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Die neue Welt · 1928-08-10 · Heft 47 (10.8.1928) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 47 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 47 DIE NEUE WELT Seite 7 Samoilowitsch und Pontremoli. Jüdische Helden der Nordpol-Tragödie, Die Gattin des Professors Samoilowitsch, des Leiters -der Kettungsexpedition des Eisibrcchers „Krassin", die in der Arktis die von der ganzen Welt bewunderten Rcttunsrstaten vollbracht und später auch den schwer havarierten deutschen Dampfer „Cervantes" ans höchster Seenot gerottet hat, empfing in Leningrad den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und berichtete ihm über das Loben ihres Gatten, der sich noch immer an Bord des „Krassin" befindet. Auf die Frage, ob es zutrifft, daß Prof. Samoilowitsch Jude sei, erwiderte Frau Juliane Samoilowitsch: Meinen Mann nennt man Rudolf, sein wirklicher Name aber ist Reuden; er ist Jude und stammt von einer gut jüdischen Familie in der Gegend von R o s t o w. Er wurde 1880 in der Stadt A s o w gelboren. Sein Vater Lasar Samoilowitsch war ein frommer jüdischer Kaufmann. Von seinen vielen Kindern wurde keines in eine russische Schule aufgenommen, da in dem damaligen zarischen Rußland der Numerus clausus gegen Juden In seinen schärfsten Formen praktiziert worden war. Rudolf Reuben und sein Bruder Josef wanderten ins Ausland. Rudolf vollendete seine Studien als Ingenieur in Deutschland, Josef in'Belgien, ihre Schwester besuchte das Wiener Musikkon servatoriu in. Nach Beendigung seiner Studien in Deutschland, 1908, kehrte Rudolf nach Rußland zurück und wurde bald darauf vou einer privaten Firma eingeladen, die Gebiete im hohen Norden Rußlands nach dem Vorhandensein von Kohlenlagern zu erforschet}. Rudolf hat wirklich ertragreiche Lager entdeckt. Er beschloß, sich der wissenschaftlichen Erforschung der Polargegenden zu widmen. im Jahre 1912, erzählte Frau Juliane Samoilowitsch weiter, lernte ich meinen späteren Mann in Petersburg kennen. Rudolf war ein guter Jude, ich Christi«, wir heirateten, ohne daß einer von uns seinen Glauben gewechselt hat. Mein Vater, ein russischer Oberst, machte zur Bedingung für seine Einwilligung zu unserer Verbindung, daß ich aus der rechtgläubigen Kirche nicht austrete. Die Eltern Rudolfs konnten sich lange nicht dabei beruhigen, daß er eine Christin zur Frau nahm; erst später nahmen sie den Verkehr mit 'ihrem Sohne wieder auf. Rudolf-Reubcn Samoilowitsch ist gegenwärtig Professor am Leningrader Pojjtcchnikum und.leitender Direktor des Instituts zur Erforschung der Arktis, das von der Sowjetrcgierutvg begründet worden^ war. Vor dem Kriege leitete er das Petersburger Büro der Berliner Allgemeinen Elektrizitätsgeseliscliaft (A. E. G.) Nach seinem gelungenen Rettungswerk im Nordpolgetbiet wird die Sowjetreglerung ihn -rwie man mir soeben mitgeteilt hat zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion vorschlagen. Prof. Samoilowitsch hat zwei Kinder, einen neunjährigen Knaben, Wladimir, und ein siebenjähriges Mädchen, Natalie. Aldo Pontremoli. Der Tod des hervorragenden, jungen Physikers Professor Aldo Pontremoli, des Enkels Luigi Luzzattis, der au der Nobtle-Expedition nach der Arktis teilnahm und hei der Katastrophe der „Italia" unter derjenigen Mannschaft war, die mit dem Gaskörper des Luftschiffes abgetrieben und offenbar zugrunde gegangen ist, wird als e|« großer Verlust für die italienische Wissenschaft allgemein empfunden, Er galt als der genialste italienische Physiker u?*d hatte einen großen Namen in der gesamten wrissenssbattlichen Welt. Prof. Pontremoli entstammte einer der ältesten und angesehensten Familien Italiens. Er war ein Sohn der einzigen Tochter des berühmten, vor einem Jahre verstorbenen ital'ienisch-jikjischen Staatsmannes tind früheren Ministerpräsidenten Italiens Prof, L<uigii Luzzatti. Schon im Alter von 24 Jahren wurde er zur Leliung des Lehrstuhles für experimentelle Physik an der Univerwät Mailand berufen. Wenige Jahre danach wurde er Mitglied der Italienischen Akademie der Wissenschaften, und zwar wagen seiner bahnbrechenden Arbeiten auf dam Gebiete der Meteorologie Er belaßte sieh hauptsächlich mit der Erforschung des Erdmagnetismus. Eines ieiner grundlegenden Werke auf diesem Gebiete wird demnächst wi Rom erscheinen, Per rötwische J. T. A.-Vertreter traf Pro! PontremoH einige Maie im Hause seines Großvaters Luigi Luzjsattl an. Aldos Mutter, Frau Lucia PontremoH, die Tochter Luzzattls, die Jetzt in tiefste Trauer versetzt ist, ersfiWte heute dem J. T. A.-Vertreter aus de» Kinderjahren ihres genialen Sohne«. Schon mit neun Jahren ver* suchte steh Aldo an schwierigen physikalischen Experimenten, sein Kinderzimmer war ein ptiyalkatl«Qhes Laboratorium, elektrische Drähte zogen sich von Wand zu Wand, kleine Masohluenmodelie waren sein Spielzeug. Nach Beendigung der Mittelschule wurde Aldo schon Assistent de« berühmten Italienischen Physikers und früheren Unterrichtsministers Prof. C o r b i n o. Schon damals wurde er iür seine experimentellen Arbeiten durch die Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet. Nach Beendigung der Studien an der Universität Rom sandte ihn die italienische Regierung nach C ä mbridge, wo er unter Leitung des berühmten englischen Physikers Ernest Rutherford seinen Arbeiten oblag. Prof. Einstein sandte ihm auf brieflichem Wege oft Worte hoher Anerkennung. Nach seiner Rückkehr aus Cambridge wurde er Professor der Physik an der Universität Mailand. Er wurde zum Generalsekretär des Internationalen Physikerkongresses, der vor einem Jahre in Como, der Geburtsstadt AIcssandro Voltas, abgehalten wordon ist, gewählt. Das Referat, das Aldo Pontremoli auf diesen! Kongreß gehalten hat, begründete seinen Namen in der internationalen wissenschaftlichen Welt. Als Nobile den Plan der Nordpolexpedition faßte, lud die Italienische Regierung den Jungen Aldo Pontremoli ein, an dieser Expedition teilzunehmen und erdmagnetische Forschungen, die der hauptsächliche wissenschaftliche Zweck der „Kallau-Expeditioii waren, anzustellen. Neben Professor Malmgrccn ist Pontremoli der zweite unersetzliche wissenschaftliche Verlust der verunglückten Nobiic-Expedition. Aber, wie Nobile versicherte, wurden die wissenschaftlichen Aufzeichnungen Pontrcmolis, die sich in der Führergondel befanden, gerettet. Ich erlaube mir dem ,P.T. Publikum zur Kenntnis zu bringen, daß ich ab 1. Juli 1928 eine streng Wien, XX*, KlosterneuburgarstraQe 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwürden des Rabbiners M. Mayersohn . iViäKB'fpxin1?^ - thuj oercon pwn wi nw nrwn nnn 1JW fio iV?ib mjn tun ,«,ö^w lnwTNü tno neu eröffnet habe. — Täglich frische und eistklassige Spezial¬ Erzeugnisse feinster Wurstu, Selchwaren. — Provinzversand WILHELM PETYAN, SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., Kloat^rnnubargorgtraBB 90 Telephon A.43-t-59 MUSIKHAOS „EXCELSIOR" Ii. Ridlard Herzog WIEN HSttSSSä... Tetephon 73-4-90 Sprechapnaratc jeder Art, sowie sämtliche jüdischen , und hebräischen Schallplatten In reichster Auswahl stets auf Lager PROVINZVCRSANO I PROVINXVERSAND!; MM00«1<M»M0BWM»WMM8M««H«MMMM0«MM— Balfours 80. Geburtstag. Das Exekutivkomitee des Jüdischen Nationalfonds sandte Lord Balfour zu seinem 80. Geburtstag ein Glückwunschtelegramm, in welchem dem Jubilar mitgeteilt wurde daß die Aktion für Pflanzung eines Balfour-Waldes von 100.000 Bäumen in Palästina dank den Bemühungen des Balfour -Wald - Komitees unter der Präsidentschaft von Major H. L. Nathan glücklich beendet ist. Lord Balfour erwiderte: „fch bin hocherfreut zu hören, daß der mit meinem Namen verbundene Auffor stungsplan Erfolg gehabt hat." Der „Anglo Palestinian Club" beglückwünschte seinen Protektor, Lord Balfour, 7.1t seinem 80. Geburtstage und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Lord Balfour „noch lange Zeit Zeuge des Fortschritts des Jüdischen Nationalheims in Palästina, mit welchem sein Name für ewig verbunden ist, sein werde." Vlnizelos gegen den Judenkataster in Saloniki. Der Regierungschef V e n i 7 e 1 o s empfing, wie aus Athen gemeldet wird, eine Abordmuig der jüdischen Gemeinde von Saloniki, die ihm die Wünsche der Gemeinde vortrug und insbesondere gegen das Bestehen eines besonderen Wahlkatasters zu den Parlamentswahlen für die Jtidcnschaft Salonikis Protest erhob. Venizelos erklärte, es sei der Judenschaft bekannt» daß er s*tets eine freundschaftliche Haltung gegenüber den Juden nicht nur in Griechenland, sondern auch in anderen Ländern eingenommen hatte; er verspraezh, den jüdischen Wahl-Kataster aufzuheben, so daß die Juden zugleich mit den anderen Bürgern an die Wahlurne eschreiten werden. Die jüdischen Kriegstoten. Aus Berlin wird uns berichtet: Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wendet sich an die jüdischen Organisationen mit der Bitte, die Sammlung der noch fehlenden Daten für die iip V^'eltkriege gefallenen jüdischen Kameraden zu 'unterstützen. ÄUS PALÄSTINA. Die Beamtenschaft der Palästina-Regierung. Die Zahl der Beamten der Palästina-Regierung beträgt 2M3, davon 1079 Araber, 538. Engländer und 526 Juden. Der Jahresbetra«: der; Gehälter betrug Pf. 734.640. Während aber auf 1605 jüdische und arabische Beamte nur Pf. 303.130 entfallen ..(Juden Pf. 92.620 und Araber Pf. 310.510) erhielten die 53S englischen Beamten Pf. 421.510. B»i der Eisenbahn sind beschäftigt 141 arabische und 139 Jüdische Beamte. Von den 31 hoben Beamten sind jedoch 28 Engländer und nur 2 Juden. Bei der Post zählte man 106 arabische und 101 jüdische Beamto, außer den 15 hoben Beamten, .die...ausschließlich Engländer sind. Im Departement für Handel und Zollwesen sind von den hohen Beamten 9 Engländer, 5 Araber und 2 Juden. Insgesamt sind von 463 hohen Barnten 251 (54 Prozent) Engländer und 43 (9 Prozent) Juden. Das Gehalt des High Commissioner beträgt Pf. 50O0 im Jahr und' das des Chief Secne» tary Pf. 2000, währond der Chef der Polizei Pf. 1300 erhält. Die hebräische Universität. Der Rat des Instituts für jüdische Studien der he* brälschen Universität zu Jerusalem tritt am 21. August tf, J. in Basel zu eimr Sitzung zusammen. Aus Paläp stina werden an der Sitzung u. a. teilnehmen: Chaim Nachrfian Bfalik, M. M. Ussisehkin, David, Yellin, Dr. Joseph Klausner und Epstein. Ein« und Auswanderung im Mai- Im Monat Mai d. J. sind 387 Einwanderer.,. unter ihnen 223 Juden, nach Palästina gekommen. In dem gleichen Monat wandlerten 313 Personen, unter ihnen 264 Juden, a«s dem Land« aus, * Die Geldzirkulation. Der Währungsausschuß der Palästina-Regierung teilt mit, diaß der Gesamtumlauf an Münzen und Noten in Palästina heute 1,887.348 Pfund beträgt. Palästinas Export und Import Im April 1928. Der Import Palästinas im Monat April betrag Pf. 499,107 gegen Pf. 490.761 Im Apr.il 1937. Der Export betrug Im. April Pf. 110,543 gegon Pf. 163.455 Im April 1927, Verminderung der Polizeitruppe. 6ü britische Polizisten haben soeben Palästina ver lassen; 40 weitere britische Polizisten werden ihnen in den nächsten Tagen folgen. tschechoslowakische Lehrer zw Desuch. Der Verband, hebräischer Lehrer in Palästina gab w Ehren der in Palästina zu Besuch weilenden 3} lehret aus der Tschechoslowakei ein Bankett. Es sprachen Ver' treter jüdischer Institutionen, die die Gäste in Palästina; willkommen hießen. Der tschechoslowakische Konsul betonte in seiner AntWbrtrede, daß die Tschechoslöwakeij die jüdische Arbeit in Palästina mit warmer Sympathie verfolge. Namens der tschechoslowakischen Lehrer gab Prof. Peterbok der Bewunderung für das jüdische Kolonisationswerk Ausdruck. Der Palästina-Auf baufonds in China. Der Delegierte des . Keren-Hajessod-Direktoriums, Krischewsky, setzt sejne Arbeit in China fort. Am 13. Juni wurde Krischewsky vom Bezirksgouverneur von C h a r b 111, General Tschanchoa-Sjan, empfangen. Der General gab in dem Gespräch, das einen sehr freundlichen Charakter trug, seiner Sympathie für das* jüdische Aufbauwerk in Palästina Ausdruck. Das chinesische Volk habe sich immer für Gerechtigkeit eingesetzt und alle Nationen müßten an der Verwirklichung der nationalen Bestrebungen der Juden mithelfen. Auch die verschiedenen ausländischen Konsuln, die Krischewsky besucht hatte, {Hotteten diesem Gegenbesuche ab. Am 14. Juni fand eine feierliche Versammlung statt, au der über 60Q Personen teilnahmen, wobei viele wegel* Ueberfüllung nicht mehr in den Saal gelangen konnten. Im Ehrenpräsidium saßen der englische Konsul, der japanische Generalkonsul, General Tsin, der italienische Konsul und der deutsche Konsul, Nachdem der englische Konsul Krischewsky eingeführt hatte, hielt dieser einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über das gegenwärtige Palästina und die Aussichten seiner Entwicklung. General Tsin übermittelte die Sympathien des chinesischen Volkes für das zipnistische Aufbauwerk. Am 17war Krisehewsky Gast der jüdischen Jugend, der er über die Jugend von Erez Israel berichtete, Die Arbeit In Nordafrika. Pas Direktorium des Keren Hajessod hat den Anwalt am gemischten Appellationsgericht, in Alexandrren, Messeca, eingeladen, als Delegierter in den nordafrikauischen Ländern Tunis, Marokko und Tripolis für den Keren Hajessod tätig zu sein. Messeca nimmt in der zionistischen Bewegung in Aegypten seit 15 Jahren eine führend« Stellung ein« Er ist von Geburt ein Sepharde. Miiiiifiiiifiiiffiiiiiiiiiititiiliififiiitffiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiit*ff*; Abonniert die -■ ' —| »Neue Welt«

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