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Die neue Welt · 1928-08-03 · Heft 46 (3.8.1928) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 46 (3.8.1928)
Date
1928-08-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Softe 6* DIE NEUE WELT Nr. 46 Die jüdisÄeTKulturautonomie in Estland« An der vor kurzem *n Zoppot ashge hattenen osteuropäischen Tarbutkonferenz hatte auch der Delegierte aus Estland, Doktor Bernstein, teilgenomrnen, welcher dem Berichterstatter des „Moment" Über den gegenwärtigen Stand der Modischen Kuiturautonotrrie in Estland unter anderem fügende Mtttcüung machte: Seit drei Jahren haben die Juden von Estland die jadische Kulturautonomie, an deren Spitze eine Verwaltung und ein Oberster Rat stehen. Der Leiter der Verwaltung ist Direktor Eisenstatt, der Verwaitungsrat besteht aus 27 Mitgliedern, und zwar 21 tfebrälsten und 6 Jiddischsten. Die Mitglieder des Rates werden von den in sieben jüdischen Gemeinden wohnhaften 5000 jüdischen Bewohnern gewählt. Obgleich die hebräisch-zionistische Richtung über die überwiegende Mehrheit verfügt und die Macht tiesäße, alte ihre eigenen Wünsche restlos dürchzufQhrta* werden doch der Minderheit bedeutende Konzessionen gemacht, so zum Beispiel wird in den Lehranstalten in Estland Jiddisch als oügater Oegenstand und einige Lehrgegenstände m der jiddischen Sprache unterrichtet, Die allgemeine Unterrichtssprache in den jüdischen Schufen ist Hebräisch. I Di« Regierung von Estland verhält sich in sichtlicher Sympathie gegenüber den jüdischen Kulturorganen. Sie gewährt auch bedeutende Subventionen zur Förderung des jüdischen Schulwesens. An der Universität in Dorpat wurde ein judaistfeches Institut eröffnet, in welchem die jüdischen Studenten als jüdische Pädagogen ausgebildet werden. Um die Errichtung des jüdischen Gymnasiums in Reval zu ermöglichen, hat die Regierung ein bedeutendes Hypothekardarlehen zu äußerst günstigen Bedingungen gewährt. Das Gymnasium ist ein prächtiger Bau, der in ganz Osteuropa nicht seinesgleichen hat, Eine Erpressung d$r Bürger von Czegled. Numerus clausus Im Bad. IM« jüdische Bevölkerung der Stadt C z e g 1 e d hat W den Magistrat eine Eingabe gerichtet, in welcher um die Außerkraftsetzung des Verbotes angesucht wird, wonach Juden das städtische Bad nur Dienstag benutzen dürfen. Dsr Magistrat hatte nämlich lim August 1&21 auf Antrag mehrerer. Mitglieder der Stadtrepröisentanz den Beschluß gefaßt, daß die Angehörigen der jüdischen R a,.s s e. die städtische Schwimfflscliule nur Dienstag benützen .dürfen. Der Beschluß -wurde damit begründet, daß die Juden die Sch W'J mm sc/h ule über den Numeru-s pl ausus,hinaus b e u fl t\z e n «wd sich in einer die übrige Bevölkerung herausfordernden, Weise benehmen. Dieser BeschluB wurde am Blnsjains der Schwlmmsebuie affichieft und ist Ibis auf den heutigen,Tag in Geltung. Der Bür«ermeister der Stadt erklärte, daß der Beschluß in seiner Abwesenheit gefaßt wunde, er selbst hätte ihn sonst verhindert. Bisher halbe sich niemand in der Repräsentanz gefunden, der die -Aufhebung dieses Beschlusses beantragt hätte.: Ein Antrag auf Aufhebung würde wahrscheinlich n I e d e t g e s t i m m t werden. Die Lage könne nur auf die Welse; geändert werdep, daß die Stadt Czegled ein neues Bad errichtet,, welches nicht unter dieses Verbot .fällt. In der Tat Söll eine Aktion eltigeleitet werden, um Un. Wege einer Aktiengesellschaft ein. neues Schwimmbad zu errichten, Welches den Jüdischen Bürgern den täglichen Besuch ermöglicht, P'as ist natürlich eine Erpressung an den jüdischen Bürgern, die mit Ibrerh Geld den tyagyafen ein. Bad bauen sollen. Internationale Studenten- 5 konferenz. Von informierter Seite wird uns berichtet: Das Weitstudent'enwcrk „Internationftl Student Service" in Genf hat für die Zeit vom 4. bis 12. August d. J. seine siebente Jahresta-gung nach Ohartres (Frankreich) einberufen. Es ist mit dem Eintreffen von Vertretern von zirka 38 Nationen zu rechnen. Als: Vertreter der Juden werden bei der Konlerenz erscheinen die Herren A. Cejtlin oder Elch, Lewin a»s Warschau, Leo Steinig aus Genf, Jules Stone aus Oxford, Sam. Cohen und Sil man für die anderen englischen Universitäten und Alexander Teich au« Wien. Den Ehreiwopsltz hat der frühere Ministerpräsident, letzt französischer Minister und Mitglied der Kommission für fntejiektuelle Zusammenarbeit des Völkerbundes, Prof. , M. Painlcve Qbemonaneh. Die Konferenz wird sich u. a, auch mit der Jüdischen Frage (Antisemitismus) befassen, Bin diesbezüglicher Beschluß wurde bei der vorjährigen Tagung in ScWers göfaßt. In einigen Kpnw Missionen wird über Notbilfe (Fli|c4itlins«studenten, China), Förderung studentischer Seibs4hJW« (das Intern, Institut für studentische Selbsthilfe und Ctomeinachaftsarbeft in Dresden, die Arbeit in Frankreich, Bulgarien, Türkei usw.), Fftr» derwig,der Zosammenarbei^ und d e s g«jenseitigen Verstehen» unter Studenten, national und international verhandelt werden. Auch 4as Projekt eine« internationalen Studentönsanatoriums Ui der Schweiz wirf noawiate »ur Behandlung kommen. HI.MARXERG ASSE'30-32 rolcp.h o r\ :' 9 o - S - 6 1 u n d 9 5 9-^8 VI.M ARIAH I tFE R STR.A9; . le l e p n o n;11 2 V v rr i 7t ri ci p n ' *; i > f> r o <; pe k t *» < Freiwilliger Hilfsdienst Liechtenstein-Schweiz. Im Herbst des vergangenen Jahres wurden weite Gebiete des Fürstentums Liechtenstein und der Schweiz vom Rhein überschwemmt. Die Studentenschaft der Schweizer Hochschulen hat einen Aufruf an die Studentenschaft Europas erlassen, Ihr bei den Aufräumungs- und Aufbauarbeiten im Ueberschwctnmungsgebiet ta\ helfen. Auch der Jüdische Hochschulausschuß In. Wien hat eine diesbezügliche Einladung erhalten und sofort die Organisierung einer freiwilligen Gruppe veranlaßt. I« den nächsten Tagen wird die jüdische Studentengriinpe Wiens in die Arbeitskolonien nach dem Bergell (Kanton Graubünden) abgehen. Syrien und der Libanon. Aus Jerusalem wird gemeldet: Ein scharfer Gegensatz ist Ende des vorigen Monats zwischen Syrien und Libanon entstanden. In Damaskus fand ein geheimer Kongreß statt, an dem etwa 60 Delegierte »aus allen a 11 e n s y r I s c h e n Provinzen teilnahmen, die nach dem Weltkrieg der neuen libatiensisolieu Republik augeteflt worden waren. Die Kongrcssisten haben den Beschluß «efaßt, zu fordern, daß ihr Gebiet dem syrischen Staate zurückgegeben werden solle. Die Beiruter Regierung lr.it sofort eine offizielle Note «3<n den französischen öberkomimissür Ponsot gerichtet, in der sie um die notwendigen Maßnahmen für die Verteidigung der Integrität dos Landes ■gegen den. Im p c ri a,l i s m u s der Mohammedaner v o n D a m a s k u s bittet. Senator ftomanht Jacur. gestorben. Im Alter von 82 Jahren verstarb in Padua Senator Romaniti J a c u r. der 40 Jahre lang dem italienischen Parlamente angehörte und nach dem Kriege zum Senator gewählt worden war. Senator Jtcur war zweimal in verschiedenen Perioden U n t e r s t a a Js s e k r e t ä r für öffentliche Arbeiten und auch Stellvertreter des Innenministers. Er war eine unbestrittene Autorität; in Fragen der Agrikultur und hat sich auch große Verdienste um die Ausgestaltung der italienischen Handelsflotte erworben. Senator Jacur. war ein tief religiöser, traditloustreuer Jude. Es wird von ihm erzählt, daß er, als er vor mehr als 30 Jahren in Berlin im Namen der italienischen Regierung Verhandlungen mit Bismarck gepflogen hat, atm Freitagvorabend die Besprechungen unterbrach und erklärte, er müsse in den Tempel, um den Sabbateingans: zu feiern. Dieses Bekenntnis Jacurs zum Judentum und seine Religion soll auf die deutschen Regierungskreise großen Eindruck gemacht haben. Dr. Saadja Mase in Berlin. Der junge jüdische Gelehrte Dr. Saadija Mase, Sohn des verstorbenen Moskauer Oberabbiners Ja'kob Mase, dessen vor mehreren Monaten erfolgte Verhaftung durch dl» Moskauer G. P. U. und nachmalige Ausweisung nach Palästina in Rußland wie im Auslände großes Aufsehen erregt hatte, ist dieser Tage aus Palästina i n Berlin eingetroffen. Die ungarische Vertretung auf dem Kongreß der Reformjuden, In den Tagen vom 18. bis zum 21. August findet, wie berichtet, der Weltkongreß des Reformjudentums (World Union for Progressive Judalsm) statt. Dem Weltkongreß gehören die Delegierten englischer, französischer, deutscher und amerikanischer Reformgemeinden an. Ungarn hat keine offizielle jüdische Reformgemeinde. Der Schriftführer des Kongresses M o n t a g u e richtete daher eine persönliche Einladung an das jüdische Mitglied der ungarischen Nationalversammlung Abgeordneten Paul Sandor, in welcher er unter anderem schreibt: „Aus den verschiedenen Staaten der Welt werden Juden erscheinen, um über die Tätigkeit des fortschrittlichen Judentums Bericht zu erstatten. Wh* erwarten jedoch, daß außer unseren Mitgliedern auch andere Glaubensgenossen auf dem Kongreß erscheinen, um uns Mitteilung zu machen von ihren eigenen Bewegungen und von den Verhältnissen der Kultusgemeinden des eigenen Landes. Von ganz besonderem Interesse für uns wäre «in Bericht über die jüdische neologe Bewegung in Ungarn, den wir von Ihnen erwarten. Wir bitten Sie daher, persönlich auf unserem Kongreß zu erscheinen und auch einen dortigen offiziellen Vertreter mitzubringen. Wir werden Sie mit der größten Freude und Liebe empfangen .. Die jüdische Öffentlichkeit in Ungarn ist nicht mit Unrecht gespannt darauf, ob es Paul Sandor, der ja eigentlich der Vater des gegenwärtig vor kurzem erst neugewählten Vorstandes der Budapester neologen Gemeinde ist, gelingen wird, einen öffentlichen Vertreter für den Kongreß des Reformjudentlims zu stellen. Die jüdische öffentliche Meinung von Ungarn, die mehr zu einer Schwenkung nach rechts und einer Kooperation mit den orthodoxen Juden in bezug auf rituelle Fragen hinneigt, Würde es sicherlich nicht ruhig hirtnehmen, daß die größta neologe Gemeinde in Ungarn das Reformjudentum durch die Entsendung eines Vertreters za seinem Kongreß anerkennen würde. AUS PALÄSTINA. Der neue Oberkommissär. . Wie schon rtitdgetcHt, ist der neue Ghefsekretär. der P>a«lästina-rRegi.erung, Harry C. L u'k e, bereits in Jerusalem eärtge+rodfen, u<m die Regierung Palästinas von der Ende dieses Monats erfolgenden Abreise Lord Plumers bis zw .Ankunft des neuen Oberikommissärs Sir. John Gh an* ceUor izu leiteji. In einem Gespräch im.it dem J. T. A.¬ Vertreter, sagte Harry C. Luke, er sei «lüellic'h darüber, Wieder in Palästina zu weilen, wo er vier Jiahre yotr seiner insgesamt 20jä'hrigen Dienstlaufbahn im Fernen Osten verbracht tot, Ich traf den neuen Oberkommissär Sir John Chancelior, fuhr Herr Luke fort, zum ersten Male in London, als ich gerade im Begriffe War, mich zur Fahrt nach Palästina' einzuschiffen. Sir John Chancellor 'ist ein r eizender Mensch. Er wvjrde für eine Zeitdauer von fünf Jaihren ernannt. Meine Ernennung zum Chefsekretär gilt für eine unbestimmte Zeit. Sir John Chanceilor trifft im Novembe r d. J. in Palästina. ein, um sein Amt als H*»h Commissloner anzutreten. Was mich betraft, so halbe ich, noch nicht Zeit gehabt, die in Palästina igegeh^ärtfe, aktueHen Fragen zu studieren. Ich tobe auch noch keine heuen Pläne zur Durchführung öffentlicher Arbeiten. Bs , sind k e i n.e , ü b. erhaschende n A e n d e j u n.% e n in der Landesverwaltung zu erwarten;, unser« Politik wird, bedächtige Wege gehen. ... Die zionistischen Bodeninvestitionen. Wie aus. Jerusalem mitgeteilt wfad, hat die zionistische Organisation bis zum Oktober 1927 insgewnit Pf.'St. 841.966 In der BWenbesledlung iwvesticrt. Zur Konspildierung der vierzig bestehenden zionistischen Koton'en Ist-eine weitere halbe lÄillion Pfund notwendig. ' Die Delliner-Seideniabrik wird in Betrieb gebracht. -Di« vom Wiener Industrien Del*in et in T^l AwJw vor einiürefl Jahre» begründete S^idenf^hrik, - d*e vor einig«r Zeit! iWren Betrieb et»ge»teilt hat, i«t von einer von Her.rn Nasatlssiii geführten Londoner G tum* käu-filch erwort>en worden und. wixd dmfl&teA1 ■Wieder in BettrJ^b gesetzt wtrde4i. Per Hafen von Haifa. Im Unterhaus riehfcete Coionel W e d « o-^d dw feiaat^seJkfft4r:tt*M$ |£0l9iiiet| ■ 4|e' "Fj"a«iivoib- AJbschhiß der Arbedtsvertrage mit Bezu& auf den BaHaer Hafenbau darauf seto wolie, daß solche Löhne festgesetzt Wenden, die europäischen Juden eine entsprechende Le- 'benehaitung verbürgew oder ob der Import von Arbeitern au« Aegypten oder au« anderen Gebüeten erwogen werde. Untenstaatssekretär O r u> e b y - G-o r * erwiderte: die zur Einreichumg von Angeboten eingeladenen Firmen tyerden dabin informiert werden, daß faire Arbelitstoietdtn- ^ungen zu bieten seien. Goloneil H ow a r d Ö« r yc Wenden, auch A r-a^e-r ibefrn Ha,fein)bau beschäftigt seht txier wenden nw europäV seine Arbeiter herangezogen werden? Onnsiby-iGofe: Sowohl Araber wie Juden und E»romäe«r werden beim Hafenbau Beschäftigung finden. Die Priigcjfetr^fe in Palästina- WUeder eine Uirterhawsdebatte, Miß Susan La wrence (Arfbelteripartef) toraebte m der letssten Sitzung des Unterhauses die Frage der Prügel* strafe in den PaJästtna^än^ntesen nochmals zur Sprache tnid ersuchte den iKoioniemminister, Araery, dfc Verittgwnfir zu treffen, daß die Prügelstrafe in, Palästina nach dem gtetcheii Re»giement wie ki »Bugldmi votllzogen wende, nämlich nach vorheriger anztUober Untersuchung: des. Häftäugs und Unteröreibunig des Urteüs dem Innenministerium. Bs »ei unerhört, daß Häftlinge in Palästina dfei Tage, 'nachdem sie 4n den Hungerstreik getreten waren, ^etprägelt wenden «Ind. Kolonjernnhrtster iAmery erwiderte, er sei bereit, »ich mit dem Hitifh Con«rrfssioner in Venbmduu« setzen und mit ihm gemeinsam m erwägen, ob der Votteug der PrÄgetetrafe den in En#and bestellenden VonaehrMten angepaßt 'werden soMe. Die Prtis«l8trafe. Der Qbefkonwhjsair Lord Piuwerhat eine Verordtm« herausgegeben» wowksI} die Pr.ügefetTafe Mr WlderiSB^üchlteitew der Häftling* im Jeru^aleiner Zeutralgefängtns ktrrrftigibm m jedem einseinen Falle nur mit Zustimmung des Chef seikretärs der Rexierung .voHmbwi diürit.

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