Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 49 (24.8.1928)
- Date
- 1928-08-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Mr. 49 DIE NEUE WELT Seite 9 Die .zwei Damen sind in Haiti bürg geboren. Schon in ihren Kinder jähren haben sie sich durch musikalische Fähigkeiten ausgezeichnet. Sie haben die Oper „Turandot" gemeinsam komponiert und in Hamburg herausgegeben, im Jahre 1896, und sie besitzen das Urheberrecht für Amerika. Diese beiden Frauen haben eine ganze Tragödie erlebt: sie wurden ruiniert. Seit dem Ende des Krieges wohnen sie in Tel-Awiw und ernähren sich (sehr schwer) mit Musikunterricht. Als die Frauen erfuhren, daß man eine neue Oper Puccinis, „T u r a n d o t", mit großem Erfolg aufführte,, haben sie Puccinis Noten bringen lassen, und vor einer Versammlung von Musikern in Tel-Awiw und Jerusalem haben sie ihre „Turandot" und Puccinis „Turandot" vorspielen lassen; und alle Musiker waren erstaunt: die Oper ist genau dieselbe. Auf diese Geschichte ist der amerikanische Generalkonsul in Jerusalem, Mr. Oskar Haus er, der zu den besten Musikern in Palästina zählt, aufmerksam geworden. Konsul Hauser hat die Damen zu sich eingeladen; und vor der versammelten Gesellschaft in Jerusalem, an der Engländer und Amerikaner teilnahmen, hat Konsul Hauser selber die b« i d e n Opern vorgespielt: und er war sehr erstaunt! Es hat auf alle den schrecklichsten Rindruck gemacht! So eine Sache! Puccini hat sich nicht einmal 'bemüht, die Tonarten und die Melodien zu ändern. Alles das Gleiche. Das geschah vor einigen Monaten. Der Konsul hat den beiden Frauen geraten, daß sie, da man die Oper „Turandot" im Metropolitan-Opernhaus schon aufgeführt hat, nach Amerika fahren sollender hat ihnen folgenden Brief an Henri Morgentau mitige geben: „Lieber Mr. Morgentau! Frau Frieda Robinson . hat im Jahre 1896 die Oper „Turandot" verfaßt und für die Vereinigten Staaten durch Copyright schützen lassen. Diese selbe Oper hat man' in New York, in der Metropolitan, aber von Puccini, aufgeführt. Die Frau hat einen „good case", aber sie bedarf eines z ii'V c r 1 äs sig e n Rechtsanwaltes, der ihr Copyright schützen soll. Vielleicht wenden Sie so gut sein und ihr den Namen eines Rechtsanwaltes angeben, der ein Spezialist in Copynightfragen ist. Ihr Oskar S. Hauser." Aber die Damen Robinson haben, da sie keine Mittel für die Reise nach Amerika besitzen, sich inzwischen an die Kommission für geistige Arbeiten beim Völkerbünde gewandt, die jetzt tn Italien getagt hat. ■ ' Von der Kommission haben sie eine Antwort erhalten, aus welcher wirklich zu ersehen ist, daß die Frauen das ' Urheberrecht auf Pirccfni# /.Turandot" geltend zu machen vermögen. Und man rät ihnen, daß sie nach 11 a I i e n kommen .sollen, um einen. Prozeß gegen die Erben Puccinis zu führen. 1 "" * Es sei. hiezu bemerkt, daß Puccini noch .während der Komposition der „Turandot" erkrankte und rasch 'noch ein großes Duett für den Schlußaikt skizzierte. Die zwei ersten Akte waren restlos vollendet und auch instrumentiert. Eine Umarbeitung des Finales hatte sich. Puccina nach Aeußeruugen Mascaguis vorbehalten; deshalb wurde die Premiere verschoben. Eine Dybuk-Parodie ta den „Jüdischen Künstlerspielen". Am 25. und 26. d. finden im Rahmen der „Jüdischen K ü n «s t 1 e r s p i e 1 e" im Theater Reklame, II., Praterstraße 34, zwei außerordentlich interessante Sondervorstellungen statt. An beiden Abenden gelangt die bisher in Wien noch nicht gespielte Parodie aui An-s'kis „D y b u k" zur Aufführung. Die Abende gestalten sich schon dadurch sehenswert, daß zum erstenmal die prominenten jüdischen Komilker Jona Reismamn, Max Z e 1 n i k e r, Adolf Bell und S. Zucker gemeinsam auftreten. Ma* Z e 1 n i «k e r, der Liebling der letzten Saison der „Jüdischen Künstlerspiele", wird sich in diesen Vorstellungen vom Wiener Publfkum verabschieden, Jona Reisma-nn, der hervorragende Darsteller jüdischer Typen, zum. erstenmal, vor das Publikum' der „Jüdischen Künstlerspiele" treten. Die Vorstellungen beginnen bei normalen Eintrittspreisen um 81/* Uhr abends. Leone Ebreo, der jüdische Dichter und Denker. In den „Heidelberger Abhandlungen zw Philosophie und ihrer Geschichte" (herausgegeben von Hoffmann und Rückert, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen) beschäftigt sich Prof. Heinz Pflaum mit dem jüdischen Anzt Jeliuda Abarbanel, der unter dem Namen Leone Bbreb geschrieben hat. Von Leone Bb'fco stammen die ,yDialoghi di Amore", die im 16. Jahrhundert zweimal ins Französische, dreimal ins Spanische, dazu ins Lateinische und Hebräische üfoersetet wurden, . Jiddisches Theater. Wie uns berichtet wird, «sollen in Warschau bereits für die kommende Spiel'zdt zwei neue jiddische Theater mit einem Gesamtfassungsra-um von 2300 Personen errichtet werden. Gastspiel des Moskauer Jüdischen Kammertheaters. Das Gastspiel dieses unter der •? Alex. Granowskys stehenden Theaters begingt Frl." 31. August und endet voraussichtlich am 14. September. Zur Aufführung gelangen „ZweMiunderttausend", „Die Reise Benjamins II." und „Die Hexe", durchwegs Bühnenbearbeitungen von Werken jiddischer Autoren.und Musiker. (Die Plakate für dieses Gastspiel weisen in der Ne'mtiing der Autoren Fehler xiuf. Wer ist für diese Nachlässigkeit oder Ignoranz verantwortlich?) Gänzlicher Saison Wegen bevorstehender Uebersledlung verkaufe um jeden Preis alle Arten Reisekoffer» heu patentierte Auto- und Coupe-Schrankkoffer Reiserequisiten u. Lederwaren' neuester Modelle L. STORCH Albertgasse 19 Erfinder und Erzeuger der patentiert. Luftschiff-, Touristen-, Auto- und Coupö-Schraukkoffer ||2. bis 8. September 1928 ifyft&fa SONDERVERANSTALTUNGEN! Internationale Hafen-Ausstellung / Kolonial-Ausstellung j[ Sowjetfussische Ausstellung /„ Technische Neuheiten und Erfindungen" K o hlenmesse Reklame-Ausstellung / Wiener Pelzmode-Salon j[ Bedarfsausstellung für das Gastwirte-, Hotel- und Kaffeesiedergewerbe Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel Land- und forstwirtschaftliche Musterschau IM. Oesterreichische Gerstenschau / Gartenbau-Ausstellung / Kleintier-und miichwirtschaltliche Ausstellung Bundesweinkost * (4. bi*6. September »B8) ERSTE ÖSTERREICHISCHE TIERMESSE «. ws 6. September 1928) m Zuchtviehschau / Nutzviehschau / P/erdeschau Bede u t ende Fahrpreis-Ermäßigungen! II Messeauswelse ä S 5.— bei der Wiener Messe-A!<tleng< Seilschaft, Wien, Vd. Messeplatz 1 — EinlriUslwIen (zum einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und der Neuen Burg) ä S 2.— bei den Kassenschaltern der Messehauser „Der Sänger seiner Frau", das bekannte Schauspiel Osnip Dyimovs, wird an Reinhardts Deutsclhem Tiheater (Berlin-) in einer für diese Bühne eingerichteten Fassung an der ersten Hälifte der SiiN'öbei/t 14>28-2S)' zur Auiffüibnung gelangen. Palästinensische Architektur. Der Wiener Architekt Prof. Dr. Josel.Fr a nk hat sich kürzlich nach Palästina begeben» um die dortige Architektur m studieren. Prof. Frank wird nach seiner. Rückkehr einige Vorträge über den Stil und die Möglichkeiten einer palästinensischen Arohiteiktur halten. Eine Anthologie jiddischer Dichterinnen ist soeben in Chicago im Verlag L. M. Stein enschienen. Die Anthologie enthält auf 400 Seiten Gedichte der älteren jiddischen, Frauenliteratur vom 16. Jahrhundert bis auf die Gegenwart. Die älteste jiddische Dichtung einer Frau in diesem Sammelwerk stammt aus dem Jahre 1586. Enzyklopädie der talniudischen Literatur. Nach dem Plane des jüdischen Gelehrten Dr. Ch. Czernowitz wird in Amerika ein Sammelwerk über die talmudische Literatur vorbereitet, das sechs Teile mit 6000 Seiten umfassen soll. Das Werk wird in hebräischer und englischer Sprache erscheinen. Der erste Teil enthält: Die Geschichte der Juden in der talmudisehen Zeit und die Geschichte der Talmudliteratur, der zweite Teil die Geographie und Oekonomik des Talmud, der dritte Teil die sozialen und kulturellen Zustände der takmidischen Zeit, der vierte Teil; die Sprache und Methode des Talmud, der fünfte' Teil j Religion, Wissenschaft und Folklore, der sechste Teil die 'talmudische Jurisprudenz.. Auch christliche Gelehrte wer den au dieser Enzyklopädie mitarbeiten. Erste Spezial- ^± A .-^ 9 TSjlJlW wetkstäiiefnr 385561 Und I ISCI16 Salongarnituren und Einzelmöbelstucke ADIEK, VII. f&poüog. 18 K^-StSe. « o> r i> und Turnbewegung Zurück zum Amateurgedanken t Der Fußbalfeport befindet sich gegenwärtig *a«* in der gaiuzen Welt in einem Uebergantgsstadiurn, das in vielen Fällen von sdrweren Krisen begleitet' erscheint. Ein „Massensport'4 mit einer ganz kleinen Zahl von Akteuren, aber mit Willkling a,uif Massen ist das Fußballspiel in seinen Motfven ein Ergebnis von Sport,'Spiel, Geselligkeit und' politischen Momenten, das sich durch materielle Tendenzen immer meftir rn die Richtung des Geschäftes hat beugen lassen. Wi'c steht nun der jüdische Fu ßb alil'Spo r t inmitten der -ungeklärten und ungesunden Verbältnisse? Der als Mititd zum Zweck beizeichnelie Anschluß an den Profcssionafenras 'hat ihm nicht gut getan, ebenso wenig wie vorher der Scheduamateurismius. Der stärkste Repräsentant des jüdiiscIhen Fiiißballsportes in der Weilt, die Wie n 6 r Hakoah, ist heute nur mehr ein Schatten der ehemaligen Größe. An der Hakoalh -hat sich überdies döe aimerikanisahe Abart des Berufsspieiertums, die reine Busin eßform, furchtbar ausgewirkt und i'hf fast alle ersten Kräfte entzögen. Nach dem Debakel des Ma'kkab? in Brünn, des Vivoes Athleti'kai^Kliub .in Budapest äst auch die Hakoah- Fußballselction zusammengebrochen. Der Nachwuchs scheint jedoch erireuliclher weise nicht mehr so sehr von' der Mentalität des ProtfessionaJisimius erfiüJliit zu sein,5 wie sich überhaupt in Wien eine luiwerkennbare Abkehr von;dem Professionalsgedanken geiltertd macht, und vor dlem u u t e r der j ü d i s c h ie n J ai ig <e n d. Diese Erscheinatng ist vielleicht die eineiig 'wertvolle und dauernde,' Indirekte Frucht des Proifessionaliistrnius. Der Weg der Haikoah kann nur die Liniie des reinen Annäteunismus sein. Die Idee der jüdisdten Körpefaporöbeweiguntg liisft 'in 'der ganzen Welt bereits genügend verwurzelt Es bedarf keiner Spiitizenleiistungen. mehr, wenn sie durch Vor.-- fälisohmng des jüdisch-nationalen Gedankehs erkannt werden. * Ann Montag abends fett lim Klubiheim der •Ha'koah eine gemeinsame Sitiziumg der Leitung der Seiktiomsvorstände und des Proponentenkoimitees stattigetfuuiden. In dieser Siteuaig stiimimte Dr. Löhne r - Beda der AiufStellung eines Pro- :: ies&ionalMubs m\ der neben.der Aimateursektfion bestellen soll. Dieser Klub soM innerhalb eines Jahres S 30.000 der Gesarntsohiildenlast des Vereines abstoßen, während däe Aimafceursektöou a;Ue- Spieler bis .izum 16. 'Lebenswahr umfassen, also gewissermaßen als Vbrbereitiiuvg&klasse funifctionieren wird. ' ■ -1 Freundöchaiftsspiele der jüdischen Vereine. . Der F. C. Ha k o a'h trwg ein Match gegen den ersst- 'klassiigen Amateairverein Metalkim aus• und tonnte 3:2 (1 : 1) siegen. Die Ha'koah, die ein -ganz zeiifahrenes Spiel Höferte, Ihat, den Erfolg ausschliießiMclh ihreim Tonmarwi O ip p e nb.ie i m izu-verdiahlken. Die Tore für .die Sieger erzielten F e 1 d m a n n (Elfmeter), S clh ö u f el d und ßi rnb a u im. . ... Allste!hing.:. Oippenhejni; Scheuer, Feldmann; Stroß, Brandes, Pc'llaik; Mausiier, Schock, Schönfeld, 'Birnbaum, Fischer. H a s m o n c a xintenlaig nach gileichwertitgeim K'aimipf gegen den vorjährigen erstklassigen Amateupmeister Hac- Nordstcnn 0 :1. Die jüdische Mannschaft iiilhr.te ein schönes Spiel vor und ein unentsclhiedenes Resultat wäre gerechter gewesen. Das Reservespiei endete 1 \ \ unentschieden. .Unbegreiflich ist. es, wie der S. C. M.enoraih eirne koimiblnlertie Rapid-Mannschafit »um Gegner wählen konnte. Die Hütteldorfer stellten . eine ■ Mannschaft,;die sich gögen jeden erstklassigen Ligäklub behaupten könnte und 'Siegten gegen Menoralh niühelos 20 : 1 (!). Das Resultat hätte auch 40 :1 lauten können. Daau fand noclh das Treffen vor dem Mitropaspiel Rapid—'Hungaria, denn über 20.000 Zuschauer beiwohnten, statt. Das nicht besonders jüdenf.r e u ivdl i c h e H ii 11 e 1 do rf e r Pu bi i k u <m m ach t e sich über d i e j üd is ch e n Spiel e r 1 u s t ig und die Rapid-Spielpr, dje es mit deiin siportliohen Austand nicht senau. neihmen, machten ihre Gegner lächerlich. Der S. C. Meiiorah, der es wissen tonnte, welche Rolle er. gegen Rapid spieien wird, hat dorn Ansehen des jüdischen Amateursportes großeii Schaden augefügt. Ein antisemitischer Schiedsrichter. Das zweite Qualifikationsspiel gegen ■ Alsergrund verior Kadimah 1: 2, Durch diesen Mißerfolg ist der judische Vereiu nicht geschädigt, weil er schon durch den Sieg gegen Post sich den Verbleib in der zweiten Klasse residiert hat. Der S. C. Kadimah bot auch gegen Alsergrund eine gute Leistung und hätte den Kampf nicht verloren, wenn d er Sc hie d s r 1 c h t e r Mal y, der «idh