Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 46 (3.8.1928)
- Date
- 1928-08-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 46 DIE NEUE WELT Seite 5 1000Dollar liglg «I — Einundvierzig gegen vier. —y. Mit 41 gegen 4 Stimmen hat Weizraann gesiegt. Das zionistische Aktionskomitee hat die Resolution angenommen, die von der Exekutive, d. i. von Weizmann akzeptiert worden war, also als Vertrauensvotum betrachtet werden darf. Als die Annahme der Resolution enunziert wurde, herrschte — so verkündet der offizielle Bericht — gehobene Stimmung. Es war Freitag Abend und die Misrachi-Vertreter standen mit der Uhr in der Hand an der Türe. Die anderen Angehörigen der Mehrheit gratulierten Weizmann. Wozu wurde eigentlich gratuliert? Und weshalb erst jetzt? Dieser Sieg war voraus zu berechnen und die fast acht Tage lang währenden Verhandlungen hatten nur den Wert des Gustierens. Eine Nervenerregung, in der man weiß, daß ja doch schließlich das Gewünschte kommen wird, weil es kommen muß. Aber wozu wurde gratuliert? Ist diese Abstimmung ein Sieg des Zionismus? Der Bericht der M e 1 c h e 11 - K o m mi s si o n ist zur Kenntnis genommen worden. Es ist ja kein Bericht, sondern ein Diktat einer Gruppe, die sich im Besitze ihrer vollen Brieftasche weiß und die diese Wissenschaft als ausreichende Legitimation für den Eintritt in die Jewish Agency, das ist die vom Völkerbund anerkannte jüdische Körperschaft, mitbringt, die beim Aufbau der Heimstätte mit Rat und Tat zur Hand sein soll. Mehr als diese Wissenschaft bringt diese Gruppe nicht mit. Denn Herr Warburg, dem ein Journalist die Geldfrage stellte, zog die Brauen hoch und sagte: „I n, d i e s e m Jahre müssen die Zionisten ihre Kampagne noch fortsetze n." Nach den nächsten Jahren wollen wir nicht fragen. Es genügt, daß die zionistische Organisation jetzt in diesem Jahre, dem ersten nach der - großen schweren Krise, auf ihre eigenen Mittel und auf ihren eigenen Apparat angewiesen bleibt und daß sie über die Zukunft so gar nichts weiß. Sie hat sich damit abzufinden, daß sie das Recht der Erstgeburt verkauft, nein, verschenkt hat, aus ihrem eigenen freien Willen. Mit 41 gegen 4 Stimmen, wobei.die 41 dem Führer gratulierten. Diese 41 nun setzen sich in folgender Art zusammen; Da ist zunächst die Partei;der allgemeinen Zionisten; anderwärts würde man sie, die bürgerlichen nennen. Sie sind Majorität aus Prinzip. Treue, überzeugte, feste Gefolgschaft des; Führers, die berühmte kompakte Mehrheit," die jeder Führer hinter sich' weiß. Sie ist bei der Regierung, weil sie die Regierung nun einmal, für gescheiter und besser informiert ansieht. Von oben gesehen, ist's der Untertanenverstand, von unten der Glaube an das Amt, dem . Gott den Verstand schenkt. Aber er schenkt, lediglich den rage du nombre. Diese Mehrheit glaubt und; will glauben, weil sie sich davor fürchtet, ins Wanken zu kommen. Das ist so und das muß wahrscheinlich st» sein. Sie findet aber immer Anschluß, diesmal nach rechts und nach links. Da war der Misrachi,.dessen ..Kommandant noch drei Tage, vor der Sitzung alle Strafen des Himmels auf diesen Bericht der Londoner Kommission herabgeschworen hat. Voll heiligen. Eifers ging Misrachi nach Berlin, wie ein brüllender Löwe, und er wurde der Hirsch, der das Wasser sucht. Wahrscheinlich hat's ihm Weizmann gereicht. Und da waren die Poale Zion, die Klassenbewußten, proletarisch Entschlossenen, die den Kapitalismus hassen wie die Pest. Sie stellten sich neben den besagten Hirsch. Und da war noch die Hitachduth, die nationalen Sozialisten, die Partei der nationalen Ideologie, der hebräischen Kultur, die Partei, die der Staat ist; sie stellte sich neben die Poale Zion. Der König rief und alle, alle kamen! Denn er ist ja die Spitze ihrer Hierarchie und wenn der Herzog fällt, so fällt doch 'ganz bestimmt der Mantel. Wird der Bericht, will sagen das Diktat abgelehnt, so geht Weizmann — er hat es ja selbst angekündigt, dann' freilich wieder abgeschwächt — und wenn Weizmann geht, so ist die Gefahr, daß sie alle gehen müssen, die Mitglieder der Partei, denen der Zionismus im buchstäblichen Sinn des Wortes Lebensexistenz ist... Das ist die Majorität,, der-Weizman.n mit schärfster Klarheit gesagt hat und mit Recht hat sagen dürfen, d a ß e r d i e K n mpromisse auf sich nimmt, während die anderen die Reinheit ihrer Prinzipe wahren;'die er gefragt hat und mit Recht hat fragen dürfen, ob das Ideal bestünde, wenn er emen Scheck auf eine Million Pfund . auf den Tisch zu legen in der Lage wäre. Das sind die Parteien, die auf allen Kongressen mit dem Unfug ihrer Deklarationen ausrücken, die Exekutive verfluchen und dann für sie stimmen oder bei der Türe hinausgehen. * Die Frage der Erweiterung der Jewish Agency ist mit dieser Abstimmung noch nicht in letzter Instanz entschieden. Es ist noch der Kongreß da, die höchste Stelle der Zionistischen Organisation und ihre Autorität, solange noch den Zionisten Einfluß auf das Palästinawerk zusteht und solange noch die Agency mit der zionistischen Exekutive identisch ist. Dem Kongreß wird nochmals die Frage vorgelegt, ob er an die 30 Jahre politischen Zionismus eine Absage richten soll, ob der Aufbau Palästinas zu einem national und sozial freiheitlichen jüdischen Land beendet und durch eine Plantagenwirtschaft abgelöst werden soll. Und die zweite Frage ist die, ob der Zionismus in Hinkunft die Kraft besitzen wird, den inneren Kampf um die nationale Regeneration, um das Minoritätsrecht und um die politische Nationalisierung der jüdischen Volksinstitutionen zu führen. Kommt die Erweiterung der Agency in der in Berlin fast schon beschlossenen Form zustande, dann wird ein Rat errichtet, in dem die Zionisten nur die Hälfte sind und in dem die schwerwiegenden Beschlüsse über die Entwicklung des Volkes gefaßt werden. Es wird nicht mehr die Sache eines zur Staatsgründung entschlossenen Volkes beraten werden, sondern die Ich erlaube mir dem P.T.Publikum zur Kenntnis zu bringen, daß ich ab 1. Juli 1928 eine streng ntfiO SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., KlosterneuburgerstraBe 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwürden des Rabbiners M. Mayersohn .viaKD-ry imis? Tmo QDTDon |iNjn nw nrwn nnn iym r.o |V?b mjn yd« ,$"wbv ]rmvm -pnd neu eröffnet habe —Täglicti fiiscne und e.stklassige Spezial- Erzeugnisse feinster Wuistu. Selchwaren. — Provinzversand WILHELM PETYAN, SELCHWAREN-FÄBR3K Wien, XX., KlosterneuburgerstraBe 60 Telephon A-43-1-59 ■wimmmmmmm^ Sicherung einer Rentabilität, in der ausschließlich die wirtschaftlichen Momente , bestimmend sind. Der Nationalfonds, der den großen Gedanken des mosaischen Sozialismus verwirklicht, ist in der Gefahr, depossediert zu werden. Das ist das hervorstechendste Moment. Daneben ist, wie dies die Resolution selbst besagt, der Grundsatz der jüdischen, Arbeit, der Wahl der Siedlungsform und der], unbedingten freien Einwanderung in Frage gestellt. Interessanterweise fehlt jeder Hinweis auf die für die Entwicklung der Gallith " entstehenden Verhältnisse. Wenn einmal diese Agency gebildet sein wird, dann hat der Kongreß nur mehr beratendes Votum und es ist sogar gemäß der Schekelverfassung möglich, daß die nichtzionistische Hälfte einfach durch Schekelkauf sich die Mandate schafft, die zur Majorisierung des Kongresses notwendig sind. Ueber dieses Moment gibt sich gegenwärtig niemand Rechenschaft und man wird wohl auch in der Zukunft Schekalim und damit das Wahlrecht verkaufen. Jetzt ist noch Zeit, einen Widerstand vorzubereiten und den Kongreß, den zionistischen Kongreß, zu sichern. Das dreijährige Provisorium für die Agency kommt in der Resolution nicht vor, da die Herren von der nichtzionistischen Gruppe nicht einmal die Bewährungsfrist konzedieren wollen. Sie wollen die Macht, die ihnen entgegenger tragen wird, sie wollen sie unbedingt, voraussetzungslos und möglichst billig. Das ist ihnen mit 4i gegen 4 Stimmen zugestanden worden. Die Zionisten-Revisionisteiv; Vom 21. bis 26. Juli fand in Berlin eine Tagung des Zentralkomitees der Weltunion der Zionisten-ReyisiQ* nisten statt, an der außer den Mitgliedern des Präsidiums (Vladimir Jako tinsky, Meir Groß mann, Richard Li c Ji täi ei m) Z. IC-Mitglieder und Gäste aus Palästina^ Deutschland, England, Oesterreich und der Tschechoslowaiikei teilnahmen. In einer Reihe von Sitzungen nahm die Konferenz Stellung zu der aktuellen Lage im Zionismus unter besonderer Berücksichtigung der Vorgänge Im A. C. - Die Konferenz hat beschlossen, , in London eine polltische Kommission zu schaffen« welche die Resolutionen der 1. und 2. Weltkonferenz/ .über die politische Tätigkeit der Union zur Durchführung bringen' soll. Dabei hat die Tagung die Beschlüsse der IL Weltm. MM Herzog WIEN iiW#»\8J&«a. Telephon 79-4-90 i Sprechapparate jeder Art, sowie sämtliche JUdlicheit; : und hebräischen Schallplatten in reichster Aus- : , wähl stets auf Lager PRQVINZVERSAND! PROVINZVERSANO! IIWIMIIIIMHMMIWMWIMIHIHimillllMIIIW konferenz, daß diese Tätigkeit unter Wahrung der foerecb«! tigten außenpolitischen Prärogativen der zionistischen Exekutive zu erfolgen habe, dahingehend interpretiert, daß die exekutiven Organe der Revisionistischen Union die Ein-* reichung von direkten politischen Anträgen an die Organe der Regierungen umd des Völkerbundes zu vermeiden halben. Gleichzeitig hat die Konferenz beschlossen, in London ein ständiges Büro der palestinensischen Rechtsschutzgesellschaft, „Sechuthenu". zu gründen. In der 'Frage des Parlamentes für Palästina wurde die folgende Resolution einstimmig angenommen: „Trotz aller beschwichtigenden Versicherungen betrachtet die Konferenz die Gefahr, in Palästina unter dem Deckmantel einer Vertretungskörperschaft ein mächtiges Instrument für antizionistische Obstruktion zu schaffen, als aktuell und beauftragt die Leitung, auf der Wache zu stehen und nötigenfalls die entsprechenden Schritte einzuleiten." Die Komferenz hat ferner den Antrag des Parise* Zentralkomitees auf Schaffung eines S p o r t f o n d s „T e I Chaj" angenommen, der für die notwendige Ausbildung sportlicher Instnuktoren gedacht ist. Die III. Weltkonferenz der Union findet nach einem Beschluß dieser Tagung im Dezember. 1928 in Berlin oder Wien statt. Die arabische Exekutive. Die palästinensisch-arabisohe Exekutive hat der . Regierung Palästinas ein Memorandum unterbreitet, in welchem eine Reihe Sparmaßnahmen in Anbetracht des Defizites im Landeshaushalt vorgeschlagen wird. Die arabische Exekutive fordert die Einschränikung der transjordanischen Grenztruppe, eine Verminderung des Staates der Regierungsbeamten, eine Kürzung der Beamtengehälter, eine Einschränkung der den jüdischen und fremdsprachigen Schulen gewährten Subventionen und die Entlassung aller Beamten, die nicht Palästinenser sind, wobei mit Experten eine Ausnahme gemacht werden soll, schließlich eine Erhöhung der Steuer für ausländische Handelsgesellschaften und für Luxuswaren. Diese Maßnahmen, heißt es in dem Memorandum, werden die Regierung in die Lage versetzen, ihr Budget zubalancieren. Wie die arabische Presse mitteilt, beträgt die Ge- . samtzahl der Beamten in Palästina 2143; die Summe der' Gehälter, die diesen Beamten jährlich gezahlt werden, ist Pf. St 724.640 ihocji. Britische Beamte gibt es 538, ihre Gehälter belaufen sich auf Pf. St. 421.510; die 526 jüdisch e n Beamten beziehen an Gehältern insgesamt Pf. St. 92.620; die 1079 arabischen Beamten beziehen insgesamt Pf. St. 210.510. Das Defizit im Landeshiaushalt für das am 21. März d. J. abgeschlossene Budgetjahr betrug Pf. St. 343.033. Eine von der Regierung eingesetzte Sparkommission empfahl eine Reihe von Maßnahmen, die den Ausgaben-Etat um Pf. St. 150.000 vermindern sollten, sowie eine Steuererhöhung, die ein Plus von Pf. 'St 150.000 erbringen würde. _ Jubiläum des „Nowy Dziennik". Vor einigen Tagen beging die in Krakau in polnischer Sprache erscheinende Tageszeitung ,,Nowy Dziennik" ihr zehnjähriges Jubiläum. . Das Blatt ist im Jahre 1918 gegründet und bis nach dem Zusammenbruch Oesterreichs in Mährisch-Ostrau gedruckt worden* Es war die Zeit, in der es mit dem Zionismus aufwärts ging. Nachher, nach dem Lemberger Pogrom, entstand die „Chwila" in Lemberg, einige Zeit später die „Wiener Morgenzeitung" in Wien. Der ,,Nowy Dziennik" hatte es nicht leicht. In::Westgalizien, für das er hauptsächlich bestimmt war, gab es bis dahin keine nennenswerte zionistische Presse und es war auch hier die zionistische Organisation nicht so. stark und nicht so entwickelt wie im östlichen Teile Galiziens. Mit der Leitung des Blattes wurde Dr. Wilhelm Berkelhammer, der auch derzeit dessen Chefredakteur ist betraut Die Zeitung traf das Richtige. Sie diente treu jüdischen und menschlichen Interessen, dem nationalen Gedenken und der Demokratie. Der „Nowy Dtzjennik" förderte die Aussprache zwischen Juden und Polen. Er verstand es auch, in vielen Fragen sich objektiv zu halten und sich zu hüten, ein Blatt zu werden, das Personen dient. Der Fortschritt des Zionismus in Westgaliaien ist sein Werk. Die Wahlen in Transjordanien. Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Das besetz über die Wahlen zum Parlament des als selbständiger Staat anerkannten Emirats Transjordianien Ist veröffentlicht worden. Danach ist jeder' transjordanische Staatsbürger mit Ausnaihine der Beduinen (die den größten Teil der Bevölkerung bilden) vom 18. Lebensjahr ab wahlberechtigt und vom 30. Jahr ab wählbar. Je 200 Urwähler wählen einen Wahtoann, die Wahlrcamter wählen die Abgeordneten. Das Parlament besteht aus dreizehn gewähl tenAbgeordneten, davon zehn Mohammedaner und drei Ghristen. Da-zu kommen noch zwei Vertreter der Beduinen des Nordens und des Südens, die von einem von dem Emir eingesetzten Wahlkomitee ernannt werden,