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Die neue Welt · 1928-08-10 · Heft 47 (10.8.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 47 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Gros«.. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15 —; Jugoslawienmonatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2'82 — Erscheint jeden Freitag BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa'60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14i—; Schweix und die übrigen -Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Jahrgang 2 Freitag, den 70. August 1928 Nr. 47 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Leichtes Erdbeben in Palästina. Kein Schaden. , ■ .Aus'Jerusalem, 5. d. meldet'j. T. A.: Am Sonntag morgen, 5 Uhr 45 Man., wurde'in Jerusalem ein leichtes Erdb eben verspürt. Es entstand keinerlei Schaden, die Bevölkerung ist ruhig. Ueberschwemmungskatastrophe in Bir Bidschan, Hungergefahr in den jüdischen Kolonien. Wie aus Chabarowsk offiziell nach Moskau gemeldet worden ist, stehen die Rayons Jekaterine-Nikolsk und Atichailo-Sessionowsk in Bir-Bidschan, in denen sich die jüdischen Siedlungspiohiere befinden, unter Wasser. Den jüdischen Siedlern wurden mit Hilfe von Booten Nahrungsmittel zugeführt. Es fehlt aber eine Verbindung zu jenen Siedlern, die auf den; Feldern von Birski 60 Werst von Tichankoje entfernt, untergebracht : sind. Man hofftj"daß diese Fdder-nicht überschwemmt dihd> befürchtet aber, daß die Kolonisten unter Nahrungsmangel zu leiden haben werden, da von dort alle , Wegei nach Ti^ chankoje: und Chabarowsk überscHwemmt sind Zu ver-. schiedenen kleinen Gruppen von Kolonisten wurde die Verbindung durch berittene Boten aufrecht erhalten. Diese brachten die Meldung, daß die Heuernte ganz weggeschwemmt worden ist. Der Wasserstand des Flusses A ra u r ist jetzt 853 Zentimeter höher als normal. 50 Dörfer mit 6800 Gehöften und einer Einwohnerschaft von 36.554 Seelen sind von der Katastrophe betroffen. 200 jüdische Siedlungspioniere von der Welt abgeschnitten. Aus Moskau, .5. d. meldet J. T. A.: Die Ueberschwemmungskatastrophe im Amurgebiet nimmt immer bedrohlichere Formen an. Der Amur hat einen Wasserstand von 860 cm über Normal erreicht. Wie der OZET- Vertreter Baskin telegraphiert, sind 200 jüdische Sied- Iungspioniere, die in der jüdischen Reisplantage in Jekaterina-Nikolsk untergebracht sind, von jedem Verkehr, mit der. Welt abgeschnitten, doch seien sie .• Hinreichend mit Nahrungsmitteln versorgt. Die Flüsse Bir . und Bildschan, die ebenfalls über die Ufer getreten si.nd,:'häben etwa 27 nichtjüdische Dörfer weggeschwemmt. Die Bevölkerung leidet schwere Hungersnot, den Schiffen, die Nahrungsmittel bringen sollten, fehlt es an Kohle und Brennholz. Ein genaues Bild über die wirkliche Lage der jüdischen Siedler ist nicht zu erhalten, da die Telegraphenlinie nach Chabarowsk über^ Das Gnadengesuch für Frieders abgelehnt. Der thüringische Landtag hat vor einigen Wochen mit einer Linksmehrheit beschlossen, das Gnadengesuch ies Oberstaatsanwaltes Dr. Frieders, der durch einen der ungeheuerlichsten Meineidsprozesse der ' Hakenkreuzjustiz aus antisemitischen Gründen um seine Existenz gebracht wurde, der Regierung, zur. Berücksichtigüng zu überweisen, was ungefähr gleichbedeutend mit der Empfehlung, zur Annahme ist. Dr. Frieders hat aber trotzdem Gorki schweigt und Lunatscharski reifet. Wie das Judentum in Sowjetrußland ausgerottet und verhöhnt wird» Seit einem Monat warten die Juden der Welt auf die Beantwortung des Memorandums, das die Hebräisten Sowjetrußlands, die nicht geduldete und daher illegal ■ arbeitende hebräische Kulturliga „Tarb-ut" dem in Rußland weilenden Maxim Gorkd überreicht haben. Das Memorandum enthielt eine erschütternde Darstellung der Leiden und der Verfolgungen jener, die nicht gewillt sind, ihr Judentum aufzugeben und die direkte Aufforderung an den russischen Dichter und Beschützer der menschlichen Kulturwerte, sich als solcher bei dieser aktuellen Kulturbeidrückung zu bewähren. Gorki schweigt. Maxim Gorki ist kein 'Feind', der jüdischen Renaissance-Bestrebungen. Es hat Zeiten gegeben, da sich Gorki mit der hebräischen Sprache und; Literatur beschäftigte, Werke hebräischer Dichter; ins' Russische übersetzen wollte — besonders hatte'es ihm Ch; N. Bialiks Erzählung „Arje Baal Gut" angetan -—'» sich für „Habima" gegen die jüdische Ueberkpinmunistenclique „Jewsekzia" einsetzte, hebräischen . Schriftstellern beisprahg, B$3ltk und anderen Dichtern, für die in Rrfßland «kein Platz' töbhr,(War,> " <f . '-" *r"f"* ■**'-"^,'''r,. *^->f'*^'i^"<-'V'«* - ' «• '* ■ } ■ die. Ausreise ermögjföft^^ fertigte,'c^e';ijm-'Memorfcridum''der „Tarbut" zum Ausdruck kommt. Aber Gorki schweigt Und Lunatscharski rodet. Er gibt dem Professor aus Philadelphia S. Zei Hin, der studienhalber in Rußland weilt, ein Interview. Die Sowjetregierung, so läßt er sich vernehmen, hat nichts dagegen, wenn die Juden hebräische Schulen gründen. Er selbst, der Kommissar für Unterrichtswesen Lunatscharski, der "den Wert der hebräische Sprache und Kultur hoch einschätze, wolle solche Bestrebungen unterstützen. Ihm kann man wohl auch die der Jüdischen Telegraph e n - A g e n t u r übermittelte Mitteilung zuschreiben, wonach die hebräische S p rache. in Sowjetrußland nicht verboten ist! Beweis: In Bobrojsk erscheint das orthodoxe Blatt in hebräischer Sprache „Jagdil Thora"; vor kurzer Zeit ist in Charkow ein hebräischer Gedichtband von Benzion Fradikin . erschienen; die Existenz einer legalen hebräischen Gruppe „Bere Sehrt", deren erstes Sammelbuch von der Sowjetzensur freigegeben wurde und in einer Sowijetbucbhandlung verkauft wird; in der LeninMBibliothek kann jeder hebräische Bücher haben; HebräMsch als Unterrichtsgegenstand wird, an der Moskauer Universität gelehrt. Also! Verboten ist die hebräische Sprache nicht. Irgendwo darf ein hebräisches orthodoxes Wirrkelblättchen erscheinen. Bin Liederbüchlein flattert unter Ausschluß der Oeffentlicfokeit auf. Den Mut, aus der Bibliothek ein hebräisches Buch zu verlangen, i können sich wohl die bei der Jewsekzia gut Angeschriebenen leisten. Das Sammelbuch, der „Bere Schit", ist nur eine Eintagsfliege auf dem Büchermarkt. Das Erscheinen konnten die Heraus* geber, obwohl waschechte Kommunisten, nur unter dem Vorwand der Einmaligkeit durchsetzen. Hebräisch als Unterrichtsgegenstand an der. Universität? . Eiü;' Lehrgegenstand, den — man lache nicht! — Nikolaus I.. vor fast einem Jahrhundert eingeführt hat imd der.' übrigens an allen Instituten für Orientalistik, wie beispielsweise Sans-, krit, für einige Auserwählte unterrichtet wird. , Das ist also das nach außenhin sichtbare Leben der hebräischen Sprache, das ist die Freiheit, in der sich die hebräische Kultur ausleben darf! Dies geschieht in einem Lande, das die Wi e g e de«r n e u e n h e b r ä j> s c h e n Kultur ist, das die , grpßfen 'lebrädschen Kulturträger Ch. N. Bialik,' Acha.d H a a m, M. J. B e r d i to|^C|W;? k y hervorgebracht - hat; wo kompakte .Massen. a^c^eftiieh' hfcbräisch .' sprechen und denken, und von wo aus der moiierJie' H e^r aais« mus ü,ach Palästina verpflanzt wurde. ., i U/ndLunatscharski redet.;' . ' . . Ursprünglich hatte er nichts gegen die./bei r^eviolutiortsausbruch vorhandenen hebräischen Schulen. Als .a'her 'die^^elÄ erki|fte> ließ er. sie, ^erreji; Die ' rfajb i rn a fand Gnade" ■%i^ßi^erl Augen, solange Gorki,; ^e^s^,•kultureile Wüns,che,^L!.e;n;.i;n gerne erfüllte, sich; für, sie .'einsetzte. Sobald es keinen Fürsprecher mehr gab; lief) Lunatsoharski die Habima^ fallen. Und jetzt redet LUinatsoharskä wieder und leugnet.. Er leugnet nach alter Methode wie jene, die einen Pogrom bestritten, „da jedoch eine ganze Gasse unversehrt blieb" wie jene, die das brutale Herausreißen von Bärteh bestritten, „da ja doch noch eine Menge Juden mit Barten herumgingen —!" •> Welche Ironie, welche Lüge, welcher Bluff, :. ' Ist Lunatscharskis Reden, nicht eine freche Verhöhnung des jüdischen Volkes und der hebräischen ,' Kultur? In der Verfoligung und Unterdrückung des Hebräischen steckt .mehr als die Brutalität gegen. ß\n? Sprache. Sie bedeutet die zum System gewordene Absicht, alles das, was für die Erhaltung des Jüdischen Volkstums In Rußland entscheidend; ist, von Grund auf auszurotten. Deswegen die blutige Verfolgung des Zionismus, deshalb die Deponierung tausender Chaluzim nach Sibirien zu sicherem Untergang, deshalb der Bluff der . Krimkolonisation als Paroli zum PaJästinaaufbau, deshalb schMeQiloh der Humbug mit einer jüdischen „Republik" im — Amurdistrikt! Das alles spSelt sich vor der jüdischen Welt und vor der gesamten Kulturwelt ab. Das Memorandum der Hebräisten Sowjetrußlands ist ein Appell an das Gewissen der Kultur weit durch das Medium Maxim Gortki. ' Aber Gorki schwetgt. folgendes Schreiben erhalten: „Das thüringische Staatsministerium hat beschlossen, die von . und für den Oberstaatsanwalt Dr. Frieders eingereichten Gnadengesuche, auch das vom Landtag überwiesene, a b z u 1 e h neu. Dr. Frieders In Wien, Vor einigen Tagen ist Dr. Frieders te Wien - eingetroffen, um sich gegen eine eventiieWe VertnaÄtung - zu sichern. Er hat mit seiner Vertretung den Rechtsanwalt Dr. Richard Preßburger betraut. Dieser, hat. an die thüringische Landesregierung eine Eingabe . gerichtet, , in .welcher die Ablehnung des Gnadengesuches alsein Verfassungsbruch bezeichnet wird, da der Landtag die Begnadigung bereits beschlossen .hatte und die Regierung nur als au s tü h r e n d e s O'r g.an za fungieren batv Diese Eingäbe; hat Dr. Preßburger dem Präskienten des Landtages Drt L e s e r ü^ersendiet und die Bitte um (Begnadigung wiederholt. jeder Küche ist ein Das QeMen Sie Prospekt oder besuchen Sie ^^^semanzWarchalowiki, Finsterle & C9^X^"°"

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