Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 49 (24.8.1928)
- Date
- 1928-08-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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i Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 49 Die Juden in Belgien. Jtktfsche Theaterplakate. — Jüdische Streikbrecher. — Der Tod des Baron Lötvenstein. Ueber die Lage d-er Juiden in Belgien, deren Zahl im Kriege und nach dem Kriege sehr stark gewachsen ist, weiß die in Antwerpen erscheinende frauizüsisohc zionistische Zeitung „H-attikwch" Interessantes zu berichten. Man betginnt in Belgien mit den früher unbeachteten Juden, ■/a\ rechnen. Theater und Kinos geben Plakate in jiüZiselier Sprache aus, um Vorstellungen anzukündigen, welche Juden besonders interessieren. Man wählt auch viele Stücke, welche steh im jüdischen Milieu absptolen. Die Reise des Ministers und Soiza-aJistenführers Vandcrvcldc nach Palästina hat den ■'Anstoß zu einer lebhaften Debatte über den Zionismus In der Presse und den verschiedensten politischen Kreisen gegeben. Freilich is-t das Iiiitcresse, welches man den Juden zuwendet, nicht immer ein günstiges. Es machen sich 'Anzeichen einerantisemitischen Tendenz geltend. So haben anläßlich des großen Streiks im Antwerpner Halen die sozialistischen Blätter .gegen die Juden Stellking genommen, weil sich jüdische Einwanderer dsiz.it hergaben, Streikbrecher arbeit zu verrichten. Die Zeitungen schrieben.: ..Neger, Chinesen und Juden sind Schäd- 1 i n g e." Tatsächlich haben aribeli-slose, verelendete jüdische Einwanderer Arbeit im Haien angenommen. Verzweiflung hat sie dazu getrieben, da alle ArbeitsSlosen Unterstützung .seitens der Arbeiterorganisationen erhalten, sie aber von jeder HHife ausgeschlossen . sind. Das. ziontstische Blatt meint, d<aB es notwendig ist, sich um diese anmon Menschen zu künnmeriii und zu verhindern, daß sie unter dem Drucke des Eiernd« die Solidarität .unter den Arbeitern stören, weil dadurch eine schlechte Stimmung geschaffen wird. Zuantisemitischen Auslassungen gab auch der mysteriöse Tod des vielgenannten Baron Löwen st ein Gelegenheit. Die rechte Presse schilderte ihn als den Typus des jüdischen Schwindlers und-skrupellosen GeMmacbers. Das zionistische Blatt meint, daß der Fai des getauften Juden Lüwenstein nichts gegen die Juden beweist, sondern nur zeigt, daß in.der Regel die schlechtesten Elemente unter den Juden deiv Assimilation verraillen. Es erwähnt auch, daß .seitens der Hinterbliebenen .und Freunde Löwensterns eine förmliche Pressekampagne, veranst-aOtet wurde, •um'zu "beweisen,, daß Löwenstem es mit der Tauic ernst genommen hat und. ein i rom<m,giäub ig er Katholik geworden ist. So wurde in allen. Blättern kunldgclan, wie otf.LÖwei-stein zu in Gofctcisdicnst In die Kirche ging und wieviele M e s.-s'e n nach seinem Ve.rsohwinden gelesen wurden. .; Schutz' verlassener Frauen und; Kinder. ' .Der Kampf gegen desertierende Ehemänner. GegemwärMg wellt in Europa das Direk- ^ionsmitig'Hed des New Yorker „Nation-all Deser- „';v tlon-ßureau". einer jüdischen Organisation zum v.v r Schutze verlassener Frauen und Kinder An ' r Amerika, Rechtsanwalt ' Charles Zu ins er. . -\ Lieber dieses Bureau' und. seinen Zweck gab Jiefx Zunser — ein ohn des in der jüdischen ^LHex-af Urgeschichte bekannten Volksdiqhters; F,iiakum Zunser ,r— Pressevertretern gegenüber ' . '. ■ ..iolgejide. Irnormaticn:' . •: Die Vereinigte jüdische WohliährtsgeseiJschaf* in New York, welche jährlich nahezu eine Million Dollar für U|ifersttitzir|igs!Z'Wecke ausgibt, mußte.. 20 Prozent dieses Betrages für Frauen aufwenden, die von ihren Männern verlassen wurden. Der große amerikanische Scbmeiztiegel, der die Psychologie, und die Leibensanschauungen so mancher aus Osteuropa, eingewanderten Juden von Grund auf umänderts'imd revolutioniert, ist zum größten Teil die Ursache, daß .'so viele Männer ihren Ehefrauen durchgehen und nichts mehr-von sich hören lassen. Der kleine jüdische Krämer, der'Handwerker und selbst der jüdische Melamed aus dem .peblhHamidrasch, der aus seinem kleinen osteuropaischen Städtchen nach Amerika kommt und in das rauschende' Leihen der neuen Welt versinkt, beginnt neue W.ege #u suchen jind.fco.rnmt plötzlich darauf, daß das junge Weib, das 1Hjn Jn..seinem Helmatstädteihen gut.genug war, in dem großen New York nicht'mehr zu ihm paßt. Viele dieser desertierenden Männer begehen.die Niedrigkeit, die Ehegattin aus.der Heimat zu verlassen, und da viele dieser Ehen sogenannte stille Ehescbließungen," ohne genaue Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften ihres Heimatlandes sind, bleiben die Frauen und die aus dieser Ehegemeinschait stammenden- Kinder in größter Not zurück. Die Vereinigte jüdische- Wohlfahrtsgesellsohaift von Amerika kam bald darauf, daß diesen verlassenen Frauen mit Geldunterstüteimg allein,nicht-geholfen werden kann, und so wurde denn das „National Desertion Bureau" als Zentralinstitution für ganz Amerika' ins Leben geruien, die sich ausschließlich mit der materiellen Fürsorge und dem Rechtsschutz der verfassenen Frauen und Kinder befaßt. Die;Täiigkeit dieses Bureaus bewegt sichln drei Richtungeji: .dieverschwundenen Männer ausfindig zu machen und wenn möglich mit ihrer verlassenen Frau wieder z»usamm«iziiführen; in Fällen, wo eine Wiederaufnahme der Faniih'enbcz'iehungen mit der verlassenen Frau und. den Kindern sich als unmöglich erweist, die Männer M zwingen, Frau, und Kindern Alimente zu zahlen, und in der UEN WELT Gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunde^ Gästen, Kunden in der I vom 14. September 1928 Sie sparen Geld,! Um die große Fülle der einlaufenden Gra'ulationen unterbringen und günstigst placieren zu können, empfiehlt es sich, den anliegenden Bestellschein sofort auszuschneiden und umgehend an die Verwaltung der „N c u e n W e 11" einzusenden. Der Preis für das Einheitsinseiat (20 mm) betrügt: 5'- Für das Ausland: entsprechender Gegenwert in der Laudeswährung ■" I. W. FROST UNO FRAU 2. Bezirk. Grosse Mohrengassc Nr. 47 gratulieren allen Verwandten, Freunden und Bekannten ZUM NEUEN JAHRE! Hier ausschneiden: Bestellschein. An die Verwaltung der „Neuen Welt" Wien, IX., Universitätsstraße 6-8 Ich bestelle für die Rosen Haschanah-Nummer der ,Neuen Welt" ..... Neujahrsgratulation(en) zum Preise von und sende diesen Betrag gleichzeitig mit diesem Bestellschein ein. Text (deutlich ausfüllen): . . . Name..................................................................................................... Adresse:........................................................................................:...... ..............;.........................., den...................................... 1928 drittens 'gegen Männer, die unter keinen Umständen ihre verlassene Familie unterstützen wollen, alle Rechtsmittel in Anwendung zu 'bringen. Die Statistik des Bureaus stellt fest, daß 70.Prozent der Männer, wegen welcher das Bureau in Anspruch genommen wurde, tatsächlich ausfindig" gemacht werden konnten. Das ist umso höher emizuschäteen, als die Recherchen in Amerika mit u ng e h e,.u r e>n S ch \vd e r.itglk e i t en verbunden sind. In Amerika gilbt es keine Pässe und auch keine Zivangsme 1d im ig. Jeder kann deicht seinen Namen-ändern; trotzdem funktioniert, der Apparat des (Bureaus bereits mit ungeahnter Präzision. Nun hat das Bureau seine Tätigkeit aucji auf jene Fälle ausgedehnt, in denen der Mann nach Amerika desertiert und seine Frau und Kinder in Osteuropa zurückgelassen hat. Zur Organisierung dieser Tätigkeit Ist Rechtsanwalt Zainser, der auch Rechtskonsulent des Bureaus ist, nach Europa ge'kom'tneu. Das Bureau wird nicht nur von privaten Personen, sondern auch von jüdischen Gemeinden, Rabbinern und selbst Reigierungsanst-alten In Anspruch genommen. Gegenwärtig ist eine wichtige prinzipielle Frage in der amerikanischen Rectotspirlege aktuell geworden. Bisher konnte eine Frau, die Im Ausland lebt, nicht ihren Mann, der in Amerika wohnt, v o r am e-ri k a ni seh eu G er i ch t,e n a'ul Bri üllu ng sei n er AI im en t a't i on.s? iP f 11 c h t klagen. In (leteter Zeit jedoch ist ein Wia'shiitiig- ■toner- Gericht von dieser Praxis abgenommen. Eine iu Odessa lebende Frau klagte ihren Mann, der nach Washington ausgewandert war, -wegen Alimente. Der geklagte Gatte wendete durch seinen Verteidiiiger ein, daß die Frau im Auslande wohne und daher kein Recht halbe, in Amerika tax klagen. D a s1 G e r i ch t e rik 1 ä-r t e si c h jedoch für kompetent, Diese grundsätzliche Frage äst noch hi Schwebe und dürfte (bis izum Obersten Gerichtshof kommen. Die Entscheidung wird für •tausende vaylassencr Frauen von lebenswichtiger BedeutU!i.g sein. Das Kind ohne Quote. Absurditäten im amerikanischen Einwanderungsgesetz. Vielleicht noch niemals ist das amerikanische Einwandertmgsquotengesetz in so grausamer Weise ad absurdum geführt worden, wie in dem Falle der dreijährigen Annita Friedmann aus Suwalki in Rußland. Die Eltern der kleinen Annita gehören zu jenen Gestrandeten, die vor fünf Jahren Rußland behufs Auswanderung nach Amerika; verließen, und unterwegs gerade, als sie in Paris ankamen, von dem neuen amerikanischen Quotengesetz überrascht wurden. Mit vielen anderen Schicksalsgenossen mußten sie in Frankreich warten, bis sie mit ihrem bevorzugten Visum im langsam plätschernden Quotenstrom nach dem ersehnten Amerika gelangen konnten. Mit schwerer Mühe gelang es der Familie Friedmann, die mit einem heute siebenjährigen Kind und einer SOjährigen Großmutter emigrierten, ein neues Visum, gültig für den 1. Juli 1928, zu bekommen. Da gab es aber wieder einen Haken. Während sie in Paris warteten, gebar Frau Friedmann ein Mädchen, die eben jetzt dreijährige Annita. Laut den amerikanischen Einwanderungsgesetzen nimmt das minderjährige Kind, wenn es in Begleitung seiner Litern n ist, die Staatszugehörigkeit der Eltern an. Da aber die russische Einwanderungsquote am 1. Juli 1928 bereits erschöpft war, konnte für die kleine Annita kein Visum mehr erlangt werden. In dieser Situation befolgte die Familie Friedmann den Rat des Pariser Vertreters der amerikanisch-jüdischen Einwandererhilfsorganisation „Hias", fuhr nach Amerika und ließ das dreijährige Kind, das durch die Grausamkeit der amerikanischen Gesetzgebung eine „Französin<c geworden ist, zurück. Als Französin konnte das jüdische Emigrantenwesen tatsächlich das amerikanische Einreisevisum bekommen, und so folgte denn Annita einige Wochen später ihren Eltern ohne jede Begleitung unter der Aufsicht des menschenfreundlichen Kapitäns des Passagierdampfers „France" ihren Eltern. Oberkantor Jose! Morgenstern nach Philadelphia berufen. Der ehemalige Wiener Oberkantor Josef Morgenstern, der bisher in einer der größten Tempel von New York tätig war, wurde in die größte Synagoge des westlichen Philadelphia unter äußerst günstigen Bedingungen berufen. Ein Streit um die Oper „Turandot". Geschwister Robinson iu Tel-Awiw gegen Puccinis Erben. Der New Yonkcr »Tag" meldet: Zv/ei Frauen in Tiel-Awdw haben den amerikanischen Generalkonsul in Jerusalem, Mr. Oskar Häuser, für ihre Behauptung •interessiert, daß Puccinis. letzte Oper „Turandot" ihr Werk sei. Hauser hat sich auch schon an Mr. Henri M o rg c n t a u gewandt, den früheren amerikanischen Botschafter in Konstanfinopcl. •Die Sache ist in wenigen Worten folgende: Bekanntlich Ist Puccina im Jahre 1925 plötzlich ■gestorben. Man hat bei ihm auf dem Tisch eine noch unvollendete Arbeit mit Namen „Turandot"' gefunden. Diese Oper wurde im Jahre 1927 in New York in der Metropolilan-Oper mit großem Erfolg aufgeführt. Aber jetzt sind zwei Schwestern, Frieda und Goldine Robinson, aufgetreten und stellten mit klaren und sicheren Gründen fest, daß sie diese Oper „Turandot" iri Deutschland bereits vor dreißig Jahren, am Jahre 1896, komponiert haben; und daß Puccini sie bestohlen hat. Wir sind genötigt, unser Riesenlagcr in Sommerwaren jeder Art gründlioh zu räumen. Das zwingt uns, unsere bekannt billigen. Preise noch um ein Egkleckliches zu reduzieren. Es bietet sich daher jedermann eine selten wiederkehrende Gelegenheit, seinen Warenbedarf zu unerhört niedrigen Preisen zu decken. Wir veranstalten daher einen-S o m in e r rä urnungsverkaui mit großen Sensationen. Schon ein Blick in unsere Schaulenster, ein Vergleich des Preises und der Qualität der dort zur Schau gestellten Sommerwaren jeder Art wird Ihnen zeigen, daß unsere Leistungsfähigkeit unerreichbarist. Sic ntüssen, bevor Sic Ihren Urlaub antreten, Ihre Garderobe vervollständigen, für' Strand und Land bekommen Sie alles bei uns. 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