noch nicht klar, wieweit die Scphardim hintc. ihrem Oberrabbincr stehen. Decken sie ihn, so muß in der Tat mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß an dieser Frage des Frauenstimmrechts die ganze Organisation scheitert, da ohne den alten Jischuw und die Sephardim die Gesamtorganisation eben keine Gesamtorganisation mehr wäre. Vernunftgründe helfen bei dies».-. Frage nicht; denn wenn man einmal in Jerusalem gesehen hat, wie ein frommer Jude nicht in einen Wagen einsteigt, weil er zufällig neben einer Frau sitzen müßte, so weiß man, wie tief verankerte Anschauungen hier vorliegen. Ebenso ausgeschlossen erscheint es, daß der moderne Teil des Jishuw um des lieben Friedens willen auf das Frrmenwahlrccht verzichtet. Es wäre ein trauriges Zeichen unserer politischen Unfähigkeit, wenn wir die gioßc. Chance, die dieses Gesetz ohne Zweifel bietet,' verfehlen würde. Telephon , Nr. R-28-2-31 MOULIN ROUGE I. Bezirk Weihburggasse 9 „S A Ab 1. September Gastsppiel: SCHWARZE JAZZ-REVUE!!! I AMERIKAS BERÜHMTESTES NEGER-ORCHESTER I Judentaufen von Papst Klemens XL 1704 in eigener Person vollzogen. Prof. Dr. Erm. Loewinson, Direktor •des kgi. ital. Staatsarchivs in Parma, bringt in der „M o n a t s s c h r i f t für Geschichte und Wissenschaft des Judentum s" eine dem römischen Staatsarchiv entnommene zeitgenössische Schilderung einer Judentautfe. Der aufgewendete Prunk -und die Fülle der Taufgeschenke beweisen, wie hoch bekehrte Juden eingeschätzt wurden zu einer Zeit, da man unbek ehrbare erbarmungslos verbrannte. Taufjuden von heute werden bei dieser Schilderung gewiß heiße Sehnsucht nach der guten alten Zeit empfinden. Bericht über die feierlichen Handlungen bei der Taufe, vollzogen vonunscrern Herrn Papst K 1 e in e n s XI. i n der Vatikanischen B a s i 1 i k a d e n 12. M ä r z 1704 a n d r c i J u d c n, n ä ni- 1 i c h F r a u, M a n n und einer Tochter von i h n e n. Angelo Nissim, ein Jude,-ungefähr 35 Jahre alt, wohlhabender Geschäftsmann aus Livorno, Sohn des Elias, vom göttlichen Mitleid für das Wohlergehen seiner Seele berührt, hatte öfters Sehnsucht, das jüdische Gesetz zu , v e r 1 a s s e n, um sich mit dem Wasser der heiligen Taufe zu waschen, abgesehen davon, daß ihm häufig auch von Christen zugeredet wurde, seine Blindheit aufzugeben und die Augen dem Pfade der Gesundheit zu. öffnen. Von neuem durch den Vater des Mitleids begeistert, beschloß er, dieses auszuführen. Nachdem er seine Absicht dem Großherzog (von Toskana), seinem Souverän, mitgeteilt, wurde er 'von diesem mit Frau und Tochter an einem Orte, getrennt von den Juden, untergebracht, um seinen Unterricht im heiligen Glauben Christi zu beginnen; und dann im Monat Jänner 1704 wurden sie wohl'behütet nach Rom geschickt, um sie den Nachstellungen der Juden zu entziehen, welche versuchten, sie von ihrem guten Glauben abzubringen. Es hatte bereits der genannte Angelo, nicht ohne einige Mühe, noch bevor sie nach Rom gelangten, seine Frau gewonnen. Dort angekommen, bestimmte der Oberpriester, der rörigste Seejephirt, daß der Mann in das Probehaus der Jesuitenväter ginge, auf daß er dort in der Ghristuslehrc wohl unterrichtet und unterwiesen werde; und dessen Gattin und Tochter übergab er der Frau Herzogin G i o n e Matt ei, iwn^sic unter ihrem Schutz mit Hilfe der Geistlichen in die Geheimnisse unseres heiligen Glaubens einzuweihen. Es blieb nur noch hartnäckig bei ihrem Irrtum die Tochter, weder durch das Beispiel der Eltern noch durch die Ueberredung gelehrter und frommer Personen — als die göttliche Güte, welche sich vorbehalten hatte, die Gunst zu erweisen, die Härte jenes Herzens zu erweichen, verfügte, durch Dazwischenkunft der unbefleckten Jungfrau, daß am Tage der Bekehrung (25. Jänner) beide Jüdinnen in die Kirche der heiligsten Madonna della Vittoria geführt wurden, wo sie sich dein Weihwasserbecken näherten, die Mutter sich mit Weihwasser wusch, das Zeichen des heiligen Kreuzes machte und der Tochter zuredete, ein Gleiches zu tun. Wiewohl diese widerstrebte, tat' sie ihre Hand -in jenes Wasser und fühlte sofort, wie sie selbst mir berichtet hat, i h r H e r z s i ch von göttlicher Liebe entzünden, machte sich das Zeichen des Kreuzes und sagte, sie wäre bereits überzeugt und wünschte Christin zu werden; ja, sie wollte sogar, wie sie der Mutter sagte, das Ende einer Messe, die gerade zelebriert wurde, sehen. Als nun unser heiliger Obcrpriester Klemens XI. mit ungeheurer Freude die Bekehrung dieser drei Juden sah, beschloß er, sie persönlich im Vatikan zu taufen, und für diese feierliche Handlung wählte er den Tag des Heiligen Gregor des Großen, 12. März 1704, und befahl zur Beiwohnung an der feierlichen Handlung die Kardinäle, den römischen S c n a t, die Botschafter, den Adel und alle diejenigen, welche der päpstlichen Kapelle beizuwohnen pflegen, davon in Kenntnis zu setzen, wie es denn auch geschah. •Dienstag früh sah man vor der Taufkapelle in der vatikanischen Basilika den päpstlichen Thron errichtet, und vor ihm einen Altar, auf dessen Seite ein Anrichtetisch für die silbernen Gefäße, wie sie bei solchen feierlichen Handlungen gebraucht werden, Es war bereits festgesetzt, der genannte Angelo sollte namens des Großherzogs Cosimo von Hochwürden Ottöboni, Vizekanzler der heiligen Kirche, die Frau des genannten Angelo von ihrer Majestät der Königin von Polen und < ihre Tochter, ein junges ungefähr ltfiäbriges Mädchen, im eigenen Namen des genannten Kardinals Ottoboni über die Taufe gehalten werden. Als Mittwoch' Morgen herangekommen war, wurden Mutter und Tochter zum Vatikan geführt von der durchlauchtigsten Her z ogi n- M.a 11 e i ün ihrer hochadligen Karosse und vergoldetem Wagen, Ofen genannt, gefolgt von Lakaien und anderen Karossen vornehmer Herren. Es waren' die genannten Jüdinnen gekleidet iu weißem Damast, mit ihren Umhängen mit weißen Einfassungen, weißen Spitzenhauben, weiß niedrig, und darüber Häubchen aus weißem Taft, womit sie'fast ganz bedeckt waren und sie wurden nach St. Peter geführt und in der Kapelle des heiligen Nikolaus von Bari aufgestellt, unter fortwährendem Beistand der nämlichen Herzogin und anderer Damen. Es kam, ebenso in weißen Damast gekleidet, der genannte Angelo in der genannten Karosse, begleitet von Don Anniiba'le Albaui, Neffe seiner Heiligkeit, und zwei Jesuitenväterri, welche den genannten Herrn nie aus den Augen ließen; und nachdem sie ihn in die Kapelle des Gekreuzigten geführt, blieben sie daselbst, bis sie Nachricht erhielten, Monsignor G o z z o 1 i n i im Bischofsgewand erwartete ihn zusammen mit zwei anderen Prälaten Olivieri und Corradini, in der Säulenhalle der Kirche auf der Seite der heiligen Türe, so daß sie sich unter Beistand der Schweizer Garde, mit der obengenannten Herzogin, Don Annibale und die Jesuitenväter dorthin verfügten. Inzwischen waren die Kardinäle, Prälaten, Stadträte, Botschafter, Kronfcldherr Co- 1 o n ri a und der Gouverneur von R o m, sowie alle diejenigen, welche am Feiertage dem Papste beizustehen pflegen, ebenso wie bereits auf dem Platze zwei Kompagnien Infanterie in Reih und Glied standen, und eine von Kürassieren, sowie die Schweizergarde ganz mit blankgezogeneu Waffen, da eine unzählbare Menge Volk herbeigeströmt war, um die heilige Handlung in der vatikanischen Basilika zu sehen. Nach 17 Uhr langte dort mit ihrem königlichen Aufzug eines sechsspännigen Ehrenwagens, 5 Karossen Vortrab und 3 Gefolge die Königin von Polen in einem Gespann von 6 Pferden, umgeben von dem gewohnten Spahiskorps, und am päpstlichen Palast angekommen, ward sie dort von der Jüdin, welche ihre Majestät über die Taufe haften sollte, erwartet. Diese eilte ihr entgegen, gefolgt von der Schweizer Wache und bereitet fw der \

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