Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 48 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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flfe*V4& DIE NEUE WELT Seite 5 sfird oft nicht so vfel werf, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! niu OTTO KASERER neten Grünbaum, dem Präsidenten des jüdischen Paria mentsklubs, vertretenen Forderungen einzugehen. Nur dies ist der Weg zu einer richtigen Verständigung zwischen Polen und Juden. Da'e Entgleisung des Ministers Mora czewski ist .gewiß .nicht geeignet, eine solche Verständigung zu erleichtern. ___________ Streichungen im Budget der Warschauer jüdischen Gemeinde Aus Warschau wird uns berichtet: Das Kultusministerium hat dem für das Jahr 1927 vorgelegten Budget der Warschauer jüdischen Gemeinde die Genehmigung erteilt, dabei jedoch eine Reihe von interessanten Streichungen vorgenommen. So wurde unter anderem die Subvention für die Arbeiten der zur Förderung der Sabbatheiiligung eingesetzten Kommission ganz gestrichen, ebenso die Subvention von 6000 Zloty für das jüdische Theater. Dasselbe Schicksal traif die Subvention von je 500 Zloty für die jüdischen Turn- und Sportvenbäude „Mäk'kabi" und ,,B a r Kochba". Die Post „Schechita" wurde wohl mit der Bemerkung., daß das Jahr 1927 bereits vorüber sei und die Verwendung der eingesetzten Budgetpost für diese Zeit nicht mehr aktuell sei, in ihrer Gänze gestrichen. Die Dispositionsfonds von 23.000 Zloty für das Präsidium wurde grundsätzlich gestrichen, mit dem Bemerken, daß jede Ausgabe der Gemeinde von Fall zu Fall vom Gesamtvorstand und nicht von einzelnen Mitgliedern bestimmt werden dürfen. Gestrichen wunden ferner die Posten 9000 Zloty für das jüdische Volkshaus und 5000 Zloty für die jüdische Teehalle. Hingegen aber hat das Kulturministenium eine Subvention von 30.000 Zloty für das im Bau begriffene Gebäude zur Unterbringung der j ti d a i s t i s c h c n Bibliothek eingesetzt. Verschlimmerung in den jüdischen Kolonien in der Ukraine. Aus den Meldungen der kommunistischen Presse geht herv'or, daß sich die Lage in den jüdischen Kolonien der Distrikte Cherson und K r i v o j r o g in der Ukraine als Folge des Jjehlschlags der Winterernte von Tag zu Tag verschlechtert. Es fehlt an Brot und an Futtermitteln. Die jüdischen Kolonisten sind entmutigt und beunruhigt. Die Charkower jüdische kommunistische Tageszeitung „Der Stern" richtet einen Appell an die jüdischen Kolonisten, nicht den Mut zu verlieren und alle Kräfte .zum Durchhalten anzuspannen. 2,600.945 Juden in der Sowjetunion. Wach der soeben veröffentlichten neuesten Statistik leben in den Ländern der Sowjetunion 2,600.945 Juden. Seit 1897, also in einer Periode von drei Jahrzehnten, hat sich die jüdische Bevölkerung in den genannten Ländern um kaum 4 Prozent erhöht, während der allgemeine Bevölkerungszuwachs fast 40 Prozent beträgt. Dies erklärt sich daraus, daß zahlreiche Juden in den letzten Jahrzehnten nach Amerika und Palästina abgewandert waren. Von 1897 bis 1923 z. B. wanderten 550.000 Juden nach Amerika, 18.000 nach Palästina, 31.000 nach! anderen Ländern aus. Bei diesen Zählungen sind die Juden in den jetzt selbständig gewordenen Gebieten Polen, Lettland, Litauen usw. nicht berücksichtigt worden. Die Tätigkeit des Hiifsvereines der deutschen Juden in Rußland. — Ein Abkommen mit der Regierung, Die Regierungskommission für Landansiedlung und Industrialisierung der Juden in Rußland, „KOMZET", teilt Wir sind genötigt, unser Riesenlager in Somnicrwaren jeder Art gründlich zu räumen. Das zwingt uns, unsere 'bekannt billigen Preise noch um. ein Erkleckliches zu reduzieren. Es bietet sich daher jedermann eine selten wiederkehrende Gelegenheit, seinen Warenbedarf zu unerhört niedrigen Preisen zu decken. Wir veranstalten daher einen Sommerräumungsverkauf mit großen Sensationen. 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Drei Mitglieder der früheren Leitung der Chaluzim- Kolonie „Tel Chai" in der Krim, die wegen zionistische* Betätigung nach Kostroma verbannt worden waren, erhielten die Erlaubnis, nach Palästina auszuwandern. Sic sind soeben nach Moskau gebracht worden, von hier geht es nach Odessa, wo man sie auf ein nach Palästina ab-1 gehendes Schiff bringen wird. Einer der Deportierten, Aaron -Zirlin, war Mitglied des Zentralkomitees des russischen Hechaluz', die beiden anderen, Samuel Friedmann und David Tatenski, waren ebenfalls Führer der Organisation des Hechaluz. Zionistische BezirksseMion Landstraße und Jüdische Tischgesellschaft Landstraße gratulieren herzlichst ihrer'treuen Mitarbeiterin Frau zu ihrer Vermählung mit Herrn der jüdischen Jugend. Der Kongreß in Straßburg. Der Kongreß des Weltverbandes der jüdischen Jugend ist dieser Tage in Straßburg zusammengetreten. Präsident Aime Palliere berichtete über die Verhandlungen des Weltverbandes mit dem Verband der jüdischen Jugendvereinc Deutschlands und erklärte, die Bedingungen des Weltverbandes für eine Zusammenarbeil init dem deutschen Verbände wären die, daß die neue Föderation in den Fragen des Zionismus und d c r R e 1 i g i o n n i c h t g 1 c i c h g ü 11 i g, s o n d e r n p ositiv eingestellt sei. Er hoffe, es werde sich eine Plattform für eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Verbände finden. Palliere teilte den vorläufigen Text der Leitsätze l.iriit, die als Grundlage für-, eine.' solche Zusammenarbeit dienen sollen. Die Leitsätze lauten: ■?/'<' ' v Die, beiden, : Parteien; >s^ Aenderungen seitens der beiderseitigen Leitungen zu dem folgenden Uebereinkommen gelangt: Unter absoluter gegenseitiger Achtung der Richtlinien jeder Gesellschaft in Sachen der Religion und des Zionismus wird eine Fori c r a t i on geschaffen, die möglichst alle großen Organisationen der jüdischen Jugend umfassen soll. Die Ziele' dieser Föderation sind: 1. Die Kräfte der jüdischen Jugend sollen" als moralischer Faktor in der Menschheit zur, Geltung, gebracht werden. 2. Die zusammengeschlossenen Gesellschaften werden ihre Erfahrungen insbesondere im Hinblick auf die Organisationsprobleme austauschen. 3. Durch Austausch von Rednern und durch andere geeignete Mittel! soll die jüdische Jugend in den verschiedenen Ländern über die Lag£ der Juden in der ganzen Welt auf dem! laufenden gehalten werdein. Die Vertreter der verbundenen Gesellschaften werden für Ende 1928 eine möglichst zahlreich besuchte Zusammenkunft der Führer der vecschiedenen. Verbände der jüdischen Jugend vorbereiten. Die Einladungen zu dieser Zusammenkunft werden vom; Weltverbande und dem deutschen Verbände gemeinsam versandt werden. Die Mitteilungen Pallieres über das vorläufige Abkommen mit dem deutschen Verbände machten sichtlich Eindruck auf die Delegierten. J. Schramek wünschte, daß ein gleiches Abkommen mit dem Jugendverbande;,Brith haioar" und mit den großen amerikanischen Jugendverbänden geschlossen werde. Josef Steinberg gestorben. In Warschau starb plötzlich im Alter von 42 Jahren der bekannte Zionist Josef Steinberg, Mitglied des Zentralrates des Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten. Er stammte aus der Ukraine, wo er in früheren Jahre» in der Finanzwelt und im jüdischen öffentlichen Leben eine angesehene Rolle gespielt hat. ' v>" Sterbefälle. In Wien ist vor kurzem — kaum vierzigjährig —'der Finanzrat im Finanzministerium Dr. Ulrich Habe.r gestorben. Er stammte aus der Bukowina. Bereits in früher Jugend stand er in den Reihen der zionistischen Bewegung und war als Mitglied und sodann Alter Herr der jüdischakademischen Verbindung „Z e p h i r a h" in Gzernowjtz f.ür die jüdische Sache tätig. Nach Vollendung seines StudiU'rnjs trat der so früh Verstorbene in die Finanzprokuratur ein, leistete während des Krieges Dienste als Militärjurist, um sodann in den letzten zehn Jahren im Finanzmini-sterlHrn (MiHtär'-tLiquidierunigsamt) vorbildlich tätig zu sein. Am 8. August d. J. ist Herr Fritz Schmetterling in Wien gestorben, ein treuer Kämpfer für die jüdische Zukunft. Als Mitglied der akademischen Verbindung. „Libanonia" war er überall zu finden, wo die Lebensintercssen der jüdischen Studentenschaft angegriffen wurden. Er war ein vornehmer, ritterlicher Mensch, seinen Freundeu stets ein VorbHd und 'verständnisvoller 'Kamerad. Geheinurat Timendorfer — 75 Jahre. Geheimer Justizrat Berrftold Timendorfer, langjähriger und verdienstvoller Präsident und seit dem Jahre 1924 Ehren-Großpräsident der Großloge für Deutschland des Unabhängigen Ordens Bnei Brith (U. O. B. B.), feiert am 1. September d. J. seinen 75. Geburtstag. Timendorfer stammt aus Oberschlesien. Ein Dampier „Max Nordau" im Danziger Hafen. Im Danziger Hafen hält sich gegenwärtig ein Dampfer auf, der den Namen „M a x Nordau" trägt. Der Dampfer gehört der Reederfirma „Gebrüder S z ymanski", deren Inhaber Juden sind. Er gehört der polnischen Handelsflotte an und segelt unter polnischer Flagge. Die Gemeinden im fernen Osten. In der Mandschurenhauptstadt Mukden, der Res!-, denzstadt des während seines Rückzuges aus Peking ermordeten Diktators Tschang-tso-Lin, hat sich dn den letzten Jahren eine ansehnliche jüdische Gemeinde entwickelt, die bereits über ein Synagoge .und mehrere Wöhlfahrtsanstalten verfügt. In den letzten Tagen hat sich dort ein j üdi s ch e r Gemeindeausschuß konstituiert. Mehrere der jüdischen Einwohner Mukdens sind Vertreter großer Oel-, Zigaretten- und Fellfirmen. Die Gemeinde vermehrt sich durch Zuzug von Angehörigen aus Rußland von Tag zu Tag. In. Samb.es z, an der großen mongolischen Wüste, etwa 350 Kilometer von Manchotili entfernt, ist eine neue jüdische Siedlung entstanden; sie liegt an der nach Urga, der Hauptstadt der Mongolei, führenden Straße. In Sambesz leben mehr als 100 Juden, die dm Handel der Monoglei eine ansehnliche Rolle stielen. Der Bischof von Rottenbiirg will nicht, aber das „Berliner Tageblatt" will. •Dr. Sp roll, der Bischof von Rpttenburg in Süddeutschland, hat aus Anlaß eines Streites, ob katholische Mädchen und Frauen ein öffentliches Schauturnen veranstalten sollen oder nicht, eine Predigt gehalten, in welcher er gegen die Schaustellung Einsprach erhebt und die Gelegenheit beniützt, gegen gewisse Zeitersoheinungen Stellung, zu nehmen. Gemeinsames Wandern beider Geschlechter bei Tag und Nacht, gemeinsames Uebernachten Jugendlicher in Feld und Wald, in Hütten und Scheuern, schämlose Kleidung von Mädchen und Frauen, welche geschlechtliche Lüsternheit verrate und geschlechtliche Lüsternheit wachrufen wolle, seien Dinge, von welchen sich die Katholiken fernhalten sollen. Insoweit der Bischof gerecht oder ungerecht ist, ob seine Katholiken mit ihm zufrieden sind oder nicht, soll nicht erörtert werden. Jedenfalls ist es sein gutes Recht, zu seinen" Leute« so zu sprechen, wie es ihm beliebt, und es ist das Recht seiner Leute, der Katholiken, ihm zu antworten, wie 'es ihnen gerade paßt. Nachdem der Bischof nicht' gegen Dritte hetzt und Rechte Dritter nicht bedroh*/ist die Angelegenheit eine rein katholische und nur Katholiken sind berufen, zu sprechen. Aber die Katholiken haben nicht gesprochen, dafür ganz ausgiieibig .und energisch das '„Berliner Tageblatt", welches im Besitze von Berliner Juden ist und von Berliner Juden geleitet und geschrieben wird, also gewiß nicht als Sprachrohr des süddeutschen Katholizismus gelten kann. Das „Berliner Tageblatt" macht aus der Bischofsrede eine große Sache und donnert den Rottenburger Kleriker gewaltig nieder. Es stellt ihn als groben, plumpen Barbaren dar, indem es 'den Geist seines ^feinsinnigen" Vorgängers, des Bischofs von Keppler, heraufbeschwört. Das Blatt hält ihm vor, daß seine verderbliche Tendenz die Katholiken. in Widerspruch zu den Dingen* des modernen Lebens, wie Stfort, Film, Tanz, Mode, Literatur, Malerei, bringt. Ueber diese Möglichkeit sind die jüdischen Herren vom „Berliner Tageblatt" ganz entsetzt und rufen die Katholrken zum Widerstand auf, zum Kreuzizug für die höchsten Kulturgüter der Moderne, für Lippenstift. und Bauch- und SohertkeHreiheit, gegen den Bischof von Rottenburg. Der FaH an »ich ist nicht bedeutsam, aber charakteristisch. Er spielt sich täglich in dieser oder jener Form in Wien, Prag, Budapest und überall dort ab, wo Tauf- und Assimilation®juden m Politik und Presse machen. Leute, die aus dem Judentum hinaus und nirgends hinein sind, feig und aufdringlich. Entwurzelte, leere . Menschen, welche nichts zu verlieren haben, welche das, was sie täglich und stündlich auf der Straße, in der Bar, im Kino, im Kaffeehaus, im. Theater und. auf dem Tanzboden erschnüffeln, zum großen Problem, zur Weltanschauung, einer Ueberzeugung machen und den anderen aufdräaigea wollen. Einmal den Künstlern, ©toi anderirna'l den Arbeiters^ heute den Katholrken, morgen den Mohammedanern. SäS erregen Bkel und Zorn bei den Nichtjuden und beim ehrlichen Jadeit Bitterkeit im Munde und im Herzctt,