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Die neue Welt · 1928-08-17 · Heft 48 (17.8.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 48 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT üsfr. 48 Christen zu gelten, wollten sie die Zeugen ihrer Schmach austilgen. Heute sind es die Assimilations- Juden, welche im lebenden, treuen Judentum ein Hindernis erblicken und ein Zeugnis für ihre Falschheit und ihren Verrat. Ein lebendes Judentum könnte ja die Welt daran erinnern, daß das Deutschtum und Russentum der Adler, Bauer und Abramowitsch ein windiger Schwindel ist. Wie ihre Vorfahren, die Taufjuden, zu den Pfaffen Hefen, so laufen sie zum Völkerbund und zur Internationale, um das jüdische Volk zu schädigen und seine Vertreter zu verleumden. Sie kennen keine Scham und kein Mittel ist ihnen zu schlecht, denn sie sind Renegaten. Und immer, wenn das jüdische Volk sich mit den Nichtjuden wird ehrlich verständigen wollen, werden sich diese Renegaten dazwischenstellen. *' Der. Vorfall in Brüssel gereicht nicht nur den jüdischen Sozialdemokraten Oesterreichs, er gereicht der gesamten Arbeiterschaft Oesterreichs zur Unehre. Das von ihr den Herren Adler und Bauer anvertraute Mandat ist schändlich mißbraucht worden. Adler und Bauer haben nicht zum Ausdruck gebracht, was die österreichische Arbeiterschaft über den Zionismus denkt. Wenn man irgend einen österreichischen Arbeiter fragen würde, ob er geneigt ist, arbeitenden Jiiden, die sich im Schweiße ihres Angesichtes ein Heim bauen wollen, ein Heim der Arbeit, der Ehre und der Freiheit, brüderlich zu helfen? Welcher Arbeiter wird da mit „Nein" antworten? Welcher österreichische Arbeiter wird sagen: Wenn auch meine Genossen in England, Deutschland, Frankreich, in aller Welt bereit sind zu helfen, ich will nicht!? Keiner wird so sprechen! Das wissen auch die Herren Adler und Bauer ganz güt, aber sie haben nicht einen Augenblick daran gedächt, dem Willen ihrer Auftraggeber zu entsprechen. Sie haben den Namen und das Mandat der österreichischen Arbeiterschaft zur Verfolgung ihrer persönlichen Wünsche und Bestrebungen mißbraucht. Sie haben dieses Mandat nicht in den Dienst der österreichischen Arbeiter gestellt, sondern in den Dienst der Taufjuden, der jüdischen Renegaten aller Kategorien, welche den Zionismus hassen und hassen müssen, weil er ehrlich uhd stolz ist Sie aber sind verlogen und charakterlos. Angriffe auf Pinchas Krassm. Der ehemalige jüdische Minister — landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter. Aus Moskau meldet die J. T. A.: Der ehemalige Minister für jüdische! Angelegenheiten der Regierung des ukrainischen Attamans PetJjura/- Pinchas Kras s n i, ist gegenwärtig als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter auf einem Bauerngehöft in der Gegend von C h arkow beschäftigt. Während einer Konferenz der Dorfarbeiter des Kreises vertrat Krsasni die landwirtschaftlichen Arbeiter. Einer der Delegierten richtete an den Vorsitzenden die Frage, ob er, wisse, daß ein ehe rn aJiger Minister d er konterrevolutionären Regierung Pctljura im Saal anwesend sei. Krassni erhob sich und erklärte, es sei wahr, daß er einmal Mitglied der Regierung Petljuras gewesen war, heute aber arbeite es a 1 s T a g 1 ö h n e r und sei Mitglied der Gewerkschaft der Dorfarbeiter. Er vertrete aut . der Konferenz die Arbeitslosen seiner Gewerkschaft. Die Delegation der Arbeitslosen hielt nach der Erklärung Krassnis eine Beratung ab und beschloß, das Präsidium zu ersuchen, Krassni von der Ko nferenz auszuschließ e'n. Slowakische Juden dürfen nicht nach Ungarn kommen. Das ungarische Konsulat in Preßiburg leimt es, wie die „Nar. Ltety" melden,, ab, jüdischen, Bürgern der Slowakei ein Visum nach Ungarn auszustellen vmt begründet dies damit, daß in Ungarn der-Besuch ausländischer Juden nicht erwünscht iei. Zehn jüdische Kandidaten zum griechischen Parlament Obwohl nach der neuen Wahlkreisein.teilung nur zwei Juden aus Sa] o.n ik i ins, griechische Parlament entsandt werden können, kandidieren Juden auf vier verschiedenen Listen, und zwar auf der besonderen jüdischen Liste, die von den Z i o n i s t en und den führenden Kreisen der jüdischen Gemeinde unterstützt wird, der Präsident der B'nei-B'rith-Loge und Ehrensekretär der israelitischen Gemeinde David Matalon sowie der bisherige jüdische Deputierte Isaac S c i a k y. und Daniel A 11 a 1 o u i; auf der venizelischen Liste Aaron Sctfacy und Elte Veissei; auf der kominnistischen Liste Iacques Ventoura und der bisherige Deputierte David S o u.l a m;- schließlich auf iso¬ Merten Listen Yomtov Yaco.el und jsaac P.iorentin. HERREN ■ fähige Redakteure, mehrsprachig, werden S gegen Vortage von Dokumenten \ ENGAGIERT! ■ B. Bernhaut, Wien, IL Obere Donausir* 45(1 € OTEL CONTINENTAL niirnNHimmmiimimiiimiiifiimmiiKiiimmiiimKiniiniiEtiiiiiiimmiimiiB WIEN, II., PRATCRSTRASSE 7 (neben Schwedenbrücke; 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mafiige Preise Abbruch der Verhandlungen Englands mit Ibn Saud. Die Verhandlungen zwischen der durch Sir Gilbert Clayton vertretenen englischen Regierung und Ibn Saud, die anfänglich gut voranzugehen schienen, sind plötzlich abgebrochen worden. Ein vorläufiger Bericht Sir Gilberts i6 laut „Eveniug Star" der Regierung zugegangen. Da erst mit der Anknüpfung dieser Verhandlungen im Mai die Beunruhigungen durch die Wahabitenstämme aufhörten, besteht die Gefahr, daß diese wieder einsetzen. Die englischen Streitkräfte, bestehend ans vier Bombengeschwadern und sieben Panzerwagenabteitortgen, sollen näher an die Gefahrenzone herangezogen werden. Uebcr die Haltung Ibn Saudfl ist man vorere noch durch« aus im ungewixen. Sowjetrekruten. Der Pariser „Matin" vom 10. August meldet aus M o s k a r, daß Rekruten der Roten Armee vor einiger Zeit gegen die jüdische Bevölkerung der Provinz M o g i- 1 c w einen Pogrom veranstaltet hätten. Sechzig Sowjetsoldaten terrorisierten das jüdische Viertel, plünderten Gesääftsläden, vergewaltigte mehrere Frauen und mißhandelten die jüdischen Rekruten. Die Meldung fügt hinzu, daß diesei Pogromfast von der gesamten Sowjetpresse bisher mit Stillschweigen übergangen worden sei. Vandervelde über den Zionismus. Seine Eindrücke in Palästina. Emil V a n d e r v e I d e, der ehemalige belgische Minister und Führer der belgischen Sozialistenipartei, hat vor kurzem Palästina bereist. Man erinnert sich noch an seine begeisterten Schilderungen über die Palästinaaufbauarboit in Paris und Berlin. Nun gibt er seine Eindrücke in einer Serie von Aufsätzen wieder, die in den wichtigsten Kultursprachen erscheinen. Vandervelde erklärt von Haus aus, das zionistische Werk in Palästina leid e n s c h a f t s 1 o s und objektiv betrachten und wiedergeben zu wollen, denn er sei weder Jude noch ein religiöser Mensch und habe weder ein politisches noch ein gesellschaftliches persönliches Interesse und könne daher ein völlig unparteiischer Beobachter sein. Nach dem, was er in Palästina gesehen habe, müsse er erklären, daß sein Bericht über den Zionismus günstig sei. Charakteristisch sind Vandcrveldes Bemerkungen in seinem ersten Bericht: „loh weiß nicht, ob es viele Menschen gibt, die die marxistische Lehre, den, historischen Materialismus, so wie Paul Lafarguc oder die Bolschewiken kommentieren, das heißt in dem Sinne, daß nur die ökonomischen Zustände das Maßgebende und die sozialkulturcllen Ideen nur der Niederschlagder ökonomischen Bedingungen seien, mehr noch: der gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen. Allen jenen, die einen so landläufigen Begriff des Marxismus haben, müßte man den Rat erteilen, nach Jerusalem zu pilgern." . Sie mögen eine Reise ins zionistische Palästina machen und sie werden von ihren falschen Vorstellungen ge- •: . heilt sein. Dort in Palästina wird ihnen klar werden, wie sehr allerlei gesellschaftliche Erscheinungen von einander abhängen. Sie werden lernen, wie sehr alte historische Ereignisse Einfluß üben auf das jetzige Denken der Menschen und daß der g e i s t i g e w n d p s y c h ö 1 o & i s c h e Z u s t a nd auf die ökonomische Entwicklung selbst wirke. Denn wäre man an das Palästinaunternehmen unter dem Gesichtswinkel des Profits gegangen, so würden die meisten der erreichten Resultate niemals erzielt worden oder sie wären,zumindest .schon wieder längst , verschwunden. In seinem •zweiten Bericht kommt Vandervelde. auf den Zionismus als solchen zu sprechen. „Der Zionismus kann sich messen rühmen, daß er e i n. V a t e r 1 a n d schaffe oder, besser gesagt, ein solches wiederherstelle." In der Tat sind es große Dinge, die hier getan werden: Das Zurückführen fassender Menschen in das Land ihres Traumes, das Aufleben einer Sprache, die nur Rabbes und Gelehrte benützt haben, das Fruohrbarinachen eines Bodens durch einzelne oder kooperative Arbeit in einem Lande, dessen Einwohner es im Verlauf von Jahrhunderten verwahrlost hielten. Noch wichtiger als dies ist die geistige Revolution des Zionismus, die er im gewöhnlichen Juden hervorruft, der physischer Arbeit entwöhnt war. Der Zionismus machte den Juden zu einem produktiven Menschen. Der Pionier, der palästinensische Chaltiz, den der Zionismus hervorbrachte," ist der Typus des wundersam freien Mensehen. Trotz dieser Erfolge und vielleicht gerade wegen dieser Erfolge ist die Zionistische Organisation von einer Welt von Feinden umgeben, jedenfalls von Gegnerschaft und Zweifel. Unter den Gegnern des Zionismus befinden sich nicht wenig j üdische Gegner. Diese sind die verbissensten. Einige von ihnen machen ihm seine Weltlichkeit zürn Vorwurf. Sie fürchten, daß der jüdische Glaube, weil der Zionismus in den Juden das Rassegefühl und den Nationalismus stänkt, geschwächt würde, der Glaube, der das Judentum Jahrhundertc hindurch erhalten hat. Andere wieder machen die genau entgegengesetzten Vorhalte. In den Ländern der Assimilation, wie beispielsweise in Frankreich, lehnen es solche Juden ab, irgend eine andere Nationalität als die des Landes, in dem sie Bürger sind, .anzuerkennen. Bei den christlichen zionistischen Gegnern finden wir andere Einwände, die sie 'zu Mißtrauen und Zweifel am Zionismus führen. Die Antisemiten fallen die Zionisten an, weil sie Juden sind. Die •Bolschewiken sagen, daß der Zionismus ein Werkzeu« sei in den Händen des englischen Imperialismus. Im Kö. n* gspalast Aegyptens hänw-iederuni beschuldigt man dir Zionisten, daß sie Anhänger der Sowtetregterting sind und eine Gefahr für deii 'Frieden des nahen Orients bedeuten. Gewisse jüdische Sozialisten wieder meinen, daß der Äionisiische Nationalismus die Prinzipien ' des irrternatior:aleii Sozialismus beo;m;ächti.ge. Schließlich sehen viele Araber eine Gefahr für;br eigenes Volk. „W'ie wir sehen, gehören all diese Einwände und Ben schulcligungen zu jener Sorte, die es nicht verträgt, daß man sie widerlege . . ." Vandervelde bespricht dann ausführlich die politische Struktur innerhalb der Zionistischen Organisation, die programmatischen Ziele der zionistischen Parteien, sie gegeneinander abwägend, berührt dann in instruktiver Weise die seiner Meinung nach staunenswerten Resultate der zionistischen Arbeit in Palästina und kommt schließlich auch auf die geänderte Stellungnahme des internationalen Sozialismus zum Zionismus zu sprechen. „Vor dem Krieg herrschte in der sozialistischen Internationale ein starker antizionistisoher Zug. Aber die trüheren Einwände gegen den Zionasmus sind allmählich-gefallen und f a s t ü b c r ai 1 herrscht dem Zionismus gegenüber Sympathie. Die Poale Zion stellt heute die jüdische sozialistische Partei in Palästina dar. In den letzten Jahren konnte man beobachten, wie Dcbbs in Amerika, Mac Donald und Henderson in England, Leon Blum und Renaudcl in Frankreich, Locbe und Berns t ein in Deutschland mit vollem Herzen ihre moralische Unterstützung dem Z i on i s m <i s : S ozia 1 i smus leihen. Dazu kam es nicht nur deshalb, weil man mit der Bemiilmuvg, eine gesicherte Heimstätte für die Opfer der Verfolgungen zu schaffen, sy*ropatbisiert oder weil man anerkennt, daß ein Volk, seit 2000 Jahren in der Welt zerstreut, ein Recht habe, sich ein eigenes Heim zu schaffen." Mehr noch.führte zu dieser geänderten Stellungnahme gegenüber dem Zionisus d i c B e w u n d c r u il g f ü r d i e geistige u n d materielle A u f 1 c b u n g s a r b-e i t, die in P a | äs ti n a g e 1 e i s t e t wird. „Ich werde die Wahrheit sagen, daß das,' was wir Sozialisten und Internationalisten so groß und schön am Zionismus finden, nicht die erreichten materiellen Resultate sind — auch die sind nicht von der Hand zu weisen —, sondern vor allem das, daß der Zionismus in/tausend e n Menschen das G e f üb 1' für Recht erweckt hat, daß er den „Beleidigten .und Erniedrigten" den Stolz wiedergab, Jude zu sein, daß er am Gipfel des Har Hazofim, wo Titus mit seinen Soldaten stand, das Licht der Zivilisation anzündete." Sir John Russell über die palästinensische Landwirtschaft. Sir John Russell, der Direktor der in Rothamsted (England) bestehenden landwirtschaftlichen Versuchsstation, weilt gegenwärtig in Australien, um auf Einladung der australischer Regierung eine landwirtschaftliche Forschungsarbeit durchzuführen und die Brachländer erschließen zu helfen. Sir John Russell, der bekanntlich auch in Palästina eine Forschungsarbeit durchgeführt hat, besuchte das Bureau der Z i o n i s t i s c h e n Organisation Australiens. In einem Gespräch über die Entwicklungsmöglichkeit Palästinas versichert Sir John Russell, es bestehe für ihn kein Zweifel, daß Palästina eine gesicherte landwirtschaftliche Zukunft habe. Neue jüdische Persönlichkeiten in der Ehrenlegion. Paris, 1. August. (J. T. A.) Zu Mitgliedern der Ehrenlegion wurden ernannt Professor Netter, Mitglied der Medizinischen Akademie und Angehöriger der Familie des verstorbenen hervorragenden Führers des französischen Judentums, Oberrabbiner Charles Netter, und der Rabbiners der Pariser jüdischen Gemeinde Jacques Cohen, der im Kriege als Feldrabbiner gedient hat und von Jessen zwei im Felde gestandenen Söhnen der eine gefallen ist. I, G6L8AND & C9, WIEN, IX. QRUNDLSTR. 9?■ t Telephon 19-0-69 » beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit <l ALLEN ARTEN KARTONS /

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