Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 47 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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-AJ - o oCue ü DIE NEUE WELT Nr. 47 Der Dualismus. ^—y. Herr van Rees, der gewesene zweite Vor« sitzende der Mandatskommission des Völkerbundes, will in seiner soeben erschienenen Studie über die Mandate den besonderen dualistischen Charakter des Palästina-Mandates erweisen. Die Rücksicht auf die Schwierigkeiten dieses Protektorates, die sich aus der Existenz einer a r a b is c h e n M e h r h e i t und der sich entwickelnden jüdischen Einwanderung ergeben, hätten den Völkerbund bestimmt, die der Mandatsmacht ursprünglich zugemessene beratende Funktion m erweitern und ihr die vollen Rechte einer Regierung zu übertragen. Trotzdem aber stehe diese Art der Ausübung nicht im Widerspruch zu den Bestimmungen des Völkerbundrechtes. Der Autor macht dann die gewöhnten freundlichen Bemerkungen über die Friedfertigkeit und den Heroismus der Juden, denen es zu danken sei, wenn heute in Palästina geordnete Verhältnisse herrschen. Die Mitteilungen dieses sicherlich autoritativen Kenners der Verhältnisse geben eine verspätete Erklärung für die bisher vielfach unverständliche Haltung der englischen Regierung und ihrer palästinensischen Organe zu der jüdischen Einwanderung und ihren politischen Bedürfnissen. Die Juden waren bisher auf den einfachen und klaren Wortlaut des Mandatstextes angewiesen und sie hätten angenommen, daß die Ausführung einer unzweideutigen Auffassung entsprechen müsse. Die Beschwerden, die von jüdischer Seite erhoben wurden, gingen dahin, daß die Administration in Palästina den Zweck ihres Amtes zurückstellt. Es ist der Sinn des Mandates, daß das jüdische Nationalhei m in Pal äst in a erstehe. Was unter Nationalheim zu verstehen ist, darüber wurde keine Erklärimg gegeben. Man glaubte, daß sie unnötig ist und daß es sich um nichts anderes handelt als um die im Basler Programm angestrebte öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk; War dies das Ziel, das dem Völkerbund vor Augen schwebte, dann war auch die Aufgabe, die der Mandatsmacht gestellt wurde, eine einheitliche: Dem jüdischen Volk z u h eif-.en, die über die ganze Welt sich ergießende Wanderung zusammenzufassen, nach Palästina zu d i r i g i e r e n und mit dem Land zu verwurzeln. Es war also vor allem eine politische Aufgabe, und wenn eine Definition in diesem Sinne erfolgt wäre, wenn klargemacht wurde; daß es sich um die Erzielung.cles,J.^M.s-^ft ^.n-;|S.t a a * e s handelt, dann wäre auch für den Zionismus das Problem leichter geworden und die materiellen Schwierigkeiten nicht so arg geworden, daß sie schließlich zu einer Vertrauenskrise innerhalb des Zionismus wurden. Eine solche Klarstellung ist nicht erfolgt und aus der zionistischen Organisation 'heraus wurde dann der grundstürzende Fehler begangen, ein binationales Palästina als. Endziel hinzustellen. Herr van Rees nimmt diese Formulierung auf und nennt sie ,D u aJ i s m u s, Et sanktioniert die Zwittervorstellung, die sich .unglücklicherweise auch in die leitenden zionistischen Kreise eingeschlichen hat und jeden Blan lähmt. Für einen jüdischen^Staa't kann man das Judentun! begeistern; für einen jüdischen Staat kann man hei allen Völkern, die ihre Unabhängigkeit schätzen, moralische Unterstützung finden; für ein binatiön a, 1 e s Gemeinwesen interessieren sich nur britische koionialpoliti'ker; je' tiefer sich die Vorstellung dieses Dualismus festsetzt, um so weiter schwindet der im Mandat doch auch nur sehr hypothetisch angedeutete Zeitpunkt des Endes des Mandats und um so inniger verwachsen Mandat und Kolonie miteinander. Dieser Prozeß ist ja bereits in der Entwicklung begriffen. Die zionistische Politik — insoweit man von einer solchen im Sinne eines Systems sprechen kann — hat durch die Zustimmung zum Church$- schen Weißbuch sich in den Fehlerkreis begeben, der sich kaum mehr irgendwo aufschneiden läßt. Er könnte nur mehr durch die Erklärung der höchsten Instanz, des zionistischen Kongresses, beseitigt werden, daß Nationalhei'm Judeustaat ist. Denn schließlich ist dieser Fehler dqch wir gegenüber England begangen worden, nicht aber dem Völkerbund gegenüber, und deshalb wäre eine Korrektur nach dieser Seite hin möglich. Dies setzt afoer einen national voll bewußten^ einheitlichen Zionismus voraus, dem die jüdische Forderimg des Baseler Programms in Fleisch und Blut gegangen ist- Ein Zionismus aber, der selbst die Hand bietet zur Aendernng des Mandats, der sich seine oberste Leitung durch nichtnatiortaie Elemente erweitern will und der im Mißtrauen m seiner Kraft das Ziel vernebelt, kann dem Völkerbund gegenüber nicht als Heischender auftreten. Er ergibt sich dem bination.alen Dualisnvu s. . * IOTEL CONTINENTAL iHniniinnimiimmiinfmHiinninnniiiiiiniininniJmiiniiniiin WIM, ll.9 PRATUSTRASS1? (neben Schwedenbrücke) 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise Es büßet, ach mit «leicher Qual Des Hauses Frau, wie Maid zn«w<l, Wenn, m den Kochherd sie gestellt. Der Huber-Eeste Ihnen f«bh7 * Der Kampf um die politische und völkerrechtliche Legitimation der zionistischen Führung. Di« Leitung des Akttonskomitees hat das Charakteristikum der politischen LaJ?e ^m Zionismus bestätigt. Mit unverkennbarer Deutlichkeit wird der Staatsstreich dokumentiert, der die zionistischen Instrumente und die zionistische Führung selbst unter die Kontrolle der zielbewußten Vorkämpfer der antinationalen, Judenschaft bringt. Jeder nationale Impuls im jüdischen Leben muß damit — das ist Ja die Absicht — erstickt werden, da die nicht mebr selbständige „nationale" Führung bereits unter dem selbstgewählten gegnerischen pik tat steht; dagegen besteht ihre formalpolitische Position als nationale Führung unverändert aufrecht, da bisher keine Anfechtung erfolgt tet. Dieses groteske Doppelspiel, gegen welches sich der hellenistische Verrat zur Zeit der gefeierten, l^lakkabäer sehr dözent ausnimmt, ist den neuen Diktatoren begreiflicherweise, sehr willkommen. Solange das? Doppelspiel anhält, führt sich der Zionismus geradezu f r e i w i 1 i i g s e 1 b s t a d a b s u r d u m, ohne daß die antikionistischen Machthaber die g e r i n g s t e Verantwortung treffen kann. Sie sind sowohl finanziell wte mora'lis'cii expressis verfjis außer Obligo" gesteijt. Denn abgesehen von ihren ausdrück- Hciien ständigen Erklärungen, waren und sind es ja die u n a n g ei o c h t e n e n, in ihrer Legalität nicht angezweifelten leitenden zionistischen Instanzen* di$ sich i|hd den ganzen Zion;i&mu$» samt Theorie und Apparat, den .mit. alten Vorbehalten geschützten offenen und einbekannten Gegnern anbieten und geradezu aufd.rähgen, ,, Und eine noch bedenklichere Aimebittlichkeit hat die zwiespältige Situation für den Gegner. Je länger sie dälieft, desto ^rrjelir erschlaffen alle frischen Kräfte, es bleiben hur . die Nutznießer, die mit ihrer materiellen Existenz Beteiligten aktiv am Werk. Damit droht zu einem schwer bestimmbaren Zeitpunkt neben dem sicheren Versanden der Bewegung selbst ein f i n a n z i e 1 ij e s und : m ö r a 1 i s c Ii e s P ebakel, ein, regelrechtes Panama, das mit seiner Schahdo nicht bloß den , Namen dfcs Volkes und die nationale Idee ins Herz treffen muß, sojidern, als groteske Zugahe, den ahtizlonistlschen Gegnern die .besondere iti o r a i i s c h e Absolution erteilt. Die Taktik der Exekutive aüf den Tagungen ist mjt einer im rftveau rapid siftkenjäen Dernagogie — das Aktionskomitee hat die vqrachtungsvo 11 e Bemerk« n g m it dem Pf und sch6ck feige eingesteckt — auf die Petrifizierung dieses Doppelspieles eingerichtet. Auf jeder Tagung werden in teils bewußter Scheinheiiigkelt, teils naiver Ahnungslosigkeit, zionistische Beteuerungen und, düin Wortlaute nach, regelrechte Forderungen mit imponierender Einrnti^gkeit. bis zijr Zehnelfteimehrheit beschlossen. Aber ebenso feierlicjr wird, nach den, üblichen, mit Verachtung gewürzten Ultimaten und Drohungen, etwas unklar, aber u-rn so verläßlicher 'beschlossen, an keiner Forderung der Gegner, denen heißer.Dank vptiert wird, zu mäkeln oder gär zp. rütteln. Die Tagung mußte, um dieses Doppelspid zu erzeugen und den, haltlosen Fifigelparteien, Gelegenheit zurri Bramarbasieren und umfallen zu geben, zwölf Tage dauern, obwohl Sokolow die Diskussion liebenswürdig mi der autoritativen Feststellung eröffnet hatte, daß ein „faii accompli" vorliege. Aber die zwölf Tage lohnen die verschwenderisch geopferte Nerv^nkraft: Das Doppelspiel soll die Legitimität der a n ti zionistischen Geschäftsführung als d i e zionistische Sachwalter Schaft, a 1 s ,je wi sh Age n cy" i m Sinne der Org a n i s a ti o n n i) d d e s Mandats »Wert Tatsachen zum trotz aufrecht erhalten. Es scheint riiir kein einziger Anhaltspunkt darin! hinzudeuten, daß sich bis zum nächsten, Kongreß diese Taktik mm Besseren ändern könnte. Es gibt für tfie Herren kein Zurück mehr. Das Debakel eines stolzen, . einstmals . selten reinen und lobenswerten mutigen Beginnens wird im stillen, geborgen unter den Schleiern von, Resolutionen und jämmerlichen, auf Bestellung gelieferten Artikeln, bis zürn bitteren Ende schreiten, wenn sich die Opposition nicht gegen dieses Doppelspiel wendet und den Schleier zerreißt. Nicht nur dte Exekutive, das Aktionskomitee in seiner ^ehnelftelmehrheit, das ist überaus eindeutig diese. Körperschaft als solche, ebenso, ein analoger Kongreß, sie aWe sind n.icht mehr legittone Sachwalto des Zionismus. Sie sind Usurpatoren, die nicht nur mangels materieller Kräfte, sondern vor allem wegen ihrer faktischen Tätigkeit nicht in der Lage sind, das zionistische Programm zu vertreten und als „Jewish Agency" laut dem Palästina mandat zu fungieren. Ja, man wird gerne nicht nur mit Demissionen drohen, sondern ernstlich demissionieren, um der Opposition, die doch in dieser antizionistischen Mehrheitsgesellschaft gar nichts mehr ausrichten kann, die Bildung einer Exekutive anzutragen. Eins gegen zehn, so ein Minoritätskabinett ist nicht einmal hier denkbar. Darum nennt man solches Beginnen den Versuch, eine Konzentrationsregierung zu bilden, eine Vereinigung mit jenen Flügelparteien, diö zur Mehrheit gehören und nur vom Staatsstreich gesprochen haben, um ihre Daseinsberechtigung als Sondergruppe zu erweisen. Vielleicht auch, um aufmerksamen Beobachtern zu beweisen, daß sie um den Verrat, den sie faktisch decken, in vollem Umfang wissen. Wir sind eben so weit gekommen, daß wir „Oppositionelle" in solcher Gestalt der ehemals hehren „Zionistischen" Organisation keinen F*latz haben. Das diesmal wieder ernstlich inszenierte Spiel einer oppositionellen Regierungsbildung muß uns doch zur Entscheidung mahnen. Es liegt nicht nur eine ungeheure Tragik in dieser Einsicht; sie enthält ein gutes Maß von ernstester Mahnung zur Piicht, die jetzt keine Sentimentalität vertragen kann. Es muß das befreiende Wort deutlich und an alle Adressen, die es angeht, gesprochen werden: Das ist kein Zionismus, dieseKörp erschaffen sind in diese* Haltung nicht zur Inanspruchnahm e d er Rechte und Pflichten der Jewish Agency befugt. Mit dieser Parole müssen wir die zionistische Bewegung n e u schaffen, im Kampf um die nationale Führung und Erziehung des jüdischen Volkes, im Kampf gegen die orthodoxe, liberale, sozialistische und „zionistisch e" Assimilation. Hans Kandl. J. L. Greenberg wollte nicht in die Zionistische Exekutive eintreten. > . In der. Zelt der Krise der Zionistischen Exekutive während der Miionskomiteesitzimg in Berlin wurde im Zusammenhang mit: Erwägungen über die Bildung einer neuen Exekutive der Name J. L. Greentoer.ss als desjenigen genannt, der in London - die, Verbindung-■ mit, der Mandatarmacht im Nameti der neuen Exekutive auf rocht»- erhalten sollte; Wiienun Herr Greewberg der. J. T.. A. mitteilt, sind diese Erwägungen ganz ohne sein Zi»- tun und Wissen angestellt worden; er hätte, falls eine Wahl auf ihn gefallen wäre, ganz gewiß ein solches oder ein ähnliches Ihm angebotenes Amt nicht angen o m m e ii. (J. T. A.) Nach der Sitzung des zionistischen Aktionskomitees. Von Dr. Naehum Goldmann. Die Bedeutung der letzten Aktionskoroiteesitzung, der an innerer Erregung und äußerem dramatischen Verlauf nur wenig« der letzten Jahre gleichen, ist eine doppelte: einmal auf Grund der in ihr gefaßten Beschlüsse zur Agencyfrage und sodann als Ausdruck und Niederschlag der in der Gesamtorganisation vorherrschenden Stimmung. Beide Moment«, die den Verlauf der Sitzung bestimmten) sind für den Außenstehenden, der nur auf Grund der gefaßten Beschlüsse urteilen kann, nicht ganz klar verständlich; daher ist es nötwendig, die größere zionistische Oeffentlichkeit über die wirkliche Bedeutung dessen, was in dieser Sitzung vor sich ging, aufzuklären. Die Resolution der Agencyfrage, die mit der ienpossntett Majorität von 41 gegen 4 Stimmen gefaßt wurde, ist nur verständlich auf Grund der gesamten Situation, in der sich der größte Teil der Organisation in seiner Haltung zur Erweiterung der Jewish Agency heute befindet. Man darf wohl heute mit aller Objektivität feststellen, daß der überwiegende Teil der Bewegung sich nur m i t W i d e r w i 11 e n und mit dauernden inneren Hemmungen von Dr. Weizmann in die Politik der erweiterten Agency hineindrängen ließ. Und wie es immer bei solchen contre coeur begonnenen Aktionen ist, wurden die Hemmungen mit dem Fortschreiten des Prozesses immer stärker und erreichten ihren Höhepunkt, als wehige Wochen vor' der Aktionskomiteesitzung der Bericht der Agtncykommission publiziert wurde. Dieser Bericht, der hier nicht mehr im einzelnen kritisiert zu werden braucht, und der mit seiner Negierung aller sozialen und nationalen Grundprinzipien des zionistischen Palästina-Aufbaues ein Beweis für die ganz und gar u n z i o n i s t i s c h e Einstellung der neuen Partner war, bestätigt die Voraussagen, die die Gegner der Erweittrur.gepolitik unzählige Male bereits wiederholt hatten, daß nämlich hjehtzionistisehe Kreise nicht in der Lage s'nd, auch wenn sie den guten Willen dazu hätten, die wesentlichen Zielsetzungen unseres Palästinawerke« zu rerstehen und mitzumachen, Diete Votam*