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Die neue Welt · 1928-08-17 · Heft 48 (17.8.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 48 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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r Seite-8 DIE NEUE WELT Nr< 48 Gänse zu hüten, sich in der benachbarten Stadt Groß- Strehlitz herumgetrieben und. das ihm irgendwie bekanntgewordene Märchen vom „schwarzen Auto" erzählt hatte, um der zu erwartenden Strafe zu entgehen. In der „C.-V.-Zeitung" schließt Dr. J. J a k o b ow'iti seine Betrachtung mit den Worten: „Der jüdische Betrachter kann sich eines leichten Grauens nicht erwehren, wenn er rückblickend überdenkt, welch entsetzliche Folgen solche antisemitischen Märchen oft in früherer Zeit hatten, ja in manchen Teilen Osteuropas heute noch haben." _ Ein rumänischer Grenzhäu? iL Eine nächtliche Szene In der Marmaros. Zwischen den Schnceikoppen an der berühmten Wasserscheide in der Marmaros lebt eine Bevölkerung, die sich ausschließlich von Viehzucht ernährt. Einer der wichtigen Zweiigc ist die Herstellung verschiedener Milchprodukte. Während der Sommermonate weiden auf der C o p o 1 a s e r g k e 11 c, über welche sich die polnischtschechoslowakische Grenze hinzieht, mehrere große S'chaifherden. Seit Jahrhunderten leben hier Juden, Rumänen und Ruth en en ,in friedlicher Eintracht und bewachen ihre Viehherden, deren Produkte sie gleichfalls gemeinsam verarbeiten. Für die Juden werden spezielle rituell behandelte Milchprodukte hergestellt. Unweit der langgestreokteu Hürden läuft die Grenze, welche von einem rumänischen Gra'nitscharcn regiment ibewacht wird. Die Grenzsoldaten stehen in besten Beziehungen zu den Hirten, besuchen häufig* die Milchwirtschaften, tun sich •kleine Naturalgeschenke zu verschaffen. Arn 2. Juli versah der Aufseher Israel A w r a m owi.cz aus M i k o 1 a p a t a k die Aufsicht auf dem Copolasberge über die Bereitung der rituellen Milchprodukte. Es war schon spät am Abend, als in seinen Stall ein Granitscharenzugsführer, begleitet von dem Diener einer der Granitscharenrittmeister erschien. Die Soldaten holten einen/Topf Rahm für den Rittmeister. Gegen 10 Uhr nachts erschien der Offiziersbursche des Rittmeisters abermals bei Awramowicz, diesmal jedoch mit aufgepflanztem Gewehr, und brachte dem Juden den Befehl des Rittmeisters, sofort in die Regiments-kanzlei zu kommen, wo dcr^Rittmeister mit ihm persönlich zu sprechen habe. Der Ton klang so drohend, daß Awramowicz mit Recht Angst Hatte, zum Rittmeister in nächtliche Audienz zu gehen. Die rumänischen Hirten nahmen für Awramowicz Partei uiid protestierten mit ihm gemeinsam gegen die Vorladung zii so später Nachtstunde. Der Soldat. antwortete damit, daß er dem Awramowicz mehrere Male mit der Faust i'ifs Gesicht schlug. Es blieb nichts anderes übrig, als sich von dem Soldaten abführen zu lassen. Was dem Juden in jener. Nacht widerfahren ist, erfährt man aus der Er-zählung des leidtragenden Awramowicz vor einem jüdischen Journalisten: : Rittmeister Baz fuhr den Juden sogleich, als er ihm vorgeführt wurde, mit den Worten an: „Mir verdammte'n Juden! Selbst, Iii eher in. die Berge kommt ihr, um das: Blut meiner rumänischen Brüder auszusaugen. Na warte, yerstünkener Jud!" Und nun 'begann der Rittmeister den armen Juden mit einem Knüttel so lange zu; schlafen, bis er blutüberströmt um Hilfe rief. Damit n;6£h nicht zufrieden, befahl er, erzählte Awramowicz, seinem Burschen, mich In das Zelt abzuführen und mir Bart und Pajes abzuschneiden. Der Soldat versuchte zunächst den. Befehl auf die Weise auszuführen, daß er die Haare <c i n z e 1 n a u s zupfte. Erst als ein anderer Soldat dazwischentrat, nahm er ein Taschenmesser und schnitt Awramowicz Bart und Pajes ab. Fast zu Tode gefoltert, wälzte sich Awramowicz' unter Qualen auf dem Erdboden dös Zeltes, bis der Morgen wieder anbrach und er abermals dem Rittmeister, vorgeführt wurde. Er sollte diesem Henker, gestehen, w a s dj e Juden z u b e t e n p f 1 e g e n, w.cnn sie d,es Morgens sich in den Gebetmantcl, hüllen. Awramowicz berichtete wahrheitsgemäß über den Inhalt der Gebete, was jedoch der Offizier unter wahren Wutatisbrüchen als eine verdammte jüdische Lüge bezeichnete, wofür der Jude neinerliche Züchtigung verdiene. Der Drohung folgte sofort dje Tat, t Awramowicz wurde Jn e u e r j i c h hl ut i. g •g eschlagen und mit Stiefelabsätzen getreten. Rittmeister unausgesetzt Hierbei „Lügnerischer Juden- IH 25E 8" 555- VEREINIGTE VERSICHERUNGS¬ AKTIEN GES£USCH_AFT IN WIEN Feuer», Einbruch-, Transportversicherungen aller . Art, {-fagel- und Tierversicherung, Kautldns-Veruntreuungsversicherung, Maschinenbruchversichcrung, Unfall- und Haftpflichtversicherung zu vorteilhaftesten Bedingungen Direktion: WIEN, IX. KOLINGASSE NUMMER 6 Generalrepräsentanz: # WIEN, I. DOMINIKANERBASTEI 21 hund, eure Morgeugebcte bestehen.in nichts anderem als in Flüchen und Drohungen gegen die Christen!" Und als am Ende dieser Folterprozedur ein rumänischer Schafhirt vorbeikam, das Wehgeschrei des gemarterten jüdischen Kameraden hörte und den Kapitän bat, doch endlich die Folter einzustellen, fiel dieser über den Rumänen her und nannte es eine Schande, wenn ein Rumäne einen Juden in Schutz nimmt. Es sei Pflicht der rumänischen Bauern, an der Ausrottung der Juden mitzuarbeiten. Awramowicz wurde schließlich freigelassen. Er ging sofort nach Marmarossziget und ließ sich verbinden. Der Polizeipräfckt, bei dem Awramowicz die Anzeige erstattete, war über die Roheit empört und versprach die Einleitung einer strengen Untersuchung. Hoffentlich wird Awramowicz, der noch immer zu Bette liegt, und gegenwärtig nicht weiß, wovon er seiivc sechsköpfige Familie erhalten soll, nicht am Ende noch als Angeklagter aus dieser Afäre hervorgehen und verurteilt werden! Erben nach Leopold Hilsner. Die „Wiener Zeitung" vom 3. d. M. veröffentlicht folgende Einschaltung: Aufgebote. Leopold Heller. 2 A 90-28. Leopold Heller, Hausierer, zuständig nach Polna, tschechoslowakische Republik, ist am 8. Jänner 1928 gestorben. Eine leizlwilligc Anordnung wurde nicht vorgefunden. Alle Erben, Vermächtnisnehmer und Gläubiger, die österreichische Staatsbürger oder hierlands sich aufhaltende Fremde sind, werden aufgefordert, ihre Ansprüche an die Verlassenschaft bis zum 15. September 1928 beim gefertigen Gericht anzumelden. Sonst kann die Verlassenschaft ohne Rücksicht auf diese Ansprüche an die ausländische Behörde oder eine von ihr bezeichnete Person ausgefolgt werden. Bezirksgericht Leopoldstadt, Abt. 2, Wien, am 21. Juli 1928. * i Leopold Heiler ist Leopold Hilsner, diem nach seiner Entlassung aus dem Kerker die Namensänderung bewilligt wurde. Ob der arme Mann, den die Indolenz der Juden zum Bettler gemacht hat, irgendwelche Ersparnisse sammeln konnte, kann bezweifelt werden. Weltkongreß der Missionäre in Hamburg. Dieser Tage wurde in Hamburg die zweite Weltkonfcrenz - des Internationalen Bundes der Juden- Christen abgehalten. Anwesend waren Vertreter der judäo-chrisfcHchcn 'Bünde 'in Amerika, Großbritannien, Deutschland, Holland,'Ungarn, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz und in änderen Ländern. Außer etwa 3 00 J ,u d 9 n - C h r ii s t c n beteiligten sich auch' ■ zahlreiche N'ichtjudcn an den Beratungen. Der Präsident des- Juden-christlichen Weltvcrbandes, Sir Leon Lcvison, führte den Vorsitz. Referate hielten Rev. Max Reich (Amerika), Rev. E. Bcndor Samuel (London), Rev. Peter Smoljar (Riga), Rev. S. Rohold (P a 1 ä s t i n a), Rev. Nahum Levison, Hugh Schoenfeld. Rev. L. Rosenberg, Dr. A. P; Goid-Levlson u. a. m. Rev. J. I. Landsman sprach über „Was äst Judentum?". Pastor Kunert über „Was ist Christentum?", Juden auf dem Esperanto-Weltkongreß in Antwerpen. 50 jüdische Delegierte aus verschiedenen Ländern nehmen an dem gegenwärtig in Antwerpen tagenden Weltkongreß der Esperantisten teil. Zu Ehren der jüdischen Delegierten wurde in der Antwerpener Hauptsynagoge ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Rabbiner &'#phra aus Annaberg au Deutschland hielt die Predigt in Esperanto. In der Eröffnungssitzung des Kongresses begrüßte Leiserovitz aus Lodz den Kongreß im Namen der jüdischen Gruppe. Der Kongreß brachte dem Bruder und der Tochter des Esperanto-Schöpfers Dr. Zamenhof, der bekanntlich Jude war, eine Ovation dar. Die Säulen der konservativ-christlichen Kulturarbeit •; , in Ungarn.,. ■ .... ,; ,Zsido Neplap" schreibt:'-Ist Ungarn 'das Land der unbeschränkten Möglichkeiten, so sind die Assimilations-» juden in Ungarn das Musterbild der unmöglich st e n. Beschränktheit. Das ungarische Kulturorgan „Magyar Szemle" behandelt in einer seiner letzten Nummern in verschiedenen Artikeln die Notwendigkeit des k onservativ-christlichen Geistes in politischer, wirtschaftlicher und literarischer Beziehung. Von diesen; Artikeln stammt einer aus der Feder eines g e t a u f t e n Barons, dessen Vater Vizepräsident der Budapester Neologen-Judengemeinden war. Einen anderen Artikel hat der getaufte Bruder eines ehemaligen Kultusvorstefojers geschrieben, während der dritte Artikel den getauft;«,« Sohn eines Professors am Budapester Rabbinerseminar zum Verfasser hat. Ja — meint das zitierte Blatt — da ist es wahrlich kein Wunder, wenn die Antisemiten; wütend werden und über die jüdische Ueberwucherungi auf allen Gebieten Klage führen, denn über kurz od'ejr lang wird diese Sorte Juden auch die Lorbeeren a. u f dem Gebiete der christlichen Theologie für sich in Anspruch zu nehmen. Vereitelte Friedhofssehändung in Köln. . In der vorigen Woche hat ein Beamter der Kölneri Wach-" und Schließgeselischaft' eine Rotte junger Burschen gestellt, die die Mauer des jüdischen Friedhofes! in Köhl-Ehrenfeld übersteigen wollten. Es kam zu einem Handgemenge, wobei der Wächter von seiner Schlag- Waffe Gebrauch machen mußte. Erst als er mit der Schußwaffe drohte, ließen die Burschen von ihm ab' und ergriffen unerkannt die Flucht. Nach den Aussagen des Beamten waren die Burschen mit Hakenkreuzen geschmückt und hatten sich zum Teil mit Handwerks-' zeug gut versehen. Bekanntlich wurde vor einiger Zeit der Friedhof in Köln-Dcckstein zum Teil verwüstet, ohne daß es bis jetzt gelang, der Täter habhaft zu werden. / Vor wenigen Tagen erst wurde an der vor kurzem erbauten kleinen Tempclhallc auf dem alten jüdischen Friedhof am Bonner Tor in Köln das „Magen Dovid" abgeschlagen. Auch von diesen Tätern fehlt jede Spur. [ Bufigang in Karpatho-Rußland. Das Reucbekenntnis in der Synagoge. In der Gemeinde Poroskö in Karpatho-Rußland, ist man vor kurzem dahintergekommen, daß der jüdische Fleischhauer Israel Mayer Berkowicz längere Zeit hindurch rituell unzulässiges Fleisch als Koscherfleisch verkauft hat. Vom Rabbinat zur Verantwortung gezogen, zeigte sich Berkowicz noch renitent. Die Empörung der durchwegs streng religiösen Juden war sehr groß. Kein Jude kam mehr in das Gcsch?ft des Berkowicz. Als dieser schließlich einsehen 'mußte, daß es um seine und seiner Familie Existenz geht, richtete er an das Rabbinat die Bittc.u m V e r z e;i h u n g und erklärte sich zu jeder ihm aufzuerlegenden Buße bereit. Es war aber eine furchtbare Strafe, die dem Schuldigen vom Rabbi von B c r e zn a, dem Sitz des Kreisrabbinats auferlegt wurde:' Er ist verhalten, ein Jahr lang in zerfetzten Kleidern h c r-u m z u g e h e n, den Bart wachsen zu lassen und in allen Gemeinden, an die er das Fleisch geliefert hatte, in der Synagoge das Bekenntnis abzulegen und den vom Rabbi vorgeschriebenen Bußgang zu machen. Als erste Sühncstation wurde Berezna bestimmt und die Zeremonie auf einen Tag unmittelbar nach dem Mincha und vor denn Abendgebet festgesetzt. Alles was Beine hatte und nicht ans Bett gefesselt war, füllte an jenen Nachmittag die Synagoge von Berezna. Männer und Frauen, jung und alt, selbst solche, die sonst nie die .Synagoge aufzusuchen pflegen, waren erschienen, keiner wollte sich das zu erwartende Schauspiel entgehen lassen. Der Büßer erscheint in der Türe. Ein kleiner Mann mit bleichem eingefallenen Gesicht, äußerlich der Typus eines frommen Juden aus der Gegend, dem kein Mensch die Sünde zugemutet hätte, die er jetzt zw sühnen, hat..- -:r-t ■; -.>-• , Langsam wie traumverloren, mit zu Boden gesenkten Blicken schreitet der Büßer einige .Schritte vorwärts, bleibt in der Nähe des Einganges stehen, verdeckt mit den Händen das Gesicht und . . . wartet. Dem feierlichen Anlaß entsprechend übernimmt der Vorsteher selbst die Vonbcterfunktion. Bei der Stelle des Olcnu-, Gebetes, die da lautet: .....Auf das die Böswilligen der Erde -zu Dir o Gott bekehrt werden ", ging ein Ziitterh durch den' Körper des Sündhaften, der unter der Last der auf ahm haftenden Blicke der ganzen Gemeinde schier zusammengebrochen war. Der Schames stand bereits auf dem Almcmor, der in der -Mitte des Tempels befindlichen Estrade und winkte den Büßer heran. Wie ein zum Tode Verurteilterzum Riichtplatz schreitet, wankte Israel Mayer, vor kurzem noch viel beneideter übermütiger „Katzew" von Pürosk'ö der Estrade zu, oben blieb er stehen, verbeugte sich tief, daß es schien, er küsse den Staub des Bodens, holte aus dem Sack seines zerfetzten Rockes ein hebräisches Schriftstück 'hervor, das er, wiederholt laut aufschluchzend, aber dennoch allen Anwesenden klar und verständlich zu lesen begann: „Ich Israel Mayer bekenne vor Gott und seinem Volke, daß ich längere Zeit hindurch Trefefleisch ausgehackt und für koscher an Juden verkauft habe. Indem ich gebrochenen Herzens diese furchtbare Tat tiefiiini.g bedäure und bereue, bitte ich den Allmächtigen und diese heilige Versammlung, daß sie mir die schwere Sünde vergeben mögen. Ich aber gelobe hiermit, fortan den rechten guten -Weg zu wandeln. Dich allmächtiger Gott flehe ich inbrünstig an, daß Du mein auf Abwege geratenes 'Hinn erleuchten mögest, damit ich befähigt werde, die Schwere meiner Sünde zu ermessen und nie mehr zu sündigen ..." Die Worte des Büßenden -übten auif d«c Anwesenden einen tiefen-Eindruck aus. Kaum waren die letzten, durch Tränen erstickten Worte des Gelöbnisses verklungen, erscholl als Antwort der das- Abendgebet einleitende Psalm „Wehu rachum jechapper awon ..." „Er, der Barmherzige, wird das Vergehen sühnen!" I Wegen bevorstehender Uebersletilung verlcaufe um jeden Preis alle Arten Reisekoffer, neu patentierte Auto« und Coupe-Schrankkoffer RelxerequBsIten u. Lederwaren neuester Modelle Erfinder und Erzeuger der patentiert. Luftschiff-, Touristen-, Auto- und Coupd-Schrankkoffer L. STORCH

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