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Die neue Welt · 1928-08-24 · Heft 49 (24.8.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 49 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 49 Dlfi NEUE WELT Seite 5 ollar sind oft tticht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! OTTO KASERER Knut Hamsun über die jüdische Frage. Von den drei Nordländern, Norwegen, Schweden und Dänemark besitzt nur Norwegen einen verhältnismäßig schwachen Antisemitismus. Norwegen hat eine Zeitschrift „Nasional Tidskrift", welche eine antisemitische Agitation führt. Anläßlich ihres zehnjährigen Jubiläums hat diese Zeitung eine Enquete über die Judenfrage unter ihren Lesern veranstaltet. „Nasional Tidskrift" wandte sich auch an Knut H a in s u n. Seine Antwort war wohl nicht im Geiste der Zeitschrift gehalten, doch war sie geneigt, sie abzudrucken, mit Rücksicht auf die Persönlichkeit Hamsuns. Hamsun schrieb: „Der Antisemitismus eines Landes ist das Ergebnis der Antisemiten, welche im gegebenen Lande tätig sind. Es ist eine sehr schwere und strittige Frage, welche ihre Zeitungjetzt berührt hat: Was haben die Juden zu tun? Die Messias-Idee zeigt auf Palästina hin. Da aber nicht alle Juden dort Platz finden, können — es gibt derer ungefähr 12 Millionen, das ist soviel, als Schweden, Norweger und Dänen zusammen — (15 Millionen! Anm. d. Red;) — wohin soll man sie schicken? Die Juden sind eine sehr fähige Nation. Ich spreche hier nicht von meinen tapferen und sympathischen jüdischen Freunden. Im allgemeinen hat sich die jüdischo Nation durch ihren bedeutenden Intellektualismus ausgezeichnet und steht sehr hoch. Wo werden wir etwas finden, das' sich vergleichen kann mit. dem Geist ihrer Propheten, ihrer Poesie und ihrem Liede? Erinnert euch, wie wunderbar musikalisch diese Nation ist; sie ist ohne Zweifel die am meisten musikalische Nation der Welt. Es wäre natürlich erwünscht, daß sich alle Juden in einem Land sammeln sollen, welches sie ihre Heimat nennen könnten, damit die reine weiße Rasse eine weitere Blutvcrmengung vermeidet. Dort - könnteil die Juden ihre besten Eigenschaften für das Wohl der ganzen Welt verwerten, "aber wo befindet sich ein solches .Land? In der Gegenwart und in der Zukunft, wo doch die größten Nationen, die Engländer und Franzosen, bemüht sind, ihre Macht in den möglichst .ausgedehnten Kolonien fcu 'begründen, gibt es'wenig' Aussichten, daßsie . gewillt sein sollten, den Juden' e i n genügend g r o ß es Territorium ab zu t r e t en, in dem diese das. Land der Juden schaffen könnten. , Solange dies nicht verwirklicht werden wird, haben die Juden kein anderes Vaterland als die Länder, in denen sie wohnen. Sie sollen daher in der Zukunft leben und wirken unter fremden Völkern zum Wohle beider Teile." K n u t H a m s u n stellt, wie man sieht, die Frage richtig, aber er beantwortet sie nicht. Es ist doch merkwürdig, daß ein Intellektueller von so hohem Rang nichts vom Zionismus weiß und daß ihm die politischen Ereignisse der letzten Jahre so sehr entgangen sind, daß er gerade die Engländer als Widerstandsmoment nennt. Man kann ein großer Dichter sein, ohne^ie Lebensfragen eines Volkes zu Verstehen. Wenn man sich aber mit ihnen beschäftigt,' .dann scheint es wohl selbstverständliche über alle Maßen schützt, noch am Leben sei und gerettet Pflicht, sich über die Frage zu unterrichten. Ich erlaube mir dem P.T.Publikum zur Kenntnis zu bringen, daß ich ab 1, Juli 1928 eine streng n^D Wien, XX., Klosterneuburgerstraße 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen gemeinde Wiens, Sr. Ehrwürden des Rabbiners M. Mayersohn jv^Kö-f^ani^y r ';;TniD Qp^Döri 'paan 'w nw nraw rinn r.ö y&® mjn -vba tnwsbv tnmT«D tnd neu eröffnet habe. —»Täglich frische und eistklassige üpezlal- Erzeugnisse feinster Wurstu. Selchwaren. ~ Provinzversand WILH ELM PETYAN, SELCHWAREN-FABRIK Wlenv XX.,. Klpsterneuburgerstraße 60 Telephon A-43-1-59 Nobile besucht die Mutter Aldo Pontreraolls. Cjeneräl- Nobile hat -es sich nicht nehmen lassen, kurz nach seinem Wiedereintreffen in Italien die Mutter von Prof. Aldo P on't r emoIi zu besuchen und ihr Trost zuzusprechen. General Nobile sagte, er halbe die Hofifnung nicht aufgegeben, 'daß der großeGelehrte, den er werden wird, Pontremoli, erklärte Nobile, habe durch seinen Mut »und seinen Forschungseifer beispielgebend gewirkt. Regulärer Schiilsverkehr Italien—Palästina. ,. Die italienische Schiffslinie „Lloyd-Triestino" wird von Mitte September an einen regulären Schiffsverkeflir mit Palästina eröffnen, der durch die. beiden Dampfer „Giannicolo" und „Bucovina" aufrechterhalten werden wird. Die Dampfer werden alle zwei Wochen die. folgende Route absolvieren: Triest, Brindisi, Jaffa, Haifa, Beirut, Ale« Kandria, Beirut, Haifa, Jaffa, Brindisi, Triebst. Das Debakel von Bir-Bidschan. Die Sowjctregierung hat für dieses Jahr den weiteren Zuzug' jüdischer Kolonisten nach Bir-Bidschan gesperrt, mit der Motivierung, daß vorerst die durch die letzten Ueberschwemmungen entstandenen Schäden behoben werden müssen. Ueberdies könnten die Kolonisten den Winter, der dort bereits vor der Tür steht, in ihren Baracken nicht überdauern. Der gründliche Kenner der russischen Verhältnisse Benzion K a t z beschäftigt sich im „Haint" mit dem Projekt der Judenkolonisation in Bir-Bidschan, das heute die Rettung für das wirtschaftlich zugrundegerichtete Judentums Rußlands bedeuten soll. In der schweren Zeit des russischen Judentums ist das Projekt von Bir-Bidschan aufgetaucht. Die Initiatoren wußten sehr wohl, daß Bir- Bidschan die jüdisch-russische Frage nicht dm entferntesten lösen wird. Einige von ihnen verstanden vielleicht, daß sie mit dem Lärm, den sie mit diesem Projekt schlagen, ein Verbrechen begehen. Aber die Lage forderte von ihnen diesen Lärm, damit die Welt nicht das große Wehgeschrei der Armut des jüdischen Stadtbewohners .höre. au, zu Im 11. Jahre der Revolution geht es nicht mehr die Schuld auf das einstige zaristische Regime schieben. An dem großen Unglück der städtischen Juden trägt die Sowjctregierung Schuld, die nicht aufhört, Experimente zu machen: ein Jahr Förderung des Nep, ein Jahr Verfolgung und dann wieder eine Erleichterung für ihn. Die jüdischen Kauflcutc kommen derart zu keiner Orientierung, außerdem haben die hohen Steuern den jüdischen Krämer ganz erschlagen. Mau konnte also das Klagen nicht mehr unterdrücken und es blieb der Jcwsekzia kein anderer Ausweg, als von einem jüdischen Lande in Sibirien zu faseln. : Man kann nicht leugnen, daß dieser Hokuspokus in gewissem Maße gewirkt hat. Im Ausland nahmen Viele das Projekt von B1 r-B i d s c h a n er n s t, sehr wenige nur nannten es beim richtigen N a m e n „A b c n t e u e r"! Man, glaubte, der Jcwsekzia,. daß man für 2000 Rubel auf dem Boden in Bir-Bidschan kolonisieren könne. Ich schrieb damals, daß das einfach Lüge sei. Ich bin kein Spezialist in Kolonisationsfragen, aber jeder versteht, daß die Ansiedlung eines Juden aus dem Ansiedlungsrayon in einem fernen Lande, das Bauen von Häusern in einer Wüste für 2000 Rubel nicht möglich sei.. Jetzt nach der Beratung der Komzet, in welcher M e,r e s c h i n seinen Vortrag über Bir-Bidschan hielt, hört man schon die- Ziffer von 4000 Rubel. - In der jiddischen, Sowjetpresse ist diese Ziffer 4000 nicht genannt worden,,„ wohl aber vom Korrespondenten der Ita, der der Versammlung beiwohnte. . '-•), Jeder versteht, daß dies keine plötzlich entdeckte. Neuigkeit ist. Das wußten auch die Initiatoren ebenso wie. wir alle, aber sie wollten die Juden in einem schweren Augenblick beruhigen. Der Bluff kann aber nicht lange anhalten. Es genügt, den stenographischen Bericht über Mereschins Vortrag zu lesen, um zur Einsicht zu gelangen, daß ..das ganze Charlatanerie ist. Man bringt jüdische Opfer, schickt Juden in eine Wüste, ohne zu wissen,, ob sie von dort wieder zurückkehren, und dies alles nur. darum, damit die Jcwsekzia in der Welt Lärm schlage. . In der jiddischen kommunistischen Presse wird erklärt, daß das Projekt von ¥^|r- Bidschan auf große Schwierigkeiten ßtoß.e, die aber durch die Energie der Jcwsekzia und der RJajjsen werden beseitigt werden; es sei wahr, daß die Agronomen '" zugeben, der Boden von Bir-<Bidschan sei schwer ztf^- arbeiten,'die Kosten seien sehr hoch usw. Aber . Technik"! Einst war es schwer, heißt es, dort zu sjeren, weshalb das alte Rußland es auch nicht ye hat, aber jetzt besitze man andere technische Mittel, ne^e . Maschinen, u. a. Dies erinnert uns an die russische,; Elektrifizierung. Als man in Moskau nachts ohne Licht war, gab Lenin die Parole aus: Elektrifizierung!; Mit ihr er Hilfe werde onau den Sozialismus in Rußtetud errichten. In der großen Welt könne »man den Sozialismus nicht'einführen, weil die Technik noch nicht genügend' fortgeschritten sei. In Rußland hingegen wird die Elektrifizierung durchgeführt werden und dann wird der kommunistische Messias erscheinen. Genau so faselt mah^jeteV von Bir-Bidschan, einer Gegend ohne Straßen, $u*tipftg, verwahrlost — dort fehlt also nichts als die amerikanische. Technik! ' «':i;;>- Es darf Le'ne Illusionen mehr geben! Sowjetregierung stellt im ganzen 400 Rubel zur Verfügung. Mereschin bemüht sich zu beweisen, daß man bei der Sowjetregierung noch 200 Rubel werde erwirken können, aber woher die übrigen 3400 Rubel nehmen? Mereschin weiß, daß der Joint für Bir-Bidschan nichts gfbt und daß es für die jüdischen Philanthropen Amerikas noch genug Arbeit in der Krim und in der Ukraine gibt, so die Fertigstellung der begonnenen Bauten, Fundierung der bereits Angesiedelten, besonders im (heurigen Jahre, in dem nichts geraten ist. Kann der Komzet aus sich selbst Mittel schaffen? Mit Lotterien führt man keine jüdische Kolonisation und im übrigen reichen die Mittel der Komzet nur für kleine Investitionen. Aber Mereschin hat doch Rat gefunden. Wer sich in Bir-Bidschan ansiedeln will, muß selbst verdienen. Muß Hofohacker werden. Das ist dort aussichtsreich. Hat er etwas eigenes Geld verdient, so wird er vielleicht mit den 600 Rubeln der Regierung etwas erreichen können. Das ist das Wiesen der langen Ausführungen Mereschins. Man weiß nicht,, ist das Wahnsinn oder Charlatanerie? Könnte man am Holzhacken Geld verdienen, so. hätten die dort wohnenden Chinesen-und Karäer diese Arbeit längst schon an sich gerissen. Unter diesen Umständen kann natürlich von Ersparnissen keine Rede sein, ■wobeji noch die lälljähriiclh eintretenden Natuirk a t a s t r o p 'h e n berücksichtigt werden müssen. Trotz alldem will die Jcwsekzia ihren Plan, jüdische Proletarier in Bir-Bidschan mit dem Betrag von 400 bis 600 Rubel anzusiedeln, nicht aufgeben; ■ denn sie vertritt nicht die Interessen der Masse, sondern nur die der Partei. Sic will der Welt demonstrieren, daß R u ß 1 an d den Ju'den nicht nur Prügel, neuerstandenen Antisemitismus, Ausrottung des jüdischen Mittelstandes, sondern auch Boden zur B ea r b ei tu ng zuteil werden läßt. Gibt es keinen guten, so muß man mit dem sumpfigen in Bir-ßidschatn vorliebnehmen. Mereschin berichtet so nebenbei, daß die nach Bir-Bidschan wandernden Juden den produktiven Elementen angehören; offiziell gebe es unter ihnen keinen einzigen jüdischen Krämer, sondern nur Handwerker, Arbeiter, und Landarbeiter, es sei denn einen" kleinen Prozentsatz gewesener jüdischer Kleinhändler. Das ist richtig. Die Kleinhändler sind bereits materiell und physisch zu zerbrochen, als daß sie sich in ein Abenteuer stürzen würden. Wie schrecklich aber auch die-Not des jüdischen Proletariats ist, des Handwerkers und Arbeiters, beweist der Umstand, daß diese Klasse, von Hunger getrieben, ein tausende Kilometer entferntes Gebiet als Siedlung aufsucht, einem ungewissen Schicksal entgegen. Der Bericht Mereschins müßte jede Illusion von der Siedlungsfähigkeit Bir-Bidschans ein für allemal aus der Welt schaffen. Daher ward man andere Wege finden müssen, um die Katastrophe, die dem Judentum in Rußland droht, aufzuhalten. , den Mereschin gibt in seinem Bericht zu, daß der Juden zugeteilte Boden Sumpfboden ist, Er stellt Pläne. zur Trocknung der Sümpfe; : auf, Selbstverständlich, mit viel Geld ist alles inögHch. Ap^r woher das Geld nehmen? Hier hilft nicht mehr dj$ Sophistik des Herrn Mereschin. Man braucht pro Fajnille 4000 Rubel. Das ist klar, selbst den Kommunisten« « Die CENTRAL-KINO II.Taborstraße 8 :: Tel.42-3-41 Ab heute: Der neueste Harry Plel-OroQfffm JKlann gegen jViann Regie und Hauptdarsteller: Harry Plel Mitwirkende: Gary Holm, Hertha v. Wallher u. a. Beginn: 7 und 9 Uhr Die Exzesse in Mohilew. Die Rote^Hilfe für die Pogromisten. In der letzten Nummer halben wir 'mitgeteilt, daß kommunistische Rekruten in Mohilew schwere «ntisemitisohe Ausscttireiitu-ngen vertiibt 'haben. Wie es dabei zugegangen ist, zeigt ein Bericht, den wir in der Moskauer „Komtmuiiistischen Jugend-Prawda" finden:.. Aus der Stadt Weüikije Luki kamen 'sechzig Mitglieder der J^rnwuisUsohen Jugend und der Partei, iEisenbahnarlbeiter, nach Mohilew, um hier ihren vorbereitenden Militärdienst zu «absoitvaeren. Natürlich wurde unterweigis und in Mohilew tüchtig getrunken. Man begann damit, daß man <lie eigenen Kameraden mißhandelte; dann nahm man ( sich die Juden vor. Als erstes Opfer kam der Besitzer eines Wurstiadens dran; man prügelte ihn durch und mabm, ohne zu beea'hlen, Wurst mit. Das zweite Opfer war ein jüdischer Müteen-.

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