Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 48 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 17. August 1928 Nr. 48 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalte: Vandervelde über den Zionismus. *—y: Richter in Deutschland. N. R., Warschau: Brief aus Polen. Otto Abel es: Die Synagoge im Nonnenkloster. Der Niedergang des türkischen Judentums. Perez Hirsch bein: Safeth, die Stadt der jüdischen Märtyrer und Mystiker. E. Lewin-Dorsch: Rückgang des ärztlichen Studiums unter den Juden Deutschlands. Bußgang in Karpathorußland. Das Märchen vom „schwarzen Auto". Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung: Die Präsidialsitzung des Makkabi-Weitverbandes. — Die Hakoah. Scholem Alejctiem: Menachem Mendel. Schalom Asch: Die Mutter. Die Internationale für das jüdische Palästina. Eine sozialistische Konferenz in Brüssel. Aus Brüssel, 13. d., meldet die J. T. A.: In Anwesenheit von 40 hervorragenden Delegierten des Kongresses der zweiten Internationale trat hier eine Konferenz zur Behandlung der Pal äst inafrage zusammen. Unter den Teilnehmern befanden sich Leon BI u m, Eduard B e r n s te i n, Artur Hend e r s o n und Vandervelde. Vandervelde schilderte die Lage in Pa- Palästina an der Hand der Erfahrungen seines letzten Besuches. Er legte die großen Ergebnisse der zionistischen Aufarbeit und die Entwickliingsmöglichkeiten dar. Er kritisierte den Bericht der vereinigten Palästinaexpertenkommission (Jewish Agency). Im Namen der Poale Zion sprach Herr Kaplans'ki, der die Schwierigkeiten der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina erörterte, die die Aufmerksamkeit und Hilfe der Internationale verdiene. Schließlich beantrage Vandervelde eine Resolution,; die anerkennt, daß die Resultate des jüdischen arbeitenden Palästina auf sozialistischen Grundsätzen und internationaler Solidarität basieren, weshalb ihnen die Unterstützung alier Sozialisten zuieil werden muß. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Im Sinne dieses Beschlusses wurde ein Palästinakomitee gebildet, das ausschließlich aus Sozialisten besteht und systematisch der Internationale über seine Tätigkeit zu berichten hat. In die Exekutive dieses Komitees wurden entsendet: Eduard Bernstein, Leon Blum, Dr. Breitscheid, Senator de Brouckere, Kamill Huysmans, Georg Lansbiiry, Präsident Loebe, Jean Longuet, Hermann Müller, Oudenist, Renaudel, Turatl,v Schiplakow, Tschernow, Zeretelli, Co!, Wedgwood und Emile Vandervelde. Ein schändlicher Streich. Friedrich Adler und Otto Bauer hetzen die Internationale gegen das zionistische Aufbauwerk. — Ein Tag der Schande für die österreichische Sozialdemokratie. Die Anerkennung des Rechtes der Juden"auf eine nationale Heimstätte in Palästina setzt sich unaufhaltsam durch: Der Anerkennung dieses Rechtes seitens der Vertreter der Kulturnationen, seitens des Völkerbundes folgt nunmehr die Anerkennung seitens der zweiten mächtigen internationalen Vereinigung, seitens der Internationale der Arbeiterschaft. Nach jahrelanger Prüfung des zionistischen Problems sind die Arbeiterfüher aller Länder zur Ueberzeugung gelangt, daß es Pflicht der Arbeiterschaft ist den Aufbau Palästinas durch jüdische Arbeit nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten zu fördern. Auf dem in der Vorwoche in Brüssel, abgehaltenen Kongreß der Internationale sollte die An-' erkennung in die Tat umgesetzt werden. Es lag der Antrag auf Bildung einer s t ä. n d i g e n P a 1 ä s t i n ak o m; m i s s i ond e r I n t e r n. a ti o n a 1 e vor. Allen Vertretern auf dem Kongrefe erschien die Annahme des Antrages als selbstverständliche Sache, und man war auf keinerlei Diskussion gefaßt, da Sympathieerklärungen der Arbeiterschaft aller Länder für das zionistische Werk seit Jahr und Tag vorliegen. D a sprangen — ganz unerwartet und zum maßlosen Erstaunen hunderter nichtjüdischer Führer — Juden auf, um die Absicht des Kongresses, für die jüdische Freiheit einzutreten, zu vereiteln. Die jüdischen Vertreter der österreichischen Sozialdemokratie, die Juden Friedrich Adler und Oto Bauer protestierten gegen den Antrag und beschworen den Kongreß, dem Zionismus seine Anerkennung zu verweigern. Die Meldung über den Vorfall lautet: Brüssel, 7. August. (J. T. A.) Auf dem gegenwärtig in Brüssel tagenden Kongreß der Zweiten Internationale der Arbeiterschaft kam es bei der Beratung des auf Anregung von Emile Vandervelde und den Poale Zion gestellten Antrages auf Errichtung einer speziellen Palästinakommission der Arbeiter- Internationale zu einem erregten Meinungsaustausch. Gegen die Errichtung der Palästinakommission wandten sich besonders sozialistische Führer, die jüdischer Abstammung sind. Das beschämende Verhalten der jüdischen Führer der österreichischen Sozialdemokratie Adler und Bauer hat die auserlesensten Vorkämpfer der Internationale nicht daran hindern können, sich zum Zionismus positiv zu stellen und mit ihren Namen für das Recht des jüdischen Volkes einzutreten. Oesterreich ist dank Adler und Bauer an diesem Werk nicht beteiligt, es ist durch jüdische Renegaten aus den Reihen der Besten, welche die Internationale aufzuweisen hat, ausgeschlossen. Das Palästinamandat vor dem Völkerbundrat. Am 30. August, kurz vor der Eröffnung der neunten Plenarversammlung des Völkerbundes, beginnt die 51. Session des Völkerbundrates, die sich Der Führer der österreichischen Arbeiterschaft und Mitglied des Präsidiums der Internationale, Doktor Friedrich Adler, griff sehr heftig die Führer der Poale Zion an und erhob gegen sie den Vorwurf, daß sie — indem sie sich bemühen, das palästinensische Problem dem Kreise der Probleme der Arbeiter-Internationale anzugliedern — die I n t e rnationale Arbeiterbewegung hemmen und ein Chaos in die Bewegung der jüdischen Arbeiterschaft bringen. Der bekannte österreichische sozialistische Theoretiker Otto Bauer und der Führer der russischen sozialdemokratischen Partei Menschewiki), Abramowitsch, unterstützten Adlers Opposition gegen die Einsetzung. einer Palästinakommission. Der Führer der britischen Arbeiterschaft und frühere Minister Henderson setzte sich mit größer Wärme für eine spezielle Palästina* arbeit der Zweiten Internationale zwecks Förderung der Aufbauarbeit der juäisehen Arbeitersen äi£ein' und wies die Kritik von Adler, Bauer und Abramowitsch zurück. Er drohte mit der Niederlegung d er-Präsidentschaft, der Internationale, wenn die Palästinaarbeit aus dem Programm der Internationale ausgeschaltet werden, bezw. eine solche Arbeit einem Sozialisten verwehrt sein sollte. Schließlich einigte man sich dahin, die Erörterung der Palästinafrage vorläufig zu vertagen, bis die für Donnerstag, den 9. August angesetzte spezielle Palästinakonferenz der Führer der Internationale stattgefunden haben wird. * / Bin Christ sprang auf, um den Verrat der Juden zu brandmarken! Er war maßlos entrüstet, er drohte mit seiner Demission, er verstand diese niederträchr tige Charakterlosigkeit, diese abgrundtiefe Bösheit nicht. Wir verstehen, denn wir sind Juden und wissen, daß unser getretenes und siech gewordenes Volk häßliche, kranke Teile absondert, die jüdischen Verräter. Im Altertum und Mittelalter waren es die Taufju^en, welche Blutmärchen erfanden un4 zur Inquisition liefen und ihre treugebliebenen Brüder auf den Scheiterhaufen brachten. Um als-ganz gute u. a. aiich mit Mandats- und Minderheitenfragen zu beschäftigen haben wird. Der Rat wird den Bericht der ständigen Mandatskommission über ihre 13. Sepsion, die vom 12. bis 29. Juni d. J. stattgefunden hat, und in der auch das Palästinamandat behandelt wurde, zu bestätigen haben. Der MlnderheitenkongreB. Der vderte Kongreß der Vertreter der nationale« Min-, derbeften, an welchem eine Anzahl jüdischer Minderheiten«. Vertreter aus verschiedenen Ländern teilnehmen wird,: wird am August.d. J. in Genf beginnen. Wie alljährlich, findet auch dieser Kongreß uro die Zeit der Völkerbundvolltagung statt. i^TI 7 ^eder KUche JM.\£j js|. ejn Das Vßr«nSleP« Wtelt, K, Am Hot 3 Telephon Nr. 66-1-47