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Die neue Welt · 1928-08-10 · Heft 47 (10.8.1928) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 47 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 47 Rumänien verspricht Eine Rede des Gesandten Gretaiano in New York. - Unsichere Lage der Juden in Rumänien« — Die Judenschaft noch nicht organisiert. Ans New York nicktet die J. T. A.: Auf einem Bankett der Union rumänischer Juden in Amerika hielt der rumänische Gesandte in Washington, George G r c t z i a n o, eine Rede, in der er seiner festen Ueberzeugung Ausdruck gab, daß in Zukunft keine rumänische Regierung irgend welche Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung im Lande zulassen wird. „Meiner Meinung nach", fuhr Gretziano fort, „sind auch die bisherigen antisemitischen Exzesse von kleinen Gruppen begangen worden; so etwas ist in der Vergangenheit auch in Ländern mit einer älteren Zivilisation als die Rumäniens vorgekommen. Die Vorschläge und Anregungen, die ihm von, einer Abordnung der Union rumänischer Juden in Amerika unterbreitet wurden, habe er an seine Regierung in Bukarest weitergegeben, die sie „m i t Wohlwollen prüft". Die jüngsten Ereignisse in Rumänien, schloß Herr Gretziano, hätten bewiesen, daß die rumänische Regierung den ernstesten Wunsch hat, in Zukunft jeder Art von, Schikane, wie sie von einer Gruppe aufrührerischer Elemente gegen die jüdischen Bürger versucht werde, vorzubeugen. # Aeußerungen eines Unparteiischen. Tn einer Sitzung des Verwaltungsausschusses des American Jewlsh Congress gab Herr Irving Fin e m a n von der Universität Illinois, der vor kurzem längere Zeit in Rumänien gewellt hat, Bericht über die Lage der Juden. Br sagte, daß trofcz der gegenteiligen Versicherungen der Antisemitismus und' die Verfolgung der Juden, besonders der jüdischen Studenten, in Rumänien noch immer andauern. „Ich habe", sagte Fineman, „die in der Presse erschienenen Berichte von Leon Fischer und Dr. Charles S. Macfarland gelesen, ebenso den Bericht über die Ansprache des rumänischen Gesandten George Gretziano auf dem Bankett, und bin eher geneigt, der Darstellung von Dr. Macfarland recht zu geben, der feststellt, daß die Lage der Juden in Rumänien nicht aufgehört hat, eine sehr unsichere zu sein, Wenn Herr Gretziano feststellt, daß antisemitische Ausschreitungen in, Rumänien nicht mehr vorkommen können, so kann ich dem entgegenhalten, daß es noch immer Professoren gibt, die an den Universitäten öffentlich den Judenhaß predigen, und daß sogar verantwortliche Leiter von Universitäten gegenüber den Studierohden den Standpunkt vertreten, daß ein rumänischer Jude ein Unerwünschter „Fremder" ist. Es ist ferner wahr, daß antisemitische Studentenorganisationen weiterhin öffentliche antisemitische Kundgebungen veranstalten und Innerhalb der Universiätsmauern ein System der Verfolgung ihrer jüdischen Kollegen, durchfuhren. Noch immer müssen jüdische Studenten, die ihr Studium zu' Ende führen wollen, soweit die Mittel es ihnen erlauben, ausländische Universitäten aufsuchen. In der Regierung selbst sitzen auch heute noch Männer, die versuchen, die Vorgänge in Großwardein als einen „belanglosen Zwischenfair' hinzustellen und die 'keine Bedenken haben würden, die an* den rumänischen Universitäten glimmende antisemitische Kohle zu einem Brande zu entfachen, soferne ihnen dies polltisch als nützlicli erscheinen würde." ' Herr Bernard G. Richard s, der Exekutiv* sekretär des American Jewish Congress, teilte nach Schluß der eöriethe Finemans mit, daß dieser Bericht dem Kongreß als eine Richtschnur für. seine weitere Tätigkeit zugunsten der Juden in Rumänien dienen werde. Der Vizepräsident der Union rumänischer Juden in Amerika, Herr Leon Fischer, der soeben aus Rumänien, wo er von Regierung und Behörden gefeiert worden war, nach New York zurückgekehrt ist, erklärte, er habe volles Vertrauen zum Premlerminister Brattanu und dem Innenminister Duo®, In den letzten zwei Jahren, fuhr Herr Fischer fort, hat. <|ie Lage der I Gänilichar Saison« I m Räumungsverkauff £ Wegen bevorstehender Uftberi lcdluite verkaufe um wen Frei* alle Arten *«iftfc#W*r« neu jfotentftrte Hill«« und CeMP*«ft!tranhk«)ff«r Relttrteittlsiten u. Lederwaren neuester Modelle LSTOQfM ^bukkxr, ««PI Wl%%ll A»to> und^M'Sfilirinkiwfitf VIII. Albertoasse 19 Juden in Rumänien eine Wendung &\m Besseren genommen. Wenn noch heute eine gewisse Spannung zwischen verschiedenen Teilen der Judenschaft und der Regierung besteht, so ist dies darauf zurückzuführen, daß die Judenschalt in Rumänien «och nicht organisiert ist und deren Führer keine homogenen Ziele verfolgen. Man darf nicht vergessen, daß das heutige Rumänien erst auf eine neunjährige Geschichte zurück* blickt. Die Meldung, daß die Jüdischen Gemeinden in Siebenbürgen hoch keinen Ersatsi für die Pogrom* Schäden erliailten haben, stimmt mit den Tatsachen nicht Überein; er sei noch im Juni von der Union ru* manischer Juden in Bukarest informiert worden, daß bereits 75.000 Dollar an Entschädigung gezahlt worden sind. Premier Bratianu hätte ihm gesagt, daß unverzüglich weitere 35.000 Dollar zur Auszahlung gelangen werden. Die „JudenrepwbHk". Das deutsche Reichsgericht macht Schule. Am 3. Juli hat, wie damals mitgeteilt, das Amtsgericht Hamburg Abt. II für Strafsachen «tfnen völkischen Agitator, der öffentlich ausgerufen hatte: „Wir pfeifen auf die deutsche Judcnrepubltki" freigesprochen. Die Urteilsbegründung wurde erst in diesen Tagen veröffentlicht; sie stiitet »ich aaf die bekannte Reichsgerich tsen t sc hei dang und lautete im wesentlichen: „ . . . paß die Worte: „Wir pfeifen auf die deutsche JuderarcpubUk" hi der Absicht gebraucht werden können, die verfassungsmäßig: festgestellte republikanische Staatsfofm herabzusetzen, ist der Anklage ohne weiteres zuzugeben. Andererseits liegen mm jedoch die Dtogc keineswegs so, daß in einer derartigen Aeußerung unter allen Umständen eine Herab2lehung der gegenwärtigen Staatsform, d. h. also der durch die Weimarer Nationalversammlung festgestellten besonderen Formder demokratischen Republik, liegen muß, die die oben genannte Vorschrift des Repubilkschutzgesefczes ausschließlich mm Gegenstand hat. Die hier trasl]c4>eii.:.Y^orte..|^^.ii^.;'s4oli vielmehr — was a.uch das Reichsgericht aijs^e^rViW. :HW — lediglich"äof die neue Rechts- und Gesellschaftsordnung beziehet!, die nach Kriegsende in Deutschland unter hervorragender Beteiligung deutscher und ausländischer r Juden errichte} ^worden tet, und awary ohne daß damit an der Staatsform Kritik geübt werden sollte. Wen« jemand von einer .fdeutsoben Judenrepublik" spricht, so ist im übrigen aber nooh nicht einmal, gesagt, daß er dabei überhaupt an politische Verhältnisse gedacht hat. Mit einer solchen Aeußerung kann vielmehr—• worauf das Reichsgericht ebenfalls hingewiesen hat — unter Umständen ausschließlich der Übermäßige Elnlluu gemeint sein, den die tm Verhältnis xtif Gesamtbevölkenmg außerordentlich geringe Zahl von Juden nach Auffassung; welter Volkskreise hi wirtschaftlichen Dingen ausübt. Es spri&bt sehr viel dafür, daß er jenes Lied, wolehes übrigens, wie zahlreiche ähnliche Strafverfahren beweisen, vielfach vön Nationalsozialisten gesungen wird, aus ja d c nf ei nd 1 ic h q<t Einstellung heraus ansUtrimte, d a ß e f s o m i t ri i o li t d i e h e u 11 g e S t a a t sform hat beschimpfen, sondern lediglich den nach seiner Ueberzeügurtg a M z *i großen Einfluß de.3 Judentums In wirtschaftlichen Dingen auch auf nianehen Zweigen des Staatslcbehs hat geißeln wollen. Da es hiernach an jedem ausreichenden Anhaltspunkt dafür fehlt, daß der Tatbesland verwirklicht ist, den der 6 8 des Republikschutzgesetzes Jrn Auge hat, so war bezüglich dieses Punktes der Anklage eine Freisprechung geboten," Die slowakischen Juden und Ungarn» Eine Erklärung der „Jüdischen Partei". Die „Jüdische Partei" in der Slowakei und Karpathorußland hat einen Aufruf verÖffentJiehti in welchem gegen die seitens der Israelitischen Undoskanzlel in Buda* pest dureh ein Rundsehreiben an die Jüdliichfn Oer meinschaften aller Under eingeleiteten Kampagne für eine Revision des Vertrages von Trlanön Stellung genommen wird In dem Aufruf der „Jücfoschtn Partei" heißt es «• - ' „Wr verwahren uns ganz entschieden gegen de* Memorandum und erklären, dafl dl« Israelitische Landeskanzlei kein Recht dazu hat, in dieser Fragt Im Namen des slowakischen und karpaiborussischen Judentums zu sprechen. Wfr Juden kl der Slowakei und Karp«thon*ßland haben keine Ursache, unsere Jüdischen Brüder fr» Ungarn wegen der dortigen Verhültnli«, soweit sie des Juden« tum betreffen» w beneiden. A IILMARXERGAÖSE'30-32! e itptvc ti : PO-S-ft >; u n dt 0 5 O- 3 8 F-.i L i'n'l'o : :'-'v '' ' Vl.M AR IAH ILFE RS TP. M 9 T e i e p h ö n: : *t 1 2 1'. . J Verlana en Sie Pr o s p e k t e! Wi«* bedauern im Gegenteil die ungarischen Juden wcgei des Unrechtes., das ihnen durch den Numerus clausus und andere Verfügungen zugefügt wird. Die „Jüdische Partei" identifiziert sich gerne und offen mit dem Wohle und mit der Entwicklung der tschechoslowakischen Republik und weist das Memorandum der israelitischen Landeskanzlei Ungarns ganz entschieden zurück." Bethlens Judengesetze. Debatte im Oberhaus. Aus Budapest Wird gemeldet*: Die Erörterungen über den Oesetzentwurf betreffend den stufenweisen Abbau de* Gerichtshofes für Bodenbesitzregulierung haben nun vom Abgeordnetenhaus auf das Oberhaus tibergegriffen, Im Oberhaus brachte der ehemalige Ministerpräsident Oraf Johann Hadik den Fall der Witwe Moritz Groß zur Sprache. Die Witwe Groß in Kapolnasnyek hat zwei Söhne und zwei Töchter. Die beiden Söhne haben sich im Kriege hervorragend ausgezeichnet, wurden mehrere Maie schwer verwundet und kehrten nach der Wiederherstellung immer wieder zur Front zurück. Sie sind noch) heute wegen der erlittenen Verletzungen vermindert erwerbsfähig-. Auch einer der Schwiegersöhne der Witwe Groß ist Kriegskrüppel. Trotzdem hat das Gericht für Bodenbesitz der Witwe 129 Joch von ihr erworbenes Feld zur Oänze enteignet und dem Heldenkapitel übergeben» da sich für dieses Feld kein Anspruchswerber! gemeldet hatte. Frau Groß besaß Im Dorfe noch ein Haus samt großem Garten; diese Realität hatte sie aus dem! Erlös ihres ererbten Grund und Bodens erworben- Den wertvollsten Teil des Gartens hat das Gericht dem Verkäufer zurücküberwiesen mit der Begründung, daß, er «jeh beim Verkaufe In einer Zwangslage befunden habe, da sein Oärtner "zur Kriegsdienstle«stung hatte einrücken müssen- (Große Heiterkeit.) ' Mit erhobener Stimme führ Graf Hadik fort: „Darf man es zulassen, daß die Institution des Heldenkapitefö' durch dje Zuweisung des Feldbesitzes von Bürgern, die im Kriege tapfer gekämpft hatten, dis kreditiert werde? Lautete doch die erste Verfügung des Bodenreformgesetzes/; daß in erster Reihe Soldaten die dem Vaterlande ehrlich gedient haben, zu Feldbesitz gelängen sollen!" Die Rede Graf Hatfiks machte großen Eindruck« Der, Budapester Korrespondent des „Berliner Tageblatts1' veröffentlicht unter der Ueberschrift ,,BethleflS Jahresbilanz" einen Aufsatz, in welchem es u, a. heißt; , ,. Im übrigen hat sich die Haupttätigkeit der Gesetzgebung darin erschöpft, Varianten über die Judenfrage zu ersinnen. Es ist wieder einmal ein neues Schlagr' wert; aufgetaucht; der wirtschaftliche Antisemitismus. Diesem wird bis zur Bewußtlosigke it. gehuldigt, jede Gesetzesvoiiage enthält irgend einen Paragraphen^ hinter dem ein Judenverbot lauert. Es ist erstaunlich»! wie mannigfaltige Varianten ausgeheckt wurden, um das .Wert Jude zu umschreiben: Zumeist mußte d a s Kriterium d e r „nationalen O e s i n n u ng" herhalten. Die jüdische Dekadenz in Ungarn Der Jude, der sich iu der Kirche trauen läßt und seine ungeborenen Kinder preisgibt. Aus Budapest wird uns geschrieben: Hochbeglückt teilen die Assimijantenblätter die folgende Episode mit; Eine interessante Hochzeit fand am 3. August in der Franz* stadter römisch-katholischen Kirche statt. Der Bräutigam, der Direktor der Anker*Versieherungsgesellschaft, Julius Münk, ist jüdischen Glaubens, die Braut, dje ehemalige Sekretärin der Versicherungsgesellschaft, Irene S e m 1 e r, gehört der römisch-katholischen Konfession an, Es ist dies der erste Fall in Ungarn, daß Brautleute, die verschiedener Konfession sind, in einer römisch-katholischen Kirch« in Budapest getraut wurden. Vorher mußte sich das Paar eine Dispens vom Fürstprimas von Gran sowie nachträglich vom Papst erwirken. Die Bewilligung erfolgte, nachdem das Brautpaar sich in einem Revers verpflichtete, die der Ehe «entstammenden Kinder nach römisch-katholischem Ritus taufen zu lassen. — Das ist eines der vielen Dokumente für die Schande der jüdischen Assimilation und ein furchtbares Zeichen des Verfalles. „Läßt den Judenjungen ertrinken!" (Budapester Zeitungen berichten über einen Fall bestialischen Antisemitismus; Mit den Worten „Laßt den Jwdertjungen ertrinken I" lehnte eine Schwimmergruppe am Donaiiufer in der Nähe von WaUzen die' Rettung eines in Ertrlnkuiigßgoi'alir geratenen Knaben ab, weil zufällig ein vorübergehender Jude sie auf den Ertrinkenden aufmerk-, sam gemacht hatte, Ais Polizisten später den Knaben schon als Leiche aus den Fluten der Donau zogen, stellte sich heraus, daß der Ertrunkene der Hjäjirige Sohn einer christlichen Arbeiterin aus Waitzen sei.

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