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Die neue Welt · 1928-08-24 · Heft 49 (24.8.1928) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 49 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Rr. 49 DIE NEUE WELT Seite 7 Haifa oder Beirut. Palästinas Stellung im Weltverkehr. Den nachfolgenden Aufsatz des Jerusole-mer Korrespondenten der „Frankfurter Zeitung", geben wir einerseits wegen 'seines wirtschaftlichen Optimismus wieder, andererseits aber wegen seines politischen Inhalts, der zeigt, daß Palästina lediglich <als Kolonie, nicht aber als Mandatsland be handelt wird. Zu den Mitteilungen über die Petroleumfrage sei bemerkt, daß die In Schottland abgehaltenen Besprechungen der großen Petroleumtrusts sich sehr gegen eitle Aufv Schließung des M o s s «1 - G eb i e t e s wenden. Die Gegensätze zwischen der britischen und französischen Politik im Orient, die in den Jahren •unmittelbar nach dem Weltkrieg äußerst lebhaft waren, dann aber der Umabhängigkeitsbewegung der orientalischen Völker gegenüber einer engeren Zusammenarbeit Platz machten, drohen nun, auf dem Gebiete der Verkehrsposl'itik wieder aktuell zu werden. Der Bau des Bafens von Haifa in Palästina wird im nächsten Jahr beginnen, das Geld ist aus den Mitteln der Palästinaanleihe sichergestellt, die technischen Pläne sind fertig, der Bau soll in den nächsten Monaten in einem Ausschreiben an Unternehmer vergeben werden. Damit ist ein alter britischer Plan erfüllt, Haifa zu dem großen Halen des östlichen Mittelmeerbeckens zu machen, von dem der zweite Iiitische Weg nach Indien ausgehen soll. Die Stadt hat in den letzten Jahren durch jüdische Einwanderung und moderne Industrialisierung einen lebhaften Aufschwung genommen; wenn der Hafen einmal gebaut sein wird, droht sie Beirut zu über-f lüge-1 n. Dahin richten sich heute Frankreichs und Syriens Befürchtungen, die eine Umgehung Beiruts durch den kommenden transkontinentalen Großverkehr argwöhnen. Denn Haifa wird der Mittelpunkt des Eisenbahnsystems des Mittleren Ostens, und hierher als zu ihrem Hafen werden die natürlichen Erdschätee der umliegenden Gebiete strömen. Beirut dagegen leidet unter dem Mangel einer normalspurigen Eisenbahnverbindung. Haifa ist heute der Endpunkt der direkten Verbindung mit Aegypten lind der Ausgangspunkt der Hedschasbahn, die sich von dem Hafen durch das jetzt neuersohlossene Emek Jezreel zum Tüberiassee und von dort nördlich nach Damaskus, südlich nach Transjordanien und Hedscbas erstreckt. So hat Haifa heute schon eine wirksame Eisembahnverbindunig mit den meisten Teilen Palästinas, mit Aegypten und Syrien und mit dem arabischen Hinterland. Beirut hat dagegen keine praktisch in Frage kommende Eisenbahn. Dies wird um so stärker zur Geltung kommen, wenn die Engländer ihr großes Bahnprojekt einer Bahn von Haifa nach Bagdad verwirklicht haben werden, die dort nördlich Anschluß nach den Erdölgebieten, Mossul und die Bagdadbahn, östlich nach Persien und südlich nach Basra am Persischen Golf/iifndet. Diese große Wüstenbahrt wird von Haifa durch das Emek Jezreel an den Jordan, von dort durch Transjordanien und Mesopotamien, also ausschließlich durch briam Persischen Golf findet. Diese große Wüstenbahn Arabische Zeitungen haben wiederholt berichtet, daß die Trassierungsarbeiten für diese Strecke begonnen halben, die neben dem Seeweg durch den Suezikanal eine zweite Straße nach Indien erschließt. Ii s c h e -s Mandatsge b i e t, an den Tigris fuhren, lenkt, so erfolgt das gleiche auf dem Wege des Lufrvexkehres. Wird so der Bahn^enkehr von Beirut abgedurah die Schaffung einer Fluglinie von Marseille einer Abzweigung nach Beirut) nach Bagdad große sisdhen Fluglinien von der Türkei über Aleppo (mit einer' Abzweigung nach Beyrut) nach Bagdad große Möglichkeiten. Nun scheinen aber sowohl die britische Luftschiffahrt durch die Imperial Airways wie die deutsche durch Fortführung der Junkersflugzeuge von Persien nach Mesopotamien zuvorzukommen. Vom Monat April 1929 soll der Imperial Airways-Dienst ausgedehnt werden und von London über Aegypten, Palästina und Mesopotamien nach Indien gehen. Gleichzeitig scheint auch die Entscheidung in einer lange zwischen den syrischen Häfen Alexandretta, Tripolis und Beirut einerseits und Haifa andererseits schwebenden Streitfrage gefallen, zu sein: die Zuleitungsröhren für das Erdöl des Mossulgebletes sollen in Haifa enden. Auch die nach endgültiger Gewährung der Konzession zur Ausbeutung der Kali- und anderen Mineralschätize des Toten Meeres an Ing. Novo« mejsky wohl bald beginnende Arbeit am Toten Meere wird für Haifa von Bedeutung sein, . sollen doch die gewonnenen Produkte mittels einer durch das Jordantal zu errichtenden Bahn nordwärts nach B e i s a n im Emek Jezreel und von dort nach Haifa gebracht weiden. Die im Jahre 1939 zu beendigende Errichtung , WWWWWlMMiHIIIIMIMMHIIWIMIIIMIMIHMMH IfflllllSJUEUlir loh. mm Herzog WIEN HSS8ifiS&.a. Telephon 73-4-90 Sprechäpparate jeder Art, sowie sämtliche JQdlsChon und hebratschen Schallplatten in reichster Auswahl stets auf Lager PROVINZ VERS AND! PRO VINZVBR3 AND! der großen zentralen Kraftstation am Jordan und Jannuk wird die Elektrifizierung zumindest eines Teiles dieser Bahnlinie gestatten, was bei dem Fehlen von Kohle in, diesen Gebieten von großr Bedeutung ist. So scheinen die natürlichen Eri.hvioklungsbedingungen den Engländern bei ihrem Wettbewerb mit den Franzosen um die verkeforstechiiische Erschließung des Mittleren Ostens einen Vorsprung zu sichern. Der jüdische Tempel in Mährisch-Ostrau abgebrannt Am Freitag, den 10. August, nachmittags, entstand infolge eines'Kurzschlusses in der elektrischen Leitung im israelitischen Tempel zii Mäih r i sc h - 0 s t r ati ein Brand, der schnell um sich griff, den ganzen Dachstuh! und einen großen Teil des Inneren des Gebäudes einäscherte. Durch das Eingreifen des Tempcklieners konnten die Thorarollen und die Tempelgeräte gerettet werden. Der Schaden ist sehr bedeutend, aber durch Versicherung gedeckt. Der israelitische Tempel in Maihrisoh-Ostrau war eines der prunkvollsten Temipelgehäude In der Tschechoslowakei. Eine achthunderjährige Synagoge durch Feuer zerstört. In dem westmährischen Städtchen Olischan vernichtete eine Feuersbrunst die dortige achthundert Jahre alte Synagoge, einen Holzbau, der als solcher das älteste jüdische Baudenkmal darstellte. Olischan besitzt einen vor mehr als tausend Jahren angelegten jüdischon Friedhof. Die jüdische Gemeinde dieses Ortes, die noch vor hundert Jahren die Hälfte der GcsamtbcvöHkcrung ausmachte, hat sich schon vor Jahrzehnten aufgelöst. mmm AUS PALÄSTINA. Das Erziehungswesen. Aus Jerusalem wird gemeldet: Vertreter der Zionistischen Organisation, des Waad Letimi und der hebräischen Lehrerschaft besuchten den Leiter des Erzieihttngsdepartements der Regierung und gaben ihrer Forderung nach einer Umgestaltung der Erz-ichiwigsverordiiung i<m Sinne einer A u t o n o m i e des jüdischen Schulwesens Ausdruckt Mosfcmltische und christliche Organisationen überreichten Memoranden mit Autonomie-Forderun>gen für ihre Schulen. Die Arbeiterkultur-Konimission in Palästina gegen Miß Szold. Die Erklärung von Miß Henrietta Szoid, Mitglied der Zionistischen Exekutive, daß in dem neuen Budget der Zionistischen; Exekutive kein Ausgabenposten für die Arbeit der Arbeiterkultur-Kommission vorhanden sei, hat in den Kreisen der palästinensischen Arbeiterschaft große Unzufriedenheit hervorgerufen. Man weist darauf hin, daß das Aktionskomitee in seiner Berliner Tagung beschlossen hat, für die Zwecke der Kommission einen Posten von Pfd. Sterl. 4800 einzustellen. Das Mißverständnis ..jrührt davon her, daß das Aktionskomitee «war beschlossen .hat, das von der Exekutive vorgeschlagene Budget von Pfd. Sterl. 527.200 um Pfd. Sterl. 42.000 auf Pfd. Sterl. 569.200 zu erhöhen, daß aber der Schatzmeister der Exekutive Van Vri esiliauid namens der N (Exekutive vor der Abstimmung die Erklärung verlsa, daß die Exekutive die Hoffnung hegt, daß es möglich sein wird, die Einkäufe des Karen Hajessod zu erhöhen, daiß aber die beschlossenen Erhöhungen im Budget nur nach Maßgabe der erhöhten Einkünfte werden verwirklicht werden können. Der Posten von Pfd. Sterl. 4800 für Arbeiterkulturzwecke geht auf Konto der erhöhten Budgetsumme. Die hebräischen Lehrer. Der Verband der hebräischen Lehrer in Palästina •hielt soeben in Jerusalem seine Jahreskonferenz ab. In der Hauptaussprache wurde der Zufriedenheit der Lehrerschaft damit Ausdruck gegeben, daß das Aktionskomitee der Zionistischen Weltorganisation beschlossen hat, einen Posten von Pfd. Sterl. 60.300 für Unterrichtszwecke in das Budget einzustellen und daß dieser Posten unter keinen Umständen gekürzt werden soll. Im allgemeinen herrschte auf der Konferenz eine zuversichtliche Stimmung; man gab der Hoffnung Ausdruck, daß Lehrerentlassungen aus Sparsamkeitsrücksichten nicht mehr vorkommen werden und daß auch die bisher ge7 kündigten Lehrkräfte auf ihren Dienstposten werden verbleiben können. Der Auibaufonds. vk. Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Keren- Hajjessod-flinkünfte im Monat Juli d. J. betragen insgesamt' 40.686 Pfund. Daizu haben die Vereinigten Stäaten -mehr als die Hälfte, nämlich 21.000 Pfund, beigetragen, ton .Juni d. J. war aus den Vereinigten Staaten keinerlei Betrag eingegangen, so daß die Gesamtsumme der Eingänge. In diesem Monat nur 26.910 Pfund betrug. Im Jänner d. J. betrugen die Keren-l-Ialessod-Cingtingc 42.006, im Februar 34.496, im März 45.000, im April 46.625, im Mai 58.541 Pfund. Ein Zirkel für Palästina-Studien in Italien. Auf Inl<tia<Ufve der katholischen Zeitschrift „Palestina" wurde in Rom ein Zirkel für „Palästina- Studien" (Circolo dl studi palestinesi) "begründet, der sich die Zusammenfassung aller jener Kreise, die sich «für dit Frage des christlichen Orients interessieren, zum Ziele gesetzt hat. Besonders die Jugend soll darüber aufgeklärt werden, welche Bedeutung.die Zukunft dei Heiligen Landes fiür das katholische Italien hat. Die Zeitschrift „Palestina" wird vom jungen katholi« sehen Publrzlsten F. M a r c h e 11 i geleitet und zählt zahlreiche katholische Geistliche, hauptsächlich aus dem Franziskanerorden in Palästina zu seinen Mitarbeitern, Ein italienischer jüdischer Emigrationskongreß. In Tri est fand soeben der zweite ordentliche Kongreß des italienischen jüdischen Etm'grAnietifoilifskomitees unter dem Vorsitz von Advokat Angelo Sali am statt. Die Konferenz beschäftigte sich nach einem Referat ihres Generalsekretärs Fano mit der zukünftigen Arbeit im Interesse der jüdischen Auswanderer nach Uebersec, die italienische Häfen berühren. Am Kongreß nahm außer den Vertretern des Hilfskomitees in den verschiedenen Städten auch eine Reihe Vertreter lokaler sozialer Organisationen aus Triest teil. Syiiagogenschändung in Düsseldorf. I<n Diis s e ld o rf ist in der Nacht des Verfassungstages (vom 10. zum 11. August) die Synagoge an der Kasernenstraße von völkischer Seite geschändet worden. Mit roter Farbe sind R i e s e;n.h a k e n lk r e u z e auf die Front gepinsel't worden und d!ie Aufschrift Juda verrecke!" Am gcgenüberHe-genden Bretterzaun des Schauspielhauses wurden ähnliche Schmähschriften aufgemalt. Der Bürgersteig vor dem in der Nähe liegenden HaherezöllerniGymnasium zeigt ebenfalls die Worte „Nieder mit der Judenverfassung!" Der Vorstand der Synagbgengemeinde hat auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 1000 Markt ausgesetot. Die Bekanntmachung ist an sämtlichen Lltfassäulen der Stadt angebracht. Aufruf der österreichischen Schekelkommission. Die Schwierigkeiten, mit denen in den letzten beiden Jahrem in Palästina zu kämpfen waren, werden von Gegnenn unserer Bewegung im jüdischen und nichtjüdischen Lager im steigenden Maße ausgebeutet, um böswillige Nachrichten über den Niedergang, des Zionismus und seines Werkes auszustreuen. Wir wissen wohl, daß die Kraft und die Größe de-r zionistischen Bewegung von der Eifersucht ihrer Gegner nicht berührt wird. Der Zionismus erweist sich heute mehr demn je als stärkste bewegende Kraft im geistigen Leben des jüdischen Volkes. Auf seinen Ruf folge« Hunderttausende, zu schweren materiellen und persönlichen Opfern für das Aufbauwenk bereit. Seine politische Stellung ist fester denn je. Unsere Arbeit in Palästina schreitet, allen Hindernissen zum Trotz, vorwärts. Unser Glaube an den Sieg des Zionismus ist — wenn auch innere -divergierende Absichten bestehen — ttüifiehrochen. Es ist heute bedeutsamer als je, daß wir diese innere Gewißheit auch bekunden und von der Stärke und Geschlossenheit unserer Organisation ein sichtbares Zeugnis ablegen. Ein solches Zeugnis unserer Kraft ist eine erfolgreiche S c h e k e 1 a r b e i t; ihre Verbreitung, Leitung und Durchführung ist eine zionistische Aufgabe von großer Bedeutung und Verantwortung. Bs ergeht daher an alle Zionisten der Ruf: Verbreitet den Schekel, werbet der zionistischen Idee neue Anhänger, der Organisation .neue Mitglieder, helfet, daß die zionistische Organisation als größte im jüdischen Volke ihren Platz behaupte und in immer steigendem Maße alle ihrer Art und Würde bewußten Volksgenossen an sich ziehe. Wir rufen alle bewußten Juden und Zionisten auf: Kaufet und werbet für den Schekel! Für die Landesschekelkommission: Moses Wein er. _ Denket an den Winter! und deckt euren Kontonbedarf schon jetzt bei der bestTenommierten Firma Julius Haber, Wien, II., Talborstraße 9. (Siehe auch Inserat Seite 12.) :_ „Brlth Haimar Hamlsrachi", Wien, iL, Praterstraße 43. Es wird bekanntgegeben, daß sämtliche Kurse, und zwar Hebräisch für Anfänger und Fortgeschrittene, Gemarra, Tenach, Mlschnajoth und jüdische Geschichte, vom 1. September ihren Anfang nehmen. Anmeldungen für sämtliche Kurse werden täglich von 8 bis 10 Uhr abends im Heim entgegengenommen. Die zionistische FrauenorganlsatloH Leopoldstadt eröffnet ihre hebräischen Kurse für Knaben und Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren im Vereinslokal, II., Zirkusigasse 33, am Montau, den 3. September um 3 Uhr »ach* mittags. Einschrelbunigen täglich mit Ausnahme von Samstag; u4Kl Sonntag von 3 bis 4 Uhr uaohondttaes.

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