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Die neue Welt · 1928-08-31 · Heft 50 (31.8.1928) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 50 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Hfc&* DIE NEUE WEC1 Seite 7 Bib elkunde beraten ond «der macteten Sitzung Vorschläge unterbreiten saß. BezügiMüh der Gründung e+nes Letastrihls für Jirddisclh wurde gege« «wert Stimmen beschlossen, eine Kom.mäss'ion einzusetzen, die die allgemeine Definition und GHederun« des geplanten Lehrfaches vorberaten und der nächsten S * t z u n g Bericht erstatten soM. In die Kommission wurden die Herren Dr. Buber, Professor Perles «ntd Professor Schorr entsendet. Der Verwiailtunssratt,, beschloß sohtä'cßlioh die Einberufung eines Kongresses für die Wissenschaft vom Judentum. Es wurde eine Studienkomniission eingesetzt, die nach Sammlung von Gutachten und •Materialien ein aus* fübrliches Projekt bis zum nächsten Frühjahr ausarbeiten soll. Das Projekt soll dann einer repräsentativ e n Konferenz jüdischer Gelehrter unterft II Inli. RIdiard Herzog WIEN i'StSSSSS&m^ Telephon 73-4-90 Sprechapparate jeder Art, sowie sämtliche Jüdischen und hebräischen Schallplatten in reichster Auswahl stets auf Lager PROVINZVERSAND t PROVINZVERSAND! MM breitet werden, welche die Kommission im Anschluß an die nächstjährige Sitzung des Verwaltungsrates einberufen soll. Die Kommission setzt sich zusammen aus den Herren Professor Dr. Schorr (Vorsitzender), Professor Dr. Blbogen (Schriftführer), Dr. Martin Buber, Dr. A. Bücfoler. Professor Dr. Louis Ginzberg, Grand-- Rabbiu Dr. I. Levi und David Je Hin. AUS PALÄSTINA. Das abgesperrte Nationalheim. Aus Jerusalem, 20. d. M., wird gemeldet: Im Gegensatz zu einer früheren Verordnung, wonach aus Rußland nach Palästina ausgewiesene Zionisten ohne Visum ins Land kommen dürfen, teilt die Einwanderung gb e h ö r d e jetzt mit. daß von nun ab nur solche Personen aus Sowjetrußland nach Palästina kommen dürfen, die im Besitz eines regulären Passes sind und denen es erlaubt ist, eventuell nach Rußland zurückzukehren. Der polnische Vizekonsul. Der Vorstand der polnischen Juden in Tel-Awiw nahm eine scharfe Protestresolution gegen das antisemitische Gebaren des polnischen Vizekonsuls in Jerusalem, S t a t k o w s'k y, an, der die an ihn sich wendenden Juden in einer unerhörten Weise behandelt. Abschriften der Protestresolution wurden an die polnische Regierung und den jüdischen Parlamentsklub gesandt. Ein Jude lettländischer Honorarkonsul in Jerusalem. Zum Konsul Lettlands in Jerusalem wurde der Jude Mordeohai Kaspi ernannt. Die Ernennung bedeutet, daß Lettland nunmehr dem Beispiel Polens und anderer Ostländer folgen und seine Handelsbeziehungen mit Palästina, die bis jetzt einen zufälligen Charakter getragen haben, befestigen will. Konsul Kaspi ist Inhaber einer der größten palästinensischen Importfirmen, die Abteilungen in Jersalem, Haila, Jaffa usw. besitzt. Sicherung der jüdischen Arbeit in Petach Tikwah. Der Stellvertretende Distriktskomrnissär von Jaffa hat' Vertreter der Kolonisten und der Arbeiterschaft von Petach Tikwah zu einer Konferenz eingeladen, in der über die Sicherung der B e,s c h äf ti gu n g jüdi sc h'e r Arbeiter bei der Orangenernte in Petach Tikwah beraten worden ist. Der Kommissär erinnerte an die Ereignisse des vorigen Jahres, da die jüdische Arbeiterschaft gegen die Beschäftigung arabischer Arbeiter durch Kundgebungen Stellung nahm, die bedauerliche Ereignisse dm Gefolge hatten, und ersuchte die Kolonisten, beim Abschluß der Verträge mit den arahischen Obsrkäu'fern diese zu verpflichten, bei der Ernte jüdische Arbeiter zu beschä-ftiigen. Die Kolonisten erwiderten, sie wiürden alles tun, um die arabischen Kaufleute nach dieser Richtung hin zu beeinflussen, sie verfügten aber nicht über Mittel, auf sie einen Zwang auszuüben. Auf Wunsch der Arbeitervertreter wurde schließlich eine aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzte K o m m i s s i o n gebildet, die die Frage der jüdischen Arbeit «bei der Ernte in Petach Tikwah zn lösen haben wird. Wir sind genötigt, unser Riesenlager in Sommerwaren jeder Art gründlich zu räumen. Das zwingt uns, unsere bekannt billigen Preise noch um ein Erkleckliches zu reduzieren. Es bietet sich daher jedermann eine selten wiederkehrende Gelegenheit, seinen Warenbedarf zu unerhört niedrigen Preisen zu deoken. Wir veranstalten daher einen Sommerräumungsverkauf mit großen Sensationen. Schon ein Blick in unsere Schaufenster, ein Vergleich des Preises und der Qualität der dort zur Schau gestellten Sommerwaren jeder Art wird Ihnen zeigen, daß unsere Leistungsfähigkeit unerreichbarist. Sie müssen, bevor Sie Ihren Urlaub antreten, Ihre Garderobe vervollständigen, für Strand und Land bekommen Sie alles bei uns. 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Daher hat unser „Verein der orthodoxisraelitischen Kultusbeamten in Ungarn" beschlossen, die im Auslande weilenden Glaubensbrüder aufmerksam zu machen, daß unser Verein, dem die orthodoxisraelitischen Kultusbeamten jm Lande zur Verfügung stehen, die pietätvolle Pflicht übernimmt, die. Gräber der Verstorbenen zu pflegen, am Jahrzeitstage für das Seelenheil der Ver storbenen und für das Wohlergehen der Lebenden zu lernen und zu beten. Nähere Auskünfte usw." Kommentar: Es gibt tatsächlich viele, die ihrem Wunsche, die Gräber der Eltern in Ungarn zu besuchen, nicht nachkommen können, weil ihre Eltern irgendwo im I Sensation! - ,^ ..Sensation! | W Einzig in ihrer Art ist die § der Firma E. LORENZ, VII., KARL SCHWEIGHOFERG. 4 Siehe Naiix I Telephon B-38-6-70 Orgovanyerwald oder sonstwo als Märtyrer rassenschützlerischer Terroristen verscharrt sind; auch die Nachkommen mußten flüchten, dürfen noch immer nicht wagen, das Grab der Eltern aufzusuchen. Auch andere sind unabkömmlich für Ungarn. Sie stehen irgendwo noch immer auf der schwarzen Liste als unerwünschte Elemente oder sie wurden als Fremde nach 30-, 40jährigem AufJ enthalt in Ungarn ausgewiesen, nachdem sie nicht nur die Gräber ihrer Väter und Kinder, sondern auch ihr Ver möge,ri zurückgelassen haben. An alle diese ergeht der Ruf der orthodoxen Kultusbeamten von Ungarn. Sie wollen für diese vielen Hunderte, die da in Betracht kommen, das Seelenheil pflegen und nebenbei auch für ihr Wohlergehen beten. Das ist immerhin löblich, und wenn die Idee einschlägt, sogar ein gutes Geschäft. Viel einbilden dürfen sich die orthodoxen Kultusr beamten in Ungarn nicht auf diese Idee. Sie ist nicht originell und liegt jetzt überall in der Luft, wo die Luft politisch verpestet ist. Im Moskauer „Emmes", dem Organ der Jewszekzie in Sowjetrußland, findet sich eine lamentable Auslassung über eine unerhört schreckliche Enthüllung^ In Moskau selbst, dem Zentrum des allein seligmachenden Kommunismus soll sich eine Gesellschaft von „Tillimsagern" etabliert haben, die durch Zirkulare wissen läßt, daß sie für alle jüdischen Männer und Frauen, deren] Kinder Kommunisten sind, und schon grundsätzlich' nach dem Tode ihrer Eltern keinen Kaddisch sagen werden, diesen Pietätsakt übernehmen will. Auch für kinderlose Familien gilt das Anbot. Die Tillimsager von Moskau sind nicht mehr so gschamig wie ihre Berufskollegen in Ungarn. Sie setzen in ihrem Zirkular auch gleich die; Kaddischversicherungsprämie fest. Für jeden zu versichernden Kaddisch hat der zu Versichernde jährlich bis zu seinem Tod 10 Rubel zu bezahlen. Dafür erhält er eine regelrechte Kaddisch-Polizze. und kann dann ruhig sterben. Das ist einmal eine Versicherung auf Ableben! zu eigenem Gunsten. Und in Moskau, wahrscheinlich auch in ganz Sowjetrußland blüht, so klagt „Emmes", das Geschäft der Kaddisch-Versicherung; es sei nachgewiesen» daß in Moskau allein hunderte Juden bereits im Besitze solcher Kaddisch-Polizzen sind und daß die Gesellschaft der Tillimsager sogar schon eine Spar- und Kreditkasse eröffnet hat. Kommentar: Verfolgung und Bedrückung der Gewissensfreiheit erzeugt Reaktion, ohne Unterschied der Der Pogrom. . Von Klabund. Diessr Tage ist in Davos der deutsche Lyriker Klabund (Alfred Hensohke) im 37. Lebensjahre gestorben. Zu seiuem Gedächtnis sei aus seiner Sammlung „Harfcnjuie" das Gedicht „Pogrom" wiedergegeben, das in der Zeit Kischinews entstanden ist: „Am Sonntag fällt ein kleines Wort im Dom, Am Montag rollt es wachsend durch die Gasse, Am Dienstag spricht man -schon vom Rassenhasse, Am Mittwoch rauscht und raschelt es: Pogrom! Am Donnersteg weiß man es ganz bestimmt: Die Juden sind an Rußlands Elend schuldig. Wir waren nur bis dato zu geduldig. (W.orauf man ein'ge Schlucke Wodka nimmtj Der Freitag bringt die rituelle Leiche, Man stößt den Juden Messer in .die Rippen, Daß sie schreiend .rückwärts kippen ... Die Frauen wirft man in diverse Teiche. Am Samstag liest man in der gurten Presse: Dct kleine Skandal sei schon behoben. Man müsse Gott und die Regierung loben; (Denn andernfalls 'kriegt man eins in die Fresse.)" KARTONNAGENFABRIK GELBAND & C9, WIEN, IX. GRUNDLSTR. 5 Telephon 19-0-69 b beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit Gesinnung des Bedrückers. Und zwischen beiden taucht das Geschäft, die Konjunktur in Frömmigkeit auf. * Lingian ist ein Städtchen an der polnisch-litauischen Grenze. Der größere Teil der Stadt mit ihren Geschäften liegt auf der polnischen Seite. Ein kleiner Teil mit dem alten jüdischen Friedhof gehört schon zu Litauen und steht unter dem Schutz bis an die Zähne bewaffneter litauischer Grenzsoldaten. Man weiß, der polnisch-litaur ische Konflikt will nicht zur Ruhe kommen und deshalb dürfen die Juden von Lingian und der umliegenden Ortschaften nicht die Gräber ihr er, im alten Friedhof begrabenen Verwandten besuchen. Zehn Jahre lang währte dieser Zustand. Im vorigen Jahre ist es irgend einem energischen Mann im Einvernehmen mit der litauischen Grenzgendarmere gelungen, bei der litauischen Regierung einen Tag festzusetzen, an welchem' Juden aus Polen den Friedhof von Lingian aufsuchen dürfen. Im vorigen Jahre waren die Juden noch mißtrauisch. In diesem Jahre aber wurde als Besuchstag der 9. Ab festgesetzt, der ja. überall, wo Juden wohnen, dem' Gräberbesuch gewidmet ist. Jeder Jude aus Polen, der in Lingian den 9. Ab verbringen wollte, mußte sich vorher) registrieren lassen. Und siehe da, von Wilna allein zogen etwa 1500 Juden, Männer und Frauen, auf den Friedhof in Lingian und von Litauen her kamen gleichfalls Hunderte von Juden, itnd der Judenfriedhof von Lingian wurde zum Rendezvousort für Tausende von jüdischen Familien, die durch den Grenzstrich zwischen Polen und Litauen getrennt wurden und seit zehn Jahren einander nicht sehen durften. Und auch hier blühte das) Geschäft. Die Registration kostete Geld. Und auch im Besitze des Erlaubnisscheines war man noch nicht sicher, daß man lebendig auf den Judenfriedhof von .Lingian gelangte. Der Grenzsoldat fand sehr oft keinen Gefallen an der Nase des einen und an den Schläfenlocken des) anderen. Erst wenn aus dem Grenzübertrittschein auchJ eine kourante Banknote hervorlugte, trat der Schein in Wirksamkeit. Kommentar: In der Galuth, besonders nach ihrer Verschärfung durch den Weltkrieg, hat der Judenfriedhof erhöhte Bedeutung erlangt. ,Ueber die Leichen hinweg tobt sich der Judenhaß aus. Und nur an den Gräbern unserer Toten dürfen wir an vielen Orten das fröhliche Fest des Wiedersehens feiern. Dort, wo uns auch das nicht möglich ist, lassen wir, wie in Budapest und Moskau, unsere Pietät per procura ausüben. * :■; Am Schlüsse dieses Rundflugs kehren wir wieder zu den Lebenden zurück. Kowed, nach Zentimeter berechnet", ist sicherlich etwas sehr Originelles und kommt vorläufig nur in Amerika vor. Vor dem jüdischen Friedens- und Schiedsgericht, das seit einigen Jahren in New York fungiert, klagte vor kurzem ein Mann seine jüdische Gemeinde wegen Rückstellung von 50 Dollar. In seiner Klage erzählt der Kläger, daß in der Vorhalle der Synagoge, der er angeschlossen ist, eine große Bronzetafel angebracht ist, auf welcher alle Ehrenmitglieder und die um die Synagoge verdienten Personen mit goldenen Lettern verewigt werden. Diese Ehrentafel ist, wie der Inseratenteil einer Zeitung, vierspaltig. In den Bestimmungen für die Verewigung auf dieser Tafel heißt es, daß jeder, der seinen Namen dort prangen sehen will, eine Gebühr zu erlegen habe, die mit 25 Bei Stuhlverstopfung, Verdauungsstörungen, Magenbrennen, Wallungen, Kopfschmerzen, allgemeinem Unbehagen nehme man früh nüchtern ein Glas natürliches „Franz-Josef"-Bitterwasser. Nach den an den Kliniken für innere Krankheiten gesammelten Erfahrungen ist das Franz- JoseNWasser ein äußerst wohltuendes AWührnwttei, E

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