Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 50 (31.8.1928)
- Date
- 1928-08-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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r Nr. 50 DIE NEUE WELT Seite 9 liöf- und fesibafo, von den Rednerpulten der sozialdemokratischen Versammlungslokale am" -häufigsten ertönende, : der sozialdemolkratis(ihen kunststeäle und der kürzlich ins Kulturleben Wiens getretenen Vereinigung werktätiger Juden am meisten geääiifi'ge Jiddisöh-Däitsöh. Das heißt: SchaJom Alejdherti m auscfoej*. Und da nttn ein sprachliches Hindernis, wie etwa bei der hebräischen „Hafoima", nicht vorhanden ist, da ferner gemäß einer zweiten Ankündigung ein jüddflder Schalem Alejohem „unter Weglassung der literarischen Züge seines Lustspiels und unter Zurfickftfhrung der handelnden Personen auf die elementaren Typen des j iddä'S c>h e n Humors" w seihen sein wird, sind sie alle, a'Ue, die sich auf gut pddlsoh-dartsch unterhalte^ wollen,' willkommen. Es sieht so aus» als würden die hinter dem Carl-Theater stehenden Drahtzieher eine unlitera- Tisüti*kösöhere Speise al& Entrecehtem jeder'Theatetdcost entwöhnten PnWikum vorsetzen wollen, dianrM: es ein a-n und für sich uninteressantes Loka* zu seinem' Stammlokal mache. ' . Ein Sclialom Alcjchcni, der 'keine Sprache schreibt, sondern jüdelt und sich daher desselben Idioms bedient, wie die Getauften, Halt)-, Bald- und Rückgctauften, die das Carl-Theater in ihren Wirkungß'k're.is einbezogen halben, ist jedenfalls auch für Feinschmecker ein Leckerbissen. Söhalotn Alejohem gilt ais der größte Name der neujiddischen Literatur, ein Sprachschöpfer ersten Ranges, den die jungen jiddischen Dichter als i'hren Meister verehren. Sein Werk ist in die Weltliteratur eingegangen. Zu seinen Verehrern zählen alle bedeutenden Europäer und die meisten seiner Schriften, in denen die Urtypen des jüdischen Humors klassisch geformt sind, erscheinen bereits auf den Vortragsprogrammeh erstklassiger literarischen Veranstaltungen. Und diese dichterische Persönlichkeit künden die Wiener Literätur- und Theateragenten, sie nennen sich Kritiker, Schriftsteller und Kunstförderer, als mauschelnden Possenreißer, sozusagen als Nadifolger der „Budapester" an. Jan Kiepura über die Juden in der Musik. In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des in. Lemberg erscheinenden jiddischen Tagblattes „Der .Morgen" äußerte sich der bekannte Tenor Jan Kiepura, daß die Juden einen großen Anteil an seinem künstlerischen. Werdegang haben. Schon seit seiner frühen Jugend — führte Kiepura. aus — als Schüler des Gymnasiums in Sos.nowice, pflegte er zu Sinsen. Sein« christlichen. Kollegen ..baten ihn r|femer -wieder, jer möge, sie mit, seinem Gesang, v.ersphonen.t .Hingegen haben, die. jüdischen Mitschüler sich immer um; ihn versammelt, ihm gerne zugehört und ihm; .Mut-ein-, geflößt. Sein erstes öffentliches Auftreten fand im jüdischen Kino „Sphinx" in-Sosnowicc im Jahre 1924: statt, wo; er vor . einem ausschließlich jüdischen Pu<bl?kum zu. dessen großer. Begeisterung unter anderem den Prolog aus,„Faust" sang; Die .Aufmerksamkeit und die Aufnahme waren so herzlich und aufrichtig, daß er vom ersten Augenblick an diese wunderbaren und merkwürdigen Kunstenthusiasten liebgewann. Sie waren , für ihn der Ansporn zu seiner weiteren Entwicklung. > ' ■ ~ Sein erster Lehrer und Entdecker seines Talents war ein Jude, der verstorbene Krakauer Musrkprofesst.r Ignacy Wä r'.rh u t; Diesem in Armut lebenden Lehrer habe er all seine Triumphe zu verdanken,. Kiepura meinte, 'daß eine solche Kultur und ein solches Gefühl wie beim 1 fleischen Konzertpublikum 'bei keinem Volke vorhanden wäre, und daß die Juden die besten und dankbarsten Hörer wären,' die er je kennengelernt hätte. Er hät viel von den Juden gelernt, erklärte Kiepura. Seine Kollegen haben ihm ein wenig Jiddisch- und Hebräisch-Lcsen 'beigebracht. Er finde dön Rhythmus de.* hebräischen Turnkömmandos und die Schönheit der hebräischen Gebctemelodien einzig. Oft sei er in die jüdischen Bethäuser gekommen, um die traurigen jüdischen Gebete, die tief ins Herz gehen, mitanzuhören. Vor zwei Jahren — legte Kiepura dar — habe er; auch über Einladung eines jüdischen Kantors in einer Synagoge in Polen gesungen. Er liebe die Juden deswegen, weil sie trotz der schwierigen Bindungen, unter denen sie leben, die größten Kunstenthüsiasten seien und, mit dem Feuer ihrer Begeisterung das Talent der Künstler entflammen. Die traurigen Erlebnüsse der Juden haben ihren Ausdruck in der jüdisch-musikalischen Schaffung £3-< funden, für die er sich besonders in der letzten Zeit inter-. cssiere. Die Schöpfungen jüdischer Komponisten, wie Rawel, Bloch, Zitomirski, Engel, Mllger, sind Perlen der. Musikliteratur. Er werde in Zukunft.viele Lieder dieser Komponisten in sein Konzertrepertoire aufnehmen. Von jüdischen Künstlern habe er den verstorbenen Josef Schwarz gehört, welcher seiner Ansicht nach eine phänomenale Erscheinung in der musikalischen Wut war. Ueberhaupt haben die Juden sich auf dem Gebieteder Musik große Verdienste erworben. Die beste Illu-> stration hiefür sind gottbegnadete Künstler wie Huberm a n n, Ch e f e z, B e 1 m a n, M o f i n i, Z i m b a 1 i s t,' die 66480646 des jüdischen Kunstgenies. Obzwar — führte Kiepura aus —- er einer katholischen FamiKe entstamme und in streng katholischem Sinne erzogen wurde, liebe er' das pdfeefce ¥<* «od seine UetaEs wfed <** yfelfefctrt in der NEUEN WELT Gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden, Gästen, Kunden in der vom 14. September 1928 Sie sparen Geld, Zeit und Mühe! Um die große Fülle der einlaufenden Gra'ulationen unterbringen und günstigst placieren zu können, empfiehlt es sich, den anliegenden Bestellschein sofortauszuschneiden und umgehend an die Verwaltung der „Neuen Welt" einzusenden. Der Preis für das Einheitsinserat (20 mm) beträgt: 5'- Für das Ausland: entsprechender Gegenwert in der Landeswährung Nüster: I. M. FROST UND FRAU 2. Bezirk, Grosse Mohrengasse Nr. 47 gratulieren allen Verwandten, Freunden und Bekannten ZUM NEUEN JAHRE! Hier, ausschneiden : < An die Verwaliung" der 'j.N'eUen Welt" ' Wien, IX., Universitätsstraße 6-8;; Ich bestelle für die Rosch Haschanah -Nummer der ^freuen Weit" ' - . . ..... Neujahrs^rajulätion(en) zum Preise von und sende diesen Betrag gleichzeitig mit diesem Bestellschein ein. , Text (deutlich ausfüllen): . Name:...............................................*....................................... Adresse: .......................»•»................................:........................................ .................................:...................., den .......................:.............. 1928 vielen sonderbar klingen, es #ei jedoch so. Sein liebstes* Lied, das er oft singe, wenn er allein sei, ist die „H at i 'k w a". Dieses Lied hat so .viel entzückende. Melodik, daß es sein ganzes Herz., erfülle. Encyklopaedia Judaica. Der Verlag „Eschkol" (Ber-* lin-Charlottenburg, Bismard5<straße 106) ersucht uns um Aufnahme der folgenden Zuschrift: Um wichtige Neu-, erscheinungen auf den verschiedenen Gebieten des Judentums in der „Encyclopaedia Judaica'V insbesondere im; bibliographischen Teil, berücksichtigen zu' können, richtet die Zentraldirektion an Verleger und Verfasser die Bitte,, um Zusendung ihrer Veröffentlichungen. \ Albert Einstein hat ein Nachwort zu einer Novelle Arnold Zweigs „Alter Mann am Stock" geschrieben." Diese Novelle hat Arnold Zweig der Jüdischen Altershilfe" Groß-Berlin, deren Arbeit dem Dichter die Anregung gegeben hat, zur Verfügung gestellt. Die Jüdische Altersihrt'lfe wird das Werk, das nicht im Buchhandel erscheint, ihren Freunden und Mitgliedern überreichen. Paul Baratow,, der soeben ein kurzes Gastspiel in. Marienbad absolviert, hat sich nach New' York begeben,"" um dort sein Engagement beim ueiifundierten Morris- S c h w a r.z - T h e a t c r anzutreten. Harry Sacklers Schauspiel wD e s Zaddi'ks Ness i j c" (Oes Gerechten Reise) gelangt in der ersten Hälfte der heurigen Spielzeit in den Wiener „Jüdischen K ü n s t 1: e r s p i e 1 c n" (Theater Reklame) zur Auf-, führung. , Denket an den Winter! und deckt euren Kohlen-' bedarf schon jetzt bei der bestrenammierten Firmia Julius Haber, Wien, II.. Taborstraße 9. (Siehe auch Insekt Seite 12.) F. ' Alle jüdischen und hebräischen Volkslieder und kantoralen Gesänge in der 'unvergleichlichen Wieden?* bc der geräuschlosen „Columbia"-Schallplatten finden .Vui'i reichhaltigster Auswahl im Mnsikhaus „Excclsior", Inhaber, Richard Herzog, Wien. I„ Adlergasse 5, und II., Kleine' Pfarrgasse 28 (Tel. R-23-4-90). Sprechapparate aller Sy-> steme in jeder Preislage auf Lager, ebenso alle modernem Gesangs- und Tanzschlager. Für Sprechapparate auf Wunsch auch bequeme Teilzahlung. Provinzversand per Nachrralune, E Gerhardt Hauptmann jiddisch. Die zwei letzten Bühnenwerke Gerhardt Hauptmanns „Dorothea Angermann" und „Spuk" werden zurzeit ins Jiddische übersetzt und von der bekannten Schauspielerin Lydia P o t o z k a j a, die gegenwärtig in Wien weilt, in ihr Repertoire aufgenommen werden. Vereinsnachrichten. Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsgemeinschaft, II., Untere Augartenstraße 35. Die Renovierungsarbeiten im Hause werden demnächst beendet und der Betrieb wirci unmittelbar nach den Feiertagen wieder aufgenommen. Anmeldungen für hebräische Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene werden ab 2. September täglich mit Ausnahme von Samstag in der Zeit von 3 bis 6 Uhr nachmittags (Sonntag vormittags von 10 bis 12 Uhr) im Sekretariat entgegengenommen. Jüdischer HochschulausschuD. Hofmeister, Hauslehrer -mit Kennitniss enfremdor Sprachen, auch für Nachhilfeunterricht in allen Mittelschulfächern (Philosophen, Pädagogen), erstklassige Kräfte für kommerzielle Unternehmungen und Advokatiirskanzleien (Handelshoohschülcr, Juristen) Privatsekretäre, vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische Hochschulausschuß, IX., Zimmermannpilatz 8, Tel. A-25-2-23. Telephonischer Anruf oder Postkarte genügt. Das Akademische Orchester der „Judca" sucht Mitglieder zwecks Vergrößerung des Orchesters. Anmeldungen schriftlich an den Jüdisch-akademischen Philosophenverein, IX., Zimmermannplatz 8. Hebräische Sprach- und ibelschule der israelitischen Kultusgemeinde, XX., Othmargassc 40, Saal I. Die Einschreibungen finden am 3., 4., 5. und 6. September von 3 bis 7 xJhr nachmittags statt. Der Unterricht ist unentgeltlich. ■• Zionistische Sektion Prater. Der Unterricht hi der hebräischen Schule beginnt Montag, den 3. September. Einschreibung für Kinder vom 6. Lebensjahr an, sowohl für Anfänger als auch für Vorgeschrittene, täglich mit Ausnahme von Samstag von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 3 bis 9 Uhr nachmittags im Heim, II., Jungstraße 8. Der Unterricht (5 Stunden in der Woche) ist unentgeltlich. Pädagogischer Leiter Prof. Meier Chartiner. Hebräische Kurse werden am 3. September um 3 Öhr ■nachmittags im Vereiinslakail, IL, Zirkusgasse 33, eröffnet. Einschreibungen für Knaben wnd Mädchen'im Alter von 6 bis 14 Jaihreu finden ab 27. August 'täglidh Jim Verc.inslokal von 3 bvs 4 Uhr nachmittags statt. Samstag und Sonntag geschlossen. MIsrachi-Minjan. Die Wiener Misrachi-Orgamisatton arrangiert für die hohen Feiertage In den geräumigen und luftigen Sälen des Restaurants „Wienea". M.. Obere Donaustraße 91, einen feierlichen' Gottesdienst mit erstklassigen Vonbeteru und mit Festreden. Der ganze Reingewinn, wird .idem Palästinaaufbaufonds gewidmet. Eintrittskarten (zu mäßigen Preisen sind erhältlich: im\ Misrachi-Bureau, M., Praterstraße 43; Verlag Menohra, TL, :Heinestraße 16, Buchhandlungen Hirschiler!& Comp.. I., Rabensteig 6, M. Rath,. IL, Taborstraße 20 a. . Talmud-Thora-MIsrachL In der Talmud-Thora-Misrachi wird ab 1. September der regelmäßige Unterricht wieder aufgenommen. Es wird Unterricht in Bibel, Talmud und Hebräisch für Fortgeschrittene und Anfänger unentgeltlich erteilt, Einschreibungen im Misrachi-Bureau, PL, Praterstraße'43. ■ Brith Hanoar Hamisrachi, IL, Praterstraße 43. Am Samstag den 1.' September um 8 Uhr abends .findet ein Heimabend mit reichhaltigem Programm statt Sp o r t* und Turnbewegung Helfet den jüdischen Amateurvereinen! Das jüdische Sporbzentrum Wien hat; außer dem zweitklassigen Professional F. C. Hakoali, sechs Amateurvereine. Das jüdische Publikiim — an dieser Stelle Ist dies wiederholt mit Bedauern konstatiert worden —.bekundet für die j üdisch en Amateur vereine nur geringes Interesse. Das hat zur Folge gehabt, daß die Zahl der jüdischen'Amateurvereine rapid abgenommen hat. Von 15 Klubs bestehen heute nur noch die Sportvereine Hasmonea, Hagibor, Makkabi, Kadimah, Menorah und Hechawer. Die Vereine können sich nicht entwickeln, weil sie CARL-THEATER DIREKTOR: EM1LBERISCH 31. August bis 15. September Gastspiel des Moskauer Jüdischakademischen Theaters Künstlerische Leitung: ALEXIS GRANOWSKY Die Berliner Pressesch reibt;; „Da ist ein Spiel . . ., das man als „noch nie gesehen" bezeichnen darf und das: darum, von glänzend gedrillten und ausgezeichneten Schauspielern vorgetragen, verblüfft." Berliner Lokal-Anzeiger. „Bejubeltes Spiel, iäsender Applaus, riesiger Erfolg." B. Z. am Mittag. „Bezaubernd,'bestrickend, beglückend, himmlisch..., aus solchen Adjektiven müßte, die ganze Kritik bestehen." 8 Uhr-Abendblatt. »AB Uhr . Zur Aufführung gelangt: . 7a8 Uhr 200.000 Musikalische Komödie nach Scholen Alejchem Musik von Leo Pulver