Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 50 (31.8.1928)
- Date
- 1928-08-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Seite-S i fi••'__ v—<M-—ll—"™"^"^™ Dollar die Spalte festsetzt. Der Beschwerdeführer, Herr Markus Scher er, ein reicher Mann, hatte den Ehrgeiz, seinen Namen in einer Zeile durch alle vier Spalten weithin leuchten zu sehen. Und er erlegte als treuer Anhänger seiner Synagoge hundert Dollar in barem. In seiner Bescheidenheit wartete Scherer mit seinem nächsten Synagogenbesuch, bis ihm der indiskrete Schanime? gegen ein gutes Trinkgeld die Mitteilung steckte, daß die Bronzetafel bereits mit seinem ehrenwerten Namen geschmückt sei. Am Sabbat darauf marschierte Scherer mit Weib und Kind, Verwandten, Freunden und intimen Feinden in der Synagoge „Ahawath-Achim", zu deutsch Liebe der Brüder, auf, um den Anblick der Ehrung zu genießen. Aber die Freude wurde zur Trauer, das Fest zu einem Skandal. Der Name Markus Scherer okkupiert nicht,mehr als zwei Spalten auf der Tafelj Zwei Spalten zu 25 Dollar macht 50 Dollar. Markus) Scherer lief, nachdem er dem Präsidium der „Liebe der Brüder" verschiedene Liebenswürdigkeiten zugerufen hatte, zum jüdischen Schiedsgericht. Die Verhandlung verlief zunächst recht u n e r q u i c. k I ic h. Es kam dabei für Scherer nicht viel Schönes und für die Synagogcnleitung nicht viel Gutes heraus. Der jüdische Gerichtshof wies1 Scherer mit seiner Klage ab. Der Gerichtspräsident hielt ihm eine verdiente Moralpredigt über „jüdischen Kowed", aber auch der Herr Präsident der Synagoge mußte cs! hinnehmen, daß der Gerichtshof den Handel mit Ehrenbe« zeigungen, selbst wenner zugunsten der Synagoge betrieben wird, als eine unschöne, unjüdische Sache bezeichnete. _ . Die Predigt Groteske von CKva Porach.*) Der Rabbiner: Meine werten Andächtigen... Erste Dame: Will hoffen, daß er's kurz macht. Zweite Dame: Himmel! Schon wieder eine Predigt? Dritte Dame: Hoffentlich dauert's nicht mehr als zwanzig Minuten! Vierte Dame: Ob ich noch dazu komme, meine Einkäufe zu besorgen! Der Rabbiner: Ich möchte heute eine grundlegende Frage anschneiden: Was ist ein Jude? . . . Erster Herr: Bin gespannt, wie heute General- Motors notieren? , Zweiter Herr: Habe vergessen, den Brief an Jones, Jonas & Smith zu diktieren, er war wichtig. Dritter Herr: Mindestens 25.000 Dollar muß ich von Grünberg für das neue Haus bekommen! Vierter Herr: Sollte Lefkowitz noch einmal mit mir in diesem Tone sprechen, so löse ich den Ver1tra.?. Der Rabbiner: Sind wir eine Rasse oder eine Konfession, oder beides? ... Erste Dame: Ach, ich will noch in den Salon Eugenie gehen, um mein Haar ondulieren zu lassen! Wird's noch gehen? Zweite Dame: Soll ich morgen zum Diner einen Huhn- oder einen Fischsalat geben? Dritte Dame: Muß unbedingt zur Manecure! , . Vierte Dame: Bin neugierig, warum die Fislr mau mich nicht zu ihrem Gesellschaftsabend eingeladen hat! Der Rabbiij.«tr: Gleichgültig ist für mich unsere ethnologische Abstammung ... Erster Herr: Hätte ich doch vor zehn Jahren General-Motors gekauft! Doch, wer konnte wissen, was kommen wird! Zweiter Herr: Wie soll ich au "Jones, Jonas &' Smith schreiben? Mal nachdenken! Ich sage ihnen . . . Ich sage ihnen ... Ja, ,was ihnen sagen! Dritter Herr: Könnte eigentlich dem Grünberg auch für 23.000 Dollar das Haus verkaufen. Würde nocli immer 5000 daran verdienen. Vierter Herr: Diese Unverschämtheit von Lefkowitz! Einen solchen Ton anzuschlagen! Und ich kannte ihn doch schon, als er noch ein armer Teufel war! Der Rabbiner: Man legt viel Gewicht auf jüdische Abstammung, viel zu wenig auf jüdische Rehr gion ... - Erste Dame: Nein, bei der Eugenie laß ich mich nicht mehr ondulieren. Sie ist zu teuer. Unverschämt! Anderthalb Dollar! Zweite Dame: Ich glaube, ich mache am liebsten Huhnsalat, man zieht ihn vor und er repräsentiert mehr. Dritte Dame: Wie schnell einem die Nägel Dritte Dame: Wie schnell einem die Nägel wachsen! War doch erst neulich bei der Manicure, kaum1 glaublich! Vierte Dame: Würde mich wirklich ärgern, wenn mich die Fishmaus nicht einladen sollten! Wer sind sie denn schließlich? *) Orva Porach (Fliegender Rabe) ist das Pseudonym, hinter dem sich ein bekannter amerikanischer Gesellschaftskritiker versteckt. In seiner englischen Skizzensammlung „Thinking aloud" (Laute Gedanken) gibt er aufgefangene. Gedanken wieder, Gedanken, die gedacht zu haben niemand eingesteht. Es ist ein Zeichen der Zelt, daß sich die Notwendigkeit wirklicher Reklame immer mehr und mehr dem Publikum als selbstverständlich aufdrängt, und wer die „Säck> Kck-ame" n;ir ci'-rna uroVert, wird von ihrer Wirkung verblüfft sein. Siehe Tcxtinsorat. _DIE NEUE WELT g Der Rabbiner: Was macht's denn aus, was wir sind oder woher wir gekommen sind. Wenn man so manche reden hört, könnte man meinen, Judentum sei nur eine ethnologische und biologische Disziplin . « , Erster Herr: Doch wenn das Kind ertrunken ist» deckt der Bauer den Brunnen zu. Hätte ich vor zelvfl Jahren hundert Aktien von General-Motors gekauft, ich wäre heute Millionär. Zweiter Herr: Den Brief an Jones, Jonas & Smith werde ich scharf bis aufs I-Tüpfelchen abfassen. Ich schreibe: Bei uns gibt es keine Kompromisse. Dritter Herr: Grünberg ist ganz versessen auf das Haus. Er muß ganze 25.000 bezahlen, nicht einen! Cent weniger! : Vierter Herr: Und welche Miene setzt dieser Lefkowitz auf! Als hätte ich nicht noch ganz genau ge-; wüßt, wie und wann er herüberkam. f :ü Der Rabbiner: Das Schwergewicht des Judentums ruht auf seiner Weltanschauung . . . Erste Dame: Ich täte gut, mir einen Bubikopf schneiden zu lassen. Ich finde aber diese Frisur bef dicken Weibern zu lächerlich. Ich bin froh, meine gute' Figur noch zu haben. Zweite Dame: Anderseils ist Fischsalat leichter anzurichten. Ich mache also einen Fischsalat . . . Lieber Gott, jetzt spricht er schon zehn Minuten! Drittp Dame: Meine Nägel haben in der Tat eine aristokratische Schlankheit. Ein Vergnügen, sie anzusehen. Vierte Dame: Und wer sind sie wirklich, diese Fishmans? Habe sie noch als Stenotypistin gekannt. Und was besaß er, als er sie heiratete? Der Rabbiner: Nur dann können wir einen wertvollen eigenen Beitrag auf dem Altar der Menschheit* niederlegen, wenn wir unser Judentum als Weltanschau-: ung betrachten und danach leben ... Erster Herr: Ja, so ist's! Hundert Aktien der General-Motors im Jahre 1918 angeschafft, werden heute wert sein . . . wart mal . . . Zweiter Herr: Nein, ich schreibe nicht, daß ein Kompromiß ausgeschlossen sei. Könnten mich beim Wort nehmen. Ich schreibe: Wir ermpfingen Ihr geehrtes vom 10. d. M. und haben von dessen Inhalt Kenntnis genommen. Wir glauben, daß wir leicht zu einer Verständigung gelangen können. Dritter Herr: Und wenn Grünberg das Haus so nötig hat, so soll er mir 30.000 bezahlen. Er wird noch immer dabei =sein Geschäft machen! Vierter Herr: Lefkowitz — auch eine'Persönlichkeit! Und er untersteht sich, mir gegenüber eineirf solchen Ton zu gebrauchen! :l' Nach der Predigt, zum Rabbiner: Erste Dame: Herr Doktor, Ihre Predigt war wundervoll! , *';i . ' ■ ■ Zweite Dame: So tief und gedankenreich! Dritte Dame: Sic hat mich zu einer besseren Jüdin gemacht! ~N Vierte Dame: War direkt hingerissen^ Der Rabbiner: Danke! Danke! ErsterHcrr: Herr Doktor, es war eine Leistung!! Zweiter Herr: Sic haben den Nagel auf" den Kopf getroffen.? ' ,5• > Dritter Herr: Frisch, mutig, von der Leber weg! V V i e r t er Herr: Was vom Herzen kommt, findet den Weg zum Herzen!!- Der Rabbiner: Ich danke Ihnen, meine Herren. Napoleon über die Sonntagsruhe der Juden. Der Archivar im französischen Nationalarchiv, Dr. Robert A n c h e I, teilt in seinem kürzlich erschienenen Buch „Napoleon und die Juden" den folgenden Erlaß des Kaisers Napoleon mit: „Es list' dem göttlichen Recht zuwider, dem. Juden, der Sonntags, sowohl wie an gewöhnlichen Wochentagen Bedürfnisse hat, zu verbieten, am Son n t age zu arbeite*], um sein Brot zu verdienen. Das Gouvernement 'könnte ein solches Gesetz nur dann erlassen, wenn es denen umsonst Brot gibt, welche keines haben; Polizei und Regierung haben daher hierüber nichts zu bestimmen. Selbst die heiligen Väter schrieben am Spnntage nur den Menschen Ruhe vor, welche im Wohlstände le'ben, oder , die so viel von ihrer Wochenarbeit erübrige^!,; daß sie den Sonntag müßig zubringen können. Daher auch der Brauch in allen christlichen Ländern, daß man mit der Erlaubnis des Bischofs oder -Pfarrers am Sonntage arbeiten durfte, Waruiii sollten dies die Juden nicht dürfen! ... , Man hüte sich wohl, in die Notwendigkeit zu geraten, eines guten Tages Gendarmen gebrauchen; °urn die Juden, die zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes, der Arbeit bedürfen, an der Sonutagsarbeit zu hindern. ' In beiden Fällen zeigt die Behörde A b e r g l a nblaüben, sei er politisch, sei er religiös. Gott hat den Juden die Verpflichtung zur Arbeit auferlegt, weil er nicfit zugegeben hat, daß sie auch nur eine Frucht der Er<je ohne Arbeit genießen . . . So lange ich ab er leb e. sollen in Frankreich Polizei u n d G ef ä n gnis niemals die Mittel sein, A nd e r sg 1 ä«" bige zu tyrannisieren... Ostende, 25. Dezember JS07. Napoleon." Nr. 50 Die Exekutive des internationalen Studentenkongresses soll die Numerus clausus-Frage behandeln. Die dritte Kommission des Internationalen Studentenkongresses fltat auf Antrag der englischen Delegation eine Modifikation des Statutes des Internationalen Studentenverbandes beschlossen, in dem Sinne,. daß die Exekutive der Weltstudentenschaft autorisiert sein soll, auch die Angelegenheiten der Nationalitäten innerhalb der einzelnen L ä u d e r g r ,u pp c n zu behandeln. Die rumänische und die p o 1nischc Delegation, unterstützt von den Delegationen Frankreichs und Schwedens, widersprachen dem englischen Antrage, der trotzdem von der Kommission zum Beschluß erhoben worden ist. Die Exekutive wird somit auch bevollmächtigt sein, die Präge des Numerus clausus zu behandeln und sie zur Dislkussiou vor den kommenden internationalen Stüdentenkongreß zu stellen ♦ Drei Hundertjährige. Der Pariser „Matin" berichtete vor kurzem über den Tod dreier jüdischer Frauen in Algier, die mehr als hundert Jahre gelebt haben. In Mostagancni starb die Witwe Ellie Smadja einige Tage, nachdem sie 101 Jahre alt geworden war. In derselben Stadt starb, 106 Jahre alt, Frau Cohen S c a 1 i, die die Tochter des früheren Rabbiners in Orän war. In F r e m d a h, De-t partement Oran, starb die Witwe Abraham T e b o u 1 im Alter von 1C4 Jahren. Madame Teboul war eine sehr interessante Persönlichkeit. Sie besaß bis in den letzten Tagen ihres Lebens eine auffallende Geistesfrische und ein erstaunliches Gedächtnis. Sie erzählte ihrer Umgebung gerne von ihren Jugenderlebnissen und besonders lebhaft vermochte sie die großen Kämpfe der Franzosen in Algier, die Einnahme von Tlerriccn durch die Franzosen und den Triumphzug des Kaiserpaar^s Napoleon III. im Jahre1 i'SÖO durch Algier zu schildern. Damals hat Kaiserin Eugenie den Damen der Chefs der eingeborenen Stämme sehr wertvollen Amethyst. Dieses wertvolle Geschenk befindet stück war ein fein ziseliertes. goldenes Armband mit einem wertzollen Ametyst. Dieses wertvolle Geschenk befindet sich auch heute noch im Besitze der Familie A m a r in Relianzc. Fra i Teboul war eine enragierte Freundin, Frankreichs, das, wie sie wiederholt zu betonen pflegte, auch den Juden in Algier gegen über denar ab ischen Uebergriffen Schutz und Gerechtigkeit habe angedeihen lassen. Theater und Kunst. Zum Gastspiel des Granowski- Theaters. Mauschel als Sprachforscher. Die Leser der Wiener „Arbeiter-Zeitung" haben anläßlich der Ankündigung des Granowski-:Gastspie:les, das ist des Moskauer JüdiiscrhAkadeimischen Theaters, eine -überaus interessante Neuigkeit erfahren, die nämlich, daß die Truppe nicht in einer fremden Sprache spielt, sondern in dem allgemein verständlichen jiddischdeutschen Jargon. Und da das Gastspiel mit einem Werk von bzw. nach S c h ia l o m A1 c j c h e m beginnt, eröffnet sich allen Wißbegierigen die zum erstenmal ikonstatiertc Ueberrasäung: Schalorti Alejöhem seihreibt nicht in einer den Wienern fremden Sprache. Er schreibt das „uns allen" verständliche, in Kabaretts, Revuen, Witzblättern Die österreichische Tabakregie beteiligt sich auch heuer an der. Wiener Herbstmesse. Im Hauptfiofe des Messepalastes erscheint sie wieder mit ihrem Propagandaauto. Im Messepavillon am Rotundengelände wird zum erstenmal die „Manipulation" griechischer Rohtabake durch Arbeiter der neuen Einkaufsorganisation im Orient vorgeführt. Griechische Arbeiter und Arbeiterinnen werden hier die Tabake aus den Bauernballen klassenmäßig nach Qualität sortieren. Im Ausstellungsraum des Pavillons werden Szenen aus der orientalischen Tabakkultur in Bildern gezeigt und die Erzeugung von Zigaretten in den österreichischen Tabakfabriken kinematographisch vorgeführt. Im Propagandaauto wie auch im Rotundenpavillon werden sämtliche Fabrikate der Tabakregie — die gangbarsten Sorten auch von der Entnikotinisierungsanstalt Aug. Falk entnikotinisiert — verkauft. ' E ^mmimmäämimäimimmmmm^ Ich erlaube mir dem P. T. Publikum zur Kenntnis zu bringen, daß ich ab 1. Juli 1928 eine streng ittfD SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., Klosterneuburgerstraße 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwürden des Rabbiners M. Mayersohn pnsKft-jy nims1?? t YiTiö DD-nson pari wen nrff nrawn rinn pni p,d ytem mjn tdk wwbv t«d neu eröffnet habe. — Täglich frische und erstklassige Spezial¬ Erzeugnisse feinster Wurstu. Selchwaren. — Provinzversand WILHELM PETYAN« SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., Klosterneuburgerstraße 60 Telephon A-43-1-59 ^fffl(flffffRflPrfPr!VlfllTWTWfl?rWrWIWr^r^