Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-08-31 · Heft 50 (31.8.1928) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 50 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711665--0668-2713827
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10 _ mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Die seinerzeit gebildete Sportkommission des Zionistischen Landeskomitees hat nicht einmal den Versuch unternommen, sich mit den jüdischen Sportvereinen in Verbindung zu setzen und ist, ohne nur das geringste geleistet zu haben, selig eingeschlafen. Die jüdischen Klubs, die auf reinem Amateur Standpunkt stehen, verdienen weitgehendste Förderung, die sich natürlich in erster Linie in finanzieller Hinsicht auswirken muß. Die jüdischen Amateurvercine haben von ihren Wettspielen keine Einnahmen und ihr Weiterbestand ist nicht im geringsten gesichert. Hier tut Hilfe dringend not, um den jüdischen Amateursport zu retten. Die Meisterschaft der jüdischen Vereine. In der zweiten Professional-Liga spielt am 2. September der F. C. Hakoah gegen Donau. Der Gegner des jüdischen Vereines macht eine Krise durch und wird eine Niederlage kaum verhindern können. In der zweiten Amateurklasse Ost tritt der ehemals erstklassige S. C. Hasmonea gegen Cechie an. Die Tschechen haben in der dritten Klasse Süd die Meisterschaft errungen und sind sehr harte Kämpfer. Hasmonea wird eine giute Leistung bieten müssen, um ungeschlagen das Spielfeld verlassen zu können. In der gleichen Gruppe hat Hagibor den S. C. Ostmark zum Gegner. Die jüdische Mannschaft, die durch Beitritt einiger bekannter Spieler eine bedeutende Verstärkung erfahren hat, dürfte knapp siegen. Der Kampf der Lemberger Hasmonea in der polnischen Oberliga. Ein Zentrum des jüdischen Sports in Polen ist seit langem schon die Hasmonea in Lemberg. Der jüdische Allroundverein, der unter Leitung des Senators Rosmarin und des bekannten Lerobenger Arztes Dr. Roller steht, bedeutet ganz besonders für Lemberg den Mittelpunkt jüdisoh-spörtlich-gesellschaftlichen Lebens. Hasmonea hat 6000 bis 7000 treue Anhänger, die sich zu allen Meisterschaftsspielen des jüdischen Vereines einfinden.- Hasmonea ist ein sehr gesuchter Partner, hat aber unter der antisemitischen Strömung bei den Fu ßb allb e h ör d e n und insbesondere seitens der Schiedsrichter sehr zu leiden. Dies wirkt sich besonders in fremden Städten aus, wobei oft. Reisen gemacht werden müssen, da die Vereine der Oberliga sich aus allen Teilen des Landes rekrutieren. Der Kampf um den Verbleib in der Spitzenliga hat zu einer überaus derben Spielweise geführt, die sich natürlich in erster Linie gegen die jüdische Mannschaft auswirkt. Hasmonea nimmt mit 11 Punkten vor T. K. S. (9), L. K. S. (9) und Slons'k (4) die viertletzte Stelle in der Tabelle ein. Der jüdische Verein gewann bisher vier Kämpf e, und zwar gegen SJonsk 6:0, Lodzer S. C. 3:1, Warschawa 3:0, T. K. S. 5:1, drei Matches gegen Lodzer S. C. (2:2), Legja (2:2), Worta (2:2), endeten unentschieden. Folgende Spiele gingen verloren gegen Wisla 0:1, J. F. C. 0:5, Polonia 1:4, Cracovia 2:3, Pogon 0:2, Ruch 1: 2, Turysci 2:3, Caarni 1:3. Hasmonea hat noch folgende Matches aiiszutragen. 2. September: Legja, 9. September: Pogon, 16. September: T. K. S. 23. September: Czarni, 30. September: J. F. C. 7. Oktober: Wisla, 14. Oktober: Cracovia, 21. Oktober: Turysci. 1. November: Slonsk. Der erste jüdische Sportverein in Italien. Vor drei Jahren wurde der Versuch gemacht, in T r i e s t den ersten jüdischen Sportverein zu gründen. Einigen jüdischen Sportsleuten aus Wien, M. Kupfermann und Zimmetbaum, die seit längerer Zeit in Triest beruflich tätig waren, ist es damals gelungen, die Triester Judenschaft für die Gründung eines jüdischen Fußballvereines zu interessieren. Der Verbandskapitän des jüdischen Sportverbandes Oesterreichs, Emanuel Fiscus, hielt einen Vortrag über die jüdische Sportbewegung und der momentane Erfolg blieb auch nicht aus. Es wurde sofort ein Komitee gebildet, dem die Triester Juden eine Spende von 10.000 Lire überwiesen. Während der ganzen Zeit ist es aber nicht gelungen, den jüdischem Klub wirklich zu schaffen, um so mehr als die beiden Gründer Kupfermann und Zimmetbaum Triest verlassen haben. Herr Emanuel Fiscus, der vom Fascio giovanile ebraico (Jüdischer Jugendbund Triest) eingeladen wurde, nochmals am Aufbau der jüdischen Sportvereine mitzuhelfen, sendet uns folgenden Bericht: Triest zählt heute ungefähr 10.000 jüdische Einwohner. In den letzten Jahren hat sich der Sport in Triest gewaltig entwickelt. Es bestehen mehrere Vereine, die verschiedene Sportzweige betreiben. Die bekanntesten Sportsleute sind fast alle Juden. Es besteht in Triest wie in ganz Italien kein Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden. Die Sportvereine halten es für eine große Ehre, Juden als Mitglieder zu zählen. Unter diesen Um- _DIE NEUE WELT_ lllillllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllEHIillllillllllllllll I^enfimUluftrio" ftiitorfeiM ÜBfeit (OLGA KADISCH) Jfigermayerstraße 15 - Telephon 99 Stelle 8 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - Mäßige Preise ständen war es bisher schwer, die jüdischen Sportsleute in einem eigenen Klub zusammenzufassen. In Triest war viele Aufklärungsarbeit notwendig, um die jüdische Jugend für einen jüdischen Sportverein zu interessieren. Daß es doch gelungen ist, endlich den ersten jüdischen Fußballverein Italiens (F.G.H.) ins Leben zu rufen, ist der intensiven Arbeit der Herren Ing. Fischer, Mitglied der Prager „Borussia", und Dr. K o l b zuzuschreiben. In letzter Zeit sind von den Triester Klubs Ponziana, Edera und Gymnastica zahlreiche jüdische Spieler beigetreten. Die plötzliche Flucht findet darin ihre Erklärung, daß der Sport in Italien der faszistischen Organisation untersteht und diese jetzt den Befehl erteilt hat, daß alle Triester Sportvereine sich unter dem Namen S. F. Triest zusammenzuschließen haben. Schon in nächster Zeit dürfte das erste Spiel des jüdischen Vereines stattfinden. An finanziellen Schwierigkeiten wird der zionistische Verein nicht zu leiden haben und deswegen ist auch zu hoffen, daß man bald vom jüdischen Sport in Triest Erfreuliches hören wird. Die Hockeyspiele der Hakoah. Die erste Klasse wurde reorganisiert und zählt nun sieben Vereine. Kommenden Sonntag beginnt bereits die Meisterschaft. Hakoah tritt gegen W.A.C. an und wird Mühe haben, erfolgreich zu bleiben. Die weiteren Matches derKrieauer lauten: 30. September: Amateure; 14. Oktober: Ob.H.C; 21. Oktober: Arminen; 28. Oktober: V.F.B. Deutschlands Turner ehren die jüdischen Gefallenen. Aus Anlaß des deutschen Turnfestes wurden in K ö I n von der Deutschen Turnerschaft am Denkmal der jüdischen Gefallenen, Synagoge Roonstraße, durch den Ersten Vorsitzenden des Hauptausschusses, Stadtverordneten B* Gödde, in Gegenwart des. Gemeinderabbiners Dr. Ro" senthal, der Kameraden, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, einiger Vertreter der Kölner Synagogengemeinde und des Jüdischen Turnvereins Kränze niederr gelegt. Nach einem kurzen Gebet des Rabbiners Dr. R os e n t h a 1 richtete im Auftrag der Jüdischen Gemeinde Köln Justizrat Dr. Bodenheim er einige Worte an die Anwesenden und gab der Hoffnung Ausdruck, dafS die deutsche Turnerschaft durch ihre Unparteilichkeit dazu beitragen möge, daß Klassen- und Rassenhaß verschwinde und Einigkeit alle deutschen Volksgenossen verbinde. Ein Jude deutscher Tennismeister. Bei den •internationalen Tenniismeisterschaften von Deutschland, die ihn Verlaufe der letzten Tage in Hamburg ausgetragen wurden, errang im Herreneinzel'Sfriel der Berliner jüdische Champion Prenn der deutschen Meistertitel. Er schlug den Verteidiger des Titels, Modenhaaier, in drei Sätzen 6 :1, 6 :4, 6:3. Kadimah—Wr. Sparta 4 :0. 250 Zuseher. Bewegungsplatz. Der Sportklub Kadimah konnte sein letztes Qualifikationsspiel sicher gewinnen und schlug die spielstarke Sparta nach einem einwandfreien Spiel. Die Sparta spielte sehr roh, so daß der Schiedsrichter sich gezwungen saht das Spiel um die Mitte der zweiten Spielhälfte ab zur brechen. Die Kadimah ist gleich vorn und Allina gelingt es, nach einem schönen Strafstoß aus 30 Meter einzusenden. Nun beginnt die Sparta sehr roh zu spielen, dann schießen nach schöner Kombination Hochwald zwei Tore und Selzer eines. Die besten Leute waren:! Minzer, Allina, Adlerblum. Heß und Neufeld wurden vom F.C. Hakoah verpflichtet. Blau-Weiß wird an der Hockeymeisterschaft der zweiten Klasse teilnehmen. Austritte aus dem Judentum. Dr. Engler Richard, geb. 15. V. 1891 Wien, verh., XX., Wailensteinstraße 29, md dessen Frau Engler Klara, geb. WtaternUz, geb. 13. IV. 1900. — Lampl Karl, geb. 13. IV. 1902 Wien, Jed., XViII., ßaldriohgasse 3. — PoIIak Allred, geb. 12. V. 1808 Wien, Jed., XIX. Billrorhstraße 20. — Splelmann Julius, gefl>. 11. I. 1898 Wien, gesch., XVI., Grundsteingasse 5. —> Jusltz Beno, geb. 11. III. 1884 Stob, verh., V., Margaretengürtel 94. — Wittels Hans Rudolf, geb. 6. VII. 1932 Wien, I., Hohenstaufengasse 9. — Zllberstajn Abram Wlgdor, geb. 27. VI. 1899 Konpeclso, verh., IX,, Lieohtensteinstraße 151. — Rlesenfeld Rosa, geb. 22. I. 1898 Bdelitz, led., IX., Bindergasse 11. — Wllczek Friedrich, geb. 7. VII. 1901 Wien, led., IX., Freiheitsplatz 16. _Nr. 50 SCHOLEM ALEJCHEMi MENACHEM MENDEL. (Aus dein Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz.) Copyright 1921 by R. Löwit. Wien und Leipzig. (33. Fortsetzung.) Einen Augenblick, ich bin noch nicht fertig," — antwortet ihr Sonitschka und fährt mit den Fingern so eilig übers Klavier, daß das Auge gar nicht folgen kann; und die Mutter, Bejle-Leah nämlich, läßt währenddessen kein Auge von ihr, so, als wollte sie sagen: „Das sind Finger!" Wie sie so spielt, stiehlt sich mein Brautvater mit der Frau aus dem Zimmer und ich bleibe allein mit dem Mädchen, mit Sonitschka nämlich, unter vier Augen. „Jetzt ist die Zeit da," — denke ich bei mir — „mit ihr ins Reden zu kommen; wir wollen hören, ob sie reden kann." Doch womit beginnen? Ich will so von allem Bösen wissen, wie ich das weiß! Ich stehe auf, gehe zum Klavier, stelle mich hinter ihrem Rücken und mache mich ihr bemerkbar: „Entschuldigt, Sonitschka, daß ich Euch im Spiel unterbreche; ich möchte Euch etwas fragen ..." Sie wendet den Kopf nach mir, wirft mir einen ärgerlichen Blick zu und sagt mir russisch: „Nun ... nun!" — Sage ich: „Ich wollte Euch fragen, was für Wünsche Ihr habt; das heißt, was für eine Gattung Bräutigam soll man Euch geben?" „Sehen Sie," — sagt sie schon ein wenig weicher und schlägt die Augen nieder — „selbstverständlich möchte ich einen Studierten, doch ich weiß, daß das nicht so einfach ist; also möchte ich einen,, der ordentlich aussieht, vor allem gebildet ist; denn wenn auch unser Jampol eine Provinzstadt ist, so haben wir doch alle russische Bildung genossen und wenn wir auch nicht die große Welt sind, so werdet Ihr bei uns doch niemand finden, der nicht Emile Zola kennen würde, Puschkin und zumeist auch Gorki ..." So redet zu mir das Juwel, Sonitschka nämlich, und redet und redet, halb jiddisch, halb russisch, eigentlich mehr russisch als jiddisch. Indessen kommt die Mutter, Bejle-Leah nämlich, und ruft die Braut, als wollte sie sagen: „Alles mit Maß ..." Und mein Brautvater, Mojsche Nissel nämlich, kommt wieder herein und wir setzen uns selbander nieder, um von der Heirat zu reden, wieviel er Mitgift gibt, wohin man zur Beschau fahren soll, für wann die Hochzeit festzusetzen wäre und dergleichen, was zum Geschäft gehört. Und ich stehe auf und will zur Bahn, ein Telegramm aufgeben; da faßt er, Mojsche Nissel nämlich, mich bei der Hand und sagt: „Ihr werdet nicht gehen, Reb Menachem Mendel! Erst werdet Ihr mit uns etwas essen, Ihr seid gewiß hungrig!" Nun— man wäscht sich zum Essen, trinkt ein paar Gläschen Weichsel und er, Mojsche Nissel nämlich —. er ist unermüdlich';' sein Mund 'steht;keine Sekunde still: Jampol, Jampol, Jampol ... „Ihr wißt nicht" — sagt er —- „was für eine Stadt das ist! Eine Stadt von MJüßigv gängern und Klatschmäulern. Wenn Ihr mir folgt," — sagt er — „haltet Euch beiseite und redet mit keinem ein Wort. Erzählt den Leuten" — sagt er — „keine Geschichten, wer Ihr seid und woher und was Ihr hier ziu tun habt; und meinen Namen nennet ihnen nicht einmal, so, als kennet Ihr mich überhaupt nicht. Versteht Ihr, Reb Menachem Mendel? Ihr kennet mich überhaupt nicht!" So redet er in mich hinein, wiederholt zehnmal dasselbe; endlich gehe ich fort und schicke ein Telegramm an meinen Kompagnon nach Jarmelinetz, wie wir verabredet haben. Ich depeschiere ihm meine Depesche ganz klar mit diesen Worten: „Ware besichtigt, prima Qualität. Sechstausend. Drahtet sofort Gegengebot und wo zusammentreffen." Am nächsten Morgen' kommt die Antwort: „Unbedingt zehn. Gegengebot halb sechs. Arbeitet auf Vergleich. Beschau Schmerinka. Ware prima. Drahtet." Ich laufe sofort zu meinem Brautvater, zu Mojsche Nissel nämlich, zeige ihm die Depesche und bitte ihn, mir den Sinn zu erklären; denn ich verstehe nicht ein Wort. Er liest die Depesche durch und sagt: „Mahn! Was ist da nicht zu verstehen? Die Sache ist doch sonnenklar. Er will, daß ich zehn gebe, versteht Ihr? Dagegen gibt er die Hälfte von sechs, das heißt dreitausend. Schreibt ihm," — sagt er — „daß er zu gescheit ist. Mein Gebot ist kurz und bündig: Wieviel er gibt, doppelt soviel gebe ich. Und schreibt ihm," — sagt er — „er möge nicht viel Worte machen," — sagt er — „schreibt ihm, es findet sich noch ein anderer für mein Kind." Ich tue nach seinem Rat und schicke meinem Kompagnon folgende Depesche: „Ein Wort. Wieviel er, doppelt soviel er. Nicht herumreden. Anderer Käufer vorhanden." Ich bekomme von meinem Uscher bald Antwort, wieder unverständlich: „Gegenseite halb weniger eins. Ware außerordentlich." Ich laufe wieder mit der Depesche zu meinem Brautvater nnd er sagt mir abermals: „Die Sache ist sonnenklar; Euer Kompagnon" — sagt er — „schreibt, daß er bereit ist, genau die Hälfte zu geben, nur um einen Tausender weniger; das heißt also: wenn ich zum Beispiel zehntausend" — sagt er — „niederlege, sollte er fünf geben; nun will er eins abziehen, so kommt herauls," — sagt er — „daß ich volle zehn geben muß und er nicht mehr gibt als vier. Ein Schlaukopf," — sagt er — „Euer Schwäher; er will mich beschwindeln von oben bis unten. Ich bin aber" -— sagt er ■— „Kaufmann und verstehe was vom Geschäft. Ich will lieber" — sagt er — „doppelt soviel geben wie er und einen Tausender dazu, als daß er die Hälfte weniger einen Tausender gibt. Das kommt so heraus" — sagt er: „Wenn er drei gibt, gebe ich sieben; gibt er vier, gebe ich neun; gibt er fünf, lege ich elf hin;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.